M. 1 Zweites Blatt. Mittwoch den L Januar 1896
Der
Gießener A«»e1ger erscheint täglich, ■rtt Ausnahme deS Montag».
Die Gießener »««ilienötätler werde» dem Anzeiger »vchenttich dreimal kigritgt
Gießener Anzeiger
vierteljähriger AdonuemeutsprerO: 2 Mark 20 Pfg. mit vriogerloha. Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg.
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Amts« und Anzeigeblatt für den "Kreis Gissten
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folgenden Tag erscheinmden Nummer bi» vorm. 10 Uhr. | ^lUU3VCUU||v» ^UmUUnUlUllXU | «„zeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
2(mtiid?er Lheil.
Lekanntmachmtg,
betreffend die Volkszählung im Jahre 1895.
Nachstehend bringen wir das vorläufig festgestellte Resultat der Volkszählung am 2. December 1895 zur öffentlichen Kenntniß.
Sieben, den 27. December 1895.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Uebersicht
»bet die allgemeinen Ergebnisse der Volkszählung im Kreise Gießen am S. December 1895.
• Zahl der
82 Orts-
2 Gemeinden anwesenden
q 1895 1890
1. Albach 369 368
2. Allendorfa d.Lahn 646 599
3. Ullendorf a.d.Ld». 1084 1093
4. Allertshausen 262 247
5- Allen-Buseck 1193 1246
6. Annerod 539 537
7. Bellersheim 573 558
8. Beltershain 323 314
9. BerSrod 385 389
10. Bettenhausen 369 393
11. Beuern 1034 1044
12. Birklar 490 452
13. Burkhardsfelden 652 586
14. Climbach 235 223
15. Daubringen mit
Heibertshausen 692 676
16. Dorsi Gill 413 431
17 Eberstadt mit
Ar, tzburg 571 579
18. Ettingshausen 547 599
19. Garbenteich 706 679
20. Gctlshausty 509 510
21. Güßen 22932 20611
22. Göbelnrod 226 207
23. Großen-Buseck 1664 1689
24. Großen-Linden 1560 1426
25. Grünt erg 2033 2074
26. Grüningen 727 709
27. Harbach 365 362
28. Hattenrod 399 385
29. Hausen 391 379
30. H uchelheim 1973 1843
31. Holzheim 1072 1099
32. Hungen 1382 1328
33. Inheiden 387 358
34. Kesselbach 429 423
35 Klein-Linden 1297 1107
36. Langd 565 611
37. Lang-Göns 1474 1423
38. LangSdorf 895 892
39. Lauter 410 402
40. Leihgestern 1158 1105
41. Lich mit Hof Albach
Golnbausen und
Mühlsachsen 2447 2546
42. Lindenstruth 234 318
48. Lollar 1410 1470
Zahl der K m . Orts-
x Gemeinden anwesenden
Q 1895 1890
Uebertrag 57122 54290 44. Londorf 792 755
45. Lumda 378 351
46. Mainzlar 449 428
47 Münster 306 328
48 Muschenheim mir
Hof-Güll 653 653
49. Niedcr-Besfingen 317 349
50 Nonnenroth 362 346
51. Obbornhofen 557 547
52. Ober-Bessingen 387 403
53. Ober-Hörgern 321 343
54. Odenhausen mtt
Appenborn 300 306
55. Oppenrod 311 313
56. Queckborn 596 615
57. Rabertshausen mit
Ringelshausen 181 191
58. Reinhardshain 290 300
59 Reiskirchen 755 767
60. Rodheim mit
Hof Graß 326 334
61. Rödgen 645 647
62. Röthges 260 291
63 Rüddtngshausen 708 673
64. Ruttershausen mit
Kirchberg 426 397
65. Saasen mit Bolln-
bach, Veitsberg und
Wirberg 450 465
66. Stangenrod 308 297
67 Staufenberg mit
Friedelhaufen 650 66
58 Steinbach 980 983
69. Steinheirn 490 484
70. Stockhausen 132 '41
71. Trais Horloff 339 334
72. Treitz a. d. Lda. 1093 1044
73. Trohe 166 163
74. Utphe 487 509
75. Vtllingen 903 927
76. Watzenborn mit
Süinberg 1585 1471
77. Weickartshain 356 352
78. Weitershain 523 490
79. Wteseck 2502 2461
80. Winnerod 30 22
Zu übertragen 57122 54290
Summa 77436 74436
Zum neuen Jahre.
