Ausgabe 
23.7.1895 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

eriCl

»J

* A: ?

J'W3 A°Ob«S PsM, ^^WimbUnj Wen in W 7 M. Schulhof Hauptniederlaqe.

- Kalkhof, W Ne, Rui Schh Jach Nacht, Lr NM-

H. Zimmer VD Lollar bei L. 2k n* In Krofdk

,rt0d Liste

'OOOOO

Y0 WOOO etc nfeSChäfl ' 819R ^L!N?hMneai58

3.60,3.-, 4.-mi ) unb 250 gr.

>ht

®i WHch!

i 1895.

i. Sillmalt K,

olb-Rmte l(ß

rfffl «

er $

!®ritfyn dm 1887 31,

oMb. ÖL )L

ÖL M

N.9.8t.unU.1900löl:

CW»unU1904 l(i

Lrndw. Srtb. A. 1K

»tüAclim

Britf i

otenI 8

___ZI

FahrvM 101

Dg www« t Wald ^n' | Fahrpreis [ 20 W

Valleaftlß (MepJonl

m. 170

Zweites Blatt.

Dienstag den 23. Juli

189*

Amts- unb Anzeigeblutt für den tireis Gieren.

Die Gießener WsmittenVlLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der chietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montags.

Vierteljähriger Avonnemeutsprei« i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bczogm 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedits und Druckerei:

Schuklirahe ^lr.7«

Fernsprecher 51.

Gießener Anzeig er

Kemrat-Unzeiger.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für btw folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.

Hrattsöeikage: Gießener Iamitienökätter.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Juli. Reichskanzler Fürst Hohen­lohe begibt sich heute von Alt-Aussee vach Ischl, wo er von Kaiser Franz Joseph empfangen werden wird.

Berlin, 20. Juli. Zu der Mittheilung, daß am Sonntag den 18. August, als dem Schlachttag von St. Privat, auf dem Tempelhofer Felde ein Feldgottesdienst für die Berliner und Potsdamer Garnison, sowie zahlreiche Krieger- vrreine stattstnden wird, erfährt diePost", daß ein Befehl an die Truppen in dieser Hinsicht bisher nicht ergangen ist. Laö die Theilnahme der Kriegervereine anlangt, so ist dasielbe Blatt in der Lage, mittheilen zu können, daß für sie eine Feierlichkeit am Montag den 19. August geplant wird.

Berlin, 21. Juli. Die preußische Regierung ist unausgesetzt bemüht, die Creditverhältnisse für die Landwirthe zu verbessern und läßt zu dicsem Zwecke allmählig eine Untersuchung in allen preu­ßischen Provinzen über den Stand des landwirthschaftlichen Lredits anstellen. In Fortsetzung der früheren Verhand« lungen über die Verbesserung des ländlichen RealcreditS hat auch am 17. d. M. eine allgemeine Besprechung mit Ver­tretern der mittleren Provinzen (Schleswig-Holstein), Hannover, Hessen-Nassau) unter Leitung des Landwirthschaftsministers statixefunden, an der sich auch der Finanzminifter, sowie ein Vertreter des Ministers des Innern betheiligten.

Um in der schwierigen Handwerkerfrage o.ii glich ft viel- sachverständige Urtheile zu sammeln, hatte bekanntlich das deutsche Reich und daS Königreich Preußen eine Anzahl Commissare in den unS so nahe befreundeten Nachbarstaat Oesterreich geschickt, um dort Studien in der Angelegenheit zu machen. Die nun aus Oesterreich zurückgekehrten Commissare der Reichsregterung und Preußens äußern sich sehr befriedigt über das Ent­gegenkommen, daS sie bei den österreichischen Behörden beim Studtren der Handwerkerfragen gefunden haben. Ueber die nächsten gesetzgeberischen Maßnahmen in der Handwerker- solink ist eine Entscheidung erst zu erwarten, wenn im herbst die Minister wieder vollzählig in Berlin sind. Auch werden die Resultate der in der laufenden Woche vorgenom- mnen Handwerkerenquste nicht vor October verwerthbar sein.

Ausland.

London, 20. Juli. Der bekannte Romanschriftsteller und Lichter Rider Haggard, welcher seine Candidatur in Norfolk als Unionist aufgestellt hatte, wurde gestern, als er iu einem offenen Wagen durch die Straßen seines Wahlkreises fuhr, von Gladstonianern mit Steinen beworfen. Haggard floh in ein Hotel, welches die Menge sofort belagerte und M Fenster einwarf. Die Polizei mußte, um die Ruhe wieder-

herzustcllen, die Menge auseinandertreiben, wobei mehrere Ruhestörer Verwundungen erhielten.

Belgrad, 20. Juli. Nachrichten aus Macedonien besagen, daß die Bewegung einen sehr ernsten Character angenommen hat. Die türkischen Truppen seien wiederholt geschlagen worden. Auch aus Bulgarien laufen beunruhigende Nach­richten ein.

CocaUs und provhtjicOff.

Grunberg, 19. Juli. Das Bezirkskriegerfest des Kriegerveretnsbeztrks Grünberg soll am 1. September dahier abgehalten werden. Im Hinblick auf die fünfundzwanzigste Wiederkehr der großen Zeit von 1870/71 wird beabsichtigt, der Feier einen dem angemeffenen größeren Umfang zu ver­leihen. Die nöthigen Vorberathungen sind bereits im Gange. Die Erbauung einer Festhalle ist geplant und soll für etwa 1000 Sitzplätze Vorsorge getroffen werden. Es steht szu erwarten, daß das Fest einen der Bedeutung der Sache würdigen Verlauf nehmen wird.

n. Friedberg, 17. Juli. Die hiesige ObstverwerthungS- genossenschaft, über deren Gründung seinerzeit in den Zeitungen berichtet wurde, zählt jetzt schon gegen ein halbes Hundert Mitglieder. Da die Aussichten für die Obsternte in Oberhessen zum Theil recht gute sind, und die Meldungen aus anderen Theilen Deutschlands recht ungünstig lauten, so hat sie bereits Vorkehrungen getroffen, die dem Producenten auch den vollen Werth seines Ertrages sichern und ihn vor den Uebervortheilungen gewissenloser, allzugewinnsüchtiger Händler schützen. Es sind bereits ausgedehnte, geeignete Lagerräume hier nahe dem Güterbahnhof gemiethet. Nun weiß der Landwirth, wo er sein Obst gleich nach der Ernte hinbringen kann und ist nicht mehr gezwungen, dasselbe aus Mangel an genügenden Räumen an den ersten besten Händler losschlagen zu müssen, wie das seither bei guten Erträgen leider gar zu oft der Fall war. Doch wird die Genossen­schaft nicht nur Obst lagern, um mit ihm im günstigsten Moment auf dem Markt erscheinen zu können, sie wird sich vielmehr die größte Mühe geben, ihr Kelterobst sofort da abzusetzen, wo die Nachfrage und damit auch der Preis am größten ist. Darum wird sie mit Uebergehung deS Zwischen­handels mit den Consumenten in directe Verbindung zu treten suchen. Es wird das nicht so schwer sein, weil durch die jahrelangen Bemühungen des Oberhesstschen Obstbau­vereins unser vorzügliches oberhesstscheS Obst in allen Theilen Deutschlands seiner Güte wegen genügend bekannt geworden ist.

§ Freiensteinau, 19. Juli. Bei einem heute Nachmit­tags gegen 2 Uhr über hiesige Gegend kommenden Gewitter, schlug der Blitz in der Nähe der sogen. Stollmühle in eine kleine Buche. Der Blitzstrahl theilte sich, und schlug

auf der einen Seite in eine die Mittagsruhe haltende Schaf­heerde, wobei 22 Stück Schafe sofort getödtet wurden. Von den Eigenthümern der Schase hatten nur zwei ihre Thiere versichert. Merkwürdiger Weise blieb der Schäfer, welcher bei den Schafen stand, gänzlich unversehrt.

§ Altenschlirf, 19. Juli. Heute Nachmittag fand ein hiesiger Kuhhirt auf dem Wege nach Nösberts zu, den bereits im 70. Lebensjahre stehenden Landwirth Heinrich Muth von Weid-Moos, tobt vor. Nach dem Befund der Leiche ist ein Herzschlag als Todesursache anzuuehmen. Muth hatte sich um 2 Uhr auf den Weg nach hier begeben, um Geschäfte abzuwickeln, und hat ihn auf dem Heimweg der Tod so jäh ereilt. Der Verstorbene war, obwohl schon hochbetagt, doch noch ein tüchtiger, fleißiger Mann und all­gemein beliebt und geachtet.

-d- Aus dem Niddathale, 17. Juli. Irren ist mensch­lich! sprach dieser Tage ein jung verheirathetes Ehepaar, als es Morgens in den Garten kam, und sein Pflanzbeet geleert fand. Die Sache ging nämlich so zu: Auf dem Pflanzbeete standen gar schöne Weißkraut-, Wirsing- und andere Gemüsepflanzen, die alle kräftig und gesund waren, aber wegen der anhaltenden Trockenheit nicht mehr vorwärts wollten. Das Begießen der Pflanzen war schwierig, denn der Hausbrunnen hatte nur wenig Wasser und das ziemlich weit entfernte Bächlein noch weniger. Die Pflanzen aber sollten versetzt werden, sobald sich Regen einstellte- ein Be­gießen war auch um deswillen nöthig, damit der Boden er­weicht und die Pflanzen alsdann bequem und ohne abzubrechen, herausgezogen werden könnten. Am andern Morgen kam der junge Eheherr in den Garten, und war äußerst angenehm überrascht, als er das Gemüse- und Pflanzbeet reichlich über­gossen fand; es mußten in der Nacht mindestens 68 Gieß­kannen mit Waffer darüber gebraust worden sein. Das junge Frauchen freute sich gleichfalls über die aufmerksame Gießarbeit, besonders da das wohlthätige Wichtelmännchen seine segenspendende Thätigkeit in der folgenden Nacht fort­setzte und die Pflanzen zum Versetzen vollständig bereit waren. Am dritten Morgen zog das'Pärchen bald nach dem Frühstück hinaus, um nach dem Pflanzbeete zu sehen- leise rieselte ein feiner, warmer Regen hernieder, das Versetzen konnte also heute beginnen. Wer beschreibt aber das Er­staunen des jungen Paares als es zum Pflanzbeete kam auf dem auch keine Spur mehr von Pflanzen zu sehen war. Nun dachte ich," sprach der Eheherrdas Wichtelmännchen hätte die Absicht gehabt, uns eine Aufmerksamkeit mit seinem Gießen zu erweisen, und hintendrein geschah das Wasser­spenden doch nur um deßwillen, damit die Pflanzen leichter ausgezogen und gestohlen werden konnten."Irren ist menschlich!" antwortete das junge Frauchen und zog sich, zwar anfangs gekränkt, zuletzt aber amüsiert über den diebi-

Feuilleton

155'

4t

' UW

48.40

27-00

109.30

61.70

146.10

155.60

118.40

143.30

45.30

141.30

134.90

131.80

98.35

43.70

9?

24t

184'

146

142

w

968/4 256 - 187.10 147.10 143-

93.50 83.40

Eourft v ! 13./7-12L

Mittage ;u de« friihlinggsMiergänM in Oberhesse« in farm m kleine« Geschichtsbildern.

F. Von mehreren Seiten wurde der Wunsch geäußert, iS möchten doch einige geschichtliche Notizen, wenn auch nur Hm-, kurze, über die Ronneburgs Hirzenhain, Kloster Kon- i«dkdorf, Glauberg, Marienborn u. a. gebracht werden, weil

DertS scheint die Familie der Ronneburger erloschen zu üi». Im Jahre 1463 kam die Burg an den Grafen Ludwig tin Wnburg Büdingen- sie ist bis auf den heutigen Tag 8 Besitze deS Isenburgischen Hauses verblieben. Im B. Jahrhundert war die Burg Residenz deS Grafen Anton

Bauwerken zeigen die Zeit ihrer Ent» Erbauer. Im Jahre 1725 kam die

nenftande angehörigen Friedrich von Kelberau, der sich t Herr von Ronneburg nannte. Es ist nicht bekannt, ob auch der Erbauer der Burg ist. Er trug die Burg dem Me Mainz zu Lehe auf. Gegen Ende des 14. Jahr-

*} Ä iSw/lo

'«S £*30

o.Südb.(Lb).

lotthatdbahn-

:cha>z. Nordost rl.Mltlmetr r.5enri(W iminl-H

ad.IH.l00- ay-r.Th'lOO lonau-M- yr.

SS SS®

l misten aus dem Bürger-, Handel« und Gewerbestand mit liee besten Willen keine Zeit hätten, geschichtliche Werke 118 ii&tr die genannten interessanten Punkte nachzuschlagen, aber

W gerne etwas Geschichtliches darüber vernehmen möchten.

*Wtt Wunsch hat in der That seine Berechtigung, wir lassen Hitötak einige kurze Notizen hier folgen:

134 Die Ronneburg (Ronnenberc, Rannenberg) erscheint 13^rqtirniblich zum ersten Male 1227 im Besitze eines dem

r

2S.Ä Jt

14.35 , 24.70 ................d .....o ~m*vm

27.90 'jljb von dessen Sohn Heinrich, welche beide vieles zur Ver- 94^: sLSmung der Burg beitrugen. Wappen und Inschriften a» dm betreffenden

. iing und ihrer

Burg an die Linie Isenburg Wächtersbach. Der damalige Graf Ferdinand Maximilian II. von Wächtersbach gab die Burg an seinen Bruder Wilhelm, welcher eine Zeitlang dort wohnte, dann aber nach Gelnhausen zog und die leeren Räumlichkeiten der Burg an allerlei Leute vermtethete. Nach und nach wurde die Ronneburg der Sammelplatz von Gesindel aus aller Herren Länder. In den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam der fromme Graf Zinzendors, der Stifter der Herrnhuter, auch der Brüdergemeinden in der Wetterau, nach der Ronneburg. Er legte die Brüdercolonien zu Herrenhaag und Marienborn an und baute später auf dem Herrenhaag für sich und seine Familie das sogenannte Grafenhaus. Im Jahre 1747 hielt Zinzendors die berühmte Synode vom 12. Mai bis 14. Juni ab, zu welcher Abgeordnete der Herrnhuter aus allen Erdtheilen erschienen waren. Einige Jahre später (1750 und 1753) verließen die Herrnhuter den Haag und wanderten nach Amerika (Pennsylvanien) aus. Vor etwa einem Menschenalter verzog sich auch das Gesindel von der Ronneburg, welche seitdem unbewohnt ist und nach und nach zerfällt.

Ueber Kloster Hirzenhain (Hirzinhan, d. h. Hain der Hirsche) sei Folgendes bemerkt: Es wurde 1431 von den Herren von Eppenstein gestiftet. Graf Dtether I. von Isenburg beschenkte das Kloster im Jahre 1451. Kurz vor der Reformation, im Jahre 1519, beschenkte es Landgraf Philipp der Großmüthige von Hessen, zugleich mit der Bestimmung, daß das Kloster Wappen, Helm und Schild mit Namen und Titel des Landgrafen in einem Fenster der Klosterkirche anbringen und unterhalten sollte. Etwa fünfzig Jahre später wurde das Kloster ausgehoben. Die Eisen­gruben zu Hirzenhain find wahrscheinlich von den Grafen

von Stollberg angelegt worden und kommen bereits in einer Urkunde von 1568 vor.

Glauberg (Glaubero, Gloopurch) ist sehr alt, denn es erscheint schon im 8. Jahrhundert in der Geschichte. (Glau heißt so viel wie klug, vorsichtig.) Der Ringwall auf dem Berge ist ungefähr 800 Schritte lang und 500 Schritte breit. Man fand römische Münzen und Ge­säße darin- die Römer legten keine Ringwälle an, sie haben den Glauberger Ringwall aber wohl als Festung und zur Anlegung eines Castells benutzt. Letzteres wurde durch die Deutschen zerstört und von den Trümmern eine Burg erbaut, welche im Jahre 1247 als Reichsburg und dann nicht mehr erscheint. Der gewaltige Ringwall faßt Tausende von Menschen, denen er wohl als Zufluchtsort gegen feiudliche Einfälle, vielleicht auch als höhere Gerichtsstätte und zu heiligen Zwecken diente. Selten, Germanen, Römer, Franken und Allemannen haben sich auf dem Glauberger Ringwalle aller Wahrscheinlichkeit nach einander abgelöst.

Kloster Konradsdorf. Es wurde 1191 durch Hartmann von Büdingen gestiftet als Prämonