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2.4.1896 Erstes Blatt
 
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Ht. 79

Erstes Blatt

Donnerstag den 2 April

1896

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzein

Hratisbeikage: Gießener Jarnilienötätter

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Uanahm» von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» felgenden Lag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

das deS Korsen hinabsank, besten Mittag getaucht war in die Sounengluthen ungeheuerer Erfolge, besten Lebensabend umstrahlt ist von der Liebe eines dankbaren Volkes. Seine Geschichte schreiben, heißt Deutschlands Geschichte schreiben, sein Wesen schildern, deutsche- Wesen schildern. So gewaltig sein Geist ist, und so mächtig sein Wille, Otto v. Bismarck ist uns vertraut. Er, der rücksichtslos Throne zerschlug und auf Trümmern da- Neue aufbaute, ist mit uns durch die Bande des GemüthS verbunden. In ihm sehen wir die herrlichste Verkörperung deutscher Art, in ihm sehen wir Gemüth und Verstand, Willenskraft und Mäßigung, trotzige Leidenschaftlichkeit und kühle Besonnenheit sich paaren. Fremde werden ihn selten ganz verstehen, der Deutsche muß ihn verstehen. Selbst die, die ihn Haffen, zollen ihm scheue Achtung. Durch einundachtztg Jahre hat der Segen des Höchsten auf allen Thaten Ottos von Bismarck geruht, durch einundachtztg arbeitsreiche Jahre hat er zum Segen unseres Volkes gesonnen und gerathev, gekämpft und gerungen. Und wenn dereinst ihm das Ende sich naht, wenn der eiserne Leib des eisernen Kanzlers zur ewigen Ruhe sich bettet, sein Geist wird unsterblich sein! Er wird sich zeigen, wo auch immer deutsche und preußische Fahnen wehen, und sein Name wird Losung und Feldgeschrei sein für alle, denen die nationale Ehre daS höchste Gut ist.

Ment besonder- auch dasjenige Bemühen große Beachtung, ioelcheS auf gemeinsamer Selbsthilfe durch Gründung ge­eigneter Genossenschaften beruht. Zucht-, Molkerei-, Credit- inb Einkaufsgenossenschaften sind da diejenigen Vereinigungen, ivelche schon am meisten bet den Laudwtrthen vorhanden find. In Baden, Bayern und Sachsen machen feit einiger Zeit aber auch die Landwtrthe Anstalt, durch Bildung sogen. VerkausS-Genoffenschaften threProducre zu beffererBerwerthung ju bringen. Diese Verkaufß Genossenschaften sind ganz besou- berß in solchen Gegenden nützlich, welche keine großen Städte in der Nähe haben und an schlechten Verkehrsverbindungen, zumal Mangel an genügenden Eisenbahnen leiden. Außerdem muß bei der Bildung von landwirthschaftlichen Verkaufs« Kktiossenschaften als Hauptzweck gelten, die Produkte unter möglichster Vermeidung des oft großen Gewinn einhetmseuden Zwischenhandels abzusetzen. Wie berichtet wird, ist namentlich in Sachsen und Bayern in der Gegend zwischen OelSnitz und Hof, woselbst daS Fehlen jedweder Bahnverbindung den verkauf der mühsam dem Boden abgerungenen Producte sehr erschwert, die Bildung von landwirthschaftlicher Ver­kaufs-Genoffenschaften im Gange. Man hat dort ein sehr naheliegende- Beispiel an der FtchtelbergS-VerkaufS-Genoffen« Haft, welche im Herbste 1894 mit dem Sitze in Wunsiedel begründet wurde und sich bis an die bayerisch-vogtländische Sreoze erstreckt. Innerhalb eines JahreS stieg die Mit« ßliederzahl der Genoffenschaft von 450 auf über 1000 Guts« btsiyer, und eS hatte diese Verkaufs-Genoffenschaft im Jahre 1896 einen Umsatz von 182,000 Mark zu verzeichnen.

Ist daS Hauptproduct dieser Genoffenschaft der Fichtel- zebirgShafer, der als Saatgut durch die ganze Welt geht, so würden die im Vogtlande zu bildenden DerkaufS-Genoffen- -schäften ihr Hauptaugenmerk auf den rationellen Anbau und btr möglichst vortheilhafte Verwerthung der Kartoffel zu richten haben. Nach der zuletzt aufgenommenen Anbaustattsttk Derben im Vogtlande über 17 000 Hectar Ackerland mit "Kartoffeln bepflanzt (AmtShauptmannschaft Plauen 4045, OelSnitz 3049, Auerbach 10 383 Hektar), und man baut Mer jetzt schon Kartoffelsorten an, deren ErtragSfähigkeit erprobt ist und die man der Bodenbeschaffenhett und der Höhenlage deS VogtlandeS angepaßt hat. Daneben würde ble Genoffenschaft die Viehzucht zu heben und für Verwerthung ter gewonnenen Milch rc. durch Begründung von MolS-.reien mb Verkauf der Molkereiproducte zu sorgen haben. Wenn ter Gewinn, den jetzt die Zwischenhändler in die Tasche picken, unseren Bauern zufließt, dann wird sich auch die bedrängte Lage der Landwirthschaft beffern.

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Dir Gießener »a«ttte«»tLtter »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelrgt.

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Der fUfmr Anzeiger erscheint täglich, M Au-nahmc bei Montags.

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Wolff» telegraphische» Correspondenz-Bureau.

Berlin, 31. März. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Generalstaatskasse und die Regierung-«

Zur Gründung landwirthschaftlicher Verkaufs - Genossenschaften.

In dem regen Streben der Landwtrthe, durch Reformen t anerkannt übele wirthfchaftliche Lage zu verbeffern, ver«

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Hauptkaffen, auch solche, die nicht an Baukplätzen be­stehen , sollen vom 1. April an Stelle der bisher an der ReichSbank eingeräumten Conteu Girokonten eröffnen. Einzahlungen von 10 000 Mk. an werden von den Reichs« bauk-Haupt- und Bankftellen auch von Personen, welche kein Giro-Conto für Rechnung der General« StaatSkaffe haben, provision-frei angenommen. Auch bet den an den Bank­plätzen befindlichen Specialkaffen werden noch Bedürfntß Giro-Conten eröffnet. Eine entsprechende Umgestaltung erfährt ferner der zwischen StaatSeisenbahn-Haupt« und Specialkaffen stattfindende Giroverkehr mit der Reichsbank. Die neue Einrichtung bedeutet einen bemerkenSwerthen Fortschritt in der Vereinfachung und Erleichterung der Geldverkehrs. Sie wird dem St-are ein Bereithalten an Betriebsmitteln bet den Provinztalkaffen tn weitem Umfange ersparen und den Geldverkehr mehr und mehr bet der Retchöbank concentriren.

Hamburg, 31. März. Zur Eränzung der Schutz­truppe tn Südwestafrtka sind heute Nachmittag an Bord des DampfersThekla Bohlen" 156 Soldaten ab­gegangen. An Bord deffelben Schiffes trat der zum Bezirks- Hauptmann des südlichen TheileS von Südwestafrtka ernannte Affeffor Fischer seine Reise dorthin an.

Rom, 31. März. DaS Gerücht, der frühere Botschafter Reßmann werde an Stelle deS bisherigen Botschafters in London, Ferrero, treten, entbehrt jeder Begründung. Ebenso unbegründet ist das Gerücht von wetteren Veränder­ungen in den diplomatischen Vertretungen Italiens. Die Unterbrechung der telegraphischen Verbindung zwischen Assad und Massaua dauert fort- alle Gerüchte bezüglich der letzten Vorgänge in Erythräa müssen deshalb mit Vorsicht ausgenommen werden.

Neapel, 31. März. DaS deutsche Kaiserpaar empfing heute Vormittag den Cardtnal-Erzbischof an Bord derHohenzollern". Nachmittag» 3 Uhr ging dieHohen- zollern" mit dem Kaiserpaar, den Prinzen und Befolg an Bord, begleitet von derKaiserin Augusta", nach Palermo in See.

Paris, 31. März. Der internationale Eisen- bahncovgreß wird am Donnerstag Vormittag eine Sitzung im Arbeit-Ministerium abhalten, um das Schlußprotocoll endgültig festzustellen und die Unterschriften au-zutauschen.

Petersburg, 31. März. Der Besuch de» Fürsten Ferdinand am hiesigen Hose ist für den 6. April osficiell angesagt worden.

Petersburg, 31. März. Von der Insel Laven Sarh am finischen Meerbusen ist durch Sturm eine Eisscholle abgerissen worden, auf der sich 2 6 Fischer befanden. Die Eisscholle wurde ins Meer in der Richtung nach der Insel Gothland getrieben. Ein Dampfer ist abgesandt worden, um die Verunglückten aufzusuchen.

Coustauttuopel, 31. März. Gestern Nachmittag er­widerten die Mitglieder des diplomatischen Corpß den Besuch de- Fürsten Ferdinand von Bulgarien. Sämmtliche Botschafter und Chefs der auswärtigen Ver­tretungen waren erschienen. Vorher hatten sich der Groß-

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vierteljähriger Ado»»rmc»tsprei» t 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohrr. Durch die Post bezogt» 2 Mark 60 Pfg.

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Fernsprecher 51.

vezier und sämmtliche Minister eingefunden. Den Schluß machten Deputationen des griechischen Patriarchat» und der bulgarischen Vereine.

Devesch« bt» Bureau »Herold*.

Berlin, 31. März. Wie derReichsanzeiger" meldet, hat der Kaiser den zur Disposition stehenden außerordent« lichen Gesandten, den bisherigen Geheimen LegattonSrath Grafen Rantzau zum Wirklichen Gehetmerath mit dem Prädicat Excellenz ernannt.

Berlin, 31. März. Der Reichskanzler Fürst Hohen­lohe, welcher heute sein 77. Lebensjahr vollendet, empfing aus diesem Anlaß zahlreiche Ovationen. Der Kaiser über­sandte dem Reichskanzler seine in Bronce ausgeführte Büste auf einem Sockel von graumelirtem Marmor. Unter den vielen Glückwunschdepeschen befand , sich eine solche von dem Prinzregenten von Bayern, dem Großherzog von Baden, dem Fürsten von BtSmarck, sowie von der Stadt Straßburg. Seitens der hiesigen Hof« und Gesellschaftskreise wurden zahlreiche Karten beim Reichskanzler abgegeben. Nachdem am Vormittag die Capelle deS 2. Garde-Dragoner-Regiments, um ein Ständchen zu bringen, erschienen war, erfreute gegen Mittag das Trompetercorps de» Garde Kürassier-Regiment» den Gefeierten mit mehreren Musikoorträgen. Am Abend wird eine Familientafel den Reichskanzler mit seinen nächsten Verwandten vereinigen. Morgen gedenkt sich der Fürst und die Fürstin Hohenlohe nach Baden-Baden zu begeben.

Berlin, 31. März. Zu den bevorstehenden olympischen Spielen wird sich von den deutschen Fürstlichkeiten Prinz Friedrich Carl von Hessen nach Athen begeben. Außer­dem haben ihr Erscheinen zugesagt der König von Schweden, der König von Serbien und Erzherzog Carl Ludwig von Oesterreich.

Berlin, 31. März. Auf den Glückwunsch de« Herren- hauseS hat Fürst Bismarck in einem Antwortschreiben dem Vicepräfidenten feinen herzlichsten Dank ausgesprochen.

Berlin, 31. März. Zu der gestern im Handelsministe­rium unter dem Vorsitz de» Handelsministers Freiherrn v. Berlepsch stattgefundenen Conferenz waren die Ver­treter der hauptsächlichsten JnnungSverbände erschienen, um ihre Anschauungen über die Frage kundzugeben, wie die JnnungSverbände gegenüber der territorialen Organisation der Handwerkerkammern erhalten werden könnten. Wie die Nordd. Allg. Ztg." hört, dürfte ein Gesetzentwurf über die Organisation der Handwerker bet der nächsten Sitzung dem Staat-Ministerium unterbreitet werden.

Berlin, 31. März. ImReich-anzeiger" wird amtlich die Ernennung de- bisherigen Professors an der Universität Bonn, Dr. Kofer, zum Director der preußischen Staats­archive veröffentlicht.

Berlin, 31. März. Der König von Schweden har heute Vormittag im strengsten Jncogntto Berlin pasfirt und über München seine Reise nach der Riviera fortgesetzt.

Berlin, 31. März. ImReichsanzeiger" werden folgende Gesetze vom 29., bezw. 30. März veröffentlicht : betreffend Feststellung de- ReichShauShaltSetatS pro 1896/97, betreffend Aufnahme einee Anleihe für Zwecke der Verwaltung de» Reichsheeres, der Marine und der RetchSeisenbahnen, betr. Feststellung des HaushaltsetatS für die Schutzgebiete auf da» Etatsjahr 1896/97, betr. Feststellung des StaatShauShalt»- etats für daS Jahr vom 1. April 189697, betr. Ergänzung der Einnahmen des Staatshaushaltsetats für daS Jahr vom 1. April 1896-97.

Berlin, 31. März. Gemäß unseren früheren Mit- theilungen wird da- Kaiser paar heute Abend auf der AachtHohenzollern" von Neapel nach Palermo in See gehen und morgen Vormittag vor Palermo eintreffeo.

Berlin, 31.März. Dem Fürsten Bismarck widmen bereit» heute Abend einige Blätter längere Glückwunsch- Artikel.

Wie«, 31. März. DaSAmtsblatt" meldet die Er­nennung deS ProfefforS der Breslauer Universität I>r. Fried­rich Mary zum ordentlichen Profeffor an der Universität in Wien.

Auffee. 31. März. Seit drei Tagen herrscht hier ein heftige» Schneetreiben.

No«, 31. März. General Baldiffera hat zahlreiche Spione erschießen laffen und die Ausweisung fast aller in Maffauah lebenden Griechen und Armenier wegen Verdachts der Spionage verfügt.

Mailand, 31. März.Italia bei Popolo" will wissen, daß die Majestäten-Begegnung in Venedig in offizieller Form stattfinden wird. Auch der Kriegsminister Ricotti werde derselben beiwohnen.

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Deutsche» Reich.

Berlin, 31. März. Da» Projeci der Bildung einer Latholischen Abtheilung des Bundes der Land- loirthe kommt ernstlich in Sicht. Eine in Breslau statt« gefundene Versammlung schlesischer Landwtrthe, welche sich zur CentrumSpartei bekennen, hat eine Resolution angenommen, in her die CentrumSfraction des Reichstages aufgefordert »icd, für da» Verbot de» börsenmäßigen Terminhandels tn Getreide und Mühlenfabrikaten, für die Doppelwährung usw. aivzutreten. Fall» die CentrumSfraction hierauf nicht eingeht, jo soll die Bildung einer katholischen Abtheilung de» Bunde» 8tr Landwtrthe erfolgen.

Zum Geburtstag deS Fürsten Bismarck. Sknn unsere Urenkel nach Jahrhunderten deS Fürsten BiS- »cref gedenken, wenn vor ihrem Auge da» Bild des wunder- Inen Mannes und seiner Thaten aufsteigt, bann werben sie «gläubig sich fragen, ob Sage ist, ob Geschichte, fcaß tut ihm berichtet wirb, ob in der That ein Mann daß voll- luchte, waß er vollbracht hat, oder ob, wie auf den großen Sorollnger, wie auf Dietrich von Bern und den rothbärtigen chchenstaufen so auch auf thn die Legende freigebig ihre Namen gestreut hat. Staunend wird man sich fragen: wfat wirklich einmal solch gewaltiger Mann gelebt, der in Wem Kampfe gegen die Volkßgenofsen die Rüstung schmiedete zu drei siegreichen Kriegen, der die meerumschlungenen Lande alt Deutschland verband, der auf Böhmenß Gefilden den alten Bund zerschlug, um ihn im Königßschloffe zu Bersatlleß zu neuem, herrlichen Leben zu erwecken? War er, der Bin besiegten Gegner zum Freunde wandelte, der allen tziü-meu zum Trotz den Frieden erhielt? Wie ein Bild der Gugr muthet schon unß, die Zeitgenoffen, die machtvolle Utfr alt dieses Manneß an, dessen Gestirn emporftieg, als

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