Ausgabe 
1.7.1896 Erstes Blatt
 
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Nr 152

Erstes Blatt.

Mittwoch de» 1. Juli

189«

Der

A«reig«r erscheint täglich, artt Ausnahme deS Montag».

Die Gießener M»«itie«StS1ler werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

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Aints- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen

Hratisöeitage: Hießener Kamitienötätter

Amtlicher Theil

erholt. Goldregen ist bekanntlich starkes Gift.

Nach wieder

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» salzenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

~ 1

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

gegebenen giltigen Stimmen: v. Saff JaworSki-Lippinken (Pole) 4612 und Holtz-Parltn (RetchSp.) 4598 Stimmen.

Esse« a. d. Ruhr, 29. Juni. DieRheinisch-Westfälische Zeitung" meldet: Heute Vormittag fand auf der VillaHügel" die Enthüllung deS Standbildes des chinesischen VicekönigS Li-Hung-Tschang statt. Krupp betonte in einer Ansprache die freundschaftlichen Beziehungen Chinas und Deutschlands. Hierauf wurde die Kruppsche Fabrik eingehend besichtigt. Abends findet auf der Villa Hügel ein Festmahl zu 90 Ge­decken statt.

Bochum, 29. Juni. Von Li-Hung-Tschang ist heute die telegraphische Nachricht eingegangen, daß er zu seinem lebhaftesten Bedauern von dem für Mitte dieser Woche zu- gesagteu Besuche Bochums auf dringenden Rath seiner Aerzte absehen muß.

WtlkeSbarre (Pennsylvanien), 29. Juni. Infolge Ein- sturzeS eines DacheS in einer Kohlengrube bei Pittston wurden etwa 100 Bergarbeiter verschüttet; man befürchtet, daß Alle umS Leben gekommen find.

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Gieße«, den 30. Juni.

* * Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädtgst geruht, dem Bürgermeister Josef Decher zu Seibelsdorf das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" und der Gemeindehebamme Elisabetha Selzer zu Angenrod die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens zu verleihen.

* * Die vom Kaufmännischen Verein nach Salzhausen beabsichtigte Partie gelegenrlich eines Sommerfestes wird am Sonntag nicht nach dort, sondern nach Bad-Nauheim auSgesührt.

* Vorsicht mit Kindern! Gestern Nachmittag hatten am Seltersweg wohnende Eltern ihre Kinder mit dem Mädchen

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Wolff« telegraphische« Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 29. Juni. Der Kaiser verlieh den Söhnen deS 1880 verstorbenen Generalarztes Robert Wilms, Premier-Lieutenant Ernst und Regierungsaffeffor Robert Wilms den erblichen Adel.

Kiel, 29. Juni. Der Kaiser wird auf der dies­jährigen Nordlandretse von folgenden Herren begleitet fein: HauSmarschall Freiherr v. Lyncker, Admiral ä la suite und Contre-Admiral Freiherr v. Senden-Btbran, Chef des Marine-CabinetS, General ä la suite Generalmajor v. Kessel, Flügeladjutanteu: Oberst v. Scholl, v. Moltke, stellvertretender Abtheilnngschef im Militärcabinet, Major Graf v. Moltke, Botschafter Graf Philipp zu Eulenburg, Gesandter v. Kiderlen- Wächter, Intendant v. Hülsen, Graf Görtz, Prof. Saltzmann, Prof. Dr. Güßfeldt und Generalarzt Prof. Dr. Leuthold. DaS genannte Gefolge schifft sich am 1. Juli in Wilhelmshaven an Bord der KaiserjachtHohenzollern", an welchem Tage der Kaiser bekanntlich die diesjährige Nordlandreise von Wilhelmshaven aus antritt.

Rendsburg, 29. Juni. DieHohenzollern" mit Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin an Bord passirte, gefolgt von dem KreuzerGefion", hier um 2 Uhr, von einer großen Menschenmenge lebhaft begrüßt. Ihre Majestät die Kaiserin befand sich an Deck und dankte unausgesetzt für die dargebrachten Huldigungen. DaS Wetter ist stürmisch «nd regnerisch.

Schwetz, 29. Juni. Nach amtlicher Feststellung erhielten bei der am 25. d. MtS. im Reichstagswahlkreise Schwetz stattgehabten Reichstagsersatzwahl von 9227 ab­

in die Süd-Anlage geschickt. Der 4V2iäIjdge Knabe spielte in dem schattigen Wege am Schoorgraben, als sich bei dem Kinde Plötzlich Uebelkeit und Erbrechen einstellte. Eiligst wurde der Heimweg angetreten und hier stellte es sich her­aus, daß der Junge von dem massenhaft in der Süd-Anlage liegenden Goldregen-Samew gekaut hatte, einem gegebenen Brechmittel hat sich das Kind bald

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Juni. Der Reichstag hat Ende voriger Woche die Spectalberathung des Bürgerlichen Gesetzbuches, welche im Ganzen acht Sitzungen erforderte, zum Abschluß gebracht. Die Vorlage weist in ihrer jetzigen Gestalt gegen­über der CommtsfionSfaffung keine ttefeinschneidenden Ab­änderungen auf, von dea zahlreich gestellten Abänderungs­anträgen find die allermeisten abgelehnt worden; am Diens­tag hat dann der Reichstag das Bürgerliche Gesetzbuch in dritter Lesung durchberathen und im Wesentlichen nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Somit ist es also doch gelungen, das große gesetzgeberische Werk noch vor der sommerlichen Vertagung deS Reichsparlaments unter Dach und Fach zu bringen, und mit dieser an sich jedenfalls nur erfreulichen Thatsache werden sich Diejenigen wohl oder Übel abzufinden haben, welche aus diesem oder jenem Grunde die Verschiebung der vollständigen Durchberathung deS Bürger­lichen Gesetzbuches bis zur nächsten Wtntertagung des Reichs­tages befürworteten. Mit dec Annahme des Bürgerlichen Gesetzbuches durch den Reichstag ist eine Riesenarbeit gekrönt worden, zu welcher die einleitenden Schritte bereits vor 23 Jahren erfolgten, denn 1873 trat die erste Commission juristischer Vertrauensleute der verbündeten Regierungen zur Fertigstellung eines Entwurfes des Bürgerlichen Gesetzbuches zusammen. Nach 14 Jahren war derselbe ausgearbeitet, er wurde 1888 veröffentlicht und zwei Jahre später zahl- reichen praktischen Juristen zur Begutachtung unterbreitet, worauf 1891 eine neue Commission zur zweiten Lesung des Entwurfs zusammentrat. In den vier Jahren, welche letztere Commission zu ihrer Arbeit gebrauchte, erfuhr der Entwurf eine gründliche Umarbeitung, die Retchstagscommission ihrer­seits unterwarf den neuen Entwurf deS Bürgerlichen Gesetz­buches zahlreichen Abänderungen, nunmehr hat die hochwichtige Vorlage die Parlamentarische Genehmigung erhalten. Sicher­lich enthält das Bürgerliche Gesetzbuch selbst jetzt noch Mängel und Fehler, dieselben können jedoch mit der Zeit ausgemerzt werden, erlangt aber ist jetzt neben der nationalen und politischen Einheit Deutschlands auch dessen bürgerliche Rechts- einheit und der Reichstag kann mit dem stolzen Bewußtsein in seine Sommerferien gehen, dieses große Werk zur glück- lichen Vollendung gebracht zu haben.

nommen haben, anläßlich der großen Truppenschau zu Long- champs vom Präsidenten Faure Mtlitärkreuze.

Berlin, 30. Juni. Der Kaiser hat dem Comito des AuSsichtS-ThurmeS in Metz aus seiner Privatschatulle ein Gnadengeschenk von 4000 Mark auszahlen lassen.

Berlin, 30. Juni. Zu der Blättermeldung, durch kaiser­liche CabinetSordre an die commandirenden Generale des 15. und 16. Armeecorps in Straßburg und Metz seien in Elsaß-Lothringen verschiedene neue militärisch e Schutz­maßregeln gegen die in letzter Zeit häufiger vorgekommenen Spionagen eingeführt worden, schreibt dieNordd. Allg. Ztg.", daß für alle Festungen und Garnisonen derartige Maßnahmen in Anwendung find. Von Verschärfungen der Bestimmungen bet dem 15. und 16. Corps sei indeß keine Rede.

Berlin, 30. Juni. Gegen die Reichstagsbeschlüsse zu den Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches, welche die Rechte der Frauen betreffen, nahm eine Protest­versammlung deutscher Frauen, welche gestern Abend hier tagte, Stellung. Zahlreiche Zustimmungstelegramme liefen ein. Die Versammlung nahm einstimmig eine Protest- Resolution an.

Berlin, 30. Juni. DaS TheaterAlt-Berlin" stellte wegen zu schlechten Besuchs seine Vorstellungen ein.

Berlin, 30. Juni. DemVorwärts" zufolge verurtheilte das Landgericht Leipzig gestern die Soctaldemokraten Schier- mann und Bockmann wegen Beleidigung des sächsischen Ministeriums durch ein Flugblatt an daS sächsische Volk zu je vier Monaten Gesängniß

Berlin, 30. Juni. Nach einem Telegramm derBerl. Neuest. Nachr." aus Pretoria ist dort von der angeblichen Absicht der Transvaal-Regierung, eine Million Mark behufs Uebernahme des Eisenbahnbaues im Orange-Freistaat auf dem deutschen Markte anzulegen, nichts bekannt.

Rom, 30. Juni. Der zum NeguS abgegangene Abbs Wersowitz schreibt, die Zahl der gefangenen Italiener sei unheimlich zusammengeschmolzen. Viele seien dem Fieber erlegen. Die Selbstmorde nähmen erschreckend zu.

Brüssel, 30. Juni. Ja Regierungskretsen beschäftigt man sich ernstlich mit der Möglichkeit eines s o cialistischeu Wahlsieges. In Brüffel werden die umfassendsten Vor­kehrungen getroffen. In dem letzten, unter Vorsitz deS Königs stattgefundenen Minifterrath, soll diese Eventualität berathen worden sein; die Socialisten sprengen alle Wahl­versammlungen unter dem Rufe: Es lebe die Commune.

