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2.8.1896 Zweites Blatt
 
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1896

Sonntag den 2> August

Amts- rmd Anzeiseblcitt für bett Kreis <8ie^en.

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(Fortsetzung folgt.)

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» Agenden Tag erscheinenden Nummer bi- Dorm. 10 Uhr.

AuS Mainz wie er wohl selten rintgen Tagen zum

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wärtigen Vereine, welche ebenfalls zahlreich erschienen waren, betont, daß ungeachtet aller Achtung vor der hundertjährigen Jubilarin man doch an die Erwerbung einer neuen Feuer- spritze statt der ehrwürdigen Reliquie denken sollte. Fast hätte

eine solche gewaltthätige Weise sein Haus zu be- Dabei bekam seine Tochter, die unter die gefällten

liste mit einem Werth von 200 Mk. angeführt. Bet dem PreiSschiehen fielen die beiden Figuren einem Herrn auS Chemnitz als Preise zu. In seiner Heimath angekommen, ließ der Schütze die beiden Figuren abschätzen, aber der Experte taxirte sie nur auf 130 Mk. ab. Nunmehr ver­langte der Schütze, die Mainzer Schützengesellschaft solle ihm die Differenz im Betrag von 70 Mk. herauöbezahlen, und als die Gesellschaft sich weigerte, strengte der Chemnitzer Schütze eine Klage gegen die Gesellschaft an. In der Ge­richtsverhandlung bestritt der Vertreter der Schützengesell- schast, daß der Kläger das Recht habe, eine Entschädigung ziu verlangen- die beiden Figuren seien von der Gesellschaft als Preis bei dem Concurrenzschießen bestimmt worden und d-r Schenkgeber habe für dieselbe die Summe von 200 Mk. in einem reellen Geschäfte bezahlt. Man brauche auch nicht duese Kunstgegenstände auf Heller und Pfennig abzuschätzen, fir den Einen hätte ein Gegenstand diesen, für den Anderen jraen Werth und der Preis von 200 Mk. entspreche dem Handelswerth. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an, wies den Kläger mit seiner Klage ab und verurtheilte ihin auch noch in bte entstandenen Kosten. Von Rechtswegen.

* Man muß die Feste feiern, wie sie fallen, müffeu die Kärger deS Ortes U. am Main denken. Sie feierten näm­lich den hundertjährigen ErinneruugStag des Besitzes einer Feuerspritze. Tagreveille, Festzug, weißgekleidete Jung- flauen und ein Festmahl, alles wurde richtig und nobel, wie es sich gebührt, abgehalten, nur bei der Festrede gab eS ebnen kleinen Mißklang, indem einer der Vorstände der auS-

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es da eine Prügelei gegeben.

* Auf der Berliner Gewerbe-AuSstellnug ist besonders gut die FeldbahN'Jndustrie vertreten. Speciell hat die Firma Arthur Koppel, Feldbahnfabrik, Bochum i. W. (Centralhaus Berlin N.-W. 7) sich Mühe genommen, dem Beschauer ein möglichst übersichtliches Bild über die gesammte Entwickelung und verschiedenen Anwendungen der schmal­spurigen Bahnen vorzusühren. Wir sehen da GeleiS- anlagen für die Landwirthschaft, für Fabrikhöfe, für Ziegeleien, Kleinbahn- und Waldbahnstrecken, Weichen und Drehscheiben verschiedener Systeme in sehr accurater Arbeit. Von Wagen sind verschiedene Sorten Ziegel- und Kippwageu ausgestellt. Daneben stehen große Waldbahnwagen und Güterwagen, Etseubahndraisinen rc. Verschiedene neue Methoden find hier- bet angewandt, auf die es hier zu weit führen würde ein- zugehen. Den Abschluß der Ausstellung bildet ein eleganter Pavillon aus Eichenholz, welcher das AuSftellungSbureau der Firma enthält und ferner eine große Sammlung von Zeich­nungen, Photographieen von Anlagen, welche die Firma in den verschiedensten Welttheilen ausgeführt hat. Vielen Besuchern der Ausstellung auS dem Westen Deutschlands war eS interessant, hier die ihnen wohlbekannte Fabrik vertreten zu finden und aus ihrer sorgfältig vorbereiteten Ausstellung ein Bild darüber zu gewinnen, wie diese Firma einerseits unermüdlich im Schaffen neuer Constructionen, eS auch andererseits verstanden hat, der deutschen Industrie immer neue Absatzgebiete zu erschließen und im wahren Sinne deS Wortes auch in den entferntesten Ländern bahnbrechend für sie zu wirken. ~ ,

* ©erlin, 28. Juli. Im öffentlichen Fuhr» betriebe waren am 30. Juni dss. IS. 5095 Droschken 1. Klaffe, 2345 Droschken 2. Klaffe und 169 Gepäckdroschken, zusammen 7609 Droschken, ferner 420Omnibusie, 298 Thor- wagen und 1499 Straßenbahnwagen in Betrieb, darunter wurden 36 Wagen electrisch betrieben. Unfälle kamen vor I im Vierteljahr AprilJuni dieses Jahres beim Betriebe der

vierttllähriger JWo»»emc*bytetoi 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

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sonen schwer und 13 leicht verwundet.

Plaueu i. Vogtl., 28. Juli. Daß Eltern ein auf rathsel- haste Weise verschwundenes Kind nach langen Jahren unvermuthet wiederfinden, ist wohl zuweilen in Romanen zu lesen, aber bei den geordneten Zuständen im Deutschen Reiche erscheint ein solches Vorkommniß auSgeschloffen, und doch hat sich ein derartiger, nach allen Seiten vollkommen beglaubigter Fall soeben hier zugetragen. DaS sechsjährige Mädchen der Eheleute Vetters in der nahen Fabrikstadt Reichenbach i. V. verschwand vor acht Jahren spurlos. Die Eltern waren außer sich- in der ganzen Gegend war man lange Zeit in Aufregung und betheiligte sich an den Nachforschungen, aber sie blieben ohne Erfolg. Vor einigen Wochen tauchte nun in einem thüringischen Dorfe ein 14jährigeS Mädchen auf, das, ohne allen Unterricht ausgewachsen, von Zigeunern dort zurückgelaffen worden war und über seine Herkunft keinerlei Angaben machen konnte. Die behördlichen Ermittelungen veranlaßten das Vetter'sche Ehepaar, sich nach dem Mädchen zu erkundigen und sie erkannten in ihm infolge mancher Zeichen ihr eigene« Kind, daS sie, obgleich es keinerlei Er­innerung an sein Leben im Elternhause erkennen ließ, doch in der Gewißheit, sich nicht zu irren, mit nach Hause nahmen. Dort im Hause und im Garten der Eltern erwachte auch allmählich die Erinnerung, und daS Kind begann nach Ge- räthen, nach Beerensträuchen und Fruchtbäumen zu fragen, die in den frühesten Jahren seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten, aber seitdem beseitigt waren. Die Zigeuner pflegen die Beschuldigung deS Ktnderdiebstahls mit den Worten abzuweisen, daß fie eigene Kinder genug hätten- hier liegt einmal ein Fall vor, in welchem die Entführung eines Kindes durch Zigeuner zweifellos Thatsache geworden ist.

Charley's Taute aus dem Velociped. Aus Karls­ruhe wird derFrkf. Ztg." vom 25. Juli geschrieben: Die badische Residenz steht seit gestern unter dem Zeichen

