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Der Hietzeaer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-.
Die Gießener W««trte»ötL11er werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Mittwoch ben L April
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Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
vierleltähriger Aös«ne«ent»,reiO i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg.
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Aints- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren.
«»nähme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« (ArtrHcfitnlVtrtf • ItfMt ÄQ; Annoncen-Bureaux de- In« und Auslandes nehm«
zokgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. ^3f4-UVlZ>Vvl4Uljv. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
2lmtiid?er Theil.
Bekanntmachung,
betreffend: die Maul- und Klauenseuche.
In der Gemeinde Ehringshausen, Kreis Wetzlar, -ist die Maul' und Klauenseuche erloschen. Die Gehöfts- und Gemarkungssperre sind aufgehoben.
Gießen, den 30. März 1896.
Großherzogltches KretSantt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Infolge Verfügung Großh. Ministeriums des Innern uiü> der Justiz vom 27. l. Mts. ist die Abhaltung des für ben 7. April l. Js. geplanten Viehmarktes zu Laubach unter der Bedingung genehmigt, daß nur Thiere aus un* verseuchten Orten der Kreise Schotten, Gießen, Alsfeld und Friedberg, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens sieben Tage in unverseuchten Orten fraglicher Kreise in seuchenfreiem Zustande zugebracht haben, aufgetrieben »erden dürfen.
Schotten, 28. März 1896.
Großherzogliches Kreisamt Schotten. Schönfeld.
Gießen, den 30. März 1896.
Großherzogliche Kreisamt Metze«
an Großh. Polizeiamt Gießen,
die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises, sowie die Gr. Geusdarmerie.
Wir beauftragen Sie, über nachstehende Angelegenheit sofort die geeigneten Ermittelungen anzustellen und über etwaige Ergebniffe schleunigst hierher zu berichten.
v. Gagern.
Eine anscheinend geisteskranke Frauensperson ist Freitag den 27. ds. Mts., Abends, in Kirch-Beerfurth, Kreis Erbach, aufgegriffen worden.
Sie scheint 30—40 Jahre alt zu sein, sie ist schlank gebaut, hat schwarzes Haar, längliches schmales Gesicht, sie
ist bekleidet mit einem bläulichen, großcarrirten Kleide und schwarzer Schürze. Sie verweigert jede Auskunft und Nahrungsaufnahme.
€»eeU* »wft jteeotasfteOe».
Gießen, den 31. März.
•• In Amerika verstorbene Hessen. Waterloo, Canada, Elisabetha Lenz, geb. Grein, aus Heidelbach. Montgomery Couoty, Pa., John Fretmann, 76 Jahre alt, au- Heffen- Darmftadt. Segutn, Texas, Anton Braden, 61 Jahre alt, aus Bingen. Lancaster, Pa., Christian Vatter, 68 Jahre alt, auS Leeheim. Bellevtlle, Jll., Wilhelm Haff, 75 Jahre alt, aus Horrweiler. Greenpoint, L. I., John Bogel, 52 Jahre alt, aus BenShetm. MuScarine, Ja., Philipp BerniuS, 65 Jahre alt, aus Reinheim- Brooklyn, N. N-, Anton Weigand aus Mainz. Columbus, Friedrich SchweinSberger, 78 Jahre alt, aus Sickenhofen. Erie, Pa., Jacob GuckeS aus Hessen-Darmstadt. KansaS City, Kan., Anna Regina Lillich, geb. Staff, 77 Jahre alt, auS Hessen-Darmstadt. Albany, N. T)., Elisabetha Mauß, geb. Störck, 84 Jahre alt, aus Langd. Maria Gruner, 63 Jahre alt, auS Burg-Gräfenrod. Brooklyn, N. U., Bertha Kletselriug aus Alsfeld. Montagne, Mich., Elisabeth Kiel, geb. Feick, 62 Jahre alt, aus Rimbach. Springfield, Jll., John Peter Reinheimer, 68 Jahre alt, aus Reichelsheim t. O. Newhork. I. Bang, 64 Jahre alt, aus Bingen. High Prairie bei Belleville, Jll., Regina Schmidt, geb. Seibert, 83 Jahre alt, au« Semd.