Paris, 30. Juni. Am Schluffe der gestrigen Kammer- fitzung warf ein ehemaliger Communalbeamter, Namens Francois Clery, etwa hundert Exemplare einer Protest­schrift in den Saal, deren Inhalt sich gegen mehrere seiner früheren Vorgesetzten richtet, mit dem Rufe: Hoch die Preßfreiheit. Clery wurde verhaftet.

WB. Reichenberg, 30. Juni. In der Baumwollspinnerei von Liebig brach heute Morgen 8 Uhr Feuer aus. Die Arbeiterinnen flüchteten über das Dach und find jedenfalls in den Flammen umgekommen. Acht werden vermißt, zwei find als Leichen aufgefunden worden. Eine Arbeiterin fiel durchs Dachfenster und verletzte fich lebensgefährlich. DaS Feuer ergriff noch zwei Wohngebäude. Der Schaden ist sehr groß.

Deprschs» bs« Bsreas(wreE)'.

Berlin, 29. Juni. Der Kaiserin hat der Königin Victoria von England ein kostbares Geschenk überreichen lassen, welches in der königlichen Porzellan Manufactur her- gestellt worden ist.

Berlin, 29. Juni. Der Riesen-Fesselballon in der Gewerbeausstellung ist heute mitten entzwei ge­platzt. Unfälle find dabei nicht vorgekommen.

Berlin 29. Juni. Um den 100. Geburtstag Kaiser W-rhelms 1. weihevoll zu feiern, hat sich hier ein Comtiö gebildet, an dessen Spitze General v. Nasse und Chef- redacteur Johannes Trojan stehen. Im Anschluß an die Enthüllung des National-DenkmalS an der Schloßfreiheit wird ein historischer Festzug, an dem fich die gesummte Bürgerschaft beteiligt, stattfinden. Ferner find FestgotteS- dienste, öffentliche Schulfeiern, Milttär-Concerte, Kinder-Fest- Vorstellungen, Fest-Versammlungen, Illumination, sowie ein Fackelzug geplant. Einheitliche Feierlichkeiten in allen deutschen Orten werden veranlaßt werden.

Berlin, 29. Juni. Der Gouverneur von Ostafrtka, Major v. Wißmann, traf am Sonntag mit feiner Ge­mahlin aus der Schweiz hier ein. Heute Mittag machte er feinen ersten Besuch im auswärtigen Amt. Nach einigen Tagen gedenkt er sich nach Lauterburg im Harz zu begeben.

Berlin, 29. Juni. DerNationalzeitung" zufolge ist an wohlunterrichteter Stelle bisher von dem Tage der An- kunft des Zarenpaares in Berlin nichts bekannt geworden.

»erli«, 29. Juni. Wie dieNordd. Allg. Ztg." ver­nimmt, wird die dritte Lesung des Bürgerlichen Gesetz- buche- im Reichstage zwei Sitzungen in Anspruch nehmen. Am Donnerstag soll die dritte Lesung des Margarinegesetzes auf die Tagesordnung kommen, an welchem Tage frühestens Vertagung eintritt, die fich bis znm 10. November erstreckt.

Kiel, 29.Juni. Prinz Ludwig von Bayern traf, von Hamburg kommend, mittelst Sonderzuges heute früh 9 Uhr 15 Min. hier ein, bestieg die bereitliegende Dampf- Pinafle und fuhr nach derHohenzollern", wo das Kaiser- paar, sowie Prinz und Prinzessin Heinrich ihn erwarteten. Der Prinz trug einen hellgrauen Uniforwmantel und einen Helm mit weißem Federbusch, den er beim Besteigen der Pinasse mit einer Mütze vertauschte, da gerade eine heftige Regenböe einsetzte. Der Prinz hatte den schwarzen Adler­orden angelegt. Nach einstündigem Verweilen verließ Prinz Ludwig dieHohenzollern" und fuhr dtrect nach München.

Rom, 29. Juni. Crispi demeutirt abermals die Blättermeldung, daß er fich vom politischen Leben zurückziehen werde. Er erklärt, er wolle bis zum letzten Athemzuge auf der Bresche bleiben. 4

Rom, 29. Juni. In der Kammer wird die Pension CriSpis deßhalb angegd^ Vwerden, weil er die Verbannung von 1848 bis 1860 c *)net hat, obwohl bereits im Jabre 1849 die Am^'^° war, so daß CriSpi hätte

zurückkommen könm" Innung wird deßhalb als

« das d-m°krat«ch- W-.k d-s (Son.

aufA/°ung d--Papste- in Genua st°"ge'^^3^^1892

Pari8^29. Jnui. Am 14. Juli erhalten t an d°r Sjpebitton nach SD?aiagaÜ>Ce ®oralen.

Bekanntmachung.

Die Maul- und Klauenseuche zu Steinbach ist er­loschen und sind die verfügten Sperrmaßregeln aufgehoben.

Gießen, den 30. Juni 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gag er n.