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Dienstag den 30 April
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Darmstadt, den 30. März 1895.
Betreffend: Resultat der Stutenkörungen undPrämiirungen in 1895.
Die Stutenkörungen haben dieses Jahr noch größeren und weiteren Anklang gefunden, trotz der denkbar ungünstigsten Witterung, fast unpassirbaren Wegen, trotz Schnee und EtS waren die Züchter mit ihren Stuten am Platze und sind dieses Jahr ca. 100 Stuten mehr vorgestellt worden wie im vergangenen. ES ist ferner die erfreuliche Thatsache zu con- statiren, daß die Züchter zu den Körungen fast durchweg mit besierem Material erschienen waren und daS schlechtere Stutenmaterial der früheren Jahre überhaupt nicht mehr zur Vorführung gebracht wurde, gewiß ein gutes Zeichen, daß die Züchter anfangen, dem Institut daS richtige Jnteresie und Derständniß entgegenzubringen.
Die Körcommtssionen sind dieses Jahr in ihren Anforderungen strenger gewesen und werden vom nächsten Jahre ab nur tadellos rein gezogenes Material als Mutterstuten anzukören haben. Auf der einen Seite norddeutsche und gut gezogene Landstuten, auf der andern Seite reine Belgier und Ardenner, jedes, auch das beste KreuzungSproduct muß ausgeschieden werden.
Die Prämiirungen haben bewiesen, welche Erfolge durch die Körungen der Stuten und die Zutheilung der passenden Hengste bei einer annähernden rationellen Aufzucht auch hier zu Lande erzielt werden können. Den vorgeführten Fohlen fehlt cS nicht mehr an der nörhigen, ausgiebigen Bewegung- der Futterzustand und das Aussehen der Thiere war überall ein guter, theilweise sogar ein zu guter.
ES ist aus der Aufstellung zu ersehen, daß sich die durch den Pferdezuchtverein tmportirten Stutfohlen auch als Mutterstuten bei einer rationellen Kreuzung gut bewährt haben, denn es sind fast alle vorgesührten Producte solcher Stuten einer Auszeichnung werth befunden worden. Auch in den kaltblütigen Schlagen sind schöne Erfolge zu verzeichnen und werden wir in nächster Zeit gerade in dieser Rasse wohl noch besseres erwarten dürfen, da sich nunmehr auch in Oberhesien verschiedene größere Gutsbesitzer der Zucht von belgischen Pferden in größerer Ausdehnung widmen wollen.
Die LandgestütSdirection wird auch in diesem Jahre wieder in der Lage sein, einen belgischen Hengst zu Zuchtzwecken in Oberhesien zu erwerben.
Durch die Körungen sind dem Verein dieses Jahr nahe an 100 neue Mitglieder zugesührt worden, ein beredtes Zeugniß von der Anerkennung der Züchter, welche den Körungen und Prämiirungen ein immer mehr wachsendes Jnteresie und Verständniß entgegenbringen.
Für daS Weitergedeihen dieser guten Sache und für eine stabile Durchführung derselben ist aber für die Folge in erster Linie eine ausgiebige Staatsunterstützung noth- wendig.
Die Ausdehnung der Körungen und besonders der pro* jectirten Prämiirungen nehmen für die Zukunft so hohe Mittel in Anspruch, daß diese nicht alljährlich von der Regierung angefordert werden können, sondern die Mittel für die Körungen und Prämiirungen müsien fernerhin direct in das Budget eingestellt und auch für die laufende Finanzperiode bewilligt werden.
ES würde hier zu weit führen, schriftlich die Eindrücke, die Erfolge, die Ansichten und Beobachtungen, welche bet den Körungen und Prämiirungen im ganzen Lande zu Tage getreten sind, niederzulegen. Der Unterzeichnete wird aber gerne im Vorstande, wie auch auf der Generalversammlung ein ausführliches Referat hierüber geben.
(gez.) von Millich.
Ans den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.
