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Oit|k«<r *n)t4gtt erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Siehener

I««itie,ocLt1er werden dem Anzeiger wdchentltch dreimal beigelegt.

Mittwoch den 2 September

1896

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

vierteljähriger ASomeementrpret»» 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

-ledaction, Txpedikio» und Druckerei:

ZchnrftratzeAr.l. Fernsprecher 51.

Aints- und Anzeigeblatt für den Areis Gieret».

Hra»-Seikag«- Ki-ßm-r K»mikie»°M-r. nrrrr7Ä:L?.^L:

Bach" darf nur mit Ladungen bis zu 25 Centner Gewicht befahren werden.

Gießen, den 31. August 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

sondere Zuschrift im Laufe des Bereinigungsverfahrens an sie nicht mehr erfolgt.

Friedberg, 28. August 1896.

Der Bereinigungscommisiär:

7754 Dr. Göttelmann.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

Zu Hof B u b e u r o d bet Königsberg im Kreise Biedenkopf ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen und Gehöfts- und Gemarkungssperre angrordnet worden.

Gießen, den 31. August 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

In der Gemeinde Kröffelbach des Kreises Wetzlar ist die Maul, und Klauenseuche festgestellt und Gemarkung«' sperre angeordnet worden.

Gießen, den 1. September 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. B.: Dr. Melior.

Bekanntmachung,

betr. Rothlaufseuche.

Zu Münchholzhausen, Kreis Wetzlar, ist die Roth- laufseuche an einem verendeten Schweine festgestellt worden.

Gießen, am 31. August 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. B.: Dr. Melior.

Bekanntmachung,

betreffend: den Wasenmetsterdienst zu Heuchelheim.

Zum Wasenmeister der Gemeinde Heuchelheim ist Ph. Volkert II. zu Klein-Linden bestellt worden.

Gießen, den 31. August 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. B.: Dr. Melior.

Bekanntmachung, betreffend: Umbau der Brücke über den Kleinen Bach im Straßenzug TraiS-HorloffSteiuheim.

Die im Zug der Kreisstraße TraiS-Horloff Stein heim erstellte Nothbrücke über den sog.Kleinen

Nr. 21 des ReichS-GesetzblattS, ausgegeben den 24. d. M., enthält:

(Nr. 2321.) Bürgerliches Gesetzbuch. Vom 18. August 1896.

(Nr. 2322.) Etnsührungsgesctz zum Bürgerlichen Gesetz­buche. Vom 18. August 1896.

Gießen, den 31. August 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

I. V : Dr. Melior.

Bekmuttmachung,

betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Ringeishansen, Kreis Gießen.

Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß drei Grundeigenthümer, die mit 103,1725 Hectar Land in der Gemarkung Ringelshausen begütert sind, unterschriftlich die Feldbereinigung der Gemarkung Ringelshausen beantragt haben. Da an diesem Unternehmen im Ganzen 11 Grund­eigenthümer mit 118,345 Hectar Land betheiligt sind, so ist für das Zustandekommen des beantragten Unternehmens die gesetzlich vorgeschriebene Majorität (mehr wie ein Fünftheil der beteiligten Grundeigenthümer, welche mehr als die Hälfte der beteiligten Fläche besitzen) vorhanden.

Das Unternehmen ist hiernach von der Landescommission für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Commiffär nach Art. 11 des Gesetzes vom 28. September 1887 bestellt worden. Der obenerwähnte Antrag nebst einer Zusammen­stellung seines Ergebniffes liegt bei Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen vom 3. bis 10. September d. Js. zur Einsicht offen. Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit des Ergebniffes sind binnen 14 Tagen von der ersten Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im Kreisblatt an gerechnet, mittels schriftlicher Beschwerde bei der Großh. Obcrn landwirthschaftlichen Behörde in SDornv stadt geltend zu machen.

Zugleich fordere ich die außerhalb der Gemarkung Ringelshausen wohnenden Ausmärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen in der Gemarkung Ringelshausen wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine weitere be-

Zum Stdansefl.

