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Betliiz 22 November. In der jüngsten Wocheoplenar- Atzung seS Bund esrat heö sind wiederum zwei wichtige BerathnugSstoffe für den KeichStag fertiggestellt worden. 8S find dies die Vorlage über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes und der Gesetzentwurf, betr. »fee Abänderung deS Erwerbs- und WtrthfchaftS- genoffenschaftS-GefetzeS, beide Entwürfe fanden uach den Ausschußanträgen unverändert die Zustimmung deS BundeSrarhS-PlenumS. Ueber letztgenannte Vorlage wird ,ffiti-serfeits mitgetheilt, daß fie in ihrem Kernpunkte be- stimme, Eonsumvereine sollen künftig ihre Waaren nur an Ritglieder oder deren Vertreter verkaufen dürfen. Auf iavdwirthschaftl'che Consumvereine ohne offenen Laden findet lie genannte Beschränkung keine Annahme.
— Der dem BundeSrathe zugegangeue umgearbeitete tzAtw«rf deS Gesetzes über die Errichtung bo*
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Sonntag den 24. November
Erstes Blatt
M. 277
vicneljährtger
Zimts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.
| Hratisöeitage: Gießener Kamilienbtätter
Amtlicher Theil
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§ 5.
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Alle Annoncen-Bureaux beS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de, stokgenden Tag erfcheinmden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.
Zur Winterzeit gelten noch weiter folgende Bestimmungen: a) Sobald Glatteis entsteht, muh, soweit die Hofraithen mit
Einschluß der Höfe, Gärten und sonstigen Grundstücken an der Straße oder an öffentlichen Plätzen liegen, der Fußpfad, oder wenn kern Fußpfad vorhanden ist, die Straße zwei bis drei Fuß breit mit Asche oder Sand genügend bestreut werden. Entsteht das Glatteis zwischen 7 Uhr Morgens und 9 Uhr Abends, so muß sogleich, längstens mit Ablauf der ersten halben Stunde nachher, entsteht eS aber in der Nacht, bis 71/» Morgens
gestreut fein.
An den auf die Straße gehenden Dachkandeln, Gossen- steinen und sonstigen Ableitungen des Wassers nach der Straße rc. muß das auf den Seitenpflastern oder Fußpfaden angeletzte Eis auf Auffordern Großberzoglicher Pol'zeiverwaltung aufgehauen und weggeschofft werden. Außerdem ist bei Frostwetter dafür zu sorgen, daß da- etwa vom Innern der Hofraithen ausgeschüttete Waffer nicht durch die Floßrtnnen auf die Straße laufen kann. Bor den öffentlichen Brunnen ist, so oft eS nö'hig erscheint, aufetfen und mit Asche oder Sand streuen zu lassen.
Bei eintretendem Thauwetter sind nach Aufforderung der Localpolizeibehörde ohne Verzug die Straßen, öffentlichen Plätze und insbesondere Floßrinnen aufetfen und
Handwerkerkammern ist von der „Deutschen Wacht" in Dresden, welcher er „auf den RedactionSttsch gebracht" wurde, veröffentlicht worden. § 1 umgrenzt die Aufgaben der Handwerkerkammern, § 2 bestimmt, daß die Kammerbezirke von den Landescentralbehörden festzustellen seien. Der BundeSrath kann jedoch verfügen, daß die Errichtung von Handwerkerkammern in solchen Bezirken, in denen bereits andere Institute für eine genügende Vertretung der Inte- reffen des Handwerks bestehen, eventl. zu unterbleiben hat. § 3 behandelt die Maßnahmen zur Errichtung von Hand werkerkammern, desgleichen § 4. Im § 5 wird festgesetzt, daß wählbar als Mitglieder der Handwerkerkammern nur Per« fönen sind, welche mindestens 30 Jahre alt, und die ferner im Kammerbezirke mindestens feit einem Jahr lang ein Handwerk selbstständig betreiben. § 6 bezieht sich auf die Wahl von Ersatzmännern und § 7 bestimmt, daß die Wahl auf vier Jahre zu erfolgen habe. § 11 enthält das Nähere über die Berechtigung zur Theilnahme an den Wahlen, § 13 unterstellt die Handwerkerkammern der Aufsicht der höheren Verwaltungsbehörde und § 14 betrifft die Bestellung von RegierungScommiffaren- im Ganzen soll der Entwurf 17 Paragraphen aufweisen. Ob diese Mittheilungen der „D. W." auf authentischen Grundlagen beruhen, muß zunächst dahingestellt bleiben.2
— Der König von Sachsen beendigte am Donnerstag Nachmittag seinen mehrtägigen Jagdbesuch beim König von Württemberg in Bebenhausen undreiste direct nach Dresden zurück.
Bringerlohn.
Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg.
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Fernsprecher 51.
kehren zu lassen.
DaS Fahren mit kleinen Schlitten und das Schleifen auf den öffentlichen Plätzen und Fußpfaden ist unter« faflt. Wenn diesem Verbot zuwider dennoch Schleifen entstehen, so sind diejenigen, welchen die Reinigung über- Haupt obliegt, auf Ausfordern der Polizeibehörde verbunden, die Schleifen entweder mit Sand oder Asche tüchtig bestreuen oder aufhauen zu laffen.
