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2.8.1896 Erstes Blatt
 
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Rr. 180 Erstes Blatt. Sonntag den 2 August__________________

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Die Gießener W«»ikte«StLlter verden dem Anzeiger «öchmtlich dreimal beigelegt.

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Berlin, 31. Juli. S.- M. SchiffCormoran" ist am 30- Juli nach Tschifu zurückgekehrt mit der Nachricht, daß baß SchiffArcona" den Sachverhalt der Strandung desIltis" bestätige. Die Ursache ist noch unbestimmt. Eommandeur und Besatzung deSIltis" sind mit dreifachem pnrrah auf den Kaiser in den Tod gegangen.

Berlin, 31. Juli. Nach einer telegraphischen Meldung deS kaiserlichen Gouvernements in Dar eS Salaam ist der bei der Ostasrikanischen Plantagengesellschaft angestellte Pflanzungsleiter Friedrich Schröder wegen der von tdm verübten Gewaltthätigkeiten von dem kaiserlichen Gericht in Tanga zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden.

Wehlheiden (bei Kaffel), 31. Juli. Der Kaiser ist heute Abend 8 Uhr auf WtlhelmShöhe eingetroffen, von der Kaiserin und den Prinzen empfangen. Die Der- tri ter der Behörden waren am Bahnhof erschienen. Das KUserpaar begab sich in offenem Wagen nach dem Schloß.

Marseille, 31. Juli. Bor dem Hause des Richters Julien platzte gestern Abend eine anscheinend mit Dynamit gefüllte Bombe und richtete Materialschaden an.

Madrid, 30. Juli. Nach einer Privatdepesche aus Ha- öama ist in der Hauptstadt der Insel Ptuos ein Waffen- urd Munitionsdepot und damit zusammenhängend eine Ver­schwörung entdeckt worden. Den Verschwörern war es gelungen, sich des Militär-Commandanten zu bemächtigen. Derselbe wurde jedoch durch die Polizei wieder befreit und so der Plan zum Scheitern gebracht. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.

Brünn, 31. Juli. Bei dem Rtesenbrande in der GsbirgSstadt Wallach. sch-Klobouk fielen dreihundert Häuser und drei Menschen zum Opfer. Der Schaden über- fti igt eine Million Gulden. Mehrere Kinder werden vermißt. D«r Statthaltereileiter Baron Hein leitete eine Hilfsaction ein.

Lemberg, 31. Juli. Vorgestern brach in UScie Zie- lo»na ein Schadenfeuer aus, welches 60 Gebäude ein­

äscherte, darunter daS Gemeindeamt, die Gendarmeriekaserne, die römisch katholische und die griechisch-katholische Pfarre.

Zürich, 31. Juli. Für die Opfer der Ausschreit­ungen in Zürich find zahlreiche Liebesgaben eingegangen. AmtlicherseitS wird mitgetheilt, daß die Blättermeldungen, eine oder mehrere Personen seien den bei den Unruhen er­haltenen Verletzungen erlegen, unbegründet find.

DepsschiNi Bete*»

Berlin, 31. Juli. Aus Kiel wird gemeldet, daß der Kaiser heute Vormittag an Bord derHohenzollern" den französischen Marine Attachv, Lieutenant zur See Burchard, empfing, der beauftragt war, dem Kaiser die Theilnahme des Präfidenten an dem Untergang deSIltis" auszusprechen. Mittags reiste der Kaiser nach WilhelmShöhe ab.

Berlin, 31. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Gesetze, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum HauShaltS-Etat sür daS Jahr 1896/97, ferner betreffend die Feststellung eines zweiten Nachtrags zum ReichShauShaltS- Etat für das Etatsjahr 1896/97 und betreffend die Auf­nahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung des ReichS- Marine- und auswärtigen Amtes, sowie der ReichS-Post- und Telegraphen-Verwaltung.

Berlin, 31. Juli. ImReichsanzeiger" werden drei kaiserliche Verordnungen vom 18., 22. und 26. d. M., betreffend Feldzüge der Schutztruppen für Deutsch-Ostafrika und Kamerun, betreffend Meldungen zur Schutztruppe seitens der Osfiziere der kaiserlichen Marine, und betreffend die DiScipllnarftrafordnung für die kaiserlichen Schutztruppen, veröffentlicht.

Berlin, 31. Juli. Zum Untergang deSIltis" wird demBerl. Tagebl." gemeldet, daß man hier an unter­richteter Stelle vermuthe, demIltis" sei das Ruder ge­brochen oder die Maschine habe versagt. DaS Schiff sei dann willenlos Wind und Wellen preisgegeben gewesen. Von einem Taifun verlautet nichts tn dem Telegramm des Contre- Admirals TirpiS.

Berlin, 31. Juli. Der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, soll derKreuz-

zeitung" zufolge dem BundeSrach tn diesen Tagen als An' trag Preußens zugehen und eine Veröffentlichung imReichs­anzeiger" alsbald erfolgen. Dem Entwurf soll eine umfang­reiche Begründung beigefügt werden.

Berlin, 31. Juli. DerStaatsbürger-Zeitung" wird von einer gewöhnlich gut unterrichteten Seite mitgetheilt, daß weder bei der preußischen, noch bei der ReichSregterung der Gedanke einer Erhöhung der Brausteuer bisher in- Auge gefaßt worden fei. Dagegen bilde gegenwärtig die Frage einer Revision des Gesetzes vom 1. Mai 1894, be­treffend die Erhöhung der Reich Sstemp el-Ab g ab en (Börsensteuer), den Gegenstand von Vorverhandlungen.

Berlin, 31. Juli. Ein blutiger Racheact hat sich heute früh halb 7 Uhr auf dem Hohenstaufenplatze abgespielt. Dort hat der Dreher Carl Schönborn dem Maler Roman Dannemann aufgelauert und vier Revolverschüsse auf ihn abgefeuert. Mehrmals in den Kopf getroffen, mußte Dannemann tn daS Krankenhaus am Urban gebracht werden. Der Thäter wurde feftgenommen.

Berlin, 31. Juli. Zum Fall Schröder hört die Post", daß der deutsch-ostafrikanifchen Plantagengesellschaft nähere Mittheilungen über die dem Verhafteten zur Last ge­legten Thaten noch nicht zugegangen find. Der Verhaftete war wegen seiner angegriffenen Gesundheit längere Zeit auf Urlaub in Natal, von wo er erst vor wenigen Wochen nach Deutsch Ostafrika zurückkehrte. Die in der Presse verbreiteten Schauerberichte über Grausamkeiten rc. werden in den be­zeichneten Kreisen auf persönliche Rachsucht zurückgeführt. Seit Jahren seien der Gesellschaft keinerlei Klagen über daS Verhalten dieses Beamten mitgetheilt worden, so daß die Verhaftung vollständig überraschend wirkte. Schröder galt allerdings als heftig und jähzornig, wäre aber als durchaus gutmütiger Mensch bei den Schwarzen nicht gefürchtet, fon- dem beliebt. DerPost" zufolge nimmt man an, daß Schröder, falls er frühzeitig genug nach Deutschland zurück- kehrt, diejenigen Zeitungen, die jetzt über ihn mit solchen Schauergeschichten herfallen, zur Verantwortung ziehen wird.

Zürich, 31. Juli. Gestern Nachmittag 4 Uhr brach in Wiedikon vor einer Cementfabrik wiederum ein Exceß

.Feuilleton.

Wochcndriesr ans der Residenz.

(Originalbericht desGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 31. Juli.

ÜUndtagrfchlnß. BereinSfefie. Theater nnb Concerte. Verschiedenes.

