Ausgabe 
3.1.1896
 
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LierteljZhriger

Freitug den 3. Januar

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DK Gießener »«»tttenSkLIIer dem Anzeiger »Gchevtlich dreimal bdfltieflt

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Der

AKchemr Z«,etger «scheint täglich, mit Ausnahme deS Montag«.

Gießener Anzeiger

Gmerat-Wrzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den TLreis Giefzen

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kurzer Hand | Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Teilnahmean de^ , .. .. . linh ihrtr ptmaiaen An vrüche au.

2lmtlid?er Theil

wollen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

Die

Bekanntmachung,

December 1895.

schaftlich die Hand.

*

Hllsl VIS zu VWV --- 7 " ? ... £

Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche am Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden.

Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur: Zett abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- unb Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet.

Die Großherzoglichen Bürgermeistereien de« Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lasten.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bei folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr.

a» die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Unter Hinweis auf vorstehende Bekanntmachung benach­richtigen wir Sie, daß Ihnen eiu Exemplar der Unfaü- Herhütungsvorschriften mit einerAnleitung für erste Hülse-

betreffend die Maul- und Klauenseuche.

D e Maul-und Klauenseuche in der Gemarkung Nied er- Gemünden ist erloschen und die angeorduete Gehvst- und

Bemarkungssperre aufgehoben.

Gießen, den 31. December 1895.

Großherzogliches KreiSamt Gießen, v Gagern.

Eine Tage später wollte Ernest Nachmittags einen Be­such bet Cscile machen. Auf dem Hausflur trat ihm der alte Diener Morin entgegen und sagte:

Einen Augenblick, Monsieur!"

Nun, Alterchen? War «ollen Sie mir sagen?" frug Ernest.

*

Nach zwei Wochen waren die Armeen der großen Ration tnS Feld gezogen. Gewitterschwüle lastete über Parts.

Da brachte die falsche Siegeskunde von Saarbrücken

Gießen, den 3. Januar 1896.

Der Ctvilvorfitzende der Großherzogltchen Ersatz - Commission Gießen.

Dr. Meltor.

lrlstung bet Unjällen vor Ankunst deS Arztes" I zuqehen wird, welches Sie in Ihrem Amtslocal auShängen

Deutsche» Reich.

Berlin, 31. December. DieNordd. Allgem. Ztg." bestätigt, daß der bisherige UnterstaatSsecretär im Reichsamt des Innern, vr. v. Rottenburg, aus dem RetchSdienst ausscheiden wird.

Berlin, 31. December. Die vier Manner, die vor einigen Tagen die Prtngeilin Friedrich Leopold vom Tode des Ertrinkens erretteten, wurden am Sonntag naw den Schlöffe Glienicke besohlen, wo ihnen Hofmarschall Generalmajor von Nickisch-Rosenegk im Namen des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold dankte und jedem der Männer 2000 Mark als Geschenk überreichte. Zu- qletch wurde den Lebensrettern der Prinzessin mitg-.thetlt, daß sie sür die staatliche Rettungsmedaille vorgeschlagen worden seien. _ , , , , q. .. r.

Berlin, 31. December. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe gedenkt mit seiner Familie heute Abend aus Wien wieder hier einzutreffen.

Berlin, 31. December. Prozessor Dr. Behring, der Erfinder des Diphtherie-Heilserums und Ordinarius der medictvtscheu Facultät der Universität Marburg, hat den Titel Geheimer Medicinalrath erhalten.

Wie zu erwarten stand, ist der preußische Land­tag auf den 15. Januar zu seiner neuen Session einberufeu worden. Hiermit beginnt wieder die alte fatale Concurrenz zwischen dem Reichsparlamente und dem Landtage des füh- renoen BundeSstaat-S in die Erscheinung zu treten, die sich schon bislang so überaus störend geltend wachte. DteS wird auch jetzt wohl nicht anders werden, ein beträchtlicher Theil bc; preußischen Landboten gehört ja zugleich dem Reichstage an, welcher Umstand ersahrungsmäßig den Besuch der Reichs- tagSsitzungen zu beeinträchtigen pflegt. Der Reichstag war bereits in dem SessionSabschuitt vor Weihnachten meist nur sehr mäßig besetzt, nach dem Zusammentritte deS preußischen Landtages wird aber diese Besetzung vielleicht eine noch schwächere werden.

Alle Aunonccn.Bureaux bes In« unb AuSlande» nehm« Anzeigen für bettGießener Anzeiger" entgegen.

Bekanntmachung,

betreffend die UnfallverhütungSvorschrifteu der Heffen-

Naffauischen BaugewerkSberusSgenoffenschast.

Die Hessen-Nassauische Baugewerksberussgenoffeoschaft! hat in Gemäßheit der §§ 78 u. ff. des UnfaüverficherungS. -esctzes und deS § 44 des Bau-UnsaüoerficherungSgesetzeS UnfallverhütungSvorschriften mit einerAnleitung für erste Hülfeletstuug bei Unfällen vor Ankunft deS Arzte» erlösten, die nicht nur für die Betriebe gewerbsmäßigee Unternehmer Mub Gen°N-nschofts>Mlglieder, sondern namentlich auch fit die nicht gewerbsmäßigen Bauarbeiten Regiebetriebe Gültigkeit haben und bei Ausführung von Bauarbeiten jeglicher Art, auch von den Regiebau-Unlernehmern in jeder Beziehung zu beobachten find.

Die UnfallverhütungSvorschriften und dieAnleitung für erste .Hülfeletstuug vor Ankunft deS ArzteS" sind zu Jedermanns Einsicht in.den AmtSlocalen jeder Bürgermeisterei, in Gießen auf dem PolizeiamtSbureau, auSgehängt.

Wir fordern die Jntereffenten auf, diesen Vorschriften bei jeder Gelegenheit in genügender Weise Rechnung zu tragen und dafür zu sorgen, daß die Vorschriften, soweit sie für die Bauarbeiter tu Betracht kommen, von denselben ebeusallS beobachtet werden. . .

Die Nichtbeachtung zieht strafrechtliche Verfolgung

Feuilleton.

In Paris

Erzählung aus dem KriegSjrhre 1870/71 von E. ». Falkenberg.

(2. Fortsetzung.)

DaS Ehepaar Eclair besprach Familienangelegenheiten und Ernest und Cscile waren sich dann einige Minuten selbst überlasten.

Lieber Ernest," sagte sie,wirst Du mir auch treu bleiben, wenn Kämpfe schwerer Art zwischen Frankreich und Deutschland unausbleiblich sind?"

Geeite," gab er zurück,die Liebe ist international. Traurig genug, daß zwei Nationen, wie die Deutschen und Franzosen, sich noch bekämpfen wüsten. Wenn sich erst ein- mal alle Menschen wirklich als Brüder ansehen, das wäre der größte Sieg, der alle Schlachten aufwiegt'. Ich bleibe Dir ewig treu, Du liebe, gute, einzige Cscile!"

O, ich danke Dir, Ernest!" sagte das junge Mädchen und drückte Ernest die Hand.

Da blickten die Augen RougtwontS ungesehen boshaft auf das Paar und die schmalen Lippen de» Buchhalters Msterten:

Wollen schon anfpaffen und Dir die Suppe versalzen, Monsieur

BekamttmachMg, betreffend die Veranstaltung von Berloosungen innerhalb deS GroßherzogthumS.

Der Ortsvorstand zu Friedberg beabsichtigt mit den am 19 Februar 1898 und am 27. und 28. October 1896 zu Friedberg abzuhaltenden Fohlen- und Pferdemärkteu je eine Verloosuug von Fohlen und sonstigen Gegenständen zu ver- ^^DaS Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser beiden Berloosungcn unter der Bedingung ertheilt, daß der jeder derselben nicht «ehr als 12000 Loose zu 1 Mark das Stück auSacgebeu werden dürfen und mindestens 60pCt. des Brutto- eriöseS aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinn- gegenständen zu verwenden sind, sowie zugleich den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.