♦* Militärdienst der Handwerker. Bet Gelegenheit der im verflossenen Jahre in Mainz staltgehabten General- Versammlung des Landesgewerbkveretns wurde durch Herrn Rechtsanwalt Calman-Alzey die Frage de- Militärdienstes der Bauhandwerker angeregt und zur wetteren Behandlung einer Commission übertragen. Die Großherzogi. Centralstelle in Darmstadt hatte, um die Ansicht der Gewerbevereine darüber kennen zu lernen, ein Ausschreiben an die Vorstände derselben gerichtet. In der letzten Sitzung deS engeren AuSschnffeS des LandeSgewerbevereinS wurden die eingelaufenen Antwortschreiben eröffnet. Für den einjährigen Dienst ohne die Pflicht deS eigenen Unterhaltes und der eigenen Equipirung sprachen sich sechs, dagegen zehn Vereine
aus. Der Ausschuß glaubt, diese ablehnende Haltung dürste auf die Abneigung gegen Schaffung weiterer Klaffenunter- schiede in unserer Militärorganisation zurückzuführen sein. Der Anregung, die Handwerker nach Besuch einer Fachschule und Absolvirung einer staatlichen Fachprüfung zu« einjährigen Dienst zu berechtigen, haben neunzehn Vereine zngeftimmt, ablehnend verhielten sich fünf Vereine. Die letztgenannte Angelegenheit soll, nachdem sich auch der weitere Ausschuß der Gewerbevereine damit befaßt hat, dem Verband deutscher Gewerbevereine unterbreitet werden.
Zur Beachtung für Stellensuchende. Um dem planlosen Zuzug Stellung suchender Personen nach Berlin schleunigst vorzubeugen, erläßt der Polizeipräfident von Berlin eine Warnung, wodurch auf Grund der hier gemachten Erfahrungen allen Personen, die in Berlin oder von hier auS außerhalb Berlin- in einen Dienst treten wollen, von dem Verlassen ihres bisherigen Wohnortes eindringlich abgerathen wird, bevor sie nicht eine ganz genau bestimmte Stellung in Aussicht haben. Namentlich werden die Stellungsuchenden darauf hingewiesen, Verpflichtungsscheine und andere Schriftstücke, wenn überhaupt, so doch nur nach aufmerksamer Prüfung des Inhalts zu unterschreiben. Dienstbücher und LegitimationSpapiere sollten Überhaupt nicht aus der Hand gegeben und nur den Herrschaften und Arbeitgebern vorgelegt werden.
Vorsicht! Gegenwärtig durchziehen wieder eine An- zahl Hausirer das Land und bieten Kleiderstoffe zum Kaufe an. ES wird ein ziemlich bedeutender Preis gesor- dert, nach einigem Herunterbieten erhält man jedoch, wie die „Darmst. Ztg." mittheilt, den Stoff für den vierten und sogar fünften Theil des geforderten Preises. Der Stoff ist meist nicht den Macherlohn werth. Auch die Haufirer m Leinwand find wieder eifrig thätig. Gewöhnlich wird ein beschmutztes Stück vorgelegt- der Hausirer bittet, ihm daganze Stück abzunehmeu und zwar zum halben Preis, da es beschmutzt schwer zu verkaufen sei, und darauf fällt die Hausfrau in den meisten Fällen herein.
Um den Einfluß de» Turnens auf die Entwicklung des Körpers festzustellrn, haben zwei Aerzte mehrere Jahre eine große Anzahl von Turnern beobachtet: Schon in fünf Monaten nahm zu: der Umfang des Brustkastens bei 76 pCt. der Turner um 2,5 Ctm., bi« Oberarmes bei 83 pCt. um 1,28 Ctm., des Unterarmes bet 62 pCt. um 0,76 Ctm., des
Fe«illeton.
