Ausgabe 
1.11.1896 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

in Agitation otbl ete *

5*5$ !*Sm5 f lesend h- 1 in b J?.

jfa |ulSll* ia6 * die I, jS.'Sg

«niMi««.

7 611 ie« SantieU "» Sörien= weil ,ln Die $i.. *,*» Je- *flen. jene I,- eftimmungen. g0,*r lniinhandel aber ein- lten. Dies fiihrt W derselben in der müssen wegen deS

>rade der Laiidwirth- mal für das ganze Wti. Der handel nehmen können. Je >ür die Landwirlhschaft. fristen auischicben, sind Ireire, das man nicht |t, dasselbe bei späterer aust auf Temin und iigtn Gewinn. Grade größeren Zeitraum ist Auf das Schädlichste

i uns jetzt mit Hand aatsgläubiger.

in 3^procenlige von dem Herabgchcn de»

! Eriparniß aus dieser g btt Standen weiter 9.njuflrtbtn wirb fein Unterbeamten in beit Mn um rin W

das (StytM tintr idjcn W dcWstigl. ^attiotismus haben wir unserem langjährig

ir.

wegen der Söhne der Einjährig-Freiwilligen- >e Dienstzeit erkämpfen esie der kleineren Leute, wollte»/ daß Diejenigen, aen Privilegium zu ver- Ausbildung zum Krug daß die jungen Leute irdienst in ihrer bi rg Ausbildung ih" Militäroorlage stimm di-- -«-"'L Erhöhung der ^rieö

sef«D.? »« i y. B« * *

, t.. (lir die Lorlsgi Dienst^ .

«i^tir 1898 1«

' Ml d>-»» tritt von ' nd dn ! Unb * jftlüulW «II f'fffi'/te«le |iit d-« ®L w* jt» ««

0«*

-M

für ^UrdA

**1'6

-- **

müffe für die Erhaltung der Gewerbefreiheit, des Reichswahlrechts, der Preßfreiheit, der Bereinsfreiheit, der Freizügigkeit, der Freiheit des Grundeigenthums, so trägt die Schuld daran wesentlich die Socialdemokratie. Sie hat die Spaltung in das Biirgerthum ge- tragen. Die socialdemokratische Bewegung in ihrem Extremen nach links drängt andere Schichten der Bevölkerung den Extremen nach rechts zu.

Man sagt, es habe hier 1893 mancher Freisinnige dem Socialdemokraten die Stimme gegeben wegen der unentschiedenen Haltung des von freisinniger Seite ausgestellten Can- didaten. Der Vorwurf ist richtig. Der damalige Candidat war in seiner Parteistellung, in seiner Haltung zur Militärvorlage nicht klar. Alles dies trifft für den gegenwärtigen Kandidaten, Prof. Stengel, nicht zu. Man erwähne nicht, daß man eine gerechtfertigte Opposition gegen Projecte der Gesetzgebung kräftiger zum Ausdruck bringt, wenn man dem Socialdemokraten statt dem Freisinnigen die Stimme gibt. Was im liberalen Sinne zu erreichen möglich ist, dafür einzutreten, lassen wir es an Energie und Schneidigkeit wahrlich nicht fehlen. Auch die Socialdemokraten können im Reichstag nur mit Wasser kochen.

