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Anrts- und Anzeigeblutt föt den Ureis Gietzen.
Hratisbeitage: Gießener Jamilienbtätter
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I ■nahmt vo» Anzeigen zu der Nachmittags für bat I Wrbtn Tag erscheinmdm Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
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Mittwoch de» 3. Juni
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k'llltv, 1. Juni. Die Reich Sb oten sind heute DienS- tag: , not Ablauf ihrer diesmal ziemlich knapp bemessenen Pfiüqflsvrten nochmals zu ihrer gesetzgeberischen Arbeit zurück- get'itfn. Der Fall, daß eine ReichStagSsessioo selbst noch ibuitiai liebliche Pfingstfest hinaus dauerte, steht in den Awlmleir der deutschen Volksvertretung gerade nicht häufig da v; tieUmal allerdings war diese Verlängerung eine Roth- tr: nliglelt, wenn nicht eine Reihe wichtiger gesetzgeberischer RiUfflibei: scheitern oder wenigstens, was ihre endgtltige Er- ico rigcng anbelangt — auf die lange Bank geschoben werden sollte. Vor Allem war für die Wetterführung der Session die ! ülU'ficht auf baß Bürgerliche Gesetzbuch maßgebend, «re iljti hochwichtige Reformwerk nach dem bestimmten Wunsche der: mbUndeten Regierungen noch durchaus in dem nach- , । in|9Ii(iicn SesfionSabschnitte zur Verabschiedung gelangen soll'.I, ma welcher Absicht sich auch der Reichstag nach an- säavjtzitaA Widerstreben einverstanden erklärt hat. Nach den InS'llliag getroffenen geschäftlichen Dispositionen wird gehofft, Plenum noch in der ersten Julihälfte in die dritte a iug lotß Bürgerlichen Gesetzbuches eintreten kann, die t ,'HI einige Sitzungen dauern würde. Ob diese DiS- pofjjbbnin jedoch auch wirklich innegehalten werden, das hängt -locäigac^ von den Umständen ab, hauptsächlich davon, ob sich,; in Reichstag in seiner nachpfingftltchen Tagung wenigstens ein ichnomßen besetzt zeigen wird.
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W. 128 Zweites Blatt
Rechtsanwalt zur Sette steht, großen Segen gestistet hat- indem dadurch nicht nur den mit den Gesetzen völlig unbekannten Frauen der niederen Stände Rath und, soweit eS möglich ist, Hülfe in Rechtsfragen zu Thetl wird, sondern auch ein Schatz von Erfahrungen gesammelt und eine Fühlung zwischen den verschiedenen Volksschichten herbeizesührt wird, die für die sociale Arbeit von großem Werthe sind!
An dem zweiten öffentlichen Abend sprach zuerst Frau Minna Cauer, Berlin, über Organisationen von Hülss- vereinen für weibliche Angestellte und zeigte, wie für die wirthschaftlich Schwachen das einzige Heil in der Organisation liegt: „Für die Angestellten, durch die Angestellten"; ein Princip, daS, wie die Rednerin in anschaulicher, von reicher Erfahrung zeugender Weise schilderte, ausgezeichnete Früchte getragen hat. Die zweite Rednerin, Jeanette Schwerin, Berlin, behandelte daS Thema: „Die Strikebewegung in der Confectionsbranche mit Bezug auf Hausindustrie und weibliche Fabriktnspectiou." Nach einem kurzen Rückblick über die Geschichte der StrikeS schilderte Frau Schwerin die furchtbaren Zustände in der genannten Branche, nannte die Vorschläge, die zu einer Verbefferung der Lage dieser Arbeiter gemacht sind, und empfahl dringend für den großen Procentsatz der Arbeiterinnen weibliche Fabrikinspectorinnen, weil die Frau weit bester als der Mann geeignet ist, die Frau zu verstehen und deren Leistungsfähigkeit zu beurtheilen. Den Schluß bildete der Vortrag von Fräulein Helene Lange, Berlin, über Frauenbildung. Rednerin besprach daS schon so vielsach behandelte Thema vorzugsweise vom socialen Gesichtspunkt. Mit starker Objectivität unterschied Fräulein Lange die verschiedenen Fähigkeiten und Bedürfnisse der beiden Geschlechter und betonte die Nothwendigkeit einer ernsten, wissenschaftlichen Erziehung der Frau. Aber sie verlangte diese Bildung nicht sowohl, um aus dem Gebiet der Wistenschaft und Kunst tn den höchsten Leistungen mit dem Manne zu wetteifern, sondern vielmehr um tüchtig zu werden, ihren hohen Beruf in der socialen Arbeit der Gegenwart in vollem Maße zu erfüllen.
