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Der fUfener A«relger erfcheint täglich, »U Ausnahme deS Montag».
Die Gießener
P«»tlte»ölälter »erben dem Anzeiger »Zchentlich dreimal beigelegt.
Erstes Blatt. Dienstag den 3. März
Wchmer Anzeiger
Kemrat-Ftnzeiger.
1896
Vierteljähriger 'X A^onncmentspnUl 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, LxpeditisO und Druckerei:
Kchutstrahe Kr.F, Fernsprecher 51.
Aints- und Airzeigebltttt für den Tiveis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den t<l Ai*f IVtrtO» fifrt'Hor atIe «nnoncen-Bureaux deS In» und Auslande» nehme»
(•(genben Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. I Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Hmtiid?€r Theil.
Bekanntmachung, betreffend Ausbruch der Räude unter der Schafheerde zu Hungen.
Nachdem unter der Schafheerde von Hungen die Räude festgestellt ist, haben wir fo lauge Staüsperre für die Heerde dersägt, bis die Witterung die Anweisung eines bestimmten Weideplatzes für dieselbe erlaubt.
Außerdem ist bis auf Weiteres die Ausführung von Echafeu aus der Gemarkung Hungen nur zum Zwecke fo« fertiger Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal beson- terS eiozuholenden polizeilichen Erlaubniß zulässig.
Gießen, den 29. Februar 1896.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Deutscher Reich.
Berlin, 29. Februar. Der Kaiser nahm heute Vor« »ittag im ReichSkanzler«PalaiS einen längeren Vortrag des Reichskanzlers entgegen.
Berlin, 29. Februar. Dem Kaiser ist aus der Mitte LeS BoerenvolkeS ein nachträgliches Glückwunsch« Telegramm zu seinem Geburtstage zugegangen. Daffelbe spricht neben Segenswünschen für den Kaiser den Wunsch auS, H die Freundschaftsbande zwischen Deutschland und der Eildo-srikantschen Republik nie zerreißen, sondern immer fester Verden möchten.
— Im Befinden des regierenden Fürsten von Neuß ä. L., welcher vor einiger Zeit an Kopsrose erkrankte, ßst tu den letzten Tagen eine Verschlimmerung eingetreten; Jtoel Leipziger medtciuische Autoritäten find an daS Kranken- des Fürsten berufen worden.
— Generalfeldmarsch all Prinz Georg von Sachsen, commandirender General deS 12. ArmercorpS, Bruder des Königs Albert, blickt an diesem Mittwoch, den il.März, auf eine 50jährige militärische Dienstzeit yttütf; vor 50 Jahren trat der hohe Herr an genanntem Tage in daS damalige 3. Sächsische Linien-Jnfanterie-Regiment ■II Lieutenant ein. Prinz Georg nahm bekanntlich in auS« Mnender Weise am deutsch-französischen Kriege Theil, den rr zunächst als Commandeur der 23. Sächsischen Division, bann als Führer des gesammten 12. ArmeecorpS mitmachte;
jetzigen Kaiser wurde er zum Feldmarschall und zum Snieral-Jnspecteur der 2. Armee Jnspectton ernannt. Auf Wischl König AlbertS begeht die Sächsische Armee die osficielle Arter deS 50jährigen militärischen DtenstjubiläumS ihres h-aehrten CommandeurS am nächsten Sonntag. Hierbei wilden dem Prinz-Feldmarschall auch die Glückwünsche der s»itußifchen Armee dargebracht werden, durch die comman- senden Generale deS 5. und 6. ArmeecorpS, sowie durch i Ixe Deputation deS 16. Preußischen Ulanen-RegimentS, dessen Gfyf Prinz Georg bekanntlich ist.
Berlin, 29. Feoruar. Der Kaiser nahm heute Vor- Mlag im ReichSkanzler-PalaiS einen längeren Vortrag des WchSkanzlerS entgegen.
Berlin, 29. Februar. Der „ReichSanzeiger^ veröffentlicht tiit kaiserliche Verordnung und eine darauf bezügliche Verdung deS Reichskanzlers, betreffend die Gerichtsbarkeit leb en afrikanischen Schutzgebieten.
Berlin, 29. Februar. Der Zusammentritt des U «urschen Handels tag eS ist nunmehr auf den 10. März Mgesetzt.
Berlin, 29. Februar. Die gestrige Generalversammlung li«Mitglieder der christlich-socialen Partei beschloß, I hiilMitglieder aufzufordern, auS dem Berliner conservativen IILhlverein auSzurreten, und räth ihnen, auch aus allen fMschen Organisationen auszutreten, die sich mit der Lotung und den Bestrebungen der christlich-socialen Partei I d> Vßderspruch fetzen.
Berlin, 29. Februar. Der Berliner confervative Partei« will drückte gestern in einer Resolution fein Bedauern über Hai! AuSf chei den Stöckers auS dem ElferauSfchuß riÄ d'er conservativen Partei auS und würdigte dessen 93er» IMmfte besonders um die Berliner Bewegung. Er hofft, d lech d ie Trennung keine dauernde fein werde, erklärt aber flWierMtß, der deutfchconfervativen Partei unentwegt treu 8IÄd zu wollen. Er fetzt dabei voraus, daß sich die dicnWconservative Partei immer mehr als wahre Volks« p«trt erweisen und an dem Programm vom 8. Decmber 1892, inürsamdere aber auch an den auf die Soctalreform bezüg- l^vi Sätzen desselben unverbrüchlich festhalten werde.
Oestrich, 29. Februar. Der StaatSminister a. D. S t o s ch ist am Schlaganfalle gostorben.
Straßburg i. 8., 25. Februar. Die amtliche „Straßburger Correspondenz" schreibt: In einigen Zeitungen, neuerdings auch in der „Kölnischen Volkszeitung", wird die Behauptung verbreitet, daß der Katserpalast in Straßburg dem Lande viel gekostet habe und noch koste. Diese Behauptung ist unrichtig. Der Kaiserpalast in Straßburg ist vom Reiche gebaut worden. Er kostet dem Lande gar nichts.
Ausland.
Wien, 29. Februar. Ein heute Nacht in Wien und Umgegend wüthender Orkan richtete colossaleu Schaden an Häusern, Gärten und Feldern an.
Mährisch - Ostrau, 29. Februar. Der Stri k e nimmt noch immer an Ausdehnung zu. Es wird behauptet, daß, falls die preußischen Bergwerke Kohlen nach Oesterreich liefern sollten, sämmlliche Arbeiter des Kohlenreviers in Preußisch - Oberschlefien ebenfalls in den Strike eintreteu werden. Die Grubenbesitzer lehnen categorisch die Forderungen der Arbeiter, Lohnerhöhung und wöchentliche Auszahlung der Löhne, ab. Zu Ruhestörungen ist es bisher nicht gekommen.
Nerrefte
Wolffs telegraphische- Correspondenz-Bureau.
Berlin, 1. März. Die Morgenblätter melden: In Sachen der vorzeitigen Veröffentlichung des kaiserlichen Gnadenerlasses vom 18. Januar ist nunmehr gegen die Bucljbinder Hillat, Schunck und Jet sch e Anklage wegen Diebstahls, bezw. Hehlerei erhoben worden. Die Vertheidigung hat Rechtsanwalt Freudenthal übernommen.
Berlin, l.März. Der Landtagsabgeordnete vr. Brüel (Centrvm) ist gestern Abend gestorben.
Zürich, l.März. In der heute Nachmittag stattgehabteen Conserenz zwischen denDtrectoren und VerwaltungSrätheu der Nordvstbahn und dem Vertreter der Eisenbahn-Angestellten, Dr. Sourbeck, wurde eine Einigung erzielt. Der Strike findet also nicht statt.
