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30.3.1895 Erstes Blatt
 
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Der $U|tner A«r«iger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags

Die Vietzener Z.miliendtätter werden den, Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt. Samstag den 30. März___

AchenerAnzeiger

Kemrat-Mnzeiger.

1895

vierteljähriger -donnemenlspreisr 2 Mark 20 Pfg. mxt Brmgerloha.

Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Ocpcbitior und Druckerei: Schukftratze ^Sr.7.

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chratisbeilage: Hießener KamilienbläLter

Depeschen deS BureauHerold".

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für be« folgenben Tag erscheinenden Nummer bi» Borin. 10 Uhr.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

v. Hammerstein: Diese Zumuthung erscheint mir sehr ver- wunderlich. Ich habe gethan, was in meinen Kräften stand, genügt Ihnen das nicht, so bitten Sie Seine Majestät um einen anderen Minister, der Ihre Wünsche erfüllt. Ich rann das nicht und lehne es ab. Abg. Gerlich (freicons.) bedauert die gegen den Minister gerichteten Angriffe. Abgeordneter v. Plötz (cons.): Dom Reichstage habe man nicht« zu erwarten. Käme man mit ganz leeren Händen zu den Wählern zurück, so würden davon nur die Socialdemokraten den Nutzen haben. Die Regierung müffe für den Antrag Kanitz eintreten, wenn sie keinen besseren Vorschlag machen könne. Mimster v. Hammerstein begreift nicht, was die allgemeine Unter- Haltung über den landwirthschaftlichen Nothstand bezwecken soll und erklärt, sich daran nicht mehr zu betheiligen. Im weiteren Verlauf der Debatte legt der Abgeordnete Freiherr v. Huene dar, daß der Antrag Kanitz undurchführbar fei und den Bauern nichts nützen werde. Er fordere die Confer- vativen auf, dem Lande offen und ehrlich zu erklären, daß es mit dem Anträge Kanitz nicht gehe, um gemeinsam mit den Bauern draußen zu arbeiten. DaS werde der Land- wirthschaft mehr nützen, als der Hinweis auf unerreichbare ^^^AEn, 28. März. Die Tab ak steuer-C ommtf fi o n hat den in Nr. 2 § 1 vorgefchlagenen Zoll auf Tabakfabrtkate einstimmig abgelehnt und den Antrag Schädler, die zweite Lesung der Tabaksteuer-Vorlage erst nach den Osterferien vorzunehmen, angenommen.

Berlin, 28. März. Wie gemeldet wird, hat der General- lieulenant Bogel v. Falckenstein, Commandeur der 5. Division, seinen Abschied eingereicht- man glaubt, daß dieses Gesuch mit der letzten Veränderung im Commando deS 6. Armeecorps zusammendängt.

Berlin, 28. März. In einer Zuschrift an daSDeutsche VolkSrecht" beschwert sich Abgeordneter Ahl warbt, daß ihm beständig im Reichstage durch Schlußanträge daS Wort nicht ertheilt würde, obgleich er sich rechtzeitig zum Wort gemeldet habe. Er beabsichtige deshalb, bei der ersten besten Gelegenheit fein Recht, zu reden, im Reichstage zu erzwingen. Er habe deshalb Rücksprache mit Mitgliedern mehrerer Par- teien genommen. Es sei ihm auch von verschiedenen Seiten versprochen worden, daß man gegen einen Schlußantrag stimmen werde.

Berlin, 28. März. Die Socialdemokraten wollten heute im Reichstage eine Besprechung über die kaiserliche Depesche an den Fürsten Bismarck herbeiführen. Präsident von Buvl erklärte, er müffe darüber erst mit dem Vice- präsidenten berathen. Darauf beschloffen die Socialdemokraten abzuwarten. Sie hoffen jedoch später eine Besprechung zu ermöglichen.

Mainz, 28. März. DasMainzer Journ." meldet : Der Vorsitzende der CentrumSfraction deS deutschen Reichs­tages, Graf Hompesch, hat auf daS Namens der hessischen Katholiken von den Landtagabgg. Wafferburg und Dr. Schmitt in Mainz abgesandte ZustimmungStelegramm wegen der ein- müihigen Ablehnung der GeburtStagSgratulation für Bis­marck mit folgender Depesche geantwortet: Berlin, 27. März. Herrn Dr. Schmitt, Mainz. Den wackeren hessischen Katholiken spricht die CentrumSfraction den wärmsten Dank auS. Graf Hompesch.

