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2.10.1896 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Freitag den 2. October

1896

Gießener Anzeig er

BikrteljZhrigrr

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V 2 Mark 20 Psg. mit

Kenerat-Anzeiger.

Amts« und Anzeigebtatt für den Kreis (Sieben

f~ Gratisbeilage: Gießener Jamikienökätter

Inaahm« von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, sagenden Lag erscheinenden Nummer bi« Barm. 10 Uhr.

Nedaction, Lxprditiar und Druckerei:

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Lringcrlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener pl««ikien v kälter verden dem Anzeiger »rchentlich dreimal deigelegt.

Der Wiener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de« Montag«.

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Alle Aunoncen-Bureaux de« In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen r' 1 11 » m «**»<>

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

tthtffenb: Kurse an der Großherzoglichen Obstbauschule und landw. Winterschule.

I. cbstverwerlhuugScnrsu« an der Großh. Obstbauschule und landw. Winlerschule zu Friedberg.

Obstverw erthungs cursuS für Männer.

Derselbe findet vom 12.17. October 1896 statt. DaS hsvorar beträgt für Hessen 10 Ml., für Nichtheflen 15 Mk.

Die Unterrichtsstunden find von 9 12 und von 26 und zwar finden während des Vormittags Vorträge, während H Nachmittags Uebungen statt.

Vortrage werden folgende gehalten:

1, Grundlegende: Bestandtheile der Früchte, daS Waffer, der Zucker, der Alkohol, der Essig und die Säuren.

2. Fachliche: Gährung, Verwesung rc., Aufbewahrung und Verpackung deS frischen Obstes; Obstweinbereitung mit Berücksichtigung der Untersuchung deS Obstmostes auf freie Säure und Zucker und deS Weines auf Alkohol rc. und der Anwendung von Reinhefe- Fehler und Krank­heiten des Obstweines. Branntweinbereitung aus Obst. Die Nachmittage werden zu Uebungen im Laboratorium, |iu Herstellung und Prüfung von Obstproducten, Verpacken M Obstes rc. verwendet.

Anmeldungen wollen baldigst geschehen.

2. Laudwirthschaftlicher Wintercnrsns zu Friedberg.

Die Aufnahme neuer Schüler findet Montag den 2- November statt, der Beginn deS Unterrichts Dienstag den 8. November.

Die Schule bietet jungen Landwtrthen namentlich auS lniltl.eren Betrieben Gelegenheit, diejenigen Fachkcnntnisse und len Bildungsgrad zu erlangen, welcher zum rationellen Be- lckt> der Landwtrthschaft und zur Uebernahme der verschte- lenem Selbstverwaltungsämter der heutigen Organisationen eoth«vendig ist.

Ausgenommen werden in der Regel nur junge Leute jwislihcn 16 und 18 Jahren. Ausnahmsweise können, wo lit Verhältnisse das bedingen, auch jüngere oder ältere Leute ult Genehmigung Grotzh. Oberen landw. Behörde auf« Minimen werden.

Das Schulgeld beträgt 25 Mk. für jedes Halbjahr. Die Anmeldungen find zu richten an unterfertigte Directiou.

Friedberg, den 12. September 1896.

Srotzh. Direction der Obstbauschule und landw. Winterschule Dr. v. Peter.

Norrefte

Vslffß telegr>phifcht» Lorreiponbenr-BnreR».

Berlin, 30. September. Wie diePost" schreibt, wird iki Reichsamt des Innern im Laufe des October mit den 'litgiierungea und Staaten, wo fich Börsen befinden, über die 'lit der PreiSnotirung solcher Maaren, deren börsen- nigiiger Terminhandel vom 1. Januar 1897 ab untersagt utiby in mündliche Beratungen treten. Diesen Berathungen lürioen die vor längerer Zeit durch die einzelnen Regie« Trogen von den Börsenvorständen erbetenen Vorschläge zur Nmberung der Börsenordnung zu Grunde gelegt werden, m nach endgiltiger Feststellung der neuen Börsenordnung l.ifie zu beurteilen sein, inwieweit die von den einzelnen Knereffenten bereit- ausgearbeiteten LieferungScontracte für Auheide fich dem neuen Rahmen der Dinge anpassen.

Kassel, 30. September. Die hier vereinigten Vertreter flii kämmtlicher Invalid itätS- und AlterSversiche- «mgSanstalten deS Deutschen Reiche- nahmen einstimmig Uzende Erklärungen an: 1. Die in dem Entwurf eines HsetzeS zur Abänderung von ArbeiterverficherungSgefetzen «idoltenen Bestimmungen, welche auf eine Veränderung der WfiichtSführuvg über die VerficherungSanstalten hinzielen, fird geeigret, da- für die Durchführung der Versicherung AirutungSvolle Selbstverwaltung-recht und die Selbstständig« lini Her Versicherungsanstalten zu vernichten. 2. ®'e geltenden yifliimmungen, wonach sich die Aufstcht lediglich auf die Be- fiilzumg der gesetzlichen und statutarischen Vorschriften be- fUriikt und die bisherigen Aufsichtsinstanzen find ausreichend, mi erine wirksame Aufficht über die Versicherungsanstalten Wslvhren. 3. Die in dem Gesetzentwurf vorgesehene Er> Wlirrang der Befugnisse deS StaatScommissarS wird den Nichiäft-gang bet den VerficherungSanstalten erschweren und tiHLinngfamen. Die betreffende Bestimmung enthält den Keim W fortgesetzten Reibungen und Zwistigkeiten zwischen dem «!°aMcom«iflar und der VerfichernngSanstalt. 4. Für die

Bildung von Sectioaen bei den VerficherungSanstalten fehlt jede Veranlassung- eine abändernde Maßregel würde nur geeignet fein, die Durchführung der Verficherung zu erschweren und zu vertheuern.

Brüx, 30. September. Die Nacht verlief im hiefigen Bergwerksbezirk ohne Störung. Die Anfahrt der heutigen Tagesschichten unterblieb auf drei Schächten, und zwar in Kopitz, Brüx und Triepschicz. Auf allen übrigen Werken war der Betrieb nahezu normal.

Depeschen M »«tonHerold".

Berlin, 30. September. Der Kaiser erlegte heute Vormittag einen capitalen Achtzehnender und nahm Mittags die Vorträge de- StaatSsecretärS des ReichS-MarineAmts und des Chefs des Marine-CabtnetS entgegen.

Berlin, 30. September. Der Reichs«Commtsfar für die Pariser Welt-AuSstellung, Dr. Richter, ist auS Süddeutschland zurückgekehrt, wo er sich den Re« gierungrn vorgestellt und mit den Interessentenkreisen directe Fühlung genommen hat. In den industriellen Kreisen Süd« deutschlandS ist derPost" zufolge ein lebhaftes Interesse für die Ausstellung vorhanden. Der Reichs-Commissar beab­sichtigt demnächst Dresden zu besuchen und fich später mit den Interessenten der Groß'Jndustrte und der HandelScentren Nord- und Westdeutschlands direet in Verbindung zu setzen.

