Hausen im Elsaß wurde er jedoch, wie die „Fr. N." mit* rheilen, entdeckt und gestern durch militärische EScorte nach der hiesigen Kaserne in der Gutleutstraße eingebracht, wo der nunmehr 32 Jahre alte Rekrut der militärischen Gerichtsbarkeit zur Bestrafung übergeben wurde.
* Wiesbaden, 29. Juni. Der diesjährige Bundestag Deutscher Gastwirthe findet vom 4. bis 6. August d. Js. im Bürgersaale des neuen RathhauseS dahier statt, und zwar Dienstag, den 4. August, Nachmittags 3 Uhr, AuS- schußfitzung (Delegirtentag), Mittwoch, den 5. August, Vor* mittags 10 Uhr, Hauptversammlung, Donnerstag, den 6. August, Vormittags 10 Uhr, Generalversammlung der Sterbekaffe des Deutschen Gastwirthe Bundes.
* Berlin, 29. Juni. In eine recht traurige Lage find die Araber gekommen, die gegen die Verwaltung der Sonderausstellung „Kairo" wegen Erfüllung ihrer Coutracte sich an das Gewerbegericht gewandt haben. Der Riese Haffan Ali ist vorläufig auf Kosten einiger Gönner, da ihm bei der Gesellschaft Kairo alle seine Baarmittel, 470 Mk., verlustig gegangen find, in einem Gasthofe untergebracht worden. Die fieben Derwische hatten sich am SamStag nach der Gerichtsverhandlung zuerst an die türkische Botschaft gewandt. Von dieser erhielten sie ein Schreiben an den Director Möller, damit dieser bis zum AuStrag der Sache für ihr Unterkommen sorge, was indeß abgelehnt wurde. Die türkische Botschaft wies dann die armen Teufel an die hiesige Pölzet, von der sie einen Schein zur Aufnahme in- Asyl des Vereins für Obdachlose in der Büschingstraße erhielten. RathloS standen die braunen Fremdlinge im Straßengewirr. In dieser Noth nahmen einige Herren vom orientalischen Seminar und andere mitleidige Menschen sich ihrer an. Die Derwische wurden uack der Büschingstraße geführt, mußten aber dort erfahren, daß bereits alles überfüllt war. In später Nachtstunde wies man die Müden endlich nach der nächsten christlichen Herberge, und da auch diese überfüllt war, so machte man einen letzten Versuch und fuhr mit mehreren Droschken nach der Herberge in der Koppenstraße. Auch dort wollte man anfänglich die Araber nicht behalten, bis man sich auf
inständiges Zureden entschloß, sie wenigstens für eine Nacht aufzunehmen. Augenblicklich befinden sich die Derwische im Asyl für Obdachlose, wo fie die Schritte abwarteu, die bei der Polizei und Staatsanwaltschaft zu ihren Gunsten unternommen find.
* Gube», 30. Juni. Eine furchtbare Feuersbrunst äscherte acht Bauerngüter der Ortschaft Grabko ein; sämmt- licheS Vieh ist verbrannt; eine 70jährige Frau, Namens Janke, ist in den Flammen umgekommen.
* Zell, 27. Juni. Ein „Stimmungsbild" aus dem Secundärbahnbetrieb bot sich dem „Markgr. Tagbl." zufolge auf dem hiesigen Bahnhof. Der nach Todtnau fahrende Zug blieb hinter dem Bahnhof im Straßenschmutz stecken, weil infolge des anhaltenden Regens das Erdreich arg aufgeweicht war. Befand sich der Locomotivführer durch dieses Mißgeschick bereits in keiner rosigen Laune, so wuchs sein Unrnuth zu Hellem Zorn, als eine größere Schaar unnützer Buben das arme steckengebliebene „Bähnle" zu verhöhnen begann. Einige Arbeiter suchten sogar durch kräftiges Nachschieben den Zug vorwärts zu bringen, aber es war vergebens. Der Locomotivführer machte seinem Groll dadurch Luft, daß er die schadenfrohe Menge mit Kohlenstücken bombardirte. Nachdem die ärgsten Schreier auf diese Weise zum Schweigen gebracht waren, brauchte er Gegendampf, fuhr bis zum Bahnhof zurück, gab dann Volldampf und überwand hierauf unter allgemeinem Hurra siegreich den Straßenschmutz.
* Stuttgart, 30. Juni. Der Seiltänzer Knie, daS Haupt einer in ganz Württemberg bekannten Artistenfamilie, ist kürzlich als hoher Siebziger gestorben, wenige Tage vor feinem Tode hat er fich noch auf dem Seil producirt.
Witterungsbericht vom 30. Juni.
Ein umfangreiches Deprefstonsgebiet lagert über dem Norden und Osten des Erdtheils. Innerhalb beffeiben sind mehrere Minima zu erkennen, so über dem Ostfeegebiet und an der Nordostküste Schottlands. Auf der Rückseite der Letzteren sind die Gradienten ziemlich erheblich und haben sich über den britischen Inseln lebhafte
nordwestliche bis westliche Winde eingestellt. Das barometrische Maximum ist weiter nach Südwesten zurückgewichen und erstreckt fich von demselben eine keilförmige Zone hohen Druckes über Central- Frankreich, Mittel- und Süddeutschland bis nach Oesterreich. Unter der Einwirkung des hohen Barometerstandes ist im südlichen Deutschland vielfach Aufklärung eingetreten, doch dürfte die Befferung nur von kurzer Dauer sein, da neuerliches Sinken des Barometers auf weiteres Ausbretten des niederen Druckes in südlicher Richtung schließen läßt. Die Morqentemperaturen lagen im größten Theile Deutschlands tiefer als gestern.
BoaauSflchtltchs »ittmmgt
Vorübergehend unruhiges und unbeständiges Wetter mtt Abkühlung.
Temperatur der Lahn und Lust nach Reaumur gemessen am 1. Juli, Mittags zwischen ll und l2Uhrr Waffer 14, Luft 11°.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gieße«.
26. Woche. Vom 21. Juni bis 27. Juni 1896.
Einwohnerzahl: angenommen zu 23 000 (inet. 1600 Mann Militär).
SterblichkettSziffer: 20,35, nach Abzug der Ortsfremden 11,30°/».
Kinder
ES ft erben en: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—Iv.Jahrt
Krebs
3 (3) 3 (3)
Herzleiden
1 1 - —
CrettntsmuS
11— —
Altersschwäche
11— —
Verunglückung
1 (1) 1 (1) - -
Gehtrntuberkulose
1 — — 1
Magencatarrh______1________—________~________1_____
Summa: 9 (4) 7 (4) — 2
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von auswärts nach Gietzm gebrachte Kranke kommen.
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