Ausgabe 
23.7.1895 Zweites Blatt
 
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scheu Schlaukops zurück. So geschehen im Jahre des Heils 1895 im lieblichen Niddathale. Glücklicherweise können die Bestohlenen den kleinen Verlust leicht verschmerzen.

---- Unter-Seibertenrod, 19. Juli. Die Wahrheit des Sprichworts:ES kommt selten ein Unglück allein" hat in ganz besonderem Sinne die Familie des hiesigen Landwirths Bast zu ihrem größten Leidwesen erfahren. Nachdem die Ehefrau desselben und die beiden Knechte verunglückt, von denen der eine wie bereits mitgetheilt seinen Ver­letzungen erlegen, ist nun vorgestern auch die Schwieger­tochter des Hauses beerdigt worden. Die junge, kaum 24jährige Frau war bereits längere Zeit herzleidend. Die Unglücksfälle in der Familie setzten der sanken so zu, daß sich ihr Leiden verschlimmerte und die Auflösung herbeisührte. § Sichenhausen (Kreis Schotten), 19. Juli. Bet der

heute hier stattgefundenen Wahl eines Beigeordneten wurde der seitherige Beigeordnete Valentin Fischer ein­stimmig wiedergewählt.

§ Altenburg (bei Alsfeld), 19. Juli. Einem entsetzlichen Tode, dem Tode durch Verbrennen, ist vorgestern Nach­mittag das beinahe 10 Jahre alte Töchterchen des hiesigen Schäfers Keil zum Opfer gefallen. Das Kind wollte seinen abwesenden Eltern und Geschwistern den Nachmittags­kaffee kochen. Hierbei kam es dem Heerde zu nahe, sein Röckchen fing Feuer und blitzschnell stand das arme Kind in Flammen. In seiner Verzweiflung stürzte es auf die Straße, aber Niemand hörte sein Schreien. Bis Hilfe kam, war es zu spät- die Kleider des Kindes waren verbrannt und der Körper mit einer Brandkruste überzogen. Der schnell herzu­gerufene Arzt konnte daS SHnb nicht mehr retten, erlag seinen gräßlichen Schmerzen gestern Morgen.

Zell bei Alsfeld, 17. Juli. Bet dem Ausschachten der FundamentSgräben zu einem Bau wurden heute in einer Tiefe von etwa einem Meter Gold- und Silbermünzen aufgefunden, worunter Stücke aus dem Jahre 806. Das Gewicht derselben wird zu etwa 10 Pfund angegeben.

Worms, 17. Juli. Ueber den Ballonaufstieg und Fallschtrmabstieg, welche Fräulein Paulus gestern hier ausführte, berichtet dieW. Ztg." u. A.: Anfänglich wurde der Ballon beinahe senkrecht in schwindelnde Höhe entführt, dann faßte ihn bei etwa 1000 Meter Höhe ein leichter Nordoft und trieb ihn der Stadt zu- nun konnte man beobachten, wie Frl. Paulus sich aus der Gondel schwang, der Fallschirm sich entwickelte und mit diesem der Absturz bewirkt wurde. Derselbe war kaum eine halbe Minute im

Gange, als von dem ersten Doppelfallschirm der zweite sich loSlöste, mit dem die kühne Luftschifferin innerhalb etwa acht Minuten in der Nähe der Werger'schen Brauerei landete. Sie hatte nach ihrer eigenen Aussage bei etwa 1500 Meter Höhe den Absturz unternommen, der ohne jeglichen Unfall vor sich ging. Mehrere Wagell waren sofort an den muth- maßltchen Landungsplatz geeilt, um Frl. Paulus aufzunehmen und wieder auf den Festplatz zu bringen, wo fie vor halb 8 Uhr mit ungeheurem Jubel begrüßt wurde. Mit Musik geleitete man die kühne Dame nach der Festhalle. Der BallonMeteor" war unterdeffen in einer Höhe von vielleicht 2500 Meter von einer westlichen Windströmung gefaßt und weit über den Rhein dem Odenwald zugetrieben worden.

vernrtschte».

* Marburg, 19. Juli.Rasch tritt der Tod den Menschen an es ist ihm keine Frist gegeben" dieses Wort Schillers hat auch gestern Abend wieder eine er- schütterde Bestätigung erfahren. Eine unverheirathete Dame, die in Begleitung ihrer Schwestern dem Grabe ihrer Mutter auf dem hiesigen Friedhöfe Abends gegen 8 Uhr einen Besuch abstattete, sank dort plötzlich tobt zusammen.

