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*) In der „Wittekdeulflhen ^okkswackit" wird unter allerlei Schimpfreden auf den Abg. Dichter behauptet, daß derselbe in obigen Angaben die Unwahrheit gesprochen Da das Blatt sich in dieser Frage selbst auf die Protocolle des Reichstags bezieht, so kann der Vorwurf nur wider befferes Wissen gemacht sem Denn die An aben entsprechen genau dem Protokoll des Reichstags, welches in zweiter ZSeralhuua übet die namentliche Abstimmung am 20. Juni geführt worden ist.
Die anderweitigen Zahlen der „Deutschen Volksmacht" beziehen sich dagegen auf die am 30. Juni stattgehabte dritte Aerathung. Bei der dritten Berathung hatte sicb, was die „Deutsche Volksmacht" unterläßt mitzuiheilen, d.r Abg. Werner wieder einmak umgekrempett. Während er in der zweiten Berathung gegen die Ersahpfl cht gestimmt hatte, stimmte er in der dritten Berathung dafür. Außerdem waren noch vier Antisemiten erschienen, welche in der zweiten Beralhung unentschuldigt gefehlt hatten. Von diesen war aber Abg. Müller nur gekommen, um sich der Abstimmung zn enthalten, mährend d.e Abgg Bindewald, Förster und Hirsche! mit Werner für die Ersatzpfttcht stimmten. Dies zur Erklärung für bie verschiedenen Angaben. Die Enrsch-idung in der Krage war tatsächlich schon durch die Abstimmung bei der zweiten Berathung getroffen. .
Hebung der Fachbildung der Landwirthe. Auch sind wir eifrige Förderer des Genossenschaftswesens. Schulze-Delitzsch, der Begründer und Führer unserer Partei, hat uns hier die Richtung gegeben. J
. NaA Listen Vorschriften sind zahlreiche Vorschußvereiue und Volksbanken gegründet worden, die den Wucher wirksamer bekämpfen als alle Strafparagraphen und auch dem Sandmann einen billigen und soliden Credit gewähren. In derselben Richtung sind hlnzugekommen die landwirthschaftlicheu Genoffenschaftcii für die Beschaffung von Düngemitteln und Saaten, für gemeinsamen Bezug von Werkzeugen und Maschinen, für die Erleichterung des Absatzes. Alle diese Genossenschaften finden im Interesse des mittleren und kleinen Bauernstandes unsere lebhafte Unterstützung.
Wirksamer noch würde in dieser Richtung die Unterstützung der Landwirthschaft fein, wenn nicht die dentsch-sociale Partei und theilweise auch die Natioualliberalcu die Landwirthe abzogen durch den Hinweis auf sogenannte große Mittel, welche helfen sollen. Auch sie RatlonaUiberalen haben sich nicht einmüthig gegen den Antrag Kanitz verwahrt. Der Antrag Kanitz will durch Monopolisirung der Getreideeinfuhr in der Hand des Staates künstlich die Getreidepreise im Innern in die Höhe steigern znm Nachtheil aller Eonsumenten infolge der sich daraus ergebenden Brotverthcnernng. Denn der Staat kann Überhaupt Nlcmand etwas geben, was er nicht anderweitig vorher weaacnommen hat (Sehr richtig).
,, . Wer aber hat den Vortheil ans der künstlichen Belastung der gesummten brotessenden Bevölkerung? Dnrchaus nicht die Gesamintheit der landwirthschaftlichen Betriebe. Die Statistik weist nach, daß 76 Procent der landwirthschaftlichcn Betriebe ganz und gar keinen Vortheil von der künstlichen Preissteigerung des Getreides haben würden, weil in allen Betrieben mit weniger als 5 Hectar weniger Getreide gebaut werden kann, als für den Haushalt au Brot, Mehl u. s. w. verzehrt wird. Im Groß- herzogthnm Hessen aber siud 54000 laudwirthschaftliche Betriebe, die noch nicht den Umfang eines einzigen Hectars erreichen. Im Durchschnitt aller landwirthschaftlichen Betriebe von mehr als einem Hectar sind die landwirthschaftlichen Betriebe des Groß- herzogthnms 5% Hectar groß. Wenn der Nutzen des Antrags Kanitz erst bei 5 Hectar Munt, so ergiebt sich daraus, wie gering die Zahl der Betriebe ist, welche wirklichen Vortheil aus dem Antrag Kanitz haben wurden. Im Osten, wo die großen Güter sind, stellt sich die Sache allerdings anders. Je mehr der Westen für die Ernährung der dichteren Bevölkerung Getreide aus dem Osten nnd aus dem Ausland bedarf, desto größer ist auch der Nachtheil durch die höhere Belastung des Consums.
Wenn man dazu übergehen sollte, durch künstliche Mittel den Getreidepreis zu steigern, so könnte dasselbe verlangt werden auch für die Steigerung des Preises von Vieh, Gemüse, Eiern, Butter und Fleisch. Und warum alsdann nur für die Producte der Laudwirthschaft und nicht auch für die Produkte des Handwerks und der Industrie? Warum sollte denn nicht auch ebenso wie die Grundrente auch die Zinsrente und die Miethsrente durch den Staat künstlich gesteigert werden? Wenn aber alles im Preise erhöht wird, so müßte doch auch der Arbeitslohn entsprechend gesteigert werden (Beifall) dies wurde doch schon dre Gerechtigkeit verlangen. Würden aber alle Preise gleichmäßig gesteigert, was hätte es dann zuletzt für eine Wirkung? Keine andere, als daß mau zwar mehr Geld einnimmt, aber ebenso auch mehr Geld ausgiebt, also nur größere Geldstücke in der Hand umdreyt (Beifall).
Wie schädlich aber grade für die Landwirthschaft die von antisemitischer und uatio- nauibcraler Seite vorgeschlagenen Heilmittel sein können, zeigen die Folgen der Zucker- stcuernovclle aus dem Mai dieses Jahres. Sie sollte dazu bestimmt sein, im Jntereffe des Rübenbaus die Zuckerpreise zu steigern. Statt desseu hat sie durch Erhöhung der Ansfuhrprämien einen Druck auf die Weltmarktpreise mit sich geführt, welcher zur Folge hat, daß auch die Inlandspreise nicht gestiegen, sondern ein Viertel gefallen sind, verglichen mit der Zeit vor der Zuckersteuernovelle. Und jetzt bildet sich je ein großer Ring der Zuckerfabriken, um zum Schaden der Landwirthschaft den Rübenbau einzuschränken und durch künstliche Verringerung der Production die Zuckcrpreise zum Nachtheil aller Cousumeutcn in die Höhe zu schrauben. Die Nationalliberalcn haben für ein solches, grade für die Landwirthschaft feindliches Gesetz gestimmt und ebenso die Antisemiten, freilich, nur soweit, wie sie im Reichstag anwesend gewesen sind (Heiterkeit). Abg. Köhler ist ja überhaupt nur 7 Mal von 47 namentlichen Abstimmnngrn im Reichstage anwesend geweseu. Ich kenne ihn nicht einmal von Ansehen.
Als wegen der Ausfuhrprämie die Zuckerstcuer in der letzten Reichstagsession erhöht wurde, wollte der Schatzsckrctär auch noch für den Fiskus einen Gewinn machen und noch eine weitere Mark auf die Verbrauchssteuer schlagen. Wir verbanden uns dagegen mit den Konservativen. Hier mindestens hätten doch die Antisemiten mit uns stimmen müssen zur Abwehr fiskalischer Steuern auf nothwendige Lebensmittel. Aber als wir uns nach denselben umsahen, da fehlten von den 15 antisemitischen Abgeordneten 8. Nur 7 waren zugegen, nnd von denselben stimmten 4 für die Erhöhung und'3 dagegen (Große Heiterkeit). Wenn also nur einer anwesend gewesen wäre, hätte er ebenso viel bedeutet wie die ganze Fraction.
Die Antisemiten nnd die Nationalliberalen prahlen mit ihrer Bauernfreundlichkeit. Nichts aber ist doch natürlicher, als die Baueruäcker zu schützen gegen Wildschaden. Darum haben wir stets darauf gedrungen, daß Hochwild nur in eiugehegten Bezirken unterhalten werden kann. Wir haben in der Commission für das Bürgerliche Gesetzbuch es durchsetzen helfen, daß Wildschaden vergütet wird auch für das aus den Forsten auf die Bauernücker wechselnde Wild, und ebenso der Schaden, den die Hasen insbesondere an Obstbäumen und Gärten anrichteu. Aber dagegen empörte sich das ganze Gemüth unserer Junker. Sie drohte«, lieber das ganze Bürgerliche Gesetzbuch fallen zu lassen und den Reichstag durch Fortbleibeu beschlußunfähig zu machen, wenn solche Ausdehnung des Wildschadenersatzes beschlossen würde. Da haben ihnen leider die Nationalliberalen nachgegeben.
Wo aber waren die Antisemiten bei dieser für den Bauernstand wichtigen Frage? Von den antisemitischen Abgeordneten war nach Ausweis der Liste über die namentliche Abstimmung einer beurlaubt, 11 fehlten ohne Entschuldigung, nur 3 waren anwesend. Von diesen enthielten sich noch 2 der Abstimmung und einer stimmte gegen die Ausdehnung des Schadenersatzes (Große Heiterkeit. Hört, hört!).*)
Sie grofte Wahlerversammlnng, welche der Vorstand des freisinnige« S°nn ag den I8^O-.°b-r nach ..Steins Garten" einberufen h!.te, war 1 in de" vorhergehenden ^agen herrschenden Begehr nach Eintrittskarten nicht anders zu erwarten war, sehr zahlreich besucht, so daß schon lange vor Beginn des Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Nachdem der Redner
VersammlungReichstagsabgeordnete Engen Richter, unter lebhaften Hochrufen der £ Z 1 Saal betreten, nahm Herr Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Metz im^^o^^degrußte zunächst Herrn Eugen Richter als den Vorkämpfer des Volkes des Vater andes und der Partei, der trotz vieler Pflichten dem Rufe, «ach 3 °m,nen' ße gleistet habe uud den Wähler« beizusteheu im bevorstehenden SvunipTv.
rtla ^"aen Richter empfiehlt dcu srcisiunigcu Caudidaten, Prof. Stengel, frfiÄ V s- $ieu"b' c'nen selbstlosen, überzeugungotrcuen Politiker, der jedem Wahl-
ols Candidat und als Abgeordneter zur Ehre gereichen wird. Oberhessische Reichs- tagswahlkreste sind schon wiederholt durch Abgeordnete unserer Partei vertreten gewesen; niemals hat solche Vertretung dem Kreise zur Uuchre gereicht.
den gegenwärtigen wüsten Jntercsseukampf, bei welchem einzelne Gruppen der Bevölkerung, unbekümmert um das Wohl des Ganzen, nur die Staats- mncyt und die Klinke der Gesetzgebung auszubeuten suchen für ihre Sonderiutcresseu. Dieser Vorwurs tr,fit auch die nntionolliberalc Partei, welche dem Zersetzungsprozcß verfallen ist, weil sie glaubt wirthschaftliche Fragen als offene Fragen dem Sondcriuteresse der einzelnen Gruppen überlassen zu können.
.... Die trübseligste Erscheinung in der Gegenwart aber ist die deutsch-sociale oder antisemitische Partei, weil sie sich richtet nicht gegen die sachlichen Ziele anderer Parteien, sondern bekämpft de« Mensche« als solche« nach seiner Confessio« und nach feiner Ab- stamuiung, nnd weil sie leugnet die Grundlage alles friedliche« nud einträchtige« Zu- sammeiiwirkens der Parteien, die Gleichberechtigung aller vor dem Gesetz.
Sie stellt in den Mittelpunkt ihrer Bestrebungen die Bekämpfung des Jndeuthums. ~,cnn tol^r E'o, daß die 99 Procent Christen in Deutschland in Gefahr ständen, x- *"erbe" von dem einen Procent der jüdischen Bevölkerung, was müßte daun
die deutsche Nation gerade im Sinne der Antisemiten für eine elende, jämmerliche Gesellschaft sem (Beifall). Gewiß, es giebt schlechte Menschen unter den Juden, aber auch unter den Christen. Man soll die Schlechten verfolgen uud mißachten, wo man sie Mfft, ui jeder Maste; aber man hüte sich zu verallgemeineru aus der Abstammung, aus der Religion, ob gut oder schlecht. Das kränkt Diejenigen, die sich bewußt siud, gut zu sein, gewahrt aber Deckung grade den Schlechten, die uuumehr es so darstellen können, daß sie verfolgt werden, nicht weil sie es persönlich verschulden, sondern aus angeblichem Vornrtheil gegen Confessio« und Abstammung.
Parteien, die dergleichen zum Mittelpunkt ihrer Thätigkeit nehmen, können für die Dauer keinen Bestand haben. Sie können einzelne Geschäftspolitiker anziehen, die sich virtnosenhaft ausbilden in der Verspottung und Karrikierung, in der Aufreizung zum Haß gegen die jüdische Bevölkerung; aber für die Dauer ist solch einseitiges Virtnosenthllm selbst für einen gewöhnlichen Schauspieler nicht ausreichend, um ihm eine Existenz zu sichern. Selbst wenn der Gewerbebetrieb im Umherzichen damit verbunden wäre, müßte man ihn zuletzt, wie bei Ahlwardt, noch bis auf Amerika ausdehnen, um den Unterhalt daraus gerannte« zu könuen (Große Heiterkeit).
Im Reichstag siud die Antisemiten nur die Spaßmacher unserer Junker (Beifall), die über, solche Witze lachen, aber sich für zu vornehm halten, sie selbst zu machen. Doch auch diese« raerden die antisemitischen Witze im Reichstag für die Dauer zu öde und zu langweilig, und so sind die antisemitischen Redner im Reichstage rairksamer als Haus- lcercr (Heiterkeit) als irgend welche anderen Redner.