Di» Beschießung von Pssyburg im Jähre 1870.
Von Fred Vincent.
(2. Fortsetzung.)
,66 sollte mich gar nicht wundern, wenn die Kerle -ein paar von unseren Pyramiden umschöben!" meinte Bice- stldwebel Fleischmann, als die erste Rundkugel klatschend auf b,r abschüssigen, einem Wafferfall gleichenden Waldwtese ein« Wug. Und er behielt recht, denn gleich darauf flog so ein MM Ding, krachend die Baumwipsel durchbrechend, weit In die Wiese hinein und hüpfte spritzend und schwerfällig Dk ein riesiger Frosch dieselbe herunter, warf auf dem linken Flügel drei Gewehrpyramiden um, worauf es in dem znin Ueberlaufen mit Waffer gefüllten tiefen Straßengraben ürrfchwand. „Alle neune!" jubelten unsere Leute und stellten Nich die Gewehre wieder auf, von welchen auch kein einziges «ine nennenswerthe Beschädigung zeigte.
DaS war aber auch so ziemlich der letzte Ausbruch des ßnS regen SoldatenhumocS, denn den immer dichter herab- fnrmeoden Regenmaffen war er auf die Dauer nicht ge- »ochsen, so daß die später über die Wiese hüpfenden Kugeln lmm noch mit einem spöttischen „Hopp, hopp!" begrüßt bürden.
Drüben in Pfalzburg waren einige Male Flammen, auf- Liegen, so daß wir glaubten, unsere Geschosse hätten ge- ziadet, doch jedesmal war nach kurzer Zeit der Helle Schein SUben wieder verschwunden, und schließlich sauste von unserer *6ettc Granate auf Graoate in die dunkle Nacht hinaus, tfic in den Pfalzburger Festungswerken irgend welchen ficht- lare« Eindruck zu machen. Unter diesen Umständen ließ •Oeutral Hausmann, nachdem wir ungefähr taufend Granaten »rrschoffen hatten, das refultatlose Feuer einstellen und die --schütze auf die Hintere Waldwtese zurückgehen und auch bk seindltchen Geschütze verstummten bald daraus. Damit itgann aber der letzte und schrecklichste Theil der Beschießung-- nacht vor Pfalzburg.
Immer eisiger wurde der Sturm, der den fortwährend gleicher Heftigkeit strömenden Regen in fast wagrechten Mfien über die Höhen hinwegpeitschte, und immer tiefer
wurden die Gießbäche, die über die Abhänge hinabrauschten und die Straße in einen reißenden Strom verwandelten, auS welchem nur hier und dort ein Steinhaufen, einer Insel gleich, hervorragte. Und auf diesen Steinhaufen standen dichtgedrängt unsere Leute Mann an Mann und glücklich schätzten sich diejenigen, denen eS vergönnt war, hier festen Fuß zu fassen. Die anderen wanderten wie ruhelose Schatten der Unterwelt durch die fast greifbare Finsterniß, in dem vergeblichen Bestreben, einen Platz zu finden, an welchem sie nicht bis an die halbe Wade im Waffer und Schlamm versanken. Und nirgends ein Obdach oder Schutz, denn ein Eindringen in den Wald war bei dem wütheoden Sturm, der beständig dicke Stämme und Aefte zn Boden schmetterte, geradezu lebensgefährlich.
