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1.8.1896 Erstes Blatt
 
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ju fördern - die Bestrebungen de» genannten Vereins dürften um so leichter zum Ziele führen, als man auch an maß« gebender Stelle mit dem Plane umgeht, eine directe, durch­gehende Linie von Westfalen nach dem nördlichen Bayern zur Ausführung zu bringen. Wird diese Bahn über Alsfeld geleitet, so würde das für unsere Stadt und ihre Umgegend van unberechenbarem Nutzen sein.

Groß-Umstadt, 29. Juli. Bet der heute dahier statt- gehabten Schöffenfitzung des Großh. Amtsgerichts stand eine Sache zur Verhandlung, deren Ausgang für weitere Kreise interessant und beachtenswerth sein dürfte. Vor einiger Zeit erlaubte fich eine Frau von Dieburg, einem dortigen Lehrer einen Besuch in der Schule abzustatten, wobei fie fich um lichtssagender Ursache willen ihr Knabe war zur Reinig­ung nach Hause geschickt worden gegen den Lehrer der gröbsten Beleidigungen schuldig machte. Auf erstattete An- zrtge sah sich die Großh. KreiSschulcommisfiou veranlaßt, die Staatsanwaltschaft von dem Vorgang in Kenntniß zu setzen, was nun zur Folge hatte, daß in der heutigen Sitzung gegen die Frau auf eine Gefangnißstrafe von sechs Wochen und die Tragung sämmtlicher Kosten erkannt wurde. Die Schärfe des UrtheilS wurde damit motivirt, daß der Lehrerstand, der an fich schwer und verantwortungsvoll sei, gegen die Ueber- griffe derartiger Elemente deS besonderen Rechtsschutzes be­dürfe. Dieses Erkenntniß des Gerichts dürfte vielleicht bet manchen Eltern die falsche Anschauung beseitigen, welche da ' vteinen, um jeder geringfügigen Ursache willen in die Schule laufen zu können, um dem Lehrer einmal gründlich die Meinung zu sagen.$-' - < Mtz

Mainz, 29. Juli. Ueber die Vertheilung der von den Leiden hessischen Kammern zur Abfindung der gegenwärtigen Directoren der Hessischen Ludwigsbahn bewilligten 810 000 Mk. tft man bereits schlüssig geworden. Danach sollen, wie Mainzer Blätter melden, den beiden Mitgliedern der Special- directton, den Herrn Regierungsrath Dr. Reinhard und Maschmannje 180 000 Mk. und den übrigen drei Directoren, den Herren Hildebrand, Groß und Baurath Heyl je 150 000 Mk. zugedacht sein. Wie man wisien will, seien einzelne Herren mit der angedeuteten Vertheilung nicht recht zufrieden, indem sie glaubten, höhere Beträge beanspruchen z« können. Von den obengenannten fünf Mitgliedern der Äpecialdtrection werden wahrscheinlich nur zwei, die Herren Äommerzienrath Maschmann und Baurath Hehl in den Staatsdienst treten, während die übrigen drei Herren es vorziehen, ihrer seitherigen Bahnthätigkeit zu entsagen, beziehungsweise von ihren Renten zu leben.

Mainz, 30. Juli. In der Stallung des Flaschenbier- hündlerS Walz in der Bauerngasie brach heute Nacht der über einer Pfuhlgrube liegende mit Dielen überdeckte Hintere 2 heil zusammen. Zwei in dem Stalle stehende werthvolle Pferde des Fuhrunternehmers Portugal stürzten mit in die Grube und erstickten.

Mainz, 30. Juli. Das jüngste Kind des Zahntechnikers Bernhardt gerieth an die Gifte seines Vaters und fand den Tod, voraussichtlich durch Morphium. Die Leiche soll heute Nachmittag auf dem Friedhof obducirt werden.

A Mainz, 30. Juli. Ueber die am verflossenen SamStag i« Kastel stattgehabte Eisenbahnkatastrophe wird unS von sehr zuverlässiger, sachverständiger Seite mitgetheilt, daß düe von der Eisenbahndirection in Frankfurt wie auch von der BetriebSinspection in Wiesbaden in einer Mittheilung von verschiedenen Zeitungen ausgesprochene Vermuthung, daß die Ursache der Entgleisung anscheinlich in dem zu schnellen Fahren deS Zuges zu suchen sei, nicht zutreffend er­scheine und insbesondere die voreilige Bemerkung einiger Blätter, daß der verunglückte Locomotivführer Georg Hart­mann seinen Tod durch Einfahren von einer größeren Ver­spätung gewifiermaßen selbst verschuldet habe, jeder thatsäch- li chen Grundlage entbehre. Uebereinftimmend mit dem Tele- g»aphencontroll-Apparat habe der Packmeister und der Zug­führer deS entgleisten Zuges zu Protocoll gegeben, daß drr Zug die Station Hochheim noch mit einer Verspätung von 8 Minuten, die er schon von Frankfurt aus hatte, pnsfirte, und man eS daher als das Werk eines Wahnsinnigen ansehen müßte, auf der kurzen Strecke von Hochheim nach bastel, für welche überhaupt nur eine Fahrzeit von sechs Minuten bestimmt ist, eine Verspätung von acht Minuten

Kiel, 28. Juli. Ein junger Elsäffer, der Candidat der Theologie Karl Paira auS Markirch, ist al» Erzieher im Hause deS Prinzen Heinrich von Preußen engagirt worden. Herr Paira studirte an der Straßburger Universität und vollendet mit diesem Semester seine Studien. Er ist 23 Jahre alt.

Gnefen, 80. Juli. Bei einer Kahnpartie in GoS- cieSzyn, die der Lehrer Daniel auS Bromberg mit der Tochter eines königl. Försters und der Tochter eines Loco- motivführerS unternahm, schlug der Kahn um. Die beiden jungen Mädchen ertranken. Der Lehrer wurde durch Knechte der Oberförfterei gerettet.

* Straßburg, 29. Juli. AuS Ober- und Unter-Elsaß werden schwere Unwetter gemeldet, die an Weinbergen und Obstbäumen großen Schaden anrichteten. In Neu- dorf, einem Vororte von Straßburg, zerstörte der Sturm einen Neubau.

Straßburg, 30. Juli. Der Leitungsrevisor der hie­sigen Telegraphen-Direction, Heinrich Weber, ist heute Vormittag aus dem Bahnhof in Blenfeld von dem Basel- Luxemburger Schnellzuge überfahren und getödtet worden.

* Innsbruck, 30. Juli. Gestern Abend 9 Uhr wurde hier nächst dem Bad Kaiserkrone eine Frau von drei Männern in den hochgehenden Inn geworfen,- dieselbe verschwand in den Fluthen. Der Besitzer der Kaiserkrone beobachtete vom Fenster aus das Verbrechen und schlug io« sort Lärm, doch wurde weder das Opfer gerettet, noch konnten die Verbrecher gefangen werden. Die Unbekannte war angeblich eine Protistuirte, doch ist dies nicht sicher. Mehrere Verhaftungen sind erfolgt.

einfahren zu wollen, zumal die angegebene Fahrzeit nur sehr knapp bemeffen ist. Einem Beamten von den Eigenschaften deS Verunglückten, der seit dem Jahre 1876 im Bahndienft ist und dem von seinen sämmtlichen Vorgesetzten nach jeder Richtung hin die besten Zeugnisse ausgestellt werden, kann man eine so wahnsinnige That nicht zutrauen! Als eigent­liche Ursache des folgenschweren Unfalles bezeichnet unser Sachverständiger eine Reihe schwerwiegender Mißstände, die | aber unserem Dafürhalten, bevor die noch schwebende gericht­liche Untersuchung nicht zum Abschluß gelangt ist, noch außer öffentlicher Erörterung bleiben müffen.

Kastel, 29. Juli. Ein Spaß, den fich gestern Nach­mittag im Holzhof der Firma Mefferschmidt hier ein Arbeiter mit einem anderen erlaubte, führte zu einem traurigen Aus­gang. Der 22jährige Franz Barth von hier, der erst im Herbst des vergangenen Jahres vom Militär abging, spritzte gestern Mittag dem schlafenden Mitarbeiter Franz Günther aus Württemberg Wasser ins Gesicht. Darüber erbost, er­griff Letzterer ein Lattenstück und schlug Barth damit auf den Arm. DaS veranlaßte Bart wiederum, einen Knüppel zu nehmen und Günther einen gewaltigen Schlag über den Kopf zu versetzen. Bewußtlos brach der Getroffene zu­sammen. Mit einem Krankentransportwagen in» St. Vincenz- Hospital nach Mainz verbracht, wurde dort durch die Aerzte ein Schädelbruch constatirt. Der Tod des ledigen Mannes erfolgte noch in der Nacht.

Bingen, 29. Juli. Vom Polizeiamte wurde sämmtlichen hiesigen Strau ßwirth en aufgegeben, innerhalb drei Tagen die an ihren Häusern auSgest.eckten Fichtensträuße zu entfernen. Durch diese Verfügung verschwindet ein uraltes Wahrzeichen, das allerdings nur in früheren Jahren die Wirthfchaften kenntlich machte, in deneneigenes WachSthum" als naturreiner Schoppen zum Ausschank kam. Die Maß­regel soll auf eine Beschwerde des GastwirthvereinS hin erfolgt sein, durch die fich die hiesigen JahreSwirthe gegen die übermäßige Concurrenz der Straußwirthe, besonder» solcher, die gar kein eigenes WachSthum verzapfen, zu schützen suchen. Allgemeinen Erachtens sollte es dem Winzer, der nach­weislich sein eigenes Gewächs verzapft für Einheimische ist efl ja nicht schwer, dies zu ergründen wohl gestattet sein, sich durch einen Strauß am HauS kenntlich zu machen, und nur die sollte baß Verbot treffen, die unter falscher Flagge segeln. Dann wäre auch der Fremde, der hier an die Quelle kommt, nicht irregeführt.

* Montreal, 30. Juli. Eine Feuersbrunst zerstörte heute Morgen einen großen Theil der Gebäude, die zu der für 1897 geplanten internationalen Ausstellung gehörten. Der Schaden wird auf 200,000 Dollars geschätzt.

Briefkasten.

P. K. Sie haben Anspruch aus Vergütung für die 14 Tage; vertreten können Sie sich lassen durch Jbren Vater, wenn Sie noch nicht volljährig sind, andernfalls durch einen Anwalt. 2(ird>lid>c Anzeigen -er Sta-t Gietzen.

Evangelische Gemeinde. Gottesdienst.

Sonntag, den 2. August. 9. Sonntag nach Trinüatis.

In bet Stadtkirche.

Vormittags 7°/. Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Zugleich Christenlehre für die Reuconfirmirten der MarcuS- gemetnde. , ..

Vormittags 9*/a Uhr: Pfarrer Schlosser.

Beichte und heil. Abendmahl für die Matthausgemeinde. An­meldungen vorher erbeten _ ,, r.

Vormittags 11V* Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Schlosser.

3« der JohauueSkirch«.

Vormittags 7°/« Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Zugleich Christenlehre für die Neuconfirmirten der LucaS- gemeinde.

Vormittags 91/e Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienft für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

(Nachdruck ohne Genehmigung untersagt.)

Samstag den 1. August.

Nachmittag» um 5 Uhr und Abend» um 8 Uhr Gelegenhett zur hl. Beichte _

Sonntag den 2. August. 10. Sonntag nach Pfingsten.

Vormittags von 6*/a Uhr an Gelegenheit zur bl. Beichte,

, um 6Ve Uhr erste hl. Messe;

um 7Vt Uhr Austheilung der hl. Communion;

um 8 Uhr zweite hl. Messe;

um 91/, Uhr Hochamt mit Predigt;

Nachmittags um 2 Uhr Muttergottesandacht.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast.

Freitag Abend 7 Uhr, SamStag Vormittag 8 Uhr, Nach­mittag 4 Uhr, Sabbathausgang 9 Uhr-

Nachmittag 3« Uhr LchrifterklLrung. Wetzsteingasie 8.

Wochengottesdienft Morgens 630 Uhr, Abends 7 Uhr.

Witterungsbertcht vom 30. Juli.

Die Luftdruck Vertbeilung ist sehr unregelmäßig geworden. Ein barometrisches Maximum bedeckl den Norden Europas; ein zweites rückt von Südwesten her keilförmig über Südsrankretch und bas Alpengebtct bis nach Ober-Oesterreich herein. Zwt chen beiden zieht sich eine Furche niedrigen Druckes hindurch. Dieselbe verbindet ein flaches Minimum, das gestern central über Deutschland lag und heute die Ostsee und Nordost-Deutschland bedeckt, mit einer zweiten Depression über den britischen Inseln. Unbeständiges Wetter mit zahlreichen Gewittern und stellenweise sehr beträchiiichrn Nieder schlügen ist infolge dessen über ganz Central-Europa eingetreten. Besonders in der Schweiz haben wieder sehr starke Regenfülle stattgefunden. In Sübdeuischiand sind die Temperaturen gesunken. Auf dem Sänti» ist Schneefall eingetreten.

«itimmet

Zunächst noch unbeständiges, etwas kühleres Wetter mit Strich­regen und ftellenweisen Gewittern.________________

Temperatur der Lahn und Luft

nach Reaumur gemeffen am 31-Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr i

Wasser 14«,, Luft 16°.

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Bekanntmachung.

Infolge der Verlegung des Buttermarktes in die Marktlaubenstraße nird vom 1. August ab die Butterwaage in die Halle an der Ecke der Marttlaubenstraße, der Lindengaffe und des Lindenplatzes verlegt.

Gießen, den 31. Juli 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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Ausstellung* für Elektrotechnik und Kunstgewerbe 3W" Stuttgart, "iglg Eröffnung 6. Juni, Schluss Ende September 1896.

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Bekanntmachung.

Die FirmaDiery fche Schiefer« grnbengefellschaft" zu Gießen ist er­loschen. Eintrag im Firmenregister ist erfolgt.

Gießen, den 30. Juli 1896.

Großherzogliches Amtsgericht.

Neuen Hagen. 6930

Versteigerungen.

Samstag den 12. September,

Nachmittags 2 Uhr,

soll aus dem hiesigen Ortsgericht die dem Karl Ludwig Leib und Marie Leib in Gttßen gehörige Hofratthe:

Flur 1 Nr. 1093 203 qm hinter dem Burggraben

öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 30. Juli 1896.

Großh. Ortsgericht Gießen.

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