Nach einer arbeitsreichen Session konnten die beiden Hauser des hessischen Landtags am Montag in die Ferien gehen. Heber den Schluß, der diesmal durch den Großherzog persönlich vorgenommen wurde, zu berichten, ist Aufgabe des politischen TheilS, wo dies ja auch bereits tn Kürze geschehen ist, hier sei nur tn flüchtigen Strichen ein Bild von dem bei dieser Handlung entfalteten Ceremoniell entworfen. Um 12 Uhr versammelten sich die dienstthuenden Kammerherren umb Hofjunker im Fahnensaale deS RefidenzschloffeS, die Mit- gCteber der Ersten Kammer in den Affemblvezimmern, die Mitglieder der Zweiten Kammer in den russischen Zimmern, dße Mitglieder deS StaatSministeriumS im Fahnensaal, die Hofstaaten und Adjutanten im Rampensaal. Ein dienft- thuender Kammerherr führte die Mitglieder der Zweiten «immer in den Thronsaal, der Oberceremonienmeifter die Mitglieder der Ersten Kammer. Die Erste Kammer fitzt rechts, die Zweite links von dem Throne, die Räthe der Ministerien erhielten ihren Platz zur Linken des Thrones, zwischen diesem und den Sitzen der Zweiten Kammer. Dann erfolgte der Einzug deS Hofes nach folgender Ordnung: Zwei Fouriere, die dienstthuenden Hofjunker und Kammer- Herren, die Ceremonienmeister, der Oberceremonienmeister, Se. Königl. Hoheit der Großherzog, der Staatsminister, der Minister der Finanzen, die General- und Flügeladjutanten, die nicht functiontrenben Hofchargen. Der vorantretende Dienst begab fich auf die linke Seite des Thrones, der Staat-Minister und der nachfolgende Dienst auf die rechte Seite. Hieraus verlas Se. Röntgt. Hoheit vom Throne aus die Anrede an die Stände und verließ den Saal in der an­gegebenen ZugSordnung. Hierauf folgte noch der officielle Schluß des Landtags durch den Herrn Staatsminister.

Im Wochenbericht ist diesmal kurz zweier Vereinsfeste z« gedenken, die fich zahlreicher Betheiligung erfreuten, de- 1'/ztägigen Ausflugs des Odenwaldclubs und deS Sommerfestes der HumanitaS. Am Samstag begab stich eine große Schaar der Clubmitglieder von der Section

Darmstadt mit der LudwigSbahn nach Gaimühle und wanderte bis in die Dunkelheit hinein nach MoSbach. Dort wurde Quartier genommen, und am nächsten Tag führte der Marsch, an dem fich nun auch MoSbacher Clubmitglieder betheiligten, nach Schloß Homberg am Neckar, der alten Burg GötzenS von Berlichingen. Von hier führte der Weg nach GundelS- heim und Wimpfen a. B. Die Mitglieder der Wimpfener Section waren den Darmstädter Herren schon bis Homberg entgegengeetlt und erwiesen fich auch in Wimpfen selbst als liebenswürdige Wirthe. Nach dem gemeinschaftlichen Mahle gings mit der Bahn nach Heidelberg und von da nach kurzer Rast nach Darmstadt. Die ganze Tour war fröhlich bet schönstem Wetter verlaufen.

DieHumanitaS" feierte ihr unlängst verregnetes Sommerfeft nunmehr am verfloffenen SamStag im Saalbau- garten in der üblichen Weise durch Bocal- und Jnstrumental- concert und Tanzvergnügen.