Depesche« -,«4 Caiosa »Herold*.
Mährisch Ostrau, 1. März. Die Bemühungen der Bergbehörde, eine Verständigung zwischen den Strike n,d en und den Bergwerksdesttzern herbeizuführen, find bisher resultatlos geblieben. Die Bergwerksbefitzer weisen mit Schroffheit jede Concesfion zurück,- dagegen ließen die Arbeiter ihre Forderungen auf Enthebung gewisser Beamten von ihren Posten, sowie auf Lohnerhöhung fallen, bestehen jedoch ausdrücklich auf der Wiederaufnahme der entlassenen Arbeiter, sowie auf achttägiger Lohnauszahlung.
Paris, 1. März. Präsident Faure, der feine Reise nach dem Süden angetreten hat, decorirte aus dem Bahnhofe Laroche einen 104jährigen Ueberlebenden der großen Armee, Namens Bai llod, mit dem Orden der Ehrenlegion. Bcullod war nach der Schlacht von Waterloo wegen angeblich hochgradiger Schwindsucht heimgeschickt worden.
Brüssel, 1. März. Heute findet hier ein wichtiger Familienrath der Orleans statt. Prinz Heinrich von Orleans ist bereit- gestern aus Paris hier eingetroffen. Er wurde vom Herzog von Orleans empfangen.
WB. Helfiugfor-, 2. März. Am Sonntag früh fand auf der Bahnstation St. Andrexe in einem Eisenbahnwagen zweiter Klasse eine Explosion statt. Ein Wagen wurde vollständig zersplittert, zwei Personen getödtet, sieben verwundet. Man vermuthet, daß ein Passagier Dynamit bei sich hatte.
Schwurgericht.
W. Gießen, den 2. März 1896.
Heute Vormittag 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Herr LaudgerichtSrath Seeger, die erste diesjährige Schwur« gericht-tagung. Nach Erledigung der gesetzlichen Formalitäten und nach AuSloosung der Geschworenen wird in die Verhandlung gegen den am 23. Juni 1868 zu Paris geborenen Taglöhner Georg Bötz von Garbenteich wegen Mordversuchs eingetreten. Der Erste StaatSsnwalt Herr Dr. Güngerich vertritt die Staatsbehörde. Herr Justizrath Dr. Reatz erscheint sür den Angeklagten am Vertheidigertisch. Bötz war verheirathet, seine Frau ist gestorben, er soll ein Mensch sein, welcher der Arbeit in seinem Leben immer auS dem Wege gegangen ist, schlecht erzogen, hat er nicht- gelernt, so
ist er seit dem Tode seiner Ehefrau immer mehr zurückgekommen, so daß ihm sein Vater Wohnung geben und ihn ernähren mußte, obzwar der alte Mann selber mit sich zu thun hatte. Der Vater hatte auch die Schwachheit, dem sich nicht um Arbeit bemühenden Sohn ab und zu kleine Geldbeträge zu geben, die dieser in geistigen Getränken anlegte und so sich allmählich den Trunk angewöhnt haben soll.
Der Schwager des Angeklagten, welcher mit deffen Vater in einem Hause wohnte, war immer dagegen, daß dieser den Sohn ausgenommen hatte, weil er glaubte, daß nur die Noth den jungen Bötz veranlassen könne, sich nach Arbeit umzuthun. — Am Sylvester-Abend kam der Angeklagte um 11 Uhr nach Hause und verlangte von dem schon im Bette liegenden Vater 16 Pfg. zu zwei Kännchen SchnapS; dieser verweigerte zuerst den Betrag unter dem Hinweis, er ginge auch nicht in- WirthshauS, gab aber doch nach einigem Zureden dem Sohne das Geld, womit sich dieser in eine Wirthschaft begab und von dort erst um 3 Uhr nach Hause zurückkehrte. Obwohl er zu ebener Erde mit dem Vater zusammen in einem Zimmer schlief, begab sich Bötz eine Treppe hoch vor die Wohnung seines Onkels und Schwager-, klopfte dort und begehrte Einlaß, der ihm aber verweigert wurde unter dem Hinweis, er möge sich nach unten in fein Bett Gegeben; da erklärte der Angeklagte: „Morgen früh, wenn Ihr öffnet, werdet Ihr staunen und sehen, wa- Ihr noch nicht gesehen habt!"