Paffau, 28. März. Bei der Reichstagsnachwahl im hiesigen Wahlkreise ist Domcapitular Dr. Pichler mst großer Majorität wiedergewählt worden.

Laibach, 28. März. Infolge des ThauwetterS ist der Laibacher Moor vollständig unter Wasser gesetzt, ebenso zum Thetl die dortigen Ortschaften, wo das Waffer 40 cm hoch in den Häusern steht. Die Bevölkerung ist ver- proviantirt und daS Vieh in Sicherheit gebracht.

Luzern, -28. März. In den Alpen fällt seit einigen Tagen wieder viel Schnee, in den Niederungen herrscht Regen.

Wieo, 28. März. Eine größere Anzahl Abgeordneter i der vereinigten deutschen Linken hat den Beschluß gesaßt, : dem Fürsten Bismarck ein Glückwunschtelegramm r zu senden.

Brünn, 28. März. Der von der hiesigen Verbindung Sudetia geplante Bismarck-CommerS ist von der Staats­behörde verboten worden.

i Budapest, 28. März. Die Krems steigt bedenklich- auch die MaroS ist rapide im Steigen begriffen, und

i die am Fluffe belegenen Ortschaften find in großer Gefahr.

Palermo, 28. März. Bei Roccapalumba hat ein größerer : Erdrutsch stattgefunden. Eine Fläche von zwei Quadrat­kilometer ist mit Geröll bedeckt.

Brügel, 28. März. Die Meldung, daß der Krieg». Minister die Einberufung der Reserve von 1892 an-

Alle Annonccn-Burcaux beS In- unb AuSlanbe» nehm« Anzeigen für bcnGießener Anzeiger" entgegen.

"^Bd'bcm Kapitel .Mentenmelen" entsteht eine Debatte l»M»en Ahlwardt und von Kardorff bezüglich des angeblichen! Briefes der Firma Mohr u. Speyer, v. Kardorff bezeichnet die »hl- ward»'ich en Behauptungen als unwahr. .

Morgen 1 Uhr: Gefammtabsttmmung über den Etat, Antrag Kanitz und Zolltarifnovelle.

Deutscher Reichstag.

71. Sitzung. Donnerstag, den 28. März 1896.

Ein von dem Abgg. Hitze und Möller eingebrachier Gesetz­entwurf um Abänderung der Einheitszeit wird angenommen. Bet der Lesung deS Etats findet eine Generaldebatte nicht statt, ebenso I bei dem Etat des Reichstages. . I

Bei dem Etat des Reichskanzlers bringt Abg. Graf -Bern6- I dorff (Welse) eine Resolution etn, welche die Regierung ersucht 1 ihren Bedarf an landwtrthschaftlichen Produkten für Heer, Marine j und RetchSpost durch Lteferungsvertrage bei der Landwirthschaft zu 1 decken. Diese Resolution wird jedoch nach unerheblicher Debatte ao- l ,Cle&n$)er Etat des auswärtigen Amtes wird genehmigt, nachdem I der Abg. Bachem (Eentr.) sich über bk Verhältnisse aus den «arschallsinseln und den dortigen katholischen Missionen aus­gesprochen hatte. Der Redner verlangt die Uebertragung der Hoheits­rechte an das Reich.

Bei dem EtatKamerun" verlangt der Abg. v. Bollmar (Soc.) Auskunft, wie es mit dem Falle Wehlau stehe und> ob' eine Anfrage an den Assessor Leist ergangen sei über di- Persönlichkeit desjenigen Offiziers, gegen den gewisse Anschuldigungen erhoben | ""^Staatssecretär v. Marschall antwortete auf die letztere Frage, Saß sich diese Person in der Hauptverhandlung ermitteln lassen »erde. Zu der andern bemerkt er, daß die Diszipltnaruntersuchung gegen Wehlau nicht so schnell zu Ende geführt werden könne. Der ^usttzmintster habe festzustellen, ob dieser Fall vor das ordentliche ^^^Abg^m^Bollmar (Soc.) kommt noch aus die Entlassung Dr. <iaICni)er Redner^erhält vom Staatssecretär hierüber eine befriedigende Slntwmü etot bt§ Reichsamts deS Innern entspinnt sich eine längere Debatte, an der die verschiedenen 5racton^D7,1 unb der Staatssecretär v. Bötticher sich betheiltgen. In derselben flnben Auseinandersetzungen statt über gesetzliche Anerkennung der Berufsvereine, über ben Standpunkt des Entwurfs gegen den un­lauteren Wettbewerb, das Apothekengesetz unb über die Frage der Leichenschau. Auch würbe bcr Wunsch ausgesprochen, bei ber zweiten Lesung eine Revision bcr SeemannSorbnung herbeizufuhren.

Hieraus wirb der Etat genehmigt. »ha«.

Nach kurzer Debatte wirb sodann ber Etat beS Reichs- ^e<rCSBct bem86EtTaorbinarium" wirb bte Wi^rerherstellung bcr in zweiter Lesung gestrichenen Forberung für eine Kaserne in Torgau abflelebnt. Für Vergrößerung bes Schießplatzes in Lockstedt werden 800 000 Mk., für eine Kaserne in Worms 200000 Mk- bewM at, dagegen für zwei Kasernen in St. Johann und Eoln K 100 000 Mk.

wird in der Fassung der zweiten Lesung

Paris, 28. März. Zu Ehren des Präsidenten des deutschen ReichSversicherungSamteS, Bödiker, wurde heute , im Restaurant Boisin ein Abschieds mahl gehalten. An- wesend waren Jules Simon, Leon Sah, ferner die Vor­sitzenden dercomites permanente des accidents, die Vor­sitzenden der Verficherungscommissionen deS Senats und der Kammer, der Vorsitzende deS »Musee social*, Präsident Siegfried rc. Der Toast auf Bödiker und besten Antwort waren ein gegenseitiger Austausch des Dankes, der Sym- pathie und der allgemeinen Befriedigung.

Sathouay, 28. März. Präsident F a u r e hielt nach Ueber- gabe der Fahnen die Revue über die nach Madagaskar bestimmten Truppen ab. Eine zahlreiche Zuschauermenge, die den Präsidenten lebhaft begrüßte, wohnte dem Schau- . spiele bei. Bei dem Frühstück, daS unter einem Zelte ein­genommen wurde, erwiderte der Präsident einen auf ihn auS- gebrachten Trinkspruch mit folgender Ansprache:Die Armee, der Schutz und die Hoffnung des Vaterlandes, ist der beständige Gegenstand der Fürsorge der Regierung und des ganzen Landes. DaS Land hat seit fünfundzwanzig Jahren allen Opfern für die Armee zugestimmt- diese wußte I den Erwartungen dcS Landes zu entsprechen und auf dem Wege der Arbeit auSzuharren, die schönen Ueberlieferungen der Tapferkeit und Manneszucht zu bewahren und die näthige Kraft zu erlangen, um den Frieden und die Größe des Vaterlandes ficherzustellen." - Nachmittags um 2 Uhr reiste der Präsident wieder von hier ab. Bei der Abfahrt wurden dem Präsidenten erneute Ovationen dargebracht.

Rom, 28. März. DerOptuione" und derJtalie zufolge werden die Deput.irtenwahl.en am 12. oder am 19. Mai stattfindeu.

Rewyork, 28. März. Etn vom Ackcrbaudepartement I nach Kansaö gesandter Commiffar stellt nach den dort I vorgenommenen Untersuchungen das Vorhandensein von | Lungcnseuche unter dem Vieh dieses Staates entschieden I in Abrede.

Yokohama, 28. März. Die von Japan der korea- I nischeu Regierung angebotene Anleihe von drei I Millionen Yen ist nunmehr auf der von Japan vorge- I schlageuen Grundlage der Zurückzahlung innerhalb fünf I Jahren zu Q aude gekommen. ES wird hier angenommen, I daß dieFriedenSunterhandlungen mit Japan bem« I nächst wieder ausgenommen werden.

------- ------ I worden.

__ «... I Berlin, 28. März. Im Herrenhause entspann sich

Nottefte rrncyptzcyeen. I ebenfalls eine heftige Debatte bet der EtatSberathung. Gra

Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Burcau. I Mirbach brachte den Antrag Kanitz zur Sprache und schloß

Berlin, 28. März. Der Senioren-Convent deS Reichs« I seine Ausführungen mit der Aufforderung die Regierung, tage« beschloß, die Osterferien am Samstag zu beginnen I baldmöglichst einen Reichstag mit einem neuen ReichSwahl-

und die Arbeiten am 23. April wieder aufzunehmen. Er- I gesetz einzuberusen. 9,hnnrhe

lebiflt sollen noch werden der Etat, der Antrag Kanitz und I Berlin, 28. März. Im p"^ßischeu Abgeord

Oolltartfuovelle. I neteuhause kam es heute zu heftigen Auseinandersetzungen

^Berlin, 28. März. DerReichsanzeiger" veröffentlicht I zwischen den Conservativkn und dem Landwirthschaftsminiftr eine ll-b-rstcht n-bst genauer Beschreibung der feit längerer ö. Hammerstein. Der » S'^Lnl »ur'Ld

aett zum Vorschein gekommenen falschen Reichskassen- I die Regierung scharf an, weil sie bie Matel zur Preis- inr unb Rin£f äeine I erhöhuug der Landwirthschaftsproducte verweigerte. Minister

Breme«, 28. März. Auf der Werft der Actiengesell- I v. Hammerstein erwiderte, der Antrag Kanitz sei im StaatS- fckaft Weser" lief heute Nachmittag 6 Uhr ber für die rathe erörtert unb als uuverembar mtt den Handelsverträgen emsthe Marine rrbaute Avffo8" glücklich vom Stapel, erachtet worden. Diese Verträge müffe bte Regierung aber wurde auf den Namen fr eia* getauft. Die streng inne halten. Von ber Regierung zu verlangen, baß ?ause Äog der Cor!etttncapitän ÄtnS für beffere Preise sorgen solle sei eine Forberung, die er

Wien? 28. März. DaSVaterland" meldet auS Graz, Namens der Regierung mit Entschiedenheit uudfürsetne ber bärtige Gemeinderath habe vorgestern in vertraulicher Perfon wit Entrüstung zurückweiie. Abg. °. Kroecher^(cou. §'?ch7."pL»° 46 etlmmea be|d,lOfii°' elnt ®,5raal1' I "Leu ST ton wÄut; «ist? Ser

Berlin, 28. März. Der Kaiser wird die Schiffstaufe des Panzerschiffes 4. Klaffe ,Te auf ber kaiserlichen Werft zu Kiel in ber ersten Aprilwoche persönlich vollziehen.

Heid). I Berlin, 28. März. In ber heutigen ReichStagSsitzung

w I hat Staatssecretär v. Bötticher eine Erklärung abgegeben,

Berlin, 28. März. DieKreuzzeitung" zeigt sich sehr I toonQ(i) d Gesetzentwurf betr. ben unlauteren Wett­ungehalten darüber, daß die Berathung deS Antrages I bewerb noch in dieser Session dem Reichstage zugehen werde. Kanitz verschoben ist. Sie macht den Nationalliberalen I Seiner Ansicht nach gehe der Reichstag noch nicht so bald zu schwere Vorwürfe, daß sie sich mit dem Centrum, den Social- I @nbe Der Staatssecretär bezog sich bei dieser Erklärung Demokraten, Polen und Welfen in schönster Harmonie zur I QUj btc vor einiger Zeit im Hause gefallene Aeußerung, man Bekämpfung der deutschen Landwirthschaft wieder zusammen- I fönne nicht totffcn, tote lange ber Reichstag noch bauer« gefunden, damit ber Lage den Stempel ausgedrückt hätten, I werde.

ben sie in Wahrheit trage unb ben Beweis lieferten, baß bie I Berlin, 28. März. Gegenüber auberweitigen Melbungen am Samstag in der Minderheit gebliebenen Parteien nur in I fann btc ^orbb. Allg. Ztg." mittheilen, daß es felbstver- dem Wunsche einig gewesen seien, bem Fürsten Bismarck I ständlich in ber Absicht deS neuen Präsidiums des in gratuliren, während sie in hundert Fragen auseinander- I Reichstages liege, sich dem Kaiser vorzusteüen- jedoch gehen. Frkf. Ztg. I jet der Tag deS Empfangs vom Kaiser noch nicht bestimmt