»\ Beim Schneefall muß längs der Hofraithen mit Eiu- ’ schlnß der Höfe, Gärten und sonstigen Grundstücke auf dem Bankett, oder wo kein solches vorhanden ist, auf der Straße ein 3 bis 4 Fuß breiter Pfad rein gekehrt und dies bet fortdauerndem Schneefall so oft, als »öihig,
Neueste NucheLchLen.
WolffS telegraphrfchrS Ccrrefponden>-Burr*u.
Berlin, 22. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Bei dem Reichskanzler waren gestern u. A. Staatssecretär a. D. Herzog, Kammerherr v. d. Knesebeck, Präsident Bödiker, Geheimrath Althoff, Director des ReichS- gesundheitSamts Köhler, Geheimrath Lehden und Stabsarzt Panwitz versammelt zur Beralhung eines einheitlichen Vorgehens in der Begründung von Volksheil st ätten für unbemittelte Lungenkranke. In der Besprechung kam zum Ausdruck, daß in der Bekämpfung der Tuberkulose durch Volksheilstätten mit allen Kräften vorzugehen sei. Köhler illustrirte durch umfangreiches Material die Gefahr, der daS Volkswohl durch die Tuberkulose ausgesetzt ist. Für die Versorgung von gänzlich Unbemittelten und Unterbringung von Minderbemittelten, die für die Anstaltsverpflegung ein Entgelt zu zahlen vermöchten, wären unter gemeinsamer Oberleitung am besten zwei getrennt arbeitende Abteilungen zu bilden, wobei auf die Mitwirkung schon organifirter gemeinnütziger Vereine, in erster Linie des Rothen Kreuzes, zu rechnen sei. Zum Schluffe wurde ein Subcomits gebildet für die weitere Verfolgung der Angelegenheit.
Berlin, 22^ November. Die Meldung der „Colonial- Lorrespondenz", der Fmanz-Director für Deutsch Ostafrika, v. Bennigsen, habe seinen Abschied nachgesuchs, wird in der „Nationalzeitung" von zuverlässiger Seite für unbegründet bezeichnet. Bennigsen befindet sich ge-^nmärtig auf Urlaub, der erst Anfang 1896 beendet ist.
Berlin,22. November. Saatenstand. Ernteschätzung in Preußen Milte November: Winterweizen 2,4, Winter- spelz 2,9, Winterroggen 2,3, Klee 2,8, wobei 2 gut und 3 mittel bedeutet. Ernte in Kilogramm pro Hectar: Hafer 1552, Erbsen 1113, Kartoffeln 12 894, davon krank 2,8 pCt., Kleeheu 4362, Winterheu 3455.
Kiel, 22. November. Bestem Vernehmen nach werden Vorbereitungen getroffen, damit die beiden ältesten königlichen Prinzen von nächstem Frühjahr ab in der Nähe von Ploen Wohnung nehmen können. Die Prinzen sollen in dem durch gesundes Klima und vortreffliche Lage ausgezeichneten Orte ihre Studien fortsetzen, zu welchem Zwecke sowohl bisherige bewährte Lehrer mit Übersiedeln, wie andere ausgezeichnete Kräfte theilS aus Ploen, theilS von der Universität Kiel herangezogen werden sollen.
Herford i. W., 22. November. Bei der Reichstags- Nachwahl im Bezirk H erford-Halle, den früher Frhr. v. Hammerstein vertrat, wurden bis 9 Uhr AbendS gezählt: Für Weihe (cons.) 2991, für Quentin (lib.) 2715, Hoffmann (Soc.) 1424 und Pastor Schall (deutsch-social) 90 Stimmen.
Schwerin, 22. November. Der Landtag lehnte die Gehaltsaufbesserung der Lehrer durch Landesmittel principiell ad.
Pari«, 22. November. Der Finanzminister ermächtigte den Syndikus, den Börsenm-rlern zu erklären.
wiederholt werden.
h) Schnee und Eis darf aus dem Innern der Hofraithen nicht auf die Straße gebracht werden, ohne daß für augenblickliche Wegschaffung gesorgt wird.
Gießen, den 23. November 1895.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. E.
v. Bechtold, Regierungs-Affeffor.
Gefunden: 1 Armband, 2 Portemonnaies mit In- halt, 1 Taschenuhr, 1 Ohrring, 1 Paar Handschuhe, 1 einzelner Handschuh, 1 Schürze, 1 Arbeitsbeutel mit Inhalt, 1 Schleier, Scheere, 1 Taschenmesser, 1 Chaisendrücker, 1 Turnschuh, Kappe und 1 Packet mit Inhalt.
Gießen, den 23. November 1895. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. E-
v. Bechtold, Regierungs-Affeffor.
Bekanntmachung.
Wir bringen die nachstehenden Bestimmungen des Local- NeglementS vom 10. November 1879 mit dem Anfügen zur Allgemeinen Kenntniß, daß die Polizeibeamien angewiesen find, gegen Contravenienten unnachsichtig Polizeianzeige zu
Der chleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Asamikienvlätter werden dem Anzeiger tnSchentlich dreimal beigelegt.
die Orientfrage brauche die Geschäftswelt nicht zu beunruhigen.
Paris, 22. November. Der wegen Spionage angeklagte Oesterreicher Stubenrauch wurde heute frei- gesprochen. Die Verhandlungen fanden bei geschloffenen Thüren statt.
Depesche» beS Buren« „Herold*.
Berlin, 22. November. Der Kaiser ist heute vor- mittag 11 Uhr 30 Min. von Rumpenheim in der Göhrde eingetroffen. Kurz nach seiner Ankunft fand im Jagdschloffe Früdstückstafel statt, an welcher außer dem Kaiser und dem Prinzen Albrecht von Preußen der Erbprinz von Sachsen- Coburg und Gotha, der Fürst zu Schaumburg L'ppe und der Herzog Friedrich Ferdinand zu Schleswig Holstein-Sonder- butg-GlückSburg theilnahmen. Um 1 Uhr Mittags erfolgte der Aufbruch zur Jagd. .
Berlin, 22. November. Kaiser Wilhelm spendete durch das deutsche Consulat in Triest für die Stadt Laibach 6000 Mark.
Berlin, 22. November. Der Minister für Handel und Gewerbe hat die Handelskammern und sonstigen wirthschast- lichen Corporationen zu einer erneuten Berichterstattung über die hinsichtlich der Handelsverträge gemachten Beod» achtungen und etwaigen Wünsche der Jntereffenten auf-
Berlin, 22. November. Die Influenza tritt fett einigen Tagen in Berlin, und zwar zumeist in den nördlichen Stadttheilen, mit ziemlicher Heftigkeit auf. Todesfälle sind bis jetzt nicht zu verzeichnen.
Berlin, 22. November. Die Conferenz zur Br- rathung des Entwurfes eines neuen Handels- geietzbuchcS trat heute Vormittag zur zweiten Plenarsitzung zusammen. Nachdem fie im Verlaufe der gestrigen Sitzung die ersten Artikel im ersten Theile des Handelsgesetzbuches durchbesprochen hatte, wendete sie sich in der heutigen Debatte der Feststellung deS Begriffes der HandelS- bücher zu.
Berlin, 22. November. In der heutigen Nummer deS „Reichsanzeigers" werden die dem BundeSrathe vorgelegten Gesetzentwürfe, betreffend Aenderung und Ergänzung des GerichtSverfasfungS - Gesetzes, der Straf- proceßordnung und die Beschränkung des Verkehrs mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln, nebst Begründung veröffentlicht.
Berlin, 22. Novomber. Der „Kreuzzeitung" wird getrieben, Major von Wißmann sei darum eingekommen, daß ihm wenigstens die Vertretung des CommandeurS der Schutztruppe in deffen Abwesenheit übertragen werde und er habe sein ferneres Verbleiben tm Amte von einer Regelung der Verhältnisie in diesem Sinne abhängig gemacht.
Berlin, 22. November. Der Fernsprechverkehr mit Zerbst, Ballenstedt, Güsten (Anhalt), Salzwedel und Stendal ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Drei-Minuten Gespräch beträgt 1 Mk.
Frankfurt a. M., 22. November. Die „Franks. Ztg.- meldet aus Konstantinopel: Die diplomatische So*- dirung der Pforte bezüglich deö Wunsches der Mächte, je ei* zweites Stationsschiff hierher zu senden, ergab keinen Widerspruch der Pforre. Die Botschafter haben in diesem Sinne ihren Regierungen berichtet, und von Wien, sowie vo* Rom find bereits die Zusagen wegen der Absendung von Schiffen eingetroffen.
Köln, 22. November. Heute Vormittag begannen die Verhandlungen in dem Mülheimer Krawall-Proceß. Die 31 Angeklagten find fast durchweg halbwüchstge Burschen. Der Andrang des Publikums ist sehr stark. Die Vernehmung der großen Anzahl von Zeugen und der Angeklagten wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Anklage lautet auf Revolte und Widerstand gegen die Staatsgewalt.
Breslau, 22. November. Gestern wurde hier der Parteitag der Conservativen Schlesiens abgehalten. Eiwa 400 Conservattve nahmen daran Theil. Die Begrüßungsrede hielt Graf Harrach; sodann sprachen der Reichstagsabgeordnete Jakobskötter-Erfurt über Forderungen deS Handwerks, der Landtagsabgeordnete v. Heydebrand und der Lass über conservative Agrarpolitik, der Abgeordnete Graf Limburg-Stirum über die allgemeine politische Lage. Schließlich wurde eine Resolution mit allen gegen eine Stimme angenommen. Um 4 Uhr wurde der Parteitag durch den Grafen Harrach geschloffen.
München, 22. November. Die „Münch. N. Nachr. melden aus Berlin: Der demokratische Verein Berlins beschloß, den Namen „Wahlverein der deutsche* BolkSpartei" anzunehmen und auf der Grundlage des
Gießener Anzeiger "
Kenerat-Wnzeiger.