NN. Darmstadt, 27. April 1895.
Die Sitzung wird um »/zlO Uhr eröffnet. Zur Verhandlung steht heute die Vorlage Großh. Regierung, die Erbauung eines neuen Museums betr., wofür die 1 Summe von 1,500,000 Mk. gefordert worden. Der Finanz- ■ auöfchuß beantragt, der Regierung die bereits im Haupt- , Voranschlag 1894/97 vorgesehene Summe zur Verfügung zu stellen. Ein Mitglied des Finanzausschusses (Abg. Schröder) behält sich seine Entschließung und Abstimmung bis zur Verhandlung des Gegenstandes in der Zweiten Ständekammer
vor, weil er über gewisie rechtliche und finanzielle Fragen noch weitere Ausklärungen haben will.
Staatsminister Finger erklärt, daß das jetzige Residenzschloß zu ganz anderen Zwecken gebaut worden sei, als zur Aufnahme von Gegenständen der Kunst, Wissenschaft und Geschichte. Aus diesem Grunde liege es nahe, daß die jetzigen Räume nicht geeignet seien, um die werthvollen Objecte unserer Sammlungen auszunehmen. Die Räume selbst sind sehr ungeeignet, da die Säle, in denen die kostbarsten Gemälde sich befinden, nach Süden und Südwesten liegen. Außerdem seien diese Säle nicht hoch genug, um genügendes Licht zuzulassen. Dazu kommt noch die außerordentliche Feuergefährlichkeit. Freilich sei alles geschehen, um diese zu verhindern, allein dies sei doch nur ein mangelhafter Schutz. Die Mittel zum Bau sind vorhanden. ES sind von unserem verdienstvollen Finanzminister Ueberschüsse angesammelt worden, deren Verwendung auch einmal für höhere Zwecke der Kunst zugänglich gemacht werden sollen. Er bittet daher, die RegierungSfordervng anzunehmen. Die finanziellen Bedenken desFinanzauSschußmitgliedeSOi .Schröder seien nicht vorhanden. Die Einrichtungskosten würden nach dem Unheil von Sachverständigen sich etwa auf 40—50,000 Mark belaufen. Was die EigenthumSsrage anbelange, so habe er zu erklären, daß das Museum, soweit eS auf Stiftungen beruht, in keiner Weise mehr Privateigenthum deS Großherzogs ist. Nach der Stiftungsurkunde sind sie ein unveräußerliches und untheilbares Fideicommiß und sind nach der Stiftungsurkunde Ludwig II. als Selbst-Eigenthum zu behandeln. Die über die Benutzung der frei werdenden Räume sich gebildete Legende, als sollten dieselben dann in luxuriöser Weise hergestellt werden, wolle er dahin richtig stellen, daß ein Thetl dieser Räume dazu benutzt werden soll, um Bestände der Bibliothek unterzubringen. Sollten aber Wünsche auftauchen, die über die reine Erhaltung des Schlosses hinauSgeheu würden, so liege es ja in der Hand des Hauses, diese zurückzuwetsen. Er als Minister würde derartige Anforderungen nicht begünstigen. Nach alle dem fasie er die Sache so auf, daß das Bedürfniß dem Hause nachgewiesen und auch anerkannt worden. Hier handele es sich gewissermaßen um eine Ehrensache und die Kammer werde sich rin Denkmal setzen, wenn sie dem Antrag willfahren werde. Die Pläne, deren Autor ein Hesse sei, seien von einem Meister der Baukunst geprüft und als musterhaft bezeichnet worden. Sicher sei ferner, daß man mit den verlangten 1,500,000 Mk. auskommen werde, so daß Nachforderungen wie bei der Technischen Hochschule nicht ein« treten werden. Die innere Einrichtung werde nicht mehr wie 40,000—50,000 Mk. betragen. Mit der Erbauung des Museums auf dem Platz des früheren Zeughauses gebe man dem Kriegerdenkmal und dem für Se. Königl. Hoheit den Großherzog Ludwig IV. auf dem Paradeplatz zu errichtenden Denkmal einen richtigen Abschluß, was umsomehr zu begrüßen fei, als gerade der verstorbene Großherzog sich für den MuseumS-Neubau besonders interessirt habe.