Weil der Antisemitismus allein die Partei nicht aufrecht zu erhalten vermag, hat sie sich ein Programm zurecht geflickt, aus allerlei Lappen, zum größten Theil entnommen der conservativcn Partei, verbrämt auch mit einzelucn Streifen aus liberale« Programmen. Nach Art der Wunderdoktoren auf dem Jahrmarkt preist die deutsch-sociale Partei für jede Noth uud jedes Gebrechen ihre Heilmittel an. Man muß nur daran glauben (Heiterkeit) nnd wenn nicht Geld, so doch wenigstens einen Stimmzettel in den Kasten werfen.
Freilich, wer sich in Noth befindet und leidet, glaubt leichter au die Recepte der Wnudermäuner als diejeuigeu, die ruhig und klar bei'Verstand das Verhältuiß von Ursache uud Wirkung prüfen. Eine Zeil wirthschaftlichen Niedergangs in den letzten Jahren ist der Fluth der antisemitischen Bewegung zu statten gekommen. Jede Tollheit von dieser Seite hat zeitweilig ihr Publikum gefunden. Ich erinnere nur an die Verdächtigung der Löwc'schen Waffenfabrik. Wenn im Mittelalter Epidemien einen Ort hcimsnchten, so ergriff der Glaiibe die Bevölkerung, die Juden hätten die Brunnen vergiftet, und die schändlichsten Verfolgungen traten alsdann ein. Auf einen Rest jenes Aberglaubens und jener Barbareietl der Volksseele speculiren die Antisemiten noch heute, indem sie überall, wo Dtißstände hervortreten, die Vorstellung zu erwecken sucheil, Kniffe und Pfiffe der Juden trügen die Schuld daran.
Jetzt, rav das wirthschaftliche Leben sich wieder in aufsteigender Richtung bewegt, verläuft in den Städten uud den iudustricllen Bezirken die Fluth der antisemitischen Bewegung. Desto krampfhafter klammer! sich die deutsch sociale Partei noch an das platte Üaiib, an den Baneriistand. Mau sucht es so darzustellen, als ob man in der Lage sei, allen Uebelständeu der bäuerlichen Bevölkerung abznhelfeu. Allerdings sind die Getrcide- prcise in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen. Aber ebenso wie die Grundrente hat sich auch die Ziusrente vermindert.
Die Antisemiten versprechen der Landwirthschaft stetige Getreidepreise. Stetige Getreidepreise aber kann es nicht geben, so lange man nicht ein Mittel erfunden hat, die Witterung stetig zu machen (Heiterkeit und Beifall). Getreidepreise hängen ab von dem Angebot, das auf dem Weltmarkt erscheint. Dieses aber ist bedingt von den Ernteerträge«. Auf dem ganze« Weltmarkt waren in den letzten Jahren die Ernten vorzüglich. In Deutschland kam 1895 zur guten Getreideernte eine gute Kartoffelernte und eine gute Obsternte. Diese Conjuncturen aber sind nicht dauernd. Auf die Dauer wächst in der Weltwirthschaft die Bevölkerung, die Getreide consumiren muß, stärker als die Zahl der mit Getreide bebauten Hectare. Darum hat auch der Getreidepreis seine natürliche Untergrenze, und schon die ungünstigen Ernten in Ostindien und Australien haben auf die deutschen Getreidepreise derart steigernd eingewirkt, daß sie erheblich höher stehe« als zur Zeit, wo der russische Handelsvertrag 1894 in Kraft trat.
Auch darf man nicht vergessen, daß die Viehzucht sich bei steigenden Fleischpreisen in den letzten Jahren erheblich zu Gunsten der bäuerlichen Bevölkerung entwickelt hat. Die Viehzählung von 1893 im Reich ergab einen um 800 Millionen höheren Werth des Viehbestandes, als die Zählung von 1883. Natürlich, je billiger das Brot, desto mehr kann die Bevölkerung von ihrem Einkommen für Fleisch ausgeben.
Aber wie dem auch sei, wir erkennen die Pflicht an, Uebergangsverhgltnisse, die «us «achtheiligen Conjuncturen entstehen, zu mildern, soweit es geschehen kann, ohne dadurch die Interessen der Allgemeinheit und anderer Bevölkerungsklaffen zu schädigen, tleberall treten wir daher im bäuerlichen Interesse ein für Ausbildung des Verkehrsnetzes, rationelle Gestaltung der Eisenbahntarife, für Meliorationen jeder Art, für
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1 mit festem Gehalt, letreffende seine bis- flung aufjugkben ge> feiten unter A 200 m d. Bl. 9410