Gießen, den 27. December 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Leben in die Pariser. Man jubelte, man i^umintrte, man sang und trank, bis eine wahre Nachricht kam: Die De­peschen von den verlorenen Schlachten bet Weißenburg und Wörrh, und von dem Stege der Deutschen bei Spichern.

Entrüstung und grenzenlose Wuth der Pariser folgten nun auf den maßlosen Taumel.

Die Ausweisung aller Deutschen aus Frankreich und zumal auS Paris wurde brschloffen, da die Anweienheir der-- selben staatsgesährlich sei.

In daS Comptoir von Eclair u. Praille trat der Poli- zeiageut Rscord, verbeugte sich vor Ernest Robin und sagte:

Ich habe Befehl, Sie als Deutschen binnen vterund- zwanzig Stunden auS Frankreich auszuweisen!"

Aber Monfieur Rscord," rief Herr Eclair bestürzt, Monsieur Robin ist ja französischer Abstammung, seine Eltern waren Franzosen, die nach Berlin übergesiedelt waren."

In der Thal?" fragte der Polizist.

Allerdings," sagte Ernest. ,

Das genügt einstweilen", erklärte Herr Record,die Maßregel der Ausweisung nicht gegen Sie anzuwenden! Entschuldigen Sie! Guten Morgen!"

Herr Adolphe Rougimont zog über diesen AuSgang der Sache eine Fratze und Herr Eclair reichte Ernest freund­

betreffend das Ersatzgefchäft für 1896.

Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden alle im Jahre 1876 geborenen Militär­pflichtige«, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hin­sichtlich chrer Verpflichtung zum oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Ghmnasiasteu und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirth- schaftsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder tu ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit aufgefb.dert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle tu der Zeit vom 10. bis zum 25. Januar 1. I bei der Bürger­meisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres AufenthaltS- . ortes, zu melden, und dabet, wenn sie an diesem Orte nicht fl=6->rtn ihren Geburtsschein, welcher nunmehr Das Grokberzoaliche Meisamt Metzen 6on bem betr-ss-»»-» St°nde-amt zu erwirken »ue («voiiii Bürgermeistereien der Land- ist, und wenn sie stch bereits bei einer srliheren Musterung an Die wtono. w« l aoo!ung6,@4tin vurzulegen.

Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Die­jenigen, welche die Anmeldung Unterlasten, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit

«ach sich.

Gießen, den 30.

Großherzogltches Kreisamt Gießen.

Morin zog den jungen Herrn in sein Stübchen und sagte:

Fünf Häuser von hier links wohnt mein Vetter Matthten, der einen Friseurladen hält!"

^Nun, was wollen Sie damit sagen, Morin?"

Ja, dort ist erzählt worden, man würde Sie heute verhaften und per Schub über die Grenze bringen! Denn es heißt, daß Sie doch ein Deutscher seien trotz Ihrer französischen Abstammung."

Mein Gott! Was soll da auS mir und Cscile werden, wenn meine Ausweisung erfolgt," seufzte Ernest!"

Müffen Sie in der preußischen Armee dienen? frug Morin.

Bewahre, ich bin wegen meines SehnenfehlerS am linken Fuß militärfrei!"

So! Man hat sogar erwogen, ob Sie nicht nach Algier zu bringen seien in die Fremdenlegion, damit Deutsch­land ein Kämpfer entzogen würde. Ha, ha, ha!"

Uad meine arme Braut, meine Cscile?" rief Robin.

Nein, nein, es darf nicht zu Ihrer Ausweisung kommen. Berathen Sie sich mit den Damen. Und sehen Sie, was dann am besten zu thun ist."

Der alte Morin hob jetzt einen Vorhang auf und zeigte

1 ^Ste führt in die Katakomben*)," flüsterte der Alte, und bei meinem Vetter Matthieu ist wieder so eine Treppe. Ich weiß dort Bescheid. Es ist mein Weg, wenn ich dort unbemerkt einen Besuch abstatten will!"

) Katakomben find tu Paris die wetten Unterirdischen Stein» brüche, welche gleichzeitig *16 Grabstätte bienen.

v. Gagern.

Gießen, den 30. December 1895.