Am Vormittag deS 28. Mat wurde noch einmal Be- rathung darüber gepflogen, welche Schritte von Seiten der Fxauen in Sachen des bürgerlichen Gesetzbuches zu geschehen hatten. Außer einer Massenagitation gegen die betreffenden Gesetzesparagraphen wurde der Beschluß gefaßt, einen Protest gegen die Behandlung der Sache an die ReichStagScommission für den Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches zu richten, der im Wortlaute folgt:
Der Bund deutscher Frauenvereine sieht sich gedrängt, dem Gesühl einer tiefen Enttäuschung Ausdruck zu geben, welches die deutschen Frauen angesichts der unzulänglichen Resultate der Commisfionsberathungen, betreffend daS Famtlienrecht im Entwurf eines Bürgerlichen Gesetzbuches, erfüllt. Nachdem daS Interesse, welches daS ganze Volk an einer zeitgemäßeren, den modernen Gesetzgebungen anderer Culturvölker entsprechenden Normirung dieser Materie unverkennbar bekundet hat, im Plenum deS Reichstags von den verschiedenen Parteien so verständnißvolle Würdigung gesunden hat, nachdem so hervorragende Männer und geistige Führer unseres Volkes für unsere gerechten Forderungen eingetreten sind, glaubten wir in den Be- rathungen der Commissionen auf mehr Berücksichtigung und Entgegenkommen rechnen zu dürfen. Mit um so größerem Bedauern mußten wir daS Gegentheil constatiren.
Im Namen unseres Geschlechts protestiren wir nach- drückltch gegen die Geringschätzung, die in dieser Nicht- beachtung der einfachen Forderungen der Gerechtigkeit liegt, für die wir in unserer Petition eingetreien find, und sprechen die Zuverficht auS, daß sich die deutschen Frauen in allen Theilen deS Vaterlandes diesem Protest anschließen werden. ES gilt nicht nur das Jntereste der Frauen, sondern daß der Familie und damit der Gesummt- heil des deutschen Volkes. ES gilt den anderen Nationen gegenüber, die längst eine Hebung der Stellung der Frau einer Hebung der Cultur überhaupt gleichachten, unsere nationale Ehre!
, Der Vorstand deutscher Frauenvereine.
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Senerat-Anzeiger.
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D. kBerSrod, 1. Juni. Am 12. Juli d. IS. gedenkt 5er: tftfae Krieger-Verein „Ernst Ludwig zur «Lr iituc'’ seine von den Frauen und Jungfrauen gestiftete veua^tinc einzuwethen. DaS diesjährige Hassia-BezirkSfest beß! EMS Gießen ist auf dem letzten Bezirkstag auch hierher Derhiqt Buorben und somit dieses Fest mit unserer Fahnen- wei ähr oaibunbcn. Der Verein ist jetzt schon rührig, um d'.-s «i Kifft für alle, hiermit schon sreunblichst eingelabenen Rri 3|tr Vereine unb Gäste so angenehm unb schön alS möglich zu gckl en. ES ist bieS baß erste öffentliche Fest, welches Btehtob 'feiert.
n. Friedberg, 30. Mai. Heute würbe hier im Saale bei« Wlzer Hofes die Generalversammlung beS aiMilrtrthschaf tlichen Bezirks für den Kreis FrMbttrg abgehalten. Der Vorsitzende, Herr Geheimer Reg^kuojgSrath vr. Braden, eröffnete dieselbe, indem er die Ers'chlnemen begrüßte und dafür dankte, daß sie sich in so ibetatK- großer Zahl eingesunden hatten. Der Dirigent der AckirÄrmchule, Herr vr. v. Peter, verlas dann den umfang- reiciihyv Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit deS Vereins im iiHmifencn Jahre, aus welchem hervorging, daß jene teldstW mit Erfolg gekrönt war. Bon der Gerstenausstellung in hötlici kamen hervorragende Preise in den Kreis,' ebenso vorn Itr Ausstellung in Gießen, für deren Beschickung der Bevksveawa 600 Mk. aufwandte, während über 1000 Mk. an iifaxten an die Mitglieder vertheilt wurden. Bon den Ctefäm.npretten in Gießen fielen auf den Kreis Friedberg für 1 imLvieh 8 pCt., für Pferde 30pCt., für Schweine V3W, für Feldproducte 53pCt. Diese Erfolge zeigen die rrotKüiLigkeit eines FachveretnS, bei dem aber leider die betten immer noch zu schwach vertreten ist. Der Verein f .mm fconft eine noch viel umfangreichere Thätigkeit zum RuM bitr Landwirthschaft entwickeln. ES wurden im Ganzen zwöErrsarnrnlungen in den einzelnen Sectionen gehalten. Die lr vi verlesene Rechnung für 1895/96 weist einen Ueber- id)u-iiä::in 2770.44 Mk. auf. Der Voranschlag für 1896/97 «ur:Ü! mit 5225.44 Mk. in Einnahme unb Ausgabe ge- nehr»! Zum Voranschlag bemerkt Herr Gras Oriola, baß ii tfjn ber Staat werde den Beitrag für Viehzucht erhöhen, «r ::ft!Lnlich wünsche bann, baß hauptsächlich auch ber IiegfflMt etwas mehr Rechnung getragen werde. Die te^iiit,, da sie gänzlich frei von Tuberkeln ist, von eminenter Beding für die Gesunderhaltung der ärmeren Leute, die IC och 'II engen ungesunden Wohnungen hausten und darum gesuMii Nahrungsmittel wie der Ziegenmilch besonders bedürf Der Vorsitzende erklärte, daß der Verein sehr gerne barcovr chtngehen werde. Nunmehr redete Herr Graf Oriola noHq hi Verstaatlichung der Versuchsstation das Wort, worauf Herrnüm-dwirthschaftslehrer vr. v. Peter einen sehr ein- gehem!!i Vortrag über die Pflege der Wiesen, besonders der GewiLierwiesen, hielt. Dem Vorschlag, ein Reglement für AuSMmiug der Herbstzeitlose von Polizei wegen zu erlaffen, wur^iiüst widersprochen. Die sämmtlichen nun stattfindenden Wahicklc, Borstandswahl des Vereins, ber Mitglieder zum ProwhiiLauSschuß und der SectionSvorstände wurden durch Accli-«Mn vollzogen und ergaben keine Veränderung.
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n. Nieder Mockstadt, 30. Mai. In der Nähe der Stelle, an welcher vor einigen Wochen ein Knecht beim Steinfahreu todtgefahren wurde, verunglückte heute ein Fuhrmann von Staden bet derselben Beschäftigung dadurch, daß ihm ein Pferd so heftig an den Kopf schlug, daß er bewußtlos vom Platze getragen werden mußte. Dem Arzt gelang eS nach längeren Bemühungen, den Getroffenen zum Bewußtsein zurückzurufen. Die tiefklaffende Stirnwunde wurde vernäht. Lebensgefährlich scheint die Verwundung nicht zu sein.
Bericht über die zweite Generalversammlung des Bundes deutscher Frauenvereine.
Vom 25. bis 28. Mai hielt der Bund deutscher Frauenvereine auf Einladung des Frauenbildungsvereins in Caffel dort seine zweite Generalversammlung ab. ES waren 75 Mitgliedsvereine durch ihre Delegirten vertreten, und ihre Zahl wurde noch durch eine Reihe auswärtiger Gäste verstärkt, die das Jntereffe an der Sache hergesührt hatte. Der Empfang der Delegirten fand im Hause deS FrauenbtldungSvereinS statt, besten Vorsitzende, Fräulein Auguste Förster, die Gäste herzlich willkommen hieß. Ihr folgte, in Abwesenheit des Oberbürgermeisters, SanitätS- rath vr. Endemann, der dem Antheil der Stadt an der Arbeit der Frauen beredten Ausdruck gab. Die Vorsitzende deS Bundes, Fräulein Auguste Schmidt, Leipzig, sprach sodann in der ihr eigenen warmen und feinsinnigen Weise den Dank ber Geladenen auS.