Recht intereffant verliefen die Theaterabende im Saalbau in dieser Woche, so daß der arge Scandalabend von neulich wieder gutgemacht scheint. Ein Gastspiel deS Fräul. Bertha Gies ecke vom Frankfurter Stadttheater fand bei Publikum und Kritik einmüthig die denkbar günstigste Aufnahme. Die junge Künstlerin trat in Wildenbruchs Haubenlerche", Birch-PfeifersGrille" und Sudermanns Schmetterlingsschlacht" auf und durfte in jeder Rolle ganz außergewöhnliche Erfolge ernten. Am Sonntag gab es eine Premiere, die OperetteDon Alvoro" von Fritz Baselt aus Frankfurt a. M. Trotz des mangelhaften Textbuches fand daS Merkchen Dank der ganz flotten Musik freundliche Auf­nahme bet dem zahlreich erschienenen Publikum, zu dem die Nachbarstadt Frankfurt a. M. ein starkes Kontingent stellte. Am Mittwoch wurde zum Benefiz für den vielbeschäftigten Regisseur und Darsteller, Herrn Cross eck die lustige Opern­parodieFaust und Margarethe" gegeben, und für den SamStag plant die Dtrection als Kindervorstellung die bösen Stretche vonMax und Moritz" vorzusühren. Schon am 12. August wird die Spielzeit des Sommertheaters ihr Ende erreichen, da die Gesellschaft dann anderweitig verpflichtet ist. Die regelmäßigen Saalbaugartenconcerte werden am Sonntag durch daS Eduard Strauß Covcert eine angenehme Abwechselung erfahren, der berühmte Dirigent ist hier noch jedesmal bei seinem Erscheinen mit stürmischem Beifall aus­genommen worden, das auSgegebene Programm bürgt für einen genußreichen Abend. Dann steht dem Saalbau im

Monat August noch ein Besuch des augenblicklich in Frank­furt a. M. weilenden Berliner Parodietheaters bevor und außerdem ein solches eines plattdeutschen Ensemble-. Beide Gesellschaften treffen erst nach dem 12. August ein, so daß also auch nach dem Abschied des jetzigen Operettenensembles für theatralische Unterhaltung bis zur Eröffnung de- Hof- theaterS gesorgt sein wird.

Allerhand bauliche ZukunstSpläne machen augenblicklich von fich reden. Leider betreffen sie nicht den Museums- neubau, deffen Beginn noch tn nebelhafte Ferne gerückt scheint, wohl aber den eines großen VergnügungSetabliffe- ments feinerer Art an den Hirschköpfen am AuSgang der Dieburger Straße. ES soll dort eine große Gartenanlage, ähnlich dem Heiligen Kreuzberg, geschaffen werden und auch ein Hotelbau Sommerfrischlern Unterkunft bieten. Sogar daS vtelbegehrte Waldhotel will man umbauen. Für Er­weiterungen der Oeconomtegebäude auf der Ludwigshöhe find 60,000 Mk. tm Budget des Staates eingestellt. Der Längsbau des jetzt stehenden Gebäudes, der das vordere Plateau im Süden begrenzt, soll ntebergelegt und durch ein zweistöckiges Gebäude ersetzt werden, das Gesellschaftssäle kleinen und großen Umfanges erhalten soll. Dem längst empfundenen Mangel eines Brunnens wird durch Bohrung eines solchen Abhilfe geschaffen und zugleich eine größere Badeeinrichtung angelegt. DaS beliebte Ausflugsziel, das die Ludwigshöhe von jeher gebildet hat, wird durch diese praktischen Neue­rungen gewiß an Zugkraft noch gewinnen. Schon seit Jahren weilen im Sommer zahlreiche fremde Familien zur Luftcur in dem jetzt stehenden Hotel, ihre Zahl dürfte fich nach Be­endigung der Neubauten wohl noch beträchtlich steigern.

Der Großherzogliche Hof weilt zur Zeit im nahen Jagdschloß Wolfsgarten, dem alten Lieblingsaufenthalt un­seres jetzigen Landesherren, den er im Spätsommer mit dem im Auerbacher Fürftenlager zu vertauschen pflegt, lieber den Besuch des russischen Kaiserpaares am hiesigen Hofe steht in auswärtigen Blättern, namentlich in franzöfiichen, viel zu lesen, und über die Zeit der Reise und des Eintreffens in Darmstadt wird viel gefabelt. Hier wird allgemein bestimmt versichert, daß die Reiseroute noch gar nicht endgültig fest­gelegt sei, daß aber daS Kaiserpaar sicher gegen Ende Sep­tember zu längerem Aufenthalte tn Darmstadt eintreffen werde, und daß deßhalb schon jetzt Vorbereitungen zur Auf- nähme der hohen Gäste im Refidenzschloß getroffen würden.