Abg. Metz-Gießen vermißt im AuSschußbericht die Erörterung der rechtlichen Seite der EigenthumSsrage, da eS nicht nachgewiesen sei, daß das Land für alle Zeiten im Besitz der Sammlungen bleiben werde. So lange dies nicht geschehen sei, könne er der Vorlage nicht zustimmen.
Abg. Osann hält die vorgebrachten Bedenken nicht für Gespenster, sondern für berechtigt. Die Eigenthnmsfrage müsse erst festgestellt werden, ehe gebaut werde. Wie die Stiftungs-Urkunde aufzusassen sei, hänge lediglich von der Ansicht des regierenden Großherzogs ab. Großherzog Ludwig IV. habe die Sammlungen stets als fein Eigenthum betrachtet. Nach dem sei Vorsicht am Platze. Seiner Ansicht nach könnten die Sammlungen nicht veräußert ober zurückgezogen werden. Die Vermuthung, daß mit dem Räumen des Museums größere Ausgaben entstehen werden, fei kein Phantom. Dem Vernehmen nach beabsichtige der jetzige Großherzog, die frei werdenden Räume mit besonderer Pracht auszustatten. Er werde nicht für derartige Ausgaben zu haben sein in einer Zeit, wo Handel und Gewerbe schwer zu kämpfen haben. Er werde trotzdem für den Bau stimmen, weil er anerkenne, daß es die Aufgabe des Staates fei, für Kunst und Wissenschaft zu sorgen. Zu Nebenbahnen habe man hohe Beträge bewilligt, auch für die Kirchen in Worms und Oppenheim seien erhebliche Opfer gebracht worden und neuerdings stehe eine Forderung von 600000 Mk. für das kurfürstliche Schloß in Mainz bevor. Diesen Leistungen gegenüber dürfe Niemand zaudern, für die Forderung zu stimmen, umsomehr, als das ganze Bauwerk unter der Hand eines hessischen Landsmanns von bedeutendem Ruf ausgeführt werden soll.
Staatsminister Finger weiß von den prachtliebenden
Plänen unseres jetzigen Großherzogs nichts. Wo solche hervor treten würden, könne die Kammer ja Stellung dazu nehmen. Seit 1830 seien für Erwerbungen vom Lande 426896 Mk. verausgabt worden. Diese seien Landeseigenthum. Von der richtigen Verwendbarkeit des Museum hänge auch die Bliithe unserer BildungSanstalten ab. Daß man in einer Zeit der wirthschaftlichen Noth lebe, fei nicht zu bestreiten, insbesondere treffe dies bei dem Gewerbestand zu. Gerade der Bau des Museums biete demselben Gelegenheit zu einem Verdienst. Bezüglich der Hosbibliothek könne er erklären, daß er es für moralisch unmöglich halte, daß dieselbe aus dem Schloß entfernt werde.
Abg. Jöst wünscht, daß man heute noch eine Vereinbarung über die Eigenthnmsfrage der Sammlungen treffen werde. Erst wenn dies ganz bestimmt feststehe, werde er und seine Genossen für die Vorlage stimmen.
Abg. Ullrich wünscht ebenfalls die Eigenthumsfrage erst geregelt, da sonst die ganzen Verhandlnngen in der Luft liegen.
Abg. Wolfs kehl wundert sich, daß man dem Groß- herzoglichen Haus mit aller Gewalt ein Recht inter- pretiren wolle, das ihm gar nicht zustehe und auch nicht beansprucht werde. Er begreife überhaupt nicht, wie man sich in eine Sache hineinarbeiten könne, die gar nicht bestehe.
