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1.8.1896 Zweites Blatt
 
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Amts- unb Airzeigeblatt für den "Kreis tlfiefzen.

Gratisbeilage: Gießener Jamitienölätter.

Annahme von Anzeigen -u der Nachmittags für de« ->kgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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Die Gießener

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Der

Lietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger.

Anrtlirher Theil.

Nr. 23 des Reich» * Gesetzblattes, auSgegebeu den 28. d. MtS., enthält:

(Nr. 2324.) Bekanntmachung wegen Redaction deS Gesetzes, betreffend die kaiserlichen Schutztruppen in den afrikanischen Schutzgebieten und die Wehrpflicht daselbst. Vom 18. Juli 1896.

Gießen, den 30. Juli 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

den Ausbruch der Räude betreffend.

Unter den Schafen zu Allendorf, Kreis Kirchhain, ist die Räude festgestellt und Gemarkungssperre angeordnet worden.

Gießen, den 30. Juli 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung.

Der landwirthschaftliche BeztrkSverein des Kreises Gießen wird

Dsuuerstag den 27. August 1896

diif dem Viehmarktplatze zu Grünberg gelegentlich deS Viehmarktes eine Biehpreisvertheilung veranstalten, fflr welche die nachstehenden Bestimmungen getroffen find:

I. Bezüglich der von dem landwirthschaftlichen Bezirks­verein zur Ausführung der Biehpreisvertheilung zur Verfügung gestellten Mittel in dem Betrage von 500 Mk.

1. An der Ausstellung können fich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter, Viehhändler ausgenommen, be- theiligeu.

2. Sämmtliche aufzustellenden Thiere find bis Morgens 9 Uhr auf dem Viehmarktplatze zu Grüuberg aufzu- treiben und von den Besitzern auf den ihnen von der Commission angewiesenen Ständen aufzustellen. Nur preiswürdtge Thiere werden prämtirt und zwar:

a. Bullen im Alter von 1 bis 2Va Jahren, b. Rinder, welche sichtbar trächtig und

c. Kühe, die sichtbar trächtig find oder frisch gekalbt haben.

3. Diese Thiere müssen selbst gezüchtet oder zum Zweck der Zucht mindestens 2 Monate vor der PreiSvertheiluug erworben worden sein und

4. folgenden Rassen angehören:

a. Bullen dürfen nur der reinen Vogelsberger oder der reinen Simmenthaler Rasse angehören.

b. Mutterthiere ebenfalls nur der reinen Vogels­berger Rasse. Mutterthiere, welche eine weiße Färbung am Euter zeigen, werden erst in zweiter Linie prämiirt.

c. Mutterthiere der reinen Simmenthaler Rasse - sowie auch dann, wenn solche wenigstens aus« gesprochen deS Simmenthaler Typus find.

5. Unter sonst gleichen Verhältnissen erhalten selbst- gezüchtete Thiere bei der Prämiirung den Vorzug.

6. Hinsichtlich der Bullen Simmenthaler Rasse ist urkundlich oachzuweisen, daß solche entweder dtrect aus dem Stmmenthal eingeführt worden find oder daß dieselben aus einer Retnzucht stammen.

7. An Preisen werden aus VereinSmitteln gewährt:

A. Für Bullen:

1)

2)

3)

für den schönsten Bullen

// // // // ein Preis zu 40 Mk.

Simmenthaler Rasse Vogelsberger Raffe

45

45

40

Mk

H

//

4)

n '/ u 30

30

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5)

zwei Preise zu 20 Mk.

40

n

Zusammen 6 Preise in dem Betrage von

200

Mk.

6)

B. Für Kühe und zwei Preise zu 35 Mk.

Rinder:

70

Mk.

7)

H o n 30

60

//

8)

// // '/ 25 ,,

50

n

9)

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40

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30

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11)

fünf 10

50

w

Zusammen 15 Preise in dem Betrage von

300

Mk.

II. Bezüglich der von der Stadt Grünberg zur AuS- führung der Biehpreisvertheilung zur Verfügung gestellten Mittel in dem Betrage von 2OO Mk. gelten ebenfalls vorstehende Bedingungen, jedoch sollen aus diesen Mitteln auch nicht im Kreise Gießen wohnende Züchter bei Vorführung von pretswürdtgem Vieh mit Prämien bedacht werden.

LEI. Es bleibt dem Ermessen der PrämiirungScommisfiou überlassen, die bestimmten Preise innerhalb deS Gesammt- betrageS je nach der Güte der ausgestellten Thiere jeder Gattung auch zu übertragen.

Gießen, den 17. Juli 1896.

Der Vorstand des landwirthschaftlichen BeztrkSverein» Gießen. Carl Jost, RegierungSrath i. P.

n. Bon der Nidda, 29. Juli. Heute Nacht hatten wir heftigen Sturm, der vieles Obst abfchüttelre. Leider

sieht man auch in diesem Jahre wieder, daß das herunter» gefallene Obst fast allgemein unter den Bäumen liegen bleibt. Die Einsicht, daß selbst kleine, unscheinbare Jnsecten und deren Larven ganze Obsternten vernichten können, hat sich immer noch nicht genügend Bahn gebrochen und doch hatte man gerade in diesem Jahre hier wieder Gelegenheit, da» zu beobachten.

n Echzell, 29. Juli. Der Bau deS hiesigen neuen Bahnhofe» in den Wiesen hinter dem Parke deS Herrn v. Harnier hat bereits begonnen. Die Fundamentmauern de» Stationsgebäude» find fast fertig. Der Bau der hier nothwendig werdenden Brücke über die Horloff ist noch nicht augefangen, dagegen ist der der Brücke bei Gettenau bereits in Angriff genommen. Dieser bietet insofern einige Schwierig, leiten, al» die Brückenfundamente nicht auf dem nachgiebigen, aufgeschwemmten Moorboden errichtet werden können. Man muß fich künstlich durch Etnrammen starker Pfähle erst eine geeignete feste Unterlage verschaffen. Damit ist eben eine Anzahl Arbeiter beschäftigt. Zwischen dem hiesigen Bahnhofe und dieser Brücke muß ein Theil de» Moorboden» ausgehoben werden, weil er nicht tragfähig ist. Man ersetzt ihn durch Erde, welche man auf ' einem abseit» von der Bahnstrecke hinter unserem Marklflecken erworbenen Grundstück gräbt. Zur Beförderung dieser sehr großen Erdmassen hat der Unter­nehmer einen Schienenstrang legen lassen. Eine kleine Loco- motive und eine Anzahl eiserner Ktppwagen besorgen die Herbeischaffung der Erde.

Darmstadt, 30. Juli. In den nächsten Tagen finden auf den Strecken der Hessischen LudwtgSbahn Re- vifionSfahrten Seitens hessischer und preußischer Beaus- tragt« statt. Restaurateur Röhrig, der Besitzer der wohlbekannten RestaurationZur Oper", gedenkt am Ein- gange deS Wildparks und Stadtwalds, auf dem Gelände des Böttinger'scheu Felsenkeller», der in den 40er und 50er Jahren der BeretntgungSpunkt der guten Bürgerschaft Darmstadts war, ein Hotel mit Restaurant, insbesondere auch zur Aufnahme von Sommerfrischlern zu errichten. Auf der Ludwigshöhe, bekanntlich dem nächsten Höhepunkte der Residenz, der im Sommer namentlich von Mainzern zu längerem Aufenthalte viel besucht wird, find die Räume zu eng geworden und ist der Bau eines neuen zweistöckigen Hauses im Project- die landftändtsche Genehmigung dürfte wohl nicht versagt worden. DieSommerfrischleret" hat in unserer Zeit einen nie geahnten Aufschwung genommen.

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Feuilleton.

Allerlei über Studenlenauszüge.

Von Dr. O. Buchner.

(Nachdruck verboten.) (4. Fortsetzung.)

Was für eine Wirkung die beiden Eingaben für das Militär hatten, ist aus unseren Akten nicht zu ersehen- daß sie ohne alle Folgen für dasselbe geblieben wären, ist nicht anzunehmen. Jedenfalls wurde eine Untersuchungscommission ernannt, bestehend aus dem Geh. Rath Koch, den Reg.-Rathen Sues, Musäus und Benner und dem Professor Jaup. Etwas später kamen dazu noch der Oberst von Wrede und der Stadtkommandant Generalmajor v. Rohr. Nun gings an Zeugenvernehmungen am Morgen und Nachmitlag bis in die Nacht hinein, sodaß es nicht möglich ist, auf alle Aus­sagen, die alle auch beschworen werden mußten, genauer ein- zjugehn. Daß dabei mancher Meineid auf beiden Seiten mit unterlief, ist kaum zu bezweifeln, kann aber nicht bewiesen werden.