Schmalkalden, 19. Juli. Das Lesser' sche Ehe­paar in Brotterobe würbe gestern ausgegraben- ist bis auf die Knochen verbrannt.

* Horuberg, 17. Juli. Auf gräßliche Weise kam gestern das 1^/zjährige Knäblein eines Hofbauern im benachbarten Reichenbach ums Leben. Es spielte vor dem Hause, als ein Hahn zu ihm kam. Das Kind schlug den Hahn, dieser pickte jedoch mehrmals mit solcher Wucht auf daö arme Kind, daß es an den Wunden nach eingetretenem Wundfieber ge­storben ist.

* Die ersten Opfer des deutsch frauzofifchen Krieges. Die 25. Wiederkehr der großen Tage von 1870/71 gewährt historischen Remtniscenzen ein erhöhtes Interesse. Im Monat Juli des Jahres 1870 starb auf deutscher Seite vor 25 Jahren als Erster den Tod fürs Vaterland der badische Dragoner­offizier Winsloe, dem zu Ehren ein Denkmal errichtet worden ist. Winsloe nahm Theil an dem kühnen RecognoScirungs- ritt des württembergischen Generalstabsoffiziers Graf Zeppelin von Lauterburg. Am 25. Juli 1870 wurde der kleine Trupp im WirthShause zu Schirlenhof bei Niederbreon von franzö­sischen Jägern überfallen, denen Winsloe zum Opfer fiel, während die Uebrigen gefangen wurden. Nur Graf Zeppelin

entkam und konnte seine im deutschen Hauptquartier mit Spannung erwartete Meldung überbringen. Ueber da» erste französische Opfer des Krieges hat sich ein Streit ent- spönnen. Man glaubte bisher, daß der Wachtmeister Pagnier von den 10. Jägern zu Pferde, dem ein badischer Dragoner eine Kugel durch den Kopf schoß, wäre. Allein nach französischen Zeitungen soll der erste Gefallene der Grenzjäger Monty gewesen sein. Dieser feuerte am 16. Juli bei Schreckling in der Nähe von Diebenhofen auf ein Peloton preußischer Soldaten, worauf ihn die Kugel eines preußischen ZündnadelgewehrS zu Boden streckte.

Mau muß sich zu helfen wiffeu. Von einem Freunde in Wilhelmshaven, welcher den Canalfestlichkeiten beigewohnt hat, wird denOldenburger Nachrichten für Stadt und Land* folgende hübsche Episode berichtet, die sich bei der Eröffnungs­feier des Canals in Rendsburg zugetragen haben soll:Bei der Durchfahrt der Schiffe durch den Canal wollte es sich die Rendsburger Stadtcapelle nicht nehmen lassen^ auch ihrerseits zur Verherrlichung des Festes beizutragrn. Sie hatte sich von sämmtlichen Schiffen, die den Canal durchfuhren, die Nationalhymne einstudirt, und so wurde denn jedes Schiff mit der betreffenden Nationalhymne begrüßt. Das letzte der erscheinenden Schiffe war ein türkisches. Darob große Bestürzung bei unseren Rendsburger Stadt- Musikanten, auf eine türkische Nationalhymne waren sie nicht eingefuchst". Doch als sie in der Flagge des türkischen Schiffes einen Halbmond erblickten, kam ihnen ein glücklicher Gedanke und schnell entschlossen Huben sie an:Guter Mond, du gehst so stille" u. s. w. Den lieben Türken hat die Nationalhymne derartig gefallen, daß sie sich sofort die Note» von der Capelle haben kommen lassen."

e Dir deutschen Familien auf Samoa vereinigen zwei Gesellschaften. Der Unterstützung kranker und nothleidender Deutscher in erster, dem geselligen Aneinanderschließen in zweiter Linie dient dieConcordia". Der deutsche Turn­verein zählt außer den jüngeren Kräften auch ältere Herren zu seinenActiven"- natürlicherweise können diese sich erst einige Stunden nach Sonnenuntergang, wenn die Hitze nach« läßt, an der Arbeit betheiligen. D>e deutsche Schule ist baulich vergrößert und eine weitere deutsche Lehrerin für die kleinen Sprößlinge angestellt worden. Die bebrütenden Kosten für diese Schule werden durch freiwillige Beiträge aufgebracht.

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