icÜich Praktik

«llr «unoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Moriz Höpfner sah aus dem Garten kommend auf dem Brand den Zusammenlauf der Studenten, und da er den nahen Streit voraussah, ging er heim und veranlaßte zwei bei ihm wohnende Studenten noch einige andere am Brand abzurufen. Sie kamen auch und saßen nun zu sechs im Hausähren Höpfner's und tranken Bier. Da wurde General­marsch geschlagen und die Soldaten der Garnison liefen mit Schnoppsäcken, Ober- und Untergewehr durch die Gassen. Aber keiner der sechs Studenten verließ das Haus. Etwa i/4 Stunde später kam ein starkes Commando unter Führung des Hauptmanns v. Nagel auf Höpfner's Haus zu- die Tochter wollte die Thür zuschließen, doch wurde so stark mit Flintenkolben von außen dagegen gestoßen, daß sie die Thür um so mehr wieder aufmachte, als ein Fenster daneben mit einem Flinkenkolben eingestotzen wurde, v. Nagel drang nun mit 10 Soldaten gefällten Bajonetts in das Haus ein und bis in das Höfchen vor. Die sechs Studenten hatten sich vorher in andere Hausräume geflüchtet, einer aber bekam einen so hestigen Kolbenschlag ins Gesicht, daß ihm die ganze Nacht Aufschläge gemacht werden mußten. Höpfner trat Nagel mit Herzhaftigkeit, ober doch mit Bescheidenheit ent­gegen und fragte, ob es erlaubt sei, einem ehrlichen Bürgers- ntann auf '"n fAwvnnütfintinp SFRpife fein .fmus ru be-

gerochen war, einige Verwundungen am Auge und und einen starken Stoß an die Stirn. Als sich

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hier gesehen".

So war die vom Landgrafen eingesetzte Commission nach noch nicht vierzehntägiger Thätigkeit auseinandergefallen. Ein Versuch, v. Wrede zum Wiederkommen zu bestimmen, scheiterte an seiner Erklärung, man habe bei Müllers Aus­sage seine Stimme nicht achten wollen, darum komme er micht wieder: v. Rohr dagegen erklärte sich bereit, wieder am den Sitzungen cheilzunehmen.

Ueber diese unangenehmen Ereigniffe ging nun abermals am ausführlicher Bericht nach Darmstadt. Wie der Landgraf fcie Weigerung v. Wrede's aufnahm, erfahren wir nicht aus imferen Civilakten, jedenfalls wurde die Untersuchung ohne iihn weitergeführt. Freilich war sie erschwert und gehemmt Lurch die Abwesenheit der Studenten, die offenbar infolge Ler mangelhaften Naturalverpflegung in Gleiberg und Krofdorf twährend des Auszugs theilweise in die Heimath zurückgekehrt waren. Der Senat bemühte sich vergeblich, durch die Pedellen, Üie nach Krofdorf geschickt wurden, die Studenten oder aller- wcnigstens die Stipendiaten zur Rückkehr in die Stadt zu

Der Soldat Müller sagte aus, er sei von zwei nannten Offiziersburschen aufgefordert worden, mitzugehn, sie wollten ihn zehrfrei halten und den Abend Studenten fchmeißen. Er wollte aber aus Furcht vor Strafe nicht.

Da wurde ihm gesagt, sie hätten den Auftrag von ihren Offizieren, sie würden nicht gestraft. Trotzdem ging er nicht mit, wurde aber noch am späten Abend aus seinem Ouartier durch einen Unteroffizier geholt, kurz ehe Alarm geschlagen

Noch während dieser Vernehmung erklärte der Comman- bant v. Rohr, der Soldat Müller sei ein simpelhafter Mensch un) unglaubwürdig und ging aus der Sitzung weg. Die anderen Herren der Commission aber erklärten, sie hät­ten nicht den Eindruck gehabt, als wenn Müller blödsinnig fei und bestanden daraus, daß sein Protokoll bet den Akten Nun ging auch Oberst v. Wrede mit den Ich empfehle mich Ihnen, mich haben Sie

Feuilleton.

JUTertet über Sludentenauszüge.

Von Dr. O. Buchner.

(Nachdruck verboten.)

(5. Fortsetzung.)

Vermischtes

schreibt man derKl. Pr.": Ein Proceß, die Gerichte beschäftigt Hai, kam hier vor AuStrag. Bei Gelegenheit deS elften deutschen Schützenfestes, das vor zwei Jahren dahier stattfand, stiftete ein Vorstandsmitglied deS hiesigen Schützen­vereins einen Preis, bestehend aus zwei BroncefigurenKrieg und Frieden", nach dem Original auf dem Nrttionaldenkmal dargestellt. Der Schenkgeber hatte die beiden Statuen in einem hiesigen Geschäft um den Preis von 200 Mk. erstanden utib es wurden daher die beiden Figuren in der PreiSfchieß-