Aber die Socialdemokratie will nicht nur das Erreichbare, sie strebt auch nach dem Unerreichbaren und Ungerechtfertigten in Militärfragen, Steuerfragen und Fragen des Arbeitsverhältniffes. Weisen wir den Socialdemokraten dies im Einzelnen nach, so sagen sie: was schcert uns die heutige Gesellschaftsordnung, wir wissen eine bessere Ord­nung für unseren Zukunftsstaat. Fragen wir sie dann nach den Einrichtungen dieses Zuknnftsstaates, so sträuben sie sich, ein klares Bild desselben zu zeichnen. Aber in ihrem Programm steht, daß alle Productionsmittel vergesellschaftet werden sollen. Das ist gleichbedeutend mit Verstaatlichung. Denn die auf Zwangsgewalt gegründete Gesell­schaft ist der Staat. Was bedeutet die Verstaatlichung der Productionsmittel. Aller Grund und Boden, Haus und Hof, auch das kleinste Besitzthum, Maschinen, Werkzeuge, Werthpapiere, Sparkaffenbücher denn auch diese sind Anweisungen auf Productions­mittel, alles dies wird den Privaten eonfiscirt. Alle selbständigen privaten Betriebe sollen aufhöreu. Der Bauer wird Tagearbeiter, der Handwerksmeister Fabrikarbeiter, der Kaufmann Ladendiener, Alle werden Beamte und Arbeiter in einem großen ein­heitlichen Staatsbetriebe.

Daraus folgt zunächst schon die Vernichtung jeder wirthschaftlichen und persönlichen Freiheit. Denn wenn es im Staat nur einen einzigen Arbeitgeber, die oberste Staats­behörde, giebt, so muß sich Jeder, der essen will, gefallen lassen, an dem Ort zu ar­beiten, Dasjenige zu arbeiten, wozu er von Oben herab commandirt wird. Jede Frei­zügigkeit, jede Freiheit in der Wahl des Berufs muß aufhören. Nicht bloß die Freiheit in'der Production wird zerstört, auch die Freiheit in der Consumtion; denn man muß alsdann Dasjenige verzehren und verbrauchen, was der Staat als einziger Producent und Lohngeber dazu anweisb.

Aber, so sagen die Socialdemokraten, wir sichern die Freiheit dabei, durch Ein­führung des gleichen geheimen Wahlrechts inbetreff der Vorgesetzten.' Es giebt aber eine persönliche Freiheit, in die Niemand sich hineingreifen lassen will, weder von einer Minderheit, noch von einer Mehrheit (Sehr richtig!). Jedermann will allein entscheiden über Das, was in den wichtigsten Fragen, welche die eigene Person angehen, zu ge­schehe» hat. Wenn überdies Jemand unfrei ist in allen wirthschaftlichen Beziehungen, so nützt ihm auch die politische Freiheit des Wahlrechts nichts. Früher hatten auch die Soldaten in der Kaserne das Reichswahlrecht. Trotz der geheimen Abstimmung wurden die Stimmen immer genau so abgegeben, wie es der Commandeur haben wollte.

Entschädigt nun etwa für den Verlust jeder persönlichen und politischen Freiheit der größere Antheil des Einzelnen an dem Gesammtertrage der Production? Das gerade Gegentheil ist der Fall.

Es ist nicht richtig, daß, je größer mau den Betrieb gestaltet, derselbe um so pro­ductiver wird. In der Laudwirthschaft producirt der mittlere und kleinere Besitz per Hectar weit mehr als der Latifundienbesitz, und auch im Gewerbe sind den Vortheilen des Großbetriebes natürliche Grenzen gezogen.

Aber entscheidend ist vor allem, daß mit dem Fortfall des Eigeuintercsscs an der Production der ganzen Ernte, dieselbe zurückgehen muß. Das Bestreben, etwas für sich selbst und die ©einigen vor sich zu bringen, sich emporzuarbeiten, ist es, was den Einzel­nen veranlaßt, sich immer mehr auszubilden, zu vervollkommnen und fleißig und sparsam zu sein. Die freie Concurrenz in unserer Gesellschaftsordnung ist es, die zugleich den Einzelnen anspornt und doch verhindert, daß sein Vortheil auf Kosten der Allgemeinheit unverhältnißmaßig groß wird. Die freie Concurrenz beschränkt den Vortheil des Einzelnen zu Gunsten der Allgemeinheit. Schalten Sie diese großen Factoren des Wirthschaftslebens aus, so sinkt nicht bloß die Production, sondern der ganze Kultursland herab zu einer solchen Tiefe, wie wir sie uns nicht mehr vorstellen können, weil sie weit in die ersten Anfänge der Civilisation zurückreichen würde. # , r . ,ri .