Am 26. Mai Vormittags begannen die Sitzungen der Delegirten zunächst mit Berathungen über verschiedene Anträge, die eine lebhafte Debatte hervorrtefen. Frau Hanna Bieber-Böhm, Berlin, berichtete über die Stimmen für und gegen die Sittlichkeitspetition, in welcher Sache sie so aufopfernd und umsaffend gearbeitet hat, und die Versammlung dankte der Rednerin durch Erheben von den Sitzen für ihre mühevolle Thätigkeit. Gleichzeitig kam eine von Frau Bieber-Böhm verfaßte Broschüre: „Vorschläge zur Bekämpsunp der Prostitution" zur Vertheilung. Am Nachmittag berichtete Fraulein Ottilie Hoffmann über die Mäßigkeitsbewegung. AuS der Debatte über die zur Generalversammlung eingegangenen Anträge ergaben sich folgende positive Resultate: 1. Der Vorstand wird von 9 auf 11 Personen erweitert. ES treten in den Vorstand ein Frau ©tritt, Dresden, Frau Schwerin, Berlin. 2. Alle Mitglieder des Vorstandes sind nach abgelaufener Wahlperiode wieder wählbar. 3. Die Generalversammlungen des Bundes finden in Zukunft zu Michaelis statt. 4. Die im Auftrag des Bundes arbeitenden Commisfionen dürfen fich zur Förderung ihrer Arbeit mit Einzelvereinen oder Vereins- gruppen in Verbindung setzen. 5. ES werden zu den vier bestehenden Commissionen (für Fabrikinspectorinnen, die Sittlichkeitsfrage, die MäßigkeitSfrage und RechtScommifston) noch zwei neue eingesetzt und zwar: a. für Erziehungsfragen- b. für die Untersuchung der socialen Lage der HandlungS- gehilfinnen. 6. ES soll bei den Regierungen auf eine Regelung der Stellung Fröbel'scher Erziehungsanstalten hingewirkt werden. 7. Die einzelnen Commissionen werden ihre Arbeiten fortführen und eS werden verschiedene Petitionen und Resolutionen beschlosten.
In der ersten öffentlichen Versammlung am Abend deS 26. Mai sprachen zunächst die beiden hochangesehenen Leipziger Vertreterinnen deS Allgemeinen deutschen FrauenbildungS- Vereins, Fräulein A u g u st e Schmidt und Frau Henriette Goldschmidt. Erstere gab in knapper Darstellung eine kurze Uebersicht über Zweck und Thätigkeit deS Bundes deutscher Frauenveretne, zu dessen Gründung — Ostern 1894 — die Anregung auf der Weltausstellung in Chicago durch den großartigen Zusammenschluß der amerikanischen Frauen- vereine gegeben wurde. Nachdem Rednerin ein fesselndes Bild von der Entwickelung der Frauenvereine in ihren kleinen Anfängen gegeben hatte, beleuchtete sie den Zweck des Bundes: Den Einzelinteressen der Localvereine große Gesichtspunkte für die Allgemeinheit gegenüber zu stellen, um in den Frauen die Erkenntniß zu wecken, daß für sie die Zeit gekommen sei, an den socialen Ausgaben der Nation rhätigen Antheil zu nehmen. Frau vr. Goldschmidt, Leipzig, sprach da- nach über „Ausgangs- und Zielpunk e der Frauenbewegung", indem sie an der Hand historischer Thatsachen daS Bestreben der Frauen, fich ber Fesseln zu entlebigen, bie fie in ber freien Entfaltung ihrer Fähigkeiten hemmen, bis auf unsere Zeit schilberte und eine Fülle interessanter Daten bot. Den Schluß beS Abenbs bilbete ber Vortng von Frau Marie Stritt, Dresden, über den Rechtsschutzverein für Frauen in Dresden, eine Einrichtung, die Daik der umsichtigen und unermüdlichen Arbeit der beteiligten Damen, denen ein