Wenn nach alter Sitte am Shlvesterabend mit Sang und Klang daS alte Jahr zu Grabe getragen, und das junge, neue Jahr räthselhaft und mit einem großen Fragezeichen seinen Lauf beginnt, so pflegen entweder rofige Hoffnungen oder bange Befürchtungen die Herzen der Menschen und Völker zu erfüllen. Will man aber nicht die in diesem Falle unberufene und zweifelhafte Rolle eines Propheten spielen, so muß man fich mit kühlem Verstände sagen, daß in allen rosigen Hoffnungen und schwarzen Befürchtungen in Bezug auf daS kommende neue Jahr sehr leicht die Uebertreibung *nb die Phantasie eine Wirkung hervorbrtngen, welche mit den Erfahrungen deS wirklichen Lebens und Strebens im Staate und Berufe, in der Familie und Gesellschaft nie und nimmer übereinsttmmeu können. Darum gilt als bester Grundsatz für alle zukünftige Entwickelung und für alle Erwartungen im neuen Jahre: Weg mit aller Ueberschweng- lichkeit im Hoffen, und fort mit allem Uebermaße im Fürchten! Stetig und verhältnißwäßig langsam nach den festen Gesetzen der Natur und Moral bewegt fich alle Entwickelung vorwärts, und der jähe Umsturz zum Unheil oder der plötzliche Fortschritt zum Befferen find große Ausnahmen von der Regel. Deshalb darf der pflichttreue Bürger auch mit Vertrauen in die Zukunft schauen, denn die obersten Beding- »ngen friedlichen bürgerlichen Wirkens find voll erfüllt, ein
dauernder Friede und eine feste, starke, überzeugte Friedenspolitik herrscht in Europa, und eine starke Regierung, und ein festgefügtes, mächtiges Staatsgebäude schirmt den Staat und die Gesellschaft vor innerer Umwälzung, wenn auch manche Elemente der Zersetzung jahraus, jahrein ihr Unwesen treiben.
ES ist nun wahr, und es muß deshalb auch ausgesprochen werden, daß eine große Unzufriedenheit mit der wirthschaftlichen und sozialen Entwickelung der Dinge in weiten Kreisen herrscht, aber auch in dieser Hinsicht muß man fich vor Uebertreibunpeu hüten, und aus eine natürliche Besserung und auf die Auffindung gangbarer Wege zur Lösung der vorhandenen Probleme hoffen. Unser Vaterland hat in früheren Perioden seiner stets schwierigen Entwickelung in wirthschaftlicher Hinficht viel größere Nothstäude glücklich überwunden, Nothftände, gegenüber welchen die Calamitäteu, über welche mau jetzt klagt, als ein wahres Kinderspiel erscheinen. Deshalb darf auch mit Zuverficht erwartet werden, daß mit Geduld und Ausdauer, und mit einer gewissen Ein- und Umkehr auch die wirthschaftlichen Schäden und sozialen Gebrechen der Gegenwart geheilt werden können. Daß in dieser Hinsicht in naher Zukunft gute Fortschritte erzielt werden möchten, bleibt unser bester Neujahrswunsch!
Der Krieg von 1870f71, gemildert durch AutzschnMe eu8 Zeitung«-Nummern jener Zett (Nachdruck verboten.)
1. Januar.
Mit der ersten Stunde des Jahres 1871 ist das neue deutsche Reich zur Wahrheit geworden. Die Verträge, du'ch w lche Baden, Hessen und Württemberg fich mit dem bisherigen norddeutschen Bunde vereinigt haben, sowie die demgemäß vereinbarte Verfassung deS deutschen Bundes find durch daS Bundesgesetzblatt noch am 31. December v. IS. verkündet worden und somit am 1. Januar 1871 in Kraft und Wirksamkeit getreten. Der zum Schutze des Bundes- gebieteS und des innerhalb desselben giltigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt deS deutschen Volkes geschlossene Bund soll den Namen „Deutsches Reich" führen. DaS Präfidium des Bundes steht der Köuige von Preußen zu, welcher den Namen „Deutscher Kaiser" führt. Kaiser und Reich sind seit dem 1. Januar 1871 staatsrechtlich festgestellte und anerkannte Einrichtungen des neuen Deutschland- unantastbar durch die Weihe des Gesetzes, wie durch den Willen und die Krast einer großen Nation, find die Grundlagen Hit die neue Lebensgemeinschaft in Krieg und Frieden gelegt.
(Prov.- Corr.)
Immer neue Truppenmassen gehen auS Deutschland nach Frankreich, namentlich viel Landwehrinfanterie. Es hilft nun einmal nichts, je länger dieser blutige Krieg dauert, mit je wilderem Trotze sich daS frauzöfische Volk trotz aller Niederlagen aufbäumt und je weiter die Deutschen in Frankreich vordringen müssen, um so größer müssen die Truppenmassen sein, die unseren He rführern zu Gebote stehen. Schon die Sicherung der Etenbahnlinien, Etappen - Orte, Lazarethe, Proviantzüge u. s. w. nimmt täglich 100 000 Mann in Anspruch. Durch den Trotz und die Ueberspanntheit der Franzosen wird Frankreich zu einer weiM Wüste gemacht, der kleine Krieg der FranctieurS läßt^Nenschlichkeir und Chriftenthum immer mehr aus den Reihen der Kämpfer schwinden. Dieses entsetzliche Brennen und Sengen dauert fort, ganze Dorfschaften werdenvielleicht einiger Schüsse wegen, die fremde Bauden auS ihnen abfeuerten, vollständig niedergebrannt, und der ganze Kampf droht nunmehr einen Character anzunehmen, wie er im dreißigjährigen Krieg nicht viel wilder gewesen sein konnte. Wenn jemals etwas einen denkenden Menschen zu einem Anhänger Elihu Burrits und seiner Friedenslehre machen konnte, so ist es dieser Krieg von 1870." (Köln. Zig.)
2. Januar.
ES ist sicher, daß die Pariser Regierung Mittel besitzt, um Depeschen aus der Stadt hinaus und auch hinein zu befördern, und wahrscheinlich geschieht die von der Außenregierung offerirte Beförderung von Briefen nach Paris auf geheimen Wege. ES wurden nämlich im vorigen Jahre auf der Seine sehr gelungene Versuche mit einem unterseeischen Boote angestellt, welches mehrere Leute faßte, die mittelst zusammengepreßter Luft darin stundenlang auShalten und das Boot unter dem Wasser mit Leichtigkeit in jeder Richtung fortbewegen konnten- dieses Boot mag wohl jetzt in Anwendung gebracht worden sein. Dann liegt auch auf dem Grunde der Seine eine Kette, welche bis Havre reicht und die recht gut zur Beförderung von Nachrichten benutzt werden kann. (Köln. Ztg.)
*e» prsvÄrB-M».