Nun hört man oft sagen, alle diese Probleme der Socialdemokratie feien Utopistenen, feien Zukunftsmusik. Aber durch die Ausbreitung solcher falschen Vorstellungen wirkt die Socialdemokratie auch schädlich unmittelbar in der Gegenwart. Die Socialdemokratie ist schuld, daß sich unter den Arbeitern ganz falsche Begriffe verbreiten über die Bedeutung de- Unternehmers und des Arbeitgebers. Gewiß, ohne den Arbeiter keine Production! Aber um die Arbeit wirklich productiv zu machen, muß ein Leiter, ein Unternehmer da fein, der die Arbeit im einzelnen zusammenfügt, der das Risico trägt und der für den

Absatz sorgt. Wenn für den Arbeiter nach fleißiger Arbeit die Feierstunde schlägt, f» kann er sich der Sorge um die Arbeit bis zum andern Morgen entschlagen. Nicht so ist es immer bei dem Arbeitgeber.

Dieser muß fortwährend daran denken, auch weiterhin genügende Arbeitsaufträge zu haben, muß sorgen, daß das Product auch verkäuflich wird und, wenn es verkauft ist, der Kaufpreis auch zur Zahlung gelangt.

Man weist auf einzelne reiche Unternehmer hin, aber man vergißt, wie viele andere ihr Vermögen in Unternehmungen verlieren, weil die Conjuncturcn ihnen entgegenarbeiten.

Indem die Socialdemokratie die Bedeutung der Unternehmer verkennt, dasjenige, was denselben zukommt als Zin- für das Capital, als Entgelt für die Leitung des Unternehmens und für das Risico, erweckt sie bei den Arbeitern falsche Vorstellungen, welche das ganze Arbeitsverhaltniß vergiften können (Beifall).

Das gereicht auch den Arbeitern selbst zum größten Nachtheil; denn im letzten Grunde sind die Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern solidarisch und harmonisch. Wenn die Unternehmungen gedeihen, dann entstehen bald neue Unternehmungen oder die bestehenden werden erweitert. Je mehr aber Unternehmer, desto mehr Nachfrage nach Arbeitern. Mit der Nachfrage nach Arbeitern steigt von selbst der Arbeitslohn. Wenn aber umgekehrt dem Arbeitgeber durch das Verhalten der Arbeiter die Lust verleidet wird, seine Unternehmungen auszudehnen oder neue zu beginnen, so schränkt sich die Nachfrage nach Arbeitern ein und damit verschlechtern sich auch die Löhne und die Arbeitsverhältnisse. .

Niemand kann leugnen, daß im Laufe der letzten Jahrzehnte die Arbeitsverhaltnisse sich außerordentlich aufgebeffert haben. Wenn auch noch große Mißstände, viel Elend, viel Noth vorhanden sind, so muß man doch zugeben, daß die Welt sich fortbewegt, daß die Arbeitszeit kürzer, der Lohn höher geworden ist und daß der Cousum gerade in Demjenigen, was die Masse braucht, das ist statistisch nachweisbar, erheblich ge­stiegen ist, auch für den Kopf der Bevölkerung. Der Zinsfuß sinkt, die Löhne steigen, der Unternehmergewinn kann sich alsdann verringern, wenn der Friede gesichert bleibt, nicht bloß nach außen, sondern auch im Innern in den Arbeitsverhältnissen selbst.

Der 18. Oktober ist ein Gedenktag nicht bloß als Schlachttag von Leipzig, sondern auch als Geburtstag des Kaisers Friedrich. Kaiser Friedrich war ein Friedens­fürst. Er schrieb 1870/71 in seinem Tagebuch, er hoffe, daß nun genug der blutigen Arbeit sei und daß er einen weiteren Krieg nicht mehr erleben werde. Er betonte in diesem Tagebuch wiederholt diePflicht zum freisinnigen Ausbau des Deutschen Reiches". Er erkannte, daß einst die Zeit kommen werde, in der man mit ihm zu rechnen habe als dem ersten Fürsten auf dem Thron, der rückhaltlos den verfassungs­mäßigen Einrichtungen zugethan sei. Er betonte die Notwendigkeiteines freisinnigen Ausbaues des Deutschen Reiches" und sprach die Hoffnung aus, daß die Generation, die mit ihm zu rechnen haben werde, ihn in diesem Wirken für den freisinnigen Ausbau unterstützen werde. Uns fällt es nicht ein, diese Absichten des Kaisers Friedrich zu identisiziren mit den Einzelheiten unseres Parteiprogramms. Aber wahr ist es und bleibt es, daß die Einheit des Deutschen Reiches in der Zukunft nur gesichert erscheint nut der Ausgestaltung und Ausbildung der Freiheit im Innern. Dieser freisinnige Ausbau, er ist in den letzten Jahren in unserer inneren Entwicklung nur allzu sehr in den Hinter­grund getreten.

Ich meine, auch gemäßigtere Liberale, auch die vertrauensvollsten unter den Liberalen müßten angesichts mancher Vorkommnisse gerade in der letzten Zeit des Her­vortretens einer unverantwortlichen Nebenregierung, der Unstetigkeit des Curses der Re­gierung, sich mit uns in dem Bestreben vereinigen, den freiheitlichen Ausbau zu ver­vollkommnen. Vorbedingung dafür ist ein angesehenes Parlament. Ein Parlament ist für Deutschland ebenso die nothwendige Klammer der deutschen Einheit, wie die Kaiser­krone. Ein angesehenes Parlament aber haben wir nur dann, wenn der wilde Jnter- essenkampf, von dem ich Eingangs gesprochen, aufhört, wenn man nicht mehr danach fragt: Was nützt Dies und Das einzelnen Berufsklassen, nicht darauf ausgehl, ein Stück der Staatsmacht auszubeuten für Sonderinteressen, sondern wenn man auf allen Seiten nur einzig nnd allein das Allgemeininteresse gelten läßt. Gewiß, verschiedene

politische Parteien müssen sein, sonst würde das öffentliche Leben versumpfen, der Stachel für den Fortschritt verschwinden. Aber alle politischen Parteien sollten eingedenk sein,

daß sie den Beruf haben, nicht eine einzelne Klasse, sondern das ganze Volk zu ver­treten. Wie es in unserem Wahlaufruf für Stengel heißt: wir wollen nicht sein eine

Partei einer einzelnen Berufsklasse, weder nur der Arbeitnehmer, noch nur der Arbeit­geber, nicht sein eine Partei nur des Großkapitals oder nur des Grundbesitzes. Wir wollen einzig und allein sein eine Volkspartei, welche sich das Gemeinwohl als Leitstern. und Richtschnur dienen läßt.

Das ist es auch, worauf es bei dieser Wahl ankommt. Wenn Sie unserem Can- didaten Prof. Stengel Ihr Vertrauen schenken, so sind wir sicher, daß Sie uns zu­gesellen eine kräftige Stütze in unseren Bestrebungen, die einzig und allein darauf ge­richtet sind, nach bester Ueberzeugung zu dienen dem Heil des Volkes und dem Wohl des Vaterlandes. (Langer, anhaltender, stürmischer Beifall.)

Aus der Mitte der Versammlung wird ein dreifaches Hoch auf den Redner, Reich-- tagsabgeordneten Richter, ausgebracht.

Verlag Lev Freisinnigen'WnhlcomilLs in Gießen. »eühl'sche Univ-Buch- und Steindruckerei (Pietsch L Scheyd«), Gießen.