Es gab der Pedell Eckstein zu Protokoll, nach der Schlägerei in der Braugasse sei der Oberstlieutenant Schmal- llalder mit Mannschaft von der Hauptwache gelaufen kom- mcn und habe jedermann ohne Unterschied, wer ihm nur begegnet, geschlagen und mißhandelt, welches Spektakel un- Mleich größer gewesen, als das erstere, und sei besonders der Pädagogschüler Lauer so geschlagen worden, daß er seiner Sinne beraubt gewesen sei.

Der Prof. Dr. Ernst Schwabe, der in der Braugasse mahnte und vom Fenster aus Zeuge der Schlägerei war, reichte ein Promemoria über seine Beobachtungen ein und

sprach darin von den Greueln und der harten Behandlung, welche den Studenten von den Offizieren und gemeinen Soldaten widerfuhr und daß dabei auch die ganze Universität aufs gröblichste beleidigt worden sei. Er erzählte über den Vorfall, die Offiziere hättenWache rau§/z gerufen und sich dann einen fürchterlichen Angriff mit bloßen Säbeln auf die im Abziehen begriffenen Studenten erlaubt. Die wenigen, die eingeholt und ergriffen wurden, mußten sich auf die ab­scheulichste Weise nicht nur mit den niederträchtigsten Schimpf­reden, sondern auch durch Säbel und Stöcke mißhandeln lassen. Aber mit dieser Mißhandlung der Studenten noch nicht zu­frieden, gingen die Offiziers in ihrer Erbitterung gar so weit, daß sie alle Achtung gegen den ganzen akademischen Senat und dessen Chefs außer Augen setzten und mit gewöhn­lichen Versicherungen ausruften: Wenn auch der Rektor und Kanzler da wären, so sollte und würde jetzt alles zu Boden gehauen werden.

Reg.-Assessor Frh. v. Gärtner gab zeugeneidlich an, Hauptmann v. Nagel hätte ihm am Tag nach der Schlägerei auf dem Brand gesagt, er habe gar nicht erwarten können, sich an die Jungen zu machen und habe nur gewünscht, daß einer derselben an ihn anstreifen oder ihn stoßen möchte, um dadurch Gelegenheit zu bekommen, sich an ihnen zu rächen. Obgleich er ganz nahe bei den Studenten gestanden habe, so habe er doch nicht den Ruf Pereat Stosch gehört, auch habe er nicht gesehen, daß die Studenten dem Militär irgend welchen Anlaß zum Streit gegeben hätten. Nach der Prügelei sei es in der Braugaffe ruhig gewesen und habe man nur lebhaftere Unterhaltung gehört, dann aber sei Alarm ge­schlagen worden und die Patrouillen hätten den Brand und die anstoßenden Gassen gesäubert, wobei es auch wieder Schläge abgesetzt habe. Ganz ähnlich lauteten auch die An­

gaben des Ober-Bereiters Frankenfeld, der bei v. Gärtner stand.

Diese Angaben waren offenbar den mllitärischen Mit­gliedern der Untersuchungscommission höchst unangenehm und sie suchten nach einem Mittel, sie unglaubwürdig zu machen, fanden aber nur das ungeschickteste und beleidigendste. Oberst v. Wrede beantragte, daß Frankenfeld gefragt werde, ob er nicht dem schwarzen Orden angehöre. Schon bei der Vernehmung der Studenten hatte Hauptmann v. Schäffer- Bernstein ihre Aussagen dadurch unglaubwürdig zu machen versucht, daß er sie als dem Orden der Schwarzen und der Elsässer angehörig verdächtigte. Bei diesen Orden, gab er an, sei das Gesetz angenommen, daß kein Eid für ein Mit­glied verbindlich sei, der außerhalb des Ordens geleistet wor­den. Er verwarf deßhalb alle Zeugnisse der Studenten und protestirte feierlich gegen dieselben. Alle Nachforschungen nach Ordensverbindungen bei den Studenten waren aber erfolglos. Sie hatten nur harmlose Zusammenkünfte bei Kaffee! manchmal auch Chocolade!! dann wurde auch wohl ein Spielchen gemacht.

Und nun wurde diese Verdachterregung, als seien die vernommenen Zeugen meineidige Schurken von einem Mit­glied der Commission wiederholt. Doch verweigerte diese, an Frankenfeld die gestellte Frage zu richten, weil kein Grund sei, der Aussage des Zeugen zu mißtrauen, als ob seinem Eid kein Glauben beizumessen sei.

Das erboßte aber die beiden militärischen Mitglieder der Untersuchungscommission höchlich und warfen sie ihren Kollegen Parteilichkeit vor. Schlimmer noch endete eine andere Zeugenaussage.

(Fortsetzung folgt.)