Abg. Metz-Gießen stellt einen Antrag, wonach das Eigenthumsrecht an den Sammlungen feftgefteUt und die freie Benutzung derselben durch das Publikum gesichert werden soll.
Abg. Schmidt will diese Rechte von Seiner Königlichen Hoheit dem jetzigen Großherzog ausdrücklich anerkannt haben.
Abg. Schroeder erklärt, daß er das Mitglied des Ausschusses fei, das feine Ansicht noch abgegeben habe. Nach den Erklärnngen des Staatsministers untN nach Durchsicht der von ihm durchgesehenen Stistungsnrkunde habe er die Meinung, daß es sich zweifellos nm ein Famil ic n - Ei gcn - thum handelt, daS auf ewig zum Besten des Landes gegeben ist und vom Lande in entsprechender Weise benutzt werden kann und soll. Die durch den Mund des Herrn Staatsministers in gleichem Sinne abgegebene Erklärung lasse alle rechtlich von ihm erhobenen Bedenken schwinden. Zweifel hege er nur, ob man mit der geforderten Summe anskornmen werde und bittet den Professor Messel hierüber um Auskunft.
Baumeister Professor Messel erwidert, daß er sehr wohl glaube, daß auch die geplante Erhöhung des Gebäudes mit der beantragten Summe durchzeflihrt werden könne.
Staatsminister Finger erklärt nochmals, das Museum sei eine Staatsanstalt und mit dem Lande ganz und gar verbunden und unveräußerliches Gut des Landes. Er wiederhole dies nochmals und bekräftige es mit feinem Gewissen. Wer jetzt noch im Hause zweifele, der thne dies mit besonderer Absicht.
Abg. Bär ist gegen den Bau, weil 1866 die Preußen das Zeughaus geplündert und bestohlen haben. Er wird wegen dieses unparlamentarischen Ausdrucks zur Ordnung gerufen.
Abg. Haas als Berichterstatter empfiehlt dem HanS die einstimmige Annahme, um zu zeigen, daß im Lande Hessen noch Sinn für Kunst und Wissenschaft vorhanden sei.
Nach erfolgter Abstimmung wurde hierauf der geforderte Betrag von 1500000 Mk. für das Museum mit 34 gegen 14 Stimmen genehmigt, mit dem Anfügen, daß das Museum als unveräußerliches Landeseigenthum zu betrachten sei.
Damit wurde die Sitzung geschlossen.
Deutscher Reichstag.
78. Sitzung. SawStag, den 27. April 1895.
Das Haus erledigt einige Necknungssachen, versagt die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Sigl und setzt sodann die erste Berathung der Novelle zum Branntwetnsteuergef e tz fort.
Abg. Graf Stolberg-Wernigerode (b. k. Fr.) erklärt sich einverstanden mit der erhöhten Belastung der Melassebrennereim und auch mit den höheren Ausfuhrprämien. Eventuell würde es sich empfehlen, bm Bundesrath zu ermächtigen, die Ausfuhrprämien nach Bedarf zu ermäßigen oder zu erhöhen. ES fei nicht möglich, aus einmal der ganzen Landwirthschast Hilfe zu Theil werden zu lassm. Jedenfalls erstrecke sich die Hilfe, welche dieses Gesetz bringe, nicht nur auf die großen Brenner, sondern auch aus die kleinen Land- wirthe. Schließlich habe er den Wunsch auSzusprechm, daß die Entschließung über die Vorlage möglichst beschleunigt werde, um der bestehenden Beunruhigung ein Ende zu machen.
Abg. Richter (frs. Vp.): Wohlwollen für die Landwirthschast haben wir wohl Alle. Hier entsteht nur die Frage: wem wird gegeben und wem wird genommen - Und da mutz die Antwort lauten: den Consumenten und der Reichtzkasse wird genommen, um den Großbrennern zu geben! Das ganze Gesetz hat den Zweck: die Ein- nahmen zu vermindern und die Ausgaben zu erhöhen! Und als