Noch hallt uns all' der Jubel in den Ohren, noch sehen wir im Geist all den Lichterglanz, den Fahnenschmuck, den vor einem Jahr daS Jubelfest des großen TageS von Sedan unserem Volk in Stadt und Land brachte. Heute feiern wir schon wieder des Festes Wiederkehr. Nicht so laut, nicht so glänzend mag diesmal gefeiert werden. Freundlichere Be> ziehungen zu Frankreich wollten sich anbahnen,- so wird der Jubel über den geschlagenen Franzmann vielleicht hie und da leiser werden. Aber ein Dreifaches darf bet uns nicht sterben. Nicht sterben darf der tief aus dem Innern quellende Dank: Der Herr hat Großes an uns gethan, deß sind wir fröhlich V Nicht sterben darf die Freude, das Glück über die Einigung und Herrlichkeit des Deutschen Reiches:Welch eine Wendung durch Gottes Fügung! Herrlich auferstandeu bist Du, Deutsches Reich!" Nicht sterben darf die dankbare Erinnerung an die Tapferkeit der deutschen Brüder, die mit Blut und Eisen unS so herrliche Siege errangen:Euch Allen Dank! Zum Lohn Euch Allen ein Laub vom großen Etchenkravz!"

Nicht sterben da,f der Dank gegen Gott. Jeder­mann im Volk weiß, daß die ganze Größe unseres Volkes, all sein Wohlstand, den man bis inS kleinste Dorf spüren kann, die ganze Vorwärtsbewegung im wirtschaftlichen und Culturleben nicht hätte eintreten können, wenn Gott nicht den deutschen Waffen den Sieg gab. Wo ist der Dank für solche Gottesgabe?

Als unser Kaiser daS 25jährige Jubelfest des Tage» von Sedan beging, da ließ er in Berlin eine herrliche Kirche weihen! DaS war sein Dank an jenem Tage. Seinem Beispiel gilts folgen am Sedantag. Jede» deutsche HauS soll Gott seinen Dank in Gebet und Lied, in freudigem Lobe darbriugen:Der Herr hat Großes an uns gethan!"

Nicht sterben darf die Freude an des Reiches Herrlichkeit. Im letzten Jahre haben sie in großer Fchfeier das Kyffhäuserdenkmal geweiht, dem Reiche zur Zierde, dem Sehnen des Volkes nach Darstellung feiner Einheit und Macht zur Vefrtedtgung. Aber solche Freude am Reich soll unS nicht bloß am Fest, sie soll unS alle Tage beseelen. Sie darf uns nicht weichen, auch wenn es

Feirilleton.

Alles auf einmal.

Von Luise Glaß.

(Nachdruck verboten.)

Ein junges Mädchen öffnete die FriedhofSthür,- trug keine tiefe Trauer, nichts von Crcpeschleiern sprach aufdring­lich zu dem Begegnenden: Schau her, ich bin betrübt! aber schlichtes Schwarz, gesenkter Kopf, hastig scheuer Gang redeten auch ihre Sprache. _

Am Arme trug sie einen selbstgewundenen Himmets- schlüffelkranz sie hätte ohne Beschwer kostbare Orchideen austragen dürfen, bezahlen konnte sie das,- aber die blasie Marie wollte gern etwas Eigenes verschenken, und maß sie an Geld und Gut besaß, daS hatte ihr heute Morgen erst die Todte in den Schooß geschüttet.

Marie schlug sich als kleine Handarbeitslehrerin tapfer und spärlich durch die Welt- nie war ihr der leise Gedanke gekommen,bk Frau Tante", die sich so wenig um sie kümmerte, könne ihr eine Erbtante werden. Die Stelle der schafft» sie ihr freilich nach der Eltern Tod Marie war gar nicht dankbar genug dafür gewesen damals benn fk ging schwer fort auS der Vaterstadt. Und heimisch «achte ihr die Verwandte den neuen Aufenthalt auch nicht nur an den drei hohen Kirchenfesten wurde Marie zu Tisch je beten und saß da steif unter steifen, bejahrten Herrschaften

Aber nun war die Tante tobt unb hatte bet blaffen Marie all ihr Besitzthnm vermacht: daS HauS vorm Thor, auf besten First bte Amsel saug, unb bas Gelb dazu viel Geld- wie eine schwere Last lag es auf ihren fangen ^^Jch habe Dich zu meiner Erbin erwählt, weil Du tapfer und pflichttreu bist - Reichthnm ist kein Ruhekisten für faule Glieder, Retchthum zwingt unS schwere Pflichten QUf _ ich glaube, daß Du Dich ihnen nicht entziehen wirst.

So hatte in dem Testament gestandenschwere

Pflichten" Pflichten, die nicht so klar und einfach vor ihr lagen wie die täglichen der Schule. Freude an ihrem Reich- thum empfand sie nicht. Wenn es damals gekommen wäre, ehe der Vater starb, damals, als die Mutter krank lag in dem kleinen HauS und genesen konnte an einer Reise ins Land deS warmen Winters, damals, als Nachbars Curt so gern studirt hätte und nicht konnte, obwohl Vormund und Lehrer sagten, sei jammerschade.

Marie legte ihre Himmelsschlüffel aus daS Grab neben Palwenzweige und prunkende Kränze- das kleine Tannen- kreuz, daß sie am Begräbnißtage mitgebracht hatte, lag tief unter der Pracht, unscheinbar und unbeachtet wie Marie selbst im Trauergeleite gegangen war. Keiner deS vornehmen LetchengefolgeS hatte ihr die Erbin angesehen, keiner sich um die Bescheidene gekümmert, deren letzte Blutsverwandte in die Erde gebettet wurde.

Einer nur war neben ihr an die offene Grube getreten der Verstorbenen Secretär, ein schmächtiger, wohlfrifirter Herr, unb sie war ihm sehr dankbar dafür gewesen.

Er war auch bet ihr stehen geblieben, alS sich die Menschen verliefen, hatte den Hut zwischen den Fingern ge- dreht und mit sanfter Stimme abgemessene Worte gesprochen: wie Fräulein Marie die Todte vermiffen werde, wie Fräulein Marie nun ganz allein stehe, wie ihn das innig betrübe und ob sie sich unter fothanen Verhältniffen wohl entschließen könne, seine Frau zu werden, er biete ihr ein bescheidenes, aber sorgenfreies Heim.

Marie sah in die Grube, wo der Sarg unter den Schaufeln der Tobteugräder verschwaub war wirklich nicht baß Schlimmste, etneß braven Mannes fleißige Haus­frau zu werben sie dachte an alle», was sie verloren hatte, an die Eltern, an daß Heimathhäuschev, an Nachbars Curt, aber als sie an Nachbars Curt dachte, graute ihr auf einmal vor dem wohifrisirten Schreiber, ein Schauer lief ihr über den Rücken, ihr schien plötzlich, bester eine arme, kleine Lehrerin zu sein, bte über ben herabgesallenen Maschen ungeschickter Kinderhänbe hinten barf, was sie will, benn

irgend etneß fremden Manneß gutgenährte Hausfrau, die ihre LteblingSgedanken fest unter argwöhnischem Verschluß halten muß.

Der Freier sah, tote sich plötzlich Marien- sanftes Ge- fichtchrn veränderte, und hastig, ehe sie mit kurzem Nein ein Ende machen konnte, sprach er:Nicht jetzt bitte ich um Antwort, nicht in der Erregung dieser ernsten Stunde morgen morgen geben Sie mir einen Bescheid, der mich glücklich macht."

Zu Hause, während Marie die Klastenarbetten burchsah, Kindergestrick mit weitohrlgm unb eng zusammengeknüttelten Maschen in Ordnung brachte, da schlich sich leise lockend daß Bild etneß friedlich schlichten Zuhause in ihre Wünsche, nur daß der Herr dieser Hetmath durchanß nicht auß den blaß­blauen Augen deß wohlfrifirten Herrn Secretärß auf die junge Frau schaute. Braune, guimüthige Schelmenaugen hatte er und daß dunkle Haar starrte ungefügig auf dem Wirbel in die Höhe.

Am anderen Morgen bttam Marie die Aufforderung, zur Testamentseröffnung im Amtsgericht zu erscheinen, unb als reiche Erbin verließ sie zögernden Fuße» bo6 große Ge- baube sie konnte nicht in ihr enges Stübchen gehen, aber sie wagte sich auch nicht in der Tante HauS ihr eigen HauS, sie holte bte Himmelsschlüffel von ber Wiese.

Nur auf betn Heimwege wollte sie ganz schüchtern dort vorübergehen, wo ihre Zukunft hingehörte. Die ersten AepfelblÜthen leuchteten durch baS Gitter, bie Kastanie rollte ihre grünen Blattfinger auf, in ben Rabatten blühte, baß Btenengesumm brang biß heraus zu ihr, trotzdem die Vögel schmetterten unb bie Windharfe unermüdlich ihren feinen Ton fang.

Scheue Bl'cke nur schickte sie Über die blanken Spiegel­scheiben unb sah doch alles, was dahinter war, die Sp.tzen- Vorhänge, das Silberzeug der altvätrischen Credenze, daß trauliche Nahsenster mit der Epheulaube und der indischen Nachtigall, die vor jedem Gaste außer der blaffen Marte immer so ängstlich flatterte. (Schluß folgt.)