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wechselvolleo Leben in L .lau in Noth gerieth, wandte er sich an den Kaiser und erhielt von da ab eine Pension, die auch nach dem Tove deS Kaisers fortgezahlt wurde.
Eingesandt.
Kr. »ietze«. 31. Januar 1896.
Die gestrige Aufführung von Suppü's „Mobell" giebl tu einer Betrach ung Anlaß. Es mögen ein halb Duyend Jahre her sein, da thaten sich eine größere Anzahl unserer Mitbürger, deren Bildungs- bedürfniß durch die Producttonen der Truppe Reiners nicht befriedigt wurde, zur Gründung eines „Theater-Vereins" zusammen, in der ausgesprochenen Absicht, dem Gießener Publikum zu etwas Besserem zu verhelfen, als ihm bisher geboten war. Es sollten gute Stücke ernsten und heiteren Characters gepflegt werden; es sollten neben den anerkannten Meistern auch solche nicht vergessen werden, die noch um die Palme rinaen; es sollte unserem Publikum die Möglichkeit geboten werden, klassische Erinnerungen aulzufrifchen und moderne Eindrücke in sich aufzunehmen; ober bet alledem war doch der Gesichtspunkt der vornehmste, daß das Niveau der Schaustellungen gehoben, daß der Geschmack des Publikums geläutert werde, wo es dessen bedurfte. Eine Zett lang ging das gut, viele schöne Gaben hat uns der Theater- Verein geboten. Nach einigen Jahren hörte man dann wohl die Klagen, die Auswahl klasfifcher und moderner Stücke, die bet beschränkten Raum- und noch beschränkteren Kasfenverhältnifien ausgeführt werden könnten, sei eben doch nicht unbegrenzt, auch sei auf die Elemente im Publikum Rücksicht zu nehmen, bte der leicht oder hoch geschürzten Muse besondere Sympathieen entgegenbringcn. Man begann Concessionen zu mach in; man begann, zunächst noch fast unmerklich von der Linie, durch die die Aufgabe des Vereins ursprünglich bezeichnet war, abzuweichen. Jetzt ist man auf's „Modell" gekommen.
Eine Rrttit des Unsinns, den wir gestern über unS ergehen lasten mußten, zu versuchen, wäre lächerlich. Wir wollen nicht einmal so weit gehen, ihm seine Daseinsberechtigung abzusprechen. Es flieht gute und auch schlechte Witze, die aus der Bierbank jeden, der nicht verhärteter Philister ist, amüsieren. Selbst die Zote ist unter Umständen erträglich. Nur gehört das Alles nicht in ben_$beater:'Btretn, der gegründet wurde, dem Publikum das Gute, womöglich daS Beste vorzuführen, nicht aber Nuditäten und Obscoenttäten. Daß man gestern wohl mit Rücksicht auf die jungen Mädchen (auf deren Bedürfnisse übrigens, wie nebenbei bemerkt werden mag, der Theater- Verein im Allgemeinen keine Rücksicht zu nehmen hat), den „Schwan der Leda" und den „Goldregen der Danae" gestrichen hat, macht die Sache selbst nicht besser; was übrig blieb genügte, und büßte noch das biSchen billigen Witz, das Textler und Eomponist darüber gegossen hatten, ein, weil die bedenk ichsten Spitzen abgebrochen waren.
Man wird sagen: Warum geht wer so urtheilt in's Theater? Er bleibe draußen und verderbe harmlosen Leuten nicht die Freude. Ja, wenn nut die Freude so harmlos wäre, und wenn's überhaupt nur anglnge! Da läßt der Theater Verein vor Beginn der „Saison" feine Aufforderung circuliren und kassirt für alle Vorstellungen das Geld ein, das man rhrn gerne flieht, da man seinen Versprechungen nicht mißtrauen möchte. Handelte es sich nun um eine größere Zahl von Darbietungen, so könnte man auf die eine ober anbere leichter verzichten, falls Einem ber Character bes Stückes nicht zusagt, aber bas halbe Dutzenb sich noch beschnitten zu sehen, etwas viel verlangt. Vor Allem aber, der Verein setzt sich mit sich selbst, mit seinen Aufgaben unb seinen Traditionen, in Widerspruch. Wir mochten deshalb an den verehrlichen Vorstand des Lhea»-r-Vereins zunächst die Bitte richten, uns vor ber Saison im Allgemeinen bekannt zu geben, was etwa aufzusühren — Abänderungen natürlich vorbehalten — er gesonnen ist. Dann kann sich Jeder entscheiden, ob er abonnieren will ober nicht. Weiter aber möchten wir bitten, künftig weniger Rücksicht zu nehmen auf den ficherlich recht kleinen Theil des Publikums, ber gestern herzlichen Beifall spendete, sondern auf den viel größeren, ber in unserer
Schaubühne ein BlldungStnstttut erkennt. Haben denn Ealderon unb Grillparzer umsor>ft geschrieben? Warum wieberholt man ben mit Moliöre gemachten Versuch nicht, zumal wo jetzt Fulba's grazto e Uebersetzungen do cließen? Wie tst's mit Lubwigs Erbforster, mit Björnsons Fallissement ober H-nbschuh, wie mit Anzengruber Auch wer an Ibsens Dichtungen manches auszusetzen hat, möchte doch bie eine ober anbere, »twa bie Stützen br Gesellschaft ober Nora, sich gerne vor führen lassen. Stakespeare unb Schiller, die bisher fast ganz gefehlt haben, soll, da viel Personal nöthig ist, zu „treuer* sein. Als ob man das Modell umsonst hätte haben können'. Wenn aber wirklich ber Theater-Verein ohne zu Supp6 unb seinem Operetten drei zu greifen ntd)i leben kann, nun, so mag er schlafen gehn; ein Versuch mehr, bet an ber Bilbungsunfähigketl des Publikums gescheitert ist. Dlur wolle er es nicht dahin bringen, daß man sich noch einmal nach Adam ReinerS zurücksehnt_________________________
Auszug aus den Stande-aintOregiftern
der Stadt Gietzeu.
««fgebote.
Januar: 25. Friedrich Zimmermann, Sattler dahier, mit Anna Karoline Westrich hterselbst. 25. Wilhelm Friedrich Carl Otto Fischer, Sergeant dahier, mit Marte Luise hexamer Hierselbst. 27. Friedrich Ferdinand Dietz, Kaufmann zu Altona-Ottensen, mit Karoline Susanne Malkomestus Hierselbst. 28. Gottfried Friedrich Paul Polster, Capellmeister dahier, mit Anna Amalie Ockhardt zu Leipzig. 28. Franz Heinrich Wilhelm Wolf, Agent dahier, mir Margarethe Stiehl zu Alten-Buseck.
Januar: 29. Georg Pcinz, Taglöhner dahier, mit Elisabeth Sauer von Heskem.
•ÜMttU«
Januar: 21. Dem Schuhmachermeister Friedrich Magnus eine Tochter, Johanna. 22. Dem Fuhrmann Philipp Hillgärtner ein Sobn. 24. Dem Schutzmann Johannes Schmidt eine Tochter. 24. Dem Forstaffesfor Christian Walter eine Tochter, Frida Ottilie. 25. Dem Taglöhner Wilhelm Gelzenleuchter eine Tochter, Mathilde Anna. 26. Dem Schneider Georg Strack eine Tochter. 26. Dem Schmied Emst Döll eine Tochter, Anna Marte Katharine Elisabeth. 30. Dem Kaufmann Hermann Mettenheimer ein Sohn, Hermann HanS Paul Ernst. 30. Dem Kaufmann August Struck ein Sohn.
Gestorde««.
Januar: 25. Emst Löhr, am 29. Ludwig Löhr, beide 4 Monate alt, Söhne von Lohnkellner Georg Löhr dahier.
Auszug ans den Tttrchendücherir
der Stadt Gietzeu.
Evaugelifche Gemeinde.
Getränte.
MarkuSgemetnde.
Den 29. Januar. Georg Prinz, Taglöhner zu Gießen, und Elisabeth Sauer, Tochter des Taglohners Jost Sauer zu Rausch-
Markusgemetnde.
Den 26. Januar. Dem Glaser Friedrich Wilhelm Roßberg eine Tochter, Johanna Helene, geboren ben 21. September.
Lukasgemetnde.
Den 26. Januar. Dem Schriftsetzer Hermann Christian Haagen ein Sohn, Philipp Gottfrieb Heinrich, geboren ben 25. December.
D nselben. Dem Branboersicherungsinspector Friedrich Zimmer ein Sohn, Karl Heinrich Eduard, geboren ben 7. December.
Militärgemeinbe.
Den 26. Januar. Dem Vicefelbwebel Johannes'Jakob eine Tochter, Margarethe, geboren ben 24. November.
vnM0| Aneeinllnnn im Thurmhaus am Brand, Kunst-Aussieuung, geöffnet m«
nähme des Samstags, von 11 bis 1 Uhr, am Mittwoch auch noch von 3 bis 5 Uhr. Sonntag» während des »inten» ««unterbrochen »o« 11 bi» 3 Uhr. - Eintrittspreis für Nlchtmitglieber an Werktagen 50 Pffl., an Sonntagen 20 Pfg
Beerdigte.
MarkuSgemeinde.
Den 26. Januar. Justine Pyilippine Steue. iald, geb. Rödels Ehefrau bes Feldschützen Christian Steuerwalb, 41 Jahre all, fiere ben 23 Januar.
verkehr, Caw6» und volkrwirih-chaft.
Gieße«, 1. Februar. Marktbericht. Ans dem heutig« Wochenmarkt kostete: Butter vr. Pfb. .* 0,70—0,80, Hilhnneier pr. St. 7—8 4, 2 St. 00 4. Enteneier pr. St 9 H, Gänse- der pr. St. 00—00H, Käse pr. St. 5-8^, Käsematte pr. St. 3 4/ Erbsen pr. Liter 18 Linsen pr. Liter ü0 H, Tauben pr. Pa« A 0,80 bis 1,00, Hühner pr. Stück 1,00 bis 1,40, Hahnen pr. ©lüd A 1,30-1,70, Enten pr. Stück X 1,60-2,00, Gänse pr. Pfund A 0,46-0,54, Ochfenfleisch pr. Pfb. 72-76 H, Kuh- und Rinbfleisch pr. Pfb. 66-68 Schweinefleisch pr. Pfb. 56 bis O Schwein^ fleisch, gesalzen, pr. Pfb. 72 4, Kalbfleisch pr. Pfb. 60—64 4 Hammelfleisch pr. Pfb. 60-70 Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00 btt 5,00 A, Weißkraut pr. Stück 0-00 Zwiebeln pr. Centn« A 6,00-7,50, Milch pr. Liter 16-18
— Pommers»- Hypotheken AetieN'Bamk, verli«. In ber am 29 Januar c ^.vgehattenen Sitzung bes Curaiortum^ wuror ber Abschluß pro 1895 vorgetegt unb genehmigt. Aus demselben er- g'.ebt sich, daß bte Bank auch in dem abgelaufenen Jahre mit flur.it 'ßem Erfolge gearbeitet hat. Der Netto-Gewinn beträgt 100105k Marr (1894: 616077 Mark) Der außerdem erzielte außerordentliche Gewinn an Pfandbrief-Agio (abzüglich aller Stempel-, Anferttgungs-, DertriebSkosten rc. 1006823 Mark) ist sogleich vorweg tantsi-mefrei auf den außerordentlichen > vrsonds übertragen worden. Der auf ben 28. Februar er. einzuberu;en^:n Generalversammlung w"b die Derthetlung einer Dividenbe von 618°/o (in ben Voriahren je 6»/o), ferner bie Dotirung bes Beamten Pensions unb Unterstützungsfonds um weitere 110000 Mark (1894: 70000 Mark) und die Ueoertragung des Gewinn-Restes von 10S444 Mark (1894: 110924 Mark) auf den außerordentlichen Reservefonds vorgeschlagen. Die liquiden Mittel ber Bank (Cassa, Effecten sDeutsche Staatspapiere k.] Wechsel und Bankgulhabin) betragen 11581811 Mmk, die Anlage im Hyvotheken- gefchäft 127338740 Mark (1894: 94030872 Mark), bte gejammten Reserven nach ben erwähnten Überweisungen 3834 376 Mark — ca. 38° o bes Actiencapitals. __ ___________
Uder höchsten Regeln ber Lebensklugheit ist „VorauSdenkm, heute auf morgen unb noch auf viele Tage." Wenn irgenb wie, gilt biese Regel für die Hygiene und nicht am wenigsten für deren speciellen Theil die Hautpflege. Die Haut verlangt eine solche Pflege, weil sie ein Werkzeug ist, welches für die Regulimng unseres Organismus von höchster Bedeutung ist, weil sie, wie kein anderes Organ des Körpers dem schroffen Temperaturwechsel ausgesetzt ist unb wett sie, wenn sie einmal abnorm gestimmt ist, ben Boben für alle möglichen Erkrankungen abgtbt. Das beste Mittel bte Haut zu Pfleg« ist bas Lanolin, jenes F-tt, das erst vor wenigen Jahren entdeckt worben ist unb bas nach wissenschaftlichen Untersuchungen mit bem in ber Haut enthaltenen Fett identisch ist Ist das Lanolin ein hervorragendes Schönheitsmittel für Erwachsene, so wird auch seine Anwendung in ber Kmberstube auf das angelegentlichste empsohlm, ba bort die Hautpflege unerläßlich ist. Das Lanolin sindet sich in der Form von „ ,, ,
,2a«oli« • Toilette-«ream • Lanolin"
in fast allen L-potheken uno Drogerien. Beim Ankauf achte man darauf, daß sämmtltche Packungen zur Garantie der Echtheit Ne Schutzmarke „Pieilrtng" »ragen.___2--
Jagdverpachlung.
Mittwoch den 5. Febr. d. I , Nachmittags von 2 Uhr an, soll bie hiesige Gemeindejagd auf weitere 6 Jahre tm Gemeindehaus dahier nochmals verpachtet werden.
Alten-Buseck, den 31. Januar 1896. Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck. 1057_______Körber.___________
Versteigerung.
Dienstag den 4. Februar d. I.,
Nachmittags 3 Uhr,
werben Marktplatz 20 bahier gegen Baarzablung versteigert:
3 Hobelbänke, mehrere geschnittene Stämme Eichen- unb Buchenholz, ein vollständig Glaserhandwerksgeschirr, Glas-, Porcellan-, feine Gebrauchs-, Luxus-, Elfenbein- und Schilbplatt- roaaren, 1 Schreibsecretär, Brockhaus- scheS ConversattonSlexicon, 6 Bett- foltern, 12 Bettvorlagen, 25 geschweifte Leisten. 3 Sophas, Kleiderschränke, Commoden, Tische, Stühle unb sonst Verschiedenes.
1076 Born, Gerichtsvollzieher
KrÄdtthesßscheEisknbaiinen
Die Lieferung von Schreibmaterialien unb FahrkartencartonS für die Zett vom 1. Avril 1896 bis 1. Aprtl 1897 soll Vergeben werben.
Lieferunasangebote ftnb spätestens bis zum 19. Februar b- Js., Vormittags 10 Uhr, portofrei, versiegelt unb mit entsprechenber Aufschrift versehen, an uns einzusenden Die Lteferungsbebingm'flen und das Verzeichntß der Gegenständc können bei unserer Magazins Verwaltung dahier etngefeben werben.
Gttßen, ben 31. Januar 1896.
1090 Gr. Direciion.
ÄL LHiWtHttW.
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Heute und Montag: Rindfl^fch, mcht ladenrein, pr. Pf' 52Pfg. 8chweineffeisch nicht ladenrein, pr. Pfd. 48Pfg.
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