Berlin, 30. September. In der heutigen Sitzung deS preußischen Städtetages wurde die endgültige Ein« stellung deS preußischen Städtetages in die Reihe der fest­gefügten Institute beschlossen. Derselbe wird, wenn nicht eine besondere Veranlassung zur Einberufung gegeben ist, längsten- alle zwei Jahre regelmäßig zujammenberufen werden. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde eine Resolution angenommen, welche lautet:Der preußische Städtetag hält mir Rücksicht auf die neuerdings ergangenen entgegengesetzten Entscheidungen de- Ober-VerwaltungSgerichts und Reichs­gerichts eine neue gleichmäßige Regelung der Vorschristen über Anstellung städtischer Gemeinde Beamten für erwünscht." Hierauf wurde der nächste Punkt der Tagesordnung, betr. Heranziehung der Stadtgemeinden zur Uebernahme von Ge­schäften für allgemeine staatliche Zwecke berathen. Zu dieser Frage wurden verschiedene Anträge angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Zum Schluß gelangte noch ein Antrag des Stadtverordneten-DorsteherS Dr. LangerhanS« Berlin zur fast einstimmigen Annahme. Derselbe lautet: Die Aufhebung der Privilegien der Beamten, Geistlichen und Lehrer in der Communalbesteuerung ist eine Forderung der Gerechtigkeit, deren Erfüllung länger nicht hinausgeschoben werden darf." Weitere Anregungen auS der Versammlung wurden nicht gegeben. Nachdem noch Oberbürgermeister Fuß- Kiel der Stadt Berlin und dem Oberbürgermeister Zelle den Dank der Versammlung ausgesprochen, wurde der Städtetag geschlossen. Die Theilnehmer versammelten fich Nachmittags zu einem Festmahl im Kaiserhof.

Berlin, 30. September. Die Meldung, es könnte eine Vermehrung der Schutztruppe in Oftafrika in Er­wägung kommen, bestätigt sich, nach den Informationen der Poft" nicht. Vielmehr dürfte auch für eine größere mili­tärische Operation gegen die Wahehe die Schutztruppe voll­ständig au-reichen, eine Ansicht, der auch der Gouverneur von Oftafrika, Major von Wißmann, noch in den letzten Tagen Ausdruck verliehen hat. Nach den letzten Berichten des Landeshauptmanns von Südwestafrika, Major Leutwein, ist es voraussichtlich nicht nöthig, die durch den Nachtrags« etat dieses Jahre- vorgesehene Verstärkung der Schutztruppe beizubehalten. Wie diePost" weiter hört, ist bereits zum 1. Januar 1897 eine erhebliche Herabsetzung der Schutz« truppe in Südwestafrika in Aussicht genommen.

Frankfurt a. M., 30. September. DieFrkf. Ztg." meldet aus London: Aus Newyork wird gemeldet, daß die Telegraphisten und Signaltsten der Canadian-Pactfic- Bahn ftrtken. In dem Güterzugverkehr ist daher seit einigen Tagen eine Störung eingetreten, dagegen laufen die Personenzüge regelmäßig.

Hamburg, 30. September. Der Stile der Hafen­arbeiter ist beendet. Alle Forderungen sind ihnen bewilligt worden. Die Arbeit wurde heute wieder auf- genommeu.

Dnx, 30. September. Zu dem Kohlenstrike im Brüxer Revier wird weiter gemeldet, sechs Arbeiter vom Therefia-Tiesbau-Schacht bei Brüx klebten an den Thüreu der Schachtgebäude Zettel an des Inhalt-:Wer morgen einfährt, ist ein Kind de- Tode-." Zwei von ihnen wurden verhaftet. Gestern befanden fich im Ganzen etwa drei­tausend Arbeiter ausständig. An vielen Stellen durch­

schnitten die Strikenden die Telephon-Verbindungen zwischen den Schächten.

Paris, 30. September. Der Graf von Paris und Mathilde Bonaparte sind hier eingetroffen. Beide wollen vom Zarenpaar empfangen werden.

Paris, 30. September. Officiell wird dementirt, daß der Zar noch einen vierten Tag in Paris bleiben soll.

Paris, 30. September. Man ist fortgesetzt eifrig mit den Arbeiten zum Empfange des Zaren beschäftig! und hat heute damit begonnen, die in den Elyseeischen Feldern durch den letzten Sturm entlaubten Bäume mit künstlichen Blumen und Blättern zu schmücken.

Lille,30. September. Die Brände an der franzöfischen Nordgrenze erneuern fich mit jedem Tage. In der vorigen Nacht find wieder sieben Pachthöfe durch Feuer eingeäschert worden.

Cherbourg, 30. September. DaS Nordgeschwader ist gestern hier eingetroffen.

London, 30. September. Lord Rosebery hat einem seiner politischen Freunde in Manchester bezüglich der Orient­frage folgende Erklärung abgegeben, welche die Blätter jetzt reproduciren. Ein europäischer Krieg bedeute eine Welt­metzelei- ich bin wett entfernt, zur Lösung der Orientsrage einen Krieg zu empfehlen, sondern glaube, daß nur eine energische einmüthige diplomatische Action der Großmächte diese Frage lösen kann.

London, 30. September. Der Ausschuß der irländisch- republikanischen Föderation erläßt ein Manifest an alle Anhänger einer irischen Republik, in welchem zur offenen Revolte aufgefordert wird.

London, 30. September. Hier geht das Gerücht, der Zar habe den Aufenthalt in Balm oral um 24 Stunden verlängert, um der Zarin noch einen Ruhetag zu gönnen.

London, 30. September. Die Blätter veröffentlichen eine amtliche Mittheilung des türkischen Botschafters, wonach fich die Pforte energisch gegen die heftige Preßcampagne wider den Sultan verwahrt. Die Pforte erklärt, sie verwechsele nicht die englische Nation mit einigen politischen Agitatoren, die an der Spitze dieses Feldzuges stehen.

Loudon, 30. September. Lord Salisbury erhielt vom Zaren den Andreas-Orden.

Berlin, 1. October. Die Gasanstaltsarbeiter ver­anstalteten gestern Abend eine stark besuchte Versammlung, worin beschloffen wurde, bezüglich der Differenzen mit der Stadt die Vermittelung de- EinigungSamteS sofort anzurufen.

Berlin, 1. October. Die internationale Kunst­ausstellung wurde gestern Abend unter einer längeren Ansprache des Kultusminister- geschloffen.

Berlin, 1. October. Dem ,,Berl. Tagebl." zufolge liegt dem argentinischen Senat ein Gesetzentwurf vor, worin von der Regierung die Kündigung der Meistbegünsti­gungs-Handelsverträge verlangt wird. Ueber die Chancen dieses von zwei Senatoren eingebrachten Antrages ist noch nichts zu sagen.

Dux, 1. October. In dem ganzen Kohlenbezirk stri keu ca. 5600 Arbeiter. Die Strikenden stürmten den Johanna- Schacht und brachten die Maschinen zum Stillstand. Der Maschinenmeister wurde mißhandelt, weil er seinen Posten nicht verlassen wollte. Da- ganze Strikegebiet ist durch Gendarmerie-Verstärkung und Militär belegt.

Brussel, 1. October. DerSoir" veröffentlicht die sensationelle Meldung über eine Schlacht der Congo- truppen, unter Führung des Barons Dhänis, gegen die Derwische. Letztere wurden geschlagen - mehrere Weiße wurden getödtet.

Brüssel, 1. October. DemPatriote" zufolge veran­staltete eine Compagnie der Bürgergarde der Residenzstadt Laekeu republikanische Kundgebungen. Sie zogen durch die Stadt, sangen republikanische Lieder und riesen: Hoch die sociale Republik." Die Regierung hat eine strenge Untersuchung eingeleitet.

Antwerpen, 1. October. Infolge des englischen Dock- arbeiter-AuSstaudeS wird ein Geueralstrike der Hafen­arbeiter befürchtet.

Athen, 1. October. In Makedonien und bei Herakleion kamen heftige Zusammenstöße vor. Letztere wurden durch Angriffe der Muselmanen auf christliche Dörfer hervor- gerufeu.

"WB. Berlin, 1. October. Aas Newyork wird ge­meldet, daß der Sturm auch in Jacksouville gewüthet hat. 40 Personen sollen getödtet und die telegraphische Ver­bindung seit 27 Stunden unterbrochen sein.