Bötz hat sich darauf in die Kammer seines Vaters begeben, hell leuchtete der Vollmond durch die Fenster in den Raum. Lautlos begab sich der Angeklagte vor feine Lagerstätte, niederkniend — er zündete dabei Schwefelhölzer an — wählte er aus einer offen stehenden Kiste die stärkste Schnur aus, verfertigte daraus eine Schlinge und in dem Glauben, der alte Vater schlafe fest, legte er die Schnur um dessen Hals und war eben im Begriff, zuzuziehen, da Packte der entsetzte Vater den verbrecherischen Sohn und hinderte ihn so au der Vollendung seines scheußlichen Vorhabens. Der alte Mann hatte den Sohn kommen hören, dessen Treiben im Zimmer hatte in ihm Argwohn erweckt, er hatte sich schlafend gestellt, um zu beobachten, was es geben würde.
(Fortsetzung in nächster Nummer.)
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Gießen, 2. März 1896.
* * Von der Universität. Se. Kgl. Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht, am 26. Februar den Privatdozenten Dr. Wilhelm W etz zu Gießen zum außerordentlichen Profeffor bei der philosophischen Facultät der Landes Universität zu ernennen.
* * StadlerweilernugSplan. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde im nicht öffentlichen Theil der Stadterweiterungsplan in Berathung genommen. Sicherem Vernehmen nach wird hiernach das Gelände südwestlich der Stadt (früher Rabcnau'sche Besitzung) der Bebauung erschlossen werden.
* * Schliersee'rBauerntheater. Programmänderung. Vielseitigen Wünschen nachgebend, bei denen in erster Linie die Darsteller selbst betheiligt sind, wird am Freitag den 6. März (3. Abend) statt deS Schlagringes der Aus- gestoßene gegeben werden. So unangenehm sonst eine Programmänderung ist, so ist diesmal der Tausch ein vor- theilhaster, da der Aus gestoßene eines der wirkungsvollsten, ergreifendsten Volksstücke des berühmten Dichters B. Rauchenegger ist und von den Schliersee'rn mit besonderer Vorliebe und Hingebung gespielt wird. Wir können weiter bestimmt versichern, daß weitere Programmänderungen unter keiner Bedingung ftattfinden werden.
** Das Theater Walleuda auf OSwaldSgarten bildete gestern Nachmittag und Abend den Hauptanziehungspunkt. Beide erste Vorstellungen gingen bei ausverkauftem „Hause" vor sich. Dem Theater, deffen vorzügliche Leistungen bei der Gießener Einwohnerschaft noch von früheren Darstellungen her in bestem Andenken stehen, find eine Reihe neuer Specialitäten etngefügt, die wohlverdienten Beifall fanden. Neu sind z. B. die Leistungen der jungen Damen Anna und Annita als Deckenläuferinnen, das Auftreten des Krokodilmenschen Estrella, der Parterregymnastikertruppe William, der musikalischen Clowns Bibb und Bobb. DaS täglich wechselnde Programm bietet außerdem noch eine Anzahl hier noch nicht gesehener Leistungen.
** Turnerisches. Noch wehen die Frühlingslüfte nicht, und schon regt man sich in den Kreisen der Turnerschaft, um zu zeigen, daß die edle Turnerei den Winter über nicht vernachlässigt wurde. Gestern Mittag versammelten sich die Vertreter der zwei Bezirke vom Gau Hessen in der Turn-


