® t ber andauernden feucht-milden Witterung werden voraussichtlich au v die späten Saaten noch gut auiuehen Leider richten dte Mäuse in einzelnen Trhedungsbeztrken der Provinzen Oderbesfln und Rbrin- hesi^n zum The« erhebltchm Schaden an. De- Stand der Klee-(auch Luzerne-) Felder bat sich infolge der Niederschläge gebessert; auch dte Wiesen zeigen ein befriedigendes Aussehen. Die Ernteerträge zeigen recht bedeutende Schwankungen in den einzelnen ErhebungSbeztrkrn, H B. per Hectar bet Hafer zwischen 1200 Kir (Lauterbach) und 3500 Kgr. (WocmS); bet Kartoffeln zwischen 6500 Kgr. (Dteburg) und 14000 Kgr. sFriedberg, Gießen und Lauterbach); Klee (auch Luzerne) zwtichm 3000 Kgr. (Darmstad ) und 8060 Kgr. (Oppenheim); Wiesen zwischen 3000 Kgr. (Darmstadt) und 7500 Kgr. (Bingen).
totales und provinzieller.
n. Offenheim, 21. November. DaS in der Nähe des bckannten Offenheimer Wäldchens sich befindende, dem Grafen von SolmS-Rödelheim zu Offenheim gehörende Braun- kohlen-Bergwerk ist soweit abgebaut, daß man die Ein» slellung der Arbeiten für die nächste Zett erwarten kann. Durch dte tu der Nähe angrstellten Schürfungen und Bohrungen wurden nur so schwache Braunkohlensch'chten nach, gewiesen, daß deren Erschließung als nicht lohnend erscheint. Der Betrieb wird indeffen bis jetzt noch in dem seitherigen Umfang weitergesührt. Dem Vernehmen nach werden im Laufe deö Winters noch so viele Braunkohlenmaffen zu Tage g'jördert werden, daß die Verarbeitung derselben zu Form- k ätzen noch für etwa zwei Sommer Arbeit bietet. Dte hier bergmännisch gewonnenen Braunkohlen find nämlich, ähnlich wie in Meckesheim, Melbach und TraiS Horloff, so kleinstückig, daß man sie ohne Umformung nicht gut verwenden kann. Die Herstellung von Preßklötzen, wie bei den genannten Zechen, wurde indessen hier nicht betrieben. Die d cken Formklötze des hiesigen Werkes waren ein sehr billiges, b iebteS und weithin geholtes Brennmaterial- denn sie b ctbeu sehr lange glühend und ersparen deshalb bei nicht zu großer Kälte das Nachschüren, ja auch daS Feueran. machen am Morgen, denn wer Abends nur etwa die Hälfte ?tneS solchen in den Ofen legte, hatte am andern Morgen noch so viele glühende Kohlen, daß darauf gelegtes Holz so- fort entzündet wurde.
△ An« Rheluheffeu, 21. November. Verflossene Nacht wüihete in Planig (Kreis Alzey) ein bedeutendes Schaden- feuer. Acht ausgedehnte Gebäulichkeiten wurden vollständig in Asche gelegt. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann lebensgefährlich verletzt. — In einzelnen Gemeinden der dieSs ttigcn Provinz treten die Masern eptdemiich auf. In Keitenh-im liegt fast die ganze Schuljugend an der Krankheit darnieder.
△ Aus dem Rheingau. 21. November. Der Pfarrer Nicolah von Mittelheim feiert kommenden Sonntag sein 60 jähriges Priesterjubiläum. Der noch überaus rüstige Jub lar (geboren 1822 in Winkel) wurde am 23. November 1845 zum Priester geweiht, worauf er im Jahre 1846 als ttjpla i an die L'ebfrauenkirche nach Frankfurt kam. Nach mehrjährigem Wirken dortselbst erfolgte seine Berufung als Profrssor an das Frankfurter Gymnasium, wo er bis zum Jahre 1865 verblieb, um sodann Pfarrer in M ttelheim zu werden.
Bei der Redactiou eiugegangene Bücher re.:
— Dte Wahrheit. Halbmonatsschrift z^r Vertiefung in die Fragen und Aufgaben deS Menschenlebens. Herausgeber: Cbr. Schrempf. Monatlich zwei Hefte 8'. Preis vierteljährlich 1.80 Mk. Hest52. Fr. Frommantz Verlag (E. Hauff) Stuttgart
titeratar und Tlunft.
— Renate, eine Studenttnaesckichle, Weißdorn, Gedichte, «erald, Der Krühenhofer, Der Dämon des Kaiser», dies find die Titel von vier Bändchen erzählender Gedicht-, mit denen ber in Darmstadt lebende Schriftsteller Karl Hepp neuerdings an bk Oeffentlichkeit getreten ist. Wir entnehmen einer größeren Besprechung diese neuesten literarischen Erscheinungen, veröffentlicht im «Beil. lagebl/', Folgende«: «Was nach Scheffel und L-aumbach, Storm und Ltngg an deutscher Lyrck productrt worden ist, hat einen wirklich allgemeinen Beifall nicht finden können. Dte Warnen, die ausgetaucht find, haben wohl literarische Beachtung gefunden, tiefe Wurzeln im H-rz-n des Volkes vermochten sie nicht zu schlagen. Jetzt wird von Darmstadt aus ein Mann bekannt, d>r ollem Anschein nach daS Zeug hat, mit seinen Gesängen daS Volksempfinden
näher zu berühren. In reiferen Jahren tritt C. Hepp gleich mit vier Arbeiten hervor. Als ein echt dichterischer Geist tritt er unS entgegen. Keines seiner Werke verleugn^ den freisinnigen Standpunkt deS V rfaflerS, der sich gleichwool fern von absichtlicher Tendenz hält, überall die Forderungen der Kunst wahrend. Er besitzt die Fädigkeit, die Form der Darstellung bet Art deS Stoffes anzu paffen. Jede seiner Dichtungen weist eine andere, dem Inhalte an- g-meff-ne Diclion auf, so daß sich die Stimmung des Lesers sogleich dem Geiste der Zeit anpaßt, in welcher die Handlung sich adspielt. Zeugen nun auch helle Streiflichter und treffende Charakter,eich- nungen in „Renate" von Humor und Laune der Studentenschaft und bet von dieser unb dem überlustigen Wildfang, der Jungfrau Renate, gefoppten Gelehrtenpedanterie, so schlägt doch Hepps Muse mehr den Ton des Ernstes an, der den Denker zu der Wahl seiner eigentlichsten Stoffe führt, hier in den oft schwermüthig ausklingenden, aber gedankenreichen und nichts weniger als sentimentalen Liedern „Weißdorn", dort in der patriotischen Hochhebung der echt deut schm Kerngestalt eines „Gerald", der für den von einer maßlos hoch'ahrenden Kurie geächteten und unglücklichm Kaiser Heinrich IV. heldenhaft eintritt und untergeht. Zum höchsten Ausdruck aber bringt es Hepp in dem Werke „Der Dämon d s Kaisers". TiberiuS der unergründliche Schweiger ist auf der Höhe seiner Macht an* gelangt, aber der Sprosse deS julisch claudiichen EäsarenhauseS ist zugleich von heften Entartung, von dessen Weltverachtung und miß' trauischem Menschenhafte befallet. Sein einziger Günstling und Freund, den er aus niederem Stande zur Macht eine« Präfectu« Präiorio erhoben, ist Sejan. Er wird des Kaisers Dämon, und in ihm concentrirt sich das düstere Fatum der Dichtung. Der energische, ehrgeizige Günstling strebt nach dem Scepter des Weltreiches unb schreckt zur Erreichung bteses Zi les vor ben furchtbarsten Handlungen nicht zurück. Zur Herstellung des poetischen Gleichg.wichlS läßt Hepp noch die dämonische Liebesleidenschaft eineS WeibeS, der Livio, hervortreten. Sie bewirkt den Sturz des Usu, patorS, doch von ihr geht zuletzt der Verkiärungsschrin aus, der Über die Leiche des G richteten hinleuchtet. Originelle Behandlung deS Stoff-S, künstlerische Erfindung und gewandte, edle Sprache zeichnm Hepps Werke auS." Wir fügen dem hier an, daß Hepp der Verfasser des im Verlage deS Bibliographischen Instituts in Leipzig erschienenen Werkes: „Schillers Lebm und W rkrn" ist, das ebenso wie bk oben erwähnten Dichtungen in ber Presse die günstigste B-u theilung gefunben hat.
Technische Fortschritte.
- »ackschüffel« ans Cellulose. Die üblichen Backschüsseln auS Stroh, Wurzeln, Holzfaser, Blech rc. haben den Bedürfnissen der Bäckerei in allen Punkten nicht genügen können; die Ah utzung war eine zu große, die Reinigung erschwert und lästige Jnsecten niftden sich ein. Die Backschüsseln, Mulden, Nester ober Tröge werden beshalb neuerbings mit einer Maschine unter hydraulisch m Druck aus Cellulose (Holzfasern) hergestellt; diese nützen sich kaum merklich ab und die Nässe vom Brodstr-ichen gebt nicht in das Material über, weshalb weniger Slrcumehl erfordert wird. Ein Hauplvorzug der Cellulosebackschüsseln ist ber, daß sie sich stets reinlich halten und vom Ungeziefer verschont bleiben; die Währung des Teig'S wirb nicht beeinträchtigt. W-s b-n Preis der langen ober runden Back-, Schwenk- ober Stutzschüsseln betrifft, so beträgt er z. B. für bas Dutzend Achlpfünder zehn Mark. L. T.