Die einzige Behausung in der ganzen Gegend war ein kleines, einstöckiges Försterhaus, das am oberen Rande der zweiten Waldblöße stand und auf dessen Hof die Fahrzeuge der Stabsequipage der Artillerie aufgefahren waren. In den ärmlichen Stuben deS Häuschens war General Hausmann mit den Stäben der Artillerie und unseres Regiments untergekommen; aber so beschränkt waren die Räumlichkeiten, daß die Offiziere in der kleinen Küche und auf dem engen Hausflur, in dem Ställchen für eine Kuh, ja sogar im Schwe nestall so dicht zusammengepfercht standen, wie draußen die Leute auf den Steinhaufen. Auch die Fahrzeuge auf dem Hofe waren als Schutzmittel verwerthet worden, denn die Ordonnanzen hatten aus dem M<ft der Dunggrube Wälle um dieselben errichtet und waren sodann eng unter den Wagen zusammengkkrochen, um sich nur einigermaßen gegen die fürchterliche Nässe und die grauenhafte Kälte zu decken.
Für uns andere draußen im Freien war aber das Schlimmste, daß wir wirklich allen vier Winden preisgegeben schienen, denn der Sturm wechselte fortwährend die Richtung und die Schlauberger, die sich außen an die Mauern de« ForsthauseS herangedrückt hatten, um hier Schutz zu finden, sahen nur zu bald daS Vergebliche ihre- Beginnens ein. Daß auch alle Versuche, ein Feuer in Brand zu bringen, fruchtlos bleiben mußten, ist selbstverständlich, obgleich alle- • Mögliche und Unmögliche Seiten- der Leute angestellt wurde,
um trockene- Holz zu erlangen. So war es zwei kühnen Musketieren gelungen, mit vereinigten Kräften einen Dach- sparren auS dem Ziegeldach des niedrigen Schweinestalle- herauSzureißen, um mit dessen Hilfe ein Biwakfeuer In Zug zu bringen. Allein außer einem furchtbaren Donnerwetter Seitens der im Innern Stehenden, denen die Z>egelbrocken auf die Helme polterten, hatte auch diese edle That keinen weiteren Erfolg, denn jedes aufzüngelnde Flämmchen wurde sofort von den Regenfluthen ersauft, so sehr auch dessen Er« zeuger bemüht waren, es durch die auSgehängte Hofthüre und vorgehaltene Mäntel gegen die Wuth der Elemente zu schützen. Und dabei schien die kurze Sommernacht kein Ende nehmen, der Tag nie wieder anbrechen zu wollen.
Aber endlich begann eS zu dämmern, was zunächst nur den einzigen Unterschied im Gefolge hatte, daß es noch viel kälter wurde, als in der Nacht, und zwar so kalt, daß die Regenpfützen auf der höchsten Stelle der Straße deutlich Eisbildungen zeigten — lange, dünne EiSnadeln nämlich an der Oberfläche deS Wassers, sobald der eisige Nordoststurm über dasselbe hinwegfegte. DaS war unser Morgengruß am 11. August 1870 auf der luftigen Höhe der Vogesen!
Rasch kam jetzt der Tag herauf und nun entwickelte sich in der kleinen Küche deS ForsthauseS eine rege Thätig- keit, nachdem die nächtlichen Gäste jene sowohl, wie auch den Flur geräumt hatten. Ein Helles Feuer flackerte auf dem Heerd, auf welchem in den größten Kesseln und Töpfen der Frau Förster Waffer zur Kaffeebereitung zum Steden gebracht wurde. Jede nur irgend noch verwendbare Bohne wurde zu diesem edlen Zweck vermahlen und wanderte gemeinschaftlich mit dem letzten erreichbaren Tropfen Sptrt- tuosen — von den HofmannStropfen der Lazarethgehülfen an bis zum Cognac fine Champagne des Generals hinauf in die brodelnde Fluth. Und von diesem Gebräu, für da- eS mir nie gelungen ist, einen Namen festzustellen, wurde alsdann, so lange der Borrath reichte, Jedermann mit der größten Unparteilichkeit ein Blechbecher voll verabreicht — es schmeckte zwar fürchterlich, denn Zucker gab eS keine», allein eS war heiß und that dem leeren Magen gut.
(Schluß folgt.)