Der chletzeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener P»«trie«vlLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Keneral-Unzeiger.

bestimmen. Sie verweigerten dieses hartnäckig. Der Senat verhehlte sich nicht, und sprach es auch dem Landgrafen gegen­über aus, daß strengere Maßregeln die übelsten Folgen haben könnten, wie in Jena, wo 400 Studenten mit Sack und Pack nach Erfurt abgezogen seien. Hier sei zu befürchten, daß namentlich die Ausländer, unter welchen sich mehrere ver­mögende und gesittete junge Leute befänden, nach Marburg überzögen, nicht wenige Inländer aber bis zur völligen Wiederherstellung der Ruhe nach Hause gingen. All das sei aber für die Universität höchst nachthetlig. Der Bericht schloß mit der Bitte um Verhaltungsbefehle und eine Ver­ordnung , durch welche die Studenten beruhigt würden und weiteren Mißhelligkeiten vorgebeugt würde.

Als sich nun gar die Nachricht in der Stadt verbreitete, 150 Marburger Studenten hätten sich mit denen von Gießen in Krosdorf vereinigt, um gemeinsam in die Stadt zu ziehen, stieg die Sorge vor schweren Ereigniffen sehr hoch. General­major v. Rohr gab an den Thoren den Befehl, keinen Marburger Studenten einzulassen und die Wachen sollten durch Pedellen verstärkt werden. Pedell Stein aber, der zur Ausforschung nach Krofdorf ritt, kam mit der beruhigen­den Nachricht zurück, es sei daselbst kein einziger Marburger Student.

So mußte die Untersuchung der Hauptsache nach ohne die Aussagen von Studenten fortgeführt werden, was um so eher anging, als sie hauptsächlich die Ereigniffe nach der Schlägerei in der Braugaffe und am anderen Morgen vor dem Auszug betraf.

Canzleidiener Schmuzler war während des Tumults auf dem Brand mit seiner Frau in der fürstl. Canzlei im alten Schloß. Dann kam noch eine Frau aus der ^tadt und die Thür wurde wieder verschloßen. Zwischen 9 und 10 Uhr kam eine Patrouille von 10-15 Mann unter Befehl des Hauptmanns Stutzer an die Canzlei und verlangte Em, es hätten sich Rebellen in das Haus geflüchtet, es solle aus­geschlossen werden. Schmutzler verweigerte es, er könne nur auf Befehl feiner Vorgesetzten öffnen- übrigens sei außer ihm keine einzige Mannsperson im HauS. Da rief em Unter­offizier, man solle die Thür einschmechen und trat sehr hefttg gegen dieselbe. Doch zogen sie nachher ab, der Offizier drohte aber noch, es solle alles, was aus der Canzlei heraus­komme, gefangen genommen werden.

Der Lieutenant der Schützencompagme und Kramer

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auch darüber beschwerte, antwortete Hauptmann v. Nagel, wenn sie nicht sogleich das Maul hielten, werde er sie alle auf die Wache bringen lassen. Unterdeß hatte sich die älteste Tochter mit Lebensgefahr durch die Bajonette zur Hausthür gemacht und wollte um Bürgerhülfe schreien. Da kamen Hauptmann v. Stofch und Lieutenant v. Gall und baten um Gotteswillen, nicht zu rufen und versprachen, allen verursachten Schaden zu ersetzen, v. Nagel hatte unterdeß das Höfchen ohne Erfolg nach Studenten durchsucht und verlangte nun ein Licht, um auch den Stall zu durch­suchen, doch verweigerte Höpfner der Feuersgefahr wegen ein solches zu stellen. Nun wurde v. Nagel von v. Stosch abgerufen und die Soldaten zogen mit ab.

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I Pferdebahnen 521 und beim Betriebe der Omnibus-Gefell- schäften 45. Von den durch den Pferdebahnbetrieb hervor- gerufenen Unfällen hatten zwei den Tod der dabei Ver- unglückten zur Folge- 50 Menschen wurden schwer und 194 leicht verletzt- unverletzt blieben 275. Auch beim Omnibusbetriebe wurden zwei Personen getödtet, 16 Per­

lgen aus.

lausgehob.

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