— Gin einfaches Mittel znr Verhinderung der fteffeb steiubildung Dieselbe will A Mlcoch in Proszeny dadu ch verhindern, daß er, wie „Fr cks Rdsch." berichtet, einige Stücke von Eichenrinde in den Kessel wirft. Mlcoch versichert, daß die Rinde sich von allen anbeicn Mitteln vortheilhaft unterscheidet, weil sie nicht durch Schaum- ober Gasbildung, auch nicht durch scharfe, zerfetzende Eigenschaiten schädlich wirkt. Ein Bruder des Genannten wendet dieses Mittel schon lange Jahre m l dem besten Erfolge an, trotzdem auf dessen Gute geradezu gräuliche WafterVerhältnisse existtten Das Wasser dort ist derart mit Kochsalz und anderen Mineralien gesättigt, daß ein wöchentliches Ausklopfen des Kessels sicherlich erforderlich wäre, um di fdben vor Gdahr unb Verderben zu schützm; einige Stücke Eichmrinde aber bewirken, duß trotz ft oder Inanspruchnahme eine jährliche Generalreinigung genügt, den Kessel tntact zu erhalten. Freilich muß das Wasser oft abgelassen unb mittelst geeigneter Spritz- LrÄiftel ausgewaschen werden, die Hauptsache aber, bk Kesselsteinbildung zu verhindern, wird mit dem Etn- werfen von Eichenrinde erreicht.
Bankgeschäft
S. Klein
GIESSEN
Marktetr. 4.
8972
= A. Gretscher, dessen Neustadt 78. dessen empfiehlt Loose aller genehmigten Lotterien.
Prompte Zusendung der Gewinnliste. =
Zum Petroleum-Monopol.
Wir halten ee für geboten, im IntercMe aller nm Petrole<m- handel Betheiligten, sowie de» consumirenden Publikum», ohne weitere» Kommentar, die untenstehenden Schriftstücke »ur allgemeinen Kenntnis» zu bringen.
H. Rieth & Co.
Gesellschaft für den Verkauf von Nobel Petretee».
C O P I E.
FERD. FABER
Dilsburg a. Rh*H. Dui»bürg, den 1. Not. 1895.
Herrn
P. P.
in ..... .
Wie mir mitgetheilt wurde, beziehen Sie auseer amerikanische» auch russische» Petroleum.
Wenn Sie nun vielleicht auch diese» russische Oel unter der ausdrücklichen Bezeichnung BRussi»ohes Petroleum* weiter verkaufen sollten, was» ich nicht weiss, eo ist immer noch nicht ausgeschlossen, dass durch Unachtsamkeit eines Arbeiter» oder eonet eine Verwechselung der Fässer Vorkommen kann, durch die dann aber der gute Ruf der Qualität de» amerikanischen Petrols »ehr leiden könnte, was ich auf jeden Fall vermeiden möchte. Sollte hierdurch die mit Ihrer Postkarte vom 5. October gemeldete Klage über die Qualität des Petrols vielleicht in Zusammenhang stehen? man sollte e» fast annehmen.
Ich muss die daher bitten, entweder nur amerikanisches Petrol zu führen, einerlei ob Sie es von der D. A. P. G. oder der amerikanischen Concurrenz kaufen, oder aber auf weitere Käufe ab hier zu verzichten, da ich meine Offerten einsteUen müsste, wenn Sie weiter russisches Petrol beziehen. Ich »ehe ihrer Nachricht entgegen und zeichne
hochachtend
FERD. FABER.
COP1E.
Antwerpen, den 8. Nov. 1895 Herrn
FERD. FABER,
Duisburg a. Rhein.
Mehrere unserer Kunden haben uns Ihre Briefe oingcaandt, in welchen Sie als Agent der Deutsch-Amerikanischen Petroleum- Gesellschaft (G. A. P. G.) sich erlauben, diese Herren Kaufleute herunter zu kanzeln, weil dieselben das ihnen unentbehrlich gewordene russische Petroleum von uns beziehen.
Abgesehen davon, dass unsere Freunde sich Ihren Polizeistil nicht gefallen zu lassen brauchen, bitten dieselben uns um Kenntniss- nahme und Beantwortung Ihrer Drohbriefe und der darin enthaltenen Verdächtigungen, was hiermit geschehen soll.
Die vielfach veröffentlichten Analysen und Zeugnisse hervorragender Chemiker und Eisenbahn-Verwaltungen haben zur Genüge dargothan, dass unser russisches Petroleum besser ist als Ihr bisheriges noch so genanntes pennsylvanische-«. Wir werden Ihnen das Vergnügen machen, eine neue Reihe von Veröffentlichungen solcher Zeugnisse heute zu beginnen. Sie haben vielleicht heute noch einen gewissen Vorrath solchen Petroleums, welche» Sie noch „rein pennsylvanisches' nennen, vielleicht haben Sie es auch schon längst nicht mehr. Jedenfalls ist aus den eigenen Circularen Ihrer D. A. P. G. zu ersehen, dass das Petroleum, welche» dieselbe in Zukunft importiren wird, nur noch Lima-Oel sein wird, dessen schlechtere Qualität dem deutschen Publikum aus früheren practiechea Erfahrungen genügend bekannt ist. Dieselbe J) A P. G. bekennt selbst in ihrem Circular vorn letzten Monat Octobor, das» aus dem Lima-Oel ein schlechtes Leuchtpetroleum gewonnen wurde. Ob aber dasselbe inzwischen plötzlich besser geworden ist und den eingebundenen höchst nachtbeihgen BchweMgehalt verloren hat, das ist bisher nur Ihre Theorie, aber in der Praxis dem deutschem Publikum noch lange nicht bewiesen.
Es scheint uns, dass die Klagen über Ihr Petroleum, welche Sie in Ihrem obigen Briefe von Ihren Kunden erhalten zu habe» documentiren, in der letzten Zeit wiederholt bei Ihnen cinlaufen, und da möchten Sie gern unser russisches Petrol dafür verantwortlich machen I Aber das ist doch etwas zu ungeschickt aus- gedacht.
Ueber unser russisches Petroleum laufen bei uns solche Klage» nicht ein trotz unseres stark zunehmenden Absätze». Uebrigen» sind Sie selbst ja früher ein guter und angenehmer Kunde von uaa gewesen, der niemals über die Qualität klagte, bevor die D. A. P. 0. Sie mit festen Gehalt engagirte.
Zu grosser Schwefolgehalt veranlasst bekanntlich schlechte» Brennen und gesundheitsschädlichen Geruch Wir garautiren unser russisches Petroleum frei von allem Schwefolgehalt. Da sollten Sie doch froh sein, dass es noch russisches Petroleum giebt, den» womit sollten Ihre und unsere Kunden das Lima-Oel uufbossern, wenn nicht mit unserem russischen?
Die Zeit ist vielleicht nicht mehr fern, wo diejenigen Kundca, welche russisches Petroleum bis dato noch nicht bezogen haben, es haben müssen, weil Ihr Lima-Oel ungemischt nicht mehr genügt Wozu also solche Polizeibriefe loslasseu gegen einen verwandte» Artikel, der Ihrem Geschäft vielleicht noch grosse Dienste leisten kann. 9829 Hochachtend
H. RIETH & Co.
Wochendriefe ans der Residenz
(Originalbericht deS „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadl, 21. November.
Bom Hofe. — Dte Stadtverordueleawahlen. — Ans dem Kunftleben der Stadt.
RcgeS Leben herrschte in ber abgelaufenen Berichts- wo ' - am Großherzoglichen Hofe. Verschiedene Besuche hoher Fürstlichkeiten, der Landgräfin von Hessen, der Her zogtn von Sachsen-Coburg und Gotha, und der Prinzessin-Tochter Alexandra waren mit Gesolge hier eingetroffen und verweilten in der Großherzogl. Familte. Prl! zessin Alexandra zeichnete sogar in Begleitung unseres Herrscherpaares ein von dem OfficierScorp» deS Großh. Le bqarde Regimentes in deffen großem Casino gegebenes Bullfest durch ihre Anwesenheit während seiner ganzen Dauer auS. Auch Prinz Heinrich v ou P r c u ßen sammt seiner hohen Familie befindet sich noch in der Residenz und liegt mit seinem erlauchten Schwager, unserem LundcSsürsten, dem Jagdvergnügen tn den herrlichen Wäldern der näheren und weiteren Umgebung der Stadt ob. Am letzten Montag fuhren dte hohen Herrschaften zu diesem Zwecke nach Schmitts- hausen, dem bei Erfelden gelegenen Gure des Frhrn. v. Heyl zu Herrnsheim, und am DicnStaz besuchten die Fürsten wiederum das Ried, um auf der Rdeininsel Kuhkopf und der KnoblauchSaue daS Waldwerk zu pflegen. An dei.cn Tagen war dte Beute außerordentlich ergiebig, besonders unser Großherzog, der ein vortrefflicher Schütze ist, wurde vom Jaqdglücke sehr begünstigt. Auch ein schönes inrern.S Fest ward in der letzten Woche in unserem Fürstenhause be
gangen: Prinz Wilhelm von Heften, der jüngste Bruder deS in Gott ruhenden GroßherzogS Ludwig IV, flirrte seinen 50. GeburtStag. Der Prinz erfreut sich in allen Kreisen unserer Siadt, durch sein ritterliches Auftreten, das er nicht zum Wenigsten im vergangenen Winter bei der mit eigener Lebensgefahr vollbrachten Rettung einer Frau vom Tode des Ertrinkens zeigte, der aufrichtigsten Sympathieen, auch die beim letzten Kriegerfrste hier versammelten Veteranen werden sich des außerordentlich leutseligen und jovialen Fürsten, der bekanntlich damals zum Ehrenpräsidenten der „Hassia" erwählt ward, gern erinnern. So konnte eS nicht fehlen, daß dem hohen Herrn zu dem Freudentage von allen Seiten herzliche Glückwünsche tn Menge zu Theil wurden, auch von Seiten des 3. Großh. Inf. RcgtS. Nr. 117, deffen Inhaber der Prinz ist, war dies durch eine Abordnung von mehreren Offizieren geschehen. Dte Capelle deS Leibgarde - Regiments brachte schon tn der Frühe am Samstag dem Fürsten vor seinem reizenden PalatS auf der Rosenhöhe ein Ständchen. Auch Se. Kgl Hoheit der Großherzog hatte sich persönlich dorthin begeben, um feinem Oheim zu gratuliren.
Wle noch vor wenigen Tagen in Ihrer freundlichen Musenstadt, so hat auch die Bürgerschaft Darmstadts eine rührige Bewegung ergriffen im Hinblick auf die bevorstehenden St adrve ror dneten-Wahlen. Bet uns stad tm Ganzen 19 Sitze im städtischen Collegium zu besetzen, also eine ganz respeeiable Zahl, deren Bedeutung für die Zusammensetzung der künftigen Stadtoerordn-.tea Versammlung wohl gewürdigt sein will. Da die Menge der Wahlberechtigten um mehr als 4300 Stimmen seit dem Jahre 1892 gewachsen ist und unter diesem Zuwachs sicherltch ein erheblicher Procentsatz der Socialdemokratie zufällt, so ist es mit
Freuden zu begrüßen, daß unter den Ordaungsparteien, wie man hört, keine erheblichen Differenzen mehr hinsichtlich der Caudldatenfrage bestehen, sondern diese tm Großen und Ganzen den Beifall der tn Betracht kommenden gefunden hat. Um dteS zu erreichen, waren mit den Vorständen der älteren Bezirk-Vereine der Stadt, die des nattonalltberalen und des deutich-freisinnigen Vereins in Verbindung getreten und batten ohne Rücksicht auf dte politische Stellung der zu Wählenden, sondern nur auf deren Qualificatton zum Stadt- Verordnetenmandat achtend, eine Reihe von hiesigen Bürger» vorgeschlagen, dte hoffentlich am Wahlrage al» Sieger hervorgehen werden.
Im Großh. Hoftheater war nach den rauschenden Erfolgen der vorigen Woche eine gewlffe Ruhe eingetreten, nur die am Sonntag erfolgte Aufführung von Mozarts herrlicher ^Zauberflöte" hatte wiederum ein nahezu ausoer- kaufte» Haus zu schaffen vermocht. Auch in den Concert- säten war eS etwa» stiller, als tn den letzten Wochen. Erwähnt zu werden verdient indeffen doch dte von dem M ustk» vereine unter Leitung des Hofkapcllmetsters W. de Haan veranstaltrte Wiedergabe von Schumanns Matchen et Rose Pilgerfahrt". Leider Kat man auf dte Orchrster- begleitung diesmal verzichtet, weshalb der Totaleindruck de» mit v.el Gcl'ch ck gesungenen Werkes sich nicht so großartig gestaltete, wie er unter Mitwirkung der Instrumente geworden wäre. Dte Leistungen des Chors verdienten, wie schon angedeutet, uneingeschränkt,S Lod, an dem auch dte Soltsteo deS Abends, namentlich Frl. Nathan auS Frankfurt a. W., mir Recht parric-ptreo konnten.


