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M. 277 Drittes Blatt. Sonntaq den 24. November
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Der chtrßener Anzeiger rrscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener Ainmikien dlälter «erden dem Anzeiger »Sd;entlief) dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Kmeral-Mnzeiger.
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ZcAnlstrnße Ar.I« Kernsprecher 6L
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chratisbeitage: Hießener Aamikienökätter
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ZUM Todtensefl.
Der letzte Sonntag des Kirchenjahres gehört dem Ge- dächtniß an unsere Entschlafenen. Nicht bloß ein Tag der Trauer, nein, ein Tag des Trostes soll er uns sein. Das ist ja gewiß, daß die neu belebte Erinnerung an die Lieben, die von uns geschieden sind, auch den Schmerz um sie erneuert und die Sehnsucht nach ihnen weckt. Da fließen kaum gestillte Tbränen aus- Neue, da fangen längst geschloffene Wunden nach einmal zu bluten an, da ergreift unS wieder das mühsam Überwundene Gesühl der Verlaffenheit, der Bangigkeit und deS TodeSgrauens.
Aber stärker als diese bedrückende ist doch die erhebende Macht, die in der Erinnerung liegt und verklärend unS das Vergangene wieder gegenwärtig macht. Indem sie die Gestalten der Heimgegangenen unS lebendig wieder vor die Seele stellt, erwacht in unS das dankbare Gesühl für Alles, waS sie uns gewesen find. Wir lernen die Freuden, die wir durch fie erfahren, die Sorgen, die wir um fie getragen haben, den Segen, der von ihnen ausgegangen ist, die Opfer, btt uns ihretwegen auferlegt worden find, als unverlierbare, köstliche Güter erkennen, die unser eignes Dasein bleibend bereichert und unauflöslich uns mit jenen theuren Todten verbunden haben. So wird es in unserer Seele .immer gewtffer, daß der Apostel Recht hat, indem er sagt: „Die Liebe höret nimmer auf."
Wenn wir über das Grab hinweg den Abgeschiedenen MS verbunden fühlen, so sehen wir darin etn Zcugniß dafür, daß unser Leben mit dem zeitlichen Dasein im irdischen Leibe nicht erschöpft ist. Wir spüren ein anderes Leben in uns, ein geistiges Dasein, daS unS über die Schranken von Raum »ad Zeit htnwegträgt und nach einer ewigen Heimath unS hinweist, nach der unsere Seele ein unaustilgbares Verlangen trügt. Äber wir sollten auch nicht vergeffen, daß für dies verlangen uns Christen die volle Befriedigung geschenkt ist. tob und Grab haben ihre Schrecken verloren im Aufblick laf den, der siegreich auS dem Tode und dem Grabe auf- er standen ist.
Im Lichte der christlichen Offenbarung erkennen wir in allem irdischen Geschehen, auch im Sterben, die Hand deS himmlischen BaterS, der unS auS lauter Güte zu sich zieht. Wenn ohne ihn kein Haar von unserem Haupte fällt, wie getrost müffen wir doch jede Heimsuchung tragen, die er uns findet, wie zuversichtlich unS inS Sterben ich'cken, wenn unser Stündlein kommt. Wir wollen uns der Thränen nicht schämen, mit denen wir an den Gräbern unserer Lieben knieen. Aber «ir wollen auch nicht trauern wie die Heiden, die keine
Hoffnung haben, sondern unS muthig und getrost von der Welt der Vergänglichkeit loSreißen und unfern Halt und festen Grund in dem Leben suchen, das kein Tod uns rauben kann, bei dem Gott, der ein Gott der Lebendigen ist und nicht der Todten, und in dessen Liebe wir unS und Alle die Seinen geborgen wissen, sie mögen leben oder sterben.
Der Krieg von 1870|71,
geschildert durch Ausschnitte «u8 ZettungS - Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verboten.)
24. November.
Man kann mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit stündlich die Nachricht erwarten, daß die Loire-Armee der Franzosen Orleans geräumt habe und auf daS linke Ufer der Loire zurückgewtchen sei, denn General Paladine wird sich schwerlich entschließen, eine Schlacht gegen die gewaltigen deutschen Streitkräfte, welche jetzt beschäftigt sind, ihn in weitem Bogen zu umspannen, aufzunehmen. Er muß also entweichen, bevor ihm der Rückzug abgeschnitten ist. Die Bewegungen der deutschen Truppen in den letzten Tagen fassen wir nach den eingelaufenen Nachrichten so auf, daß der Großherzog von Mecklenburg, auf Le ManS anrückend, den rechten Flügel, General von BoigtS-Rhetz mit dem 10. Armeecoips den linken Flügel bildet, während der Prinz Friedrich Karl mit dem 3. und 9. Corps im Centrum stehr. Dieses wird mit dem CorpS v. d. Tann beständig Fühlung behalten. Wahrscheinlich rückt auch von Süd Westen her das 14. CorpS unter General von Werder vor, um den Kreis zu schließen. Bor dem v. d. Tann'schen CorpS hat sich Keratry, der mit den Truppen aus der Bretagne den linken Flügel der französischen Aufstellung bildete, südwärts gegen Le Mans zurückgezogen. Hält er hier Stand, so wird auch Paladine den Kampf auf der ganzen Linie aufnehmen und vielleicht gleichzeitig ein Ausfall von Paris erfolgen. ES ist aber wahrscheinlicher, daß die Franzosen keine Schlacht wagen und über die Loire entweichen.
Württemberg hat endlich doch noch (am 23. November) einer mir dem badischen gleichlautenden Vertrag über seinen Eintritt in rett deutschen Bund unterzeichnet. Auch der Vertrag mit Bayern ist unterzeichnet. In München brach ein wahrer I -belsturm loS, als die Kunde sich verbreitete, daß Bayern dem Deutschen Reich beigetreten sei, und daß nun Deutschland ein einig Volk von Brüdern geworden. Viele Häuser flaggten und tlluminirten, als wenn ein großer Steg errungen worden wäre.
Nachrichten über den Saatenstand im Großherzogthum Hessen
UM die Mitte des Monats November 1895.
Husammengestellt bet der Großherzoglichen Oberen landwirthschast- lrchen Behörde.
Provinzen
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Erhebungsbezirke.
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Provinz Starkenburg.
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Durchschnitt für Starkenbura
Provinz Oberhessen.
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1
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7
Bensheim . Darmstadt. Dieburg . Erbach . . Groß-Gerau Hkppenhetm Offenbach .
Alsfeld . . Büdingen . Friedberg . Gießen . . Lauterbach. Schotten .
2
2
2.5
Kreis
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Bingen. . Flonheim . Ingelheim. Mainz . . Nteder-Olm Oppenheim Osthofen . Pfeddersheim Wöllstein . Mönstadt. Worms .
324258' 18' 120,51 20 100 41
.->(x 1 1,0 7,
Durchschnitt f. d. Großherzogth.I 2,2! 1.7.2,2, 3 2.2 12011||—1[25
Bemerkungen. Die Wintersaaten sind, mit Ausnahme der erst kürzlich bestellten, sehr gut aufgegangen und entwickeln sich gut
Provinz Rheinhessen.
Vereinsbezirk Alzey
Saatenstand.
Note 1 — sehr guter, 2 — guter, 3 — mittlerer, 4 — geringer,5 —sehr geringer Stand
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2
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2
2,5
2
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3
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: 3,5
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1
I
20 100 70 36 20.100 - - 35 75 581 —
25 100 - - 20 72 50 52 - 90 - - 1412OH- Qo.iORi'an! .
3 1
19100 4050 18 120 30 30 24 65 70"-
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20 120 45 40
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18,120:-;;- 19;ilO8;|5ij;45
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22 120 35,40 20 140 ,50 60
24 140,--
12 140--
17i| 901--
19 126,43 50
,2.6 4 । — |>3; 9^60|i50
Feuilleton.
Die Peraries.
Eine JagderivnerMig auS T,xas von Franz Potter.
. (Nachdruck untersagt.)
,Nun, Mr. Potter, wollen Sie vermmhlich noch ’ne kleine Motion vor der Abendtasel machen?" frug mich eines Nachmittags mein jovialer Gastsreund, der würdige Squire ober R'chter James Witkins, aus deffen am oberen Sabtnefluß herrlich gelegener Besitzung ich schon seit einiger Zeit weilte.
„Sie haben Recht, verehrter Freund," erwiderte ich, aus der Verandathür tretend, und mir den Gürtel, in welchem Revolver und Jagdmeffer hingen, zurechtdrückend, „ich gedenke noch ein biSchen nach dem Red Creek hinüber- zuwandern, wo ich mit meiner botanischen Ausbeute noch nicht fertig bin."
„Hm," meinte mein freundlicher Wirth, einen flüchtigen Slick auf meinen Revolver werfend, „warum nehmen Sie sich denn nicht einS von den Gewehren mit? Sie sollten toch eigentlich schon wiffen, daß man in TexaS nicht hundert Schritte weit ohne seine Büchse geht, und zumal wir hier im unserer immerhin etwas einsamen Gegend dürfen diese kiAfache Vorsichtsmaßregel nicht außer Acht laffen. Warten Sie, ich werde Ihnen meine Lancaster-Doppelbüchse heraus- h?len.§
Der kleine Mann verschwand, um alsbald mit dem 3ernannten Hinterlader wieder zu erscheinen, den ich mir um- h gingen mußte, indeß mir der R'chter noch schnell ein paar tyattonen in die rechte Seitentasche meines einfachen Jagd- wie« steckte. „So," rief er vergnügt auS, „bester ist immer bester. Na, good bye, Mr. Potter, und daß Sie vir nicht zu spät zum Abendesten zurückkommen."
Ich nickte Mr. WilktnS lächelnd zu und schritt nun in
die prächtige Landschast hinein, die sich im anmuthigen Wechsel von parkartigen Gehölzen, kleinen Prärien und grünen Mtniaturhügeln vor mir auSbreitete. Vielleicht eine Stunde mochte ich gewandert sein, so daß ich von dem Ziele meiner Wanderschaft, dem ziemlich träge zwischen niedrigen Gebüschen dahinflteßenden Red Creek, nicht mehr weit entfernt war, als eS plötzlich in einem Rohr Dickicht, an dem ich in einer ge- wiffen Entfernung vorüberging, raschelte. Mißtrauisch blieb ich stehen, die Augen scharf auf das verdächtige Dickicht geheftet, auS welchem jetzt ein starkes Rudel von P-cariS hervorbrach, jenen kleinen wilden Schweinen, welche sich beerben- weise in den südwestlichen Staaten der Union finden und daselbst den Pflanzungen durch ihre Zerstörungslust und Gefräßigkeit oft großen Schaden zufügen.
Fast unwillkürlich riß ich die Lancaster-Büchse an die Wange und gab auf den vielleicht fünfzig Schritt von mir entfernt dahingaloppirenden Haufen einen Schuß ab. Einer der langborstigen schwarzbraunen Gesellen stürzte nieder, worauf sich sofort d e Kameraden um den Gefallenen sammelten und ihn mit ihren kurzen Rüff ln beschnüff-lteu. Diesen Augenblick benutzte ich, von einer mir sonst fremden plötzlichen Jagdlust befallen, um auch das zweite Büchsenrohr auf die Pecaries abzufeuern. Aber die Wirkung dieses zweiten SchuffcS war eine ganz unerwartete,' wie auf Com- mando wandte mir der ganze Trupp die Köpfe mit den kleinen, aber haarscharfen Hauern in den Ecken der geöffneten Rüffeln zu, ein wüthendeS Gegrunze ertönte und m nächsten Augenblicke stürmte die mindestens zwanzig Stück zählende Gesellschaft auf mich zu. Im Nu begriff ich, daß ich verloren war, wenn mich die zornigen Bestien erreichten, und ich rannte daher, so schnell mich nur meine Beine tragen wollten, nach einem brcitästigen, ziemlich kurzstämmigen wilden Cyprrffenbaum hin, den ich in weniger Entfernung auf einer blumenreichen Wiese aufragen sah. Ich langte an dem Baume an, alS die vordersten meiner vierfüßigen Verfolger nur noch
wenige Schritte entfernt sein mußten, denn ich hörte schon ihr eigenthümlicheS raffelndes Schnauben. Mit Aufbietung der letzten Kräfte kletterte ich, das abgeschoffene Gewehr krampfhaft fefthaltend, den glücklicherweise etwas geneigten Stamm hinan, bis ich einige Aefte erreichte, die mir eine» gesicherten Sitz darzubteten schienen.
Unterbeffen hatte sich das ganze Rudel der PecarieS am Fuße der Chpresie eingesunden, deren Rinde fie in ihrer Wuth mit den dolchartigen Hauern in kurzer Zett förmlich Herunterriffen, soweit sie eben an dem Stamme hinaufzulangen vermochten. Entsetzt blickte ich von meinem luftigen Sitze nieder auf die unscheinbaren und doch so gefährlichen Geschöpfe, die mich gewiß in wenigen Minuten zerfleischt haben würden, wäre ich unter ihre Hauer gerathen, während fie nun ihren Ingrimm an dem unglückseligen Cypreffen stamm anSließeo. Nachdem ich mich jedoch davon überzeugt hatte, daß mich die Aeste vollkommen sicher hielten, falls ich nicht jede Vorficht geradezu auS den Augen ließ, wurde ich ruhiger. WaS sollte mir denn auch passtren? Wenn eS die Pecaries überdrüssig bekamen, in ihrer ohnmächtigen Wuth den Cypreffenstamm zu bearbeiten, würden fie schon von selber wieder gehen, und so lange konnte ich eS schon auf dem Baume auhalten.
Aber die schwarzen SatanS schienen einstweilen noch gar nicht daran zu denken, meine Belagerung aufzugeben, wie sich offenbar immer mehr herauSstellte, je länger ich nothgedrungen auf dem Baume verweilen mußte. Schon neigte sich der feurige Sonnenball stark dem Meere von Wipfeln zu, das den westlichen Horizont umsäumte, aber noch drängten sich die Pecaries am Fuße des Cypreffen- baumeS durcheinander, theils den üppigen Grasboden aufwühlend, thetlS die scharfen Zähne immer wieder an de« zähen Chpreffenstamme versuchend.
(Fortsetzung solgt).