Darmstadt, 28. December. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung der land- und forstwirth- schaftlichen Berufsgenossenschaft für daS Groß- herzogthum Hessen fand am SamStag, 21. December, in der Restauration „Zur Stadt Pfungstadt" hier, unter dem Vorsitze des Regierungsraths Nover statt. Als Vertreter deS Landesversicherungsamtes waren anwesend die Herren Geheimrath Emmerling und Geh. Obersorstrath W i l b r a v d. Dem im Druck vorgelegten Derwaltungsbericht der BerufS- genoffenschaft für daS Jahr 1894 ist zu entnehmen, daß die Zahl der in 1894 eingelaufenen Unfallanzeigen 1045 betrug, darunter 734 landwirthschaftliche und 86 forstwirthschaftliche. Für 624, darunter 555 landwirthschaftliche und 69 forst- wirthschaftliche Unfälle wurden in 1894 erstmalig Entschädigungen festgestellt. Diese Unfälle betreffen:
I. Nach Zahl, Alter und Geschlecht der Verletzten. 1) Erwachsene: a. männliche Personen 476, b. weibliche Personen 140 - 2) jugendliche (unter 16 Jahren): a. männliche Personen 7, b. weibliche Personen 1, zusammen 624. Es war
II. Veranlassung und Art deS Unfalles durch: 1) Dampfkessel, Dampfleitungen und Dampikochapparate (Explosion und sonstige) 1; 2) Sprengstoffe (Explosion von Pulver, Dynamit 2c) 6; 3) feuergefährliche heiße oder ätzende Stoffe rc. (Gase, Dämpse rc.) 1 - 4) bewegte Maschinentbeile (Motoren, Transmissionen, Riemen, Arbeitsmaschinen, Göpelwerke zc. 36- 5) Handwerkszeug und einfache Geräthe, (Hämmer, Aexte, Spaten, Hacken, Sensen re.) 74- 6) Zusammenbruch, Einsturz, Herabfallen und Umfallen von Gegenständen, Verschütten ourch Erde und Steine 27- 7) Herunterfallen von Bäumen, Böden, Leitern und Treppen, Galerien, aus Luken rc. in Vertiefungen, Bassins 144- 8) Fuhrwerke (Ueberfahreu durch Wagen und Karren aller Art, Pflüge, Eggen rc.), Fall von Wagen 151- 9) Auf. und Abladen von Hand, Heben, Tragen rc. 109- 10)Thiere (Stoß, Schlag, Biß, einschließlich der Unfälle beim Reiten) 68- 11) Ertrunken oder erstickt—- 12) sonstige 7 - zusammen 624.
III. Art der Verletzungen, und zwar von: Kopf und Gesicht (Augen) 45- 2) Armen und Händen (Fingern) 232- 3) Beinen und Füßen 188- 4) anderen oder mehreren Körperteilen zugleich 132- 5) sonstige Verletzungen 27 - zusammen 624.
IV. Folgen der Verletzung: 1) vorübergehende Erwerbs- unfc.^igkeit 231- 2) dauernde Erwerbsunfähigkeit: a. theilweise 335, b. völlige 12- 3) tobt 46- zusammen 624.
V. Zahl der entschädigungsberechtigten Hinterbliebenen der Getvdteteu: 1) Witwen 27, 2) Kinder 42, 3) Asien- denten —, zusammen 69.
Bon den im Jahre 1894 entschädigten Unfällen haben sich ereignet:
sorftwirthschaftliche:
landwirthschaftliche
im
Januar
14
32
V
Februar
13
32
//
März
e
37
//
April
3
51
,/
Mai
7
31
n
Juni
3
58
H
Juli
—
64
u
August
3
50
//
September
—
72
H
October
—
66
II
November
3
37
H
December
17
25
Auf die Wochentage vertheilen fich die Unfälle in folgender Weise:
forstwirthschaftliche:
landwirthschaftliche
Sonntag
—
24
Montag
14
84
Dienstag
11
102
Mittwoch
11
68
Donnerstag
11
91
Freitag
14
86
Samstag
8
95
Bei 5 landwirthschaftlichen Unfällen war der Wochentag nicht mehr festzustellen.
Bon den entschädigten 624 Unfällen entfallen auf Rheinhessen 138, auf Starkenburg 190 und auf Oberhessen 296.
An Unterstützungen wurden im ganzen 176 330,92 Mk. gewährt. Hiervon entfallen auf Unfälle der Forftwirthschaft 20183,14 Mk. und solche in der Landwirthschaft 156147,78 Mk.
Bei der Genossenschaft sind in 1894 11 548 Schrift- sacheu eingelaufen (in den ersten zehn Monaten des Jahres 1895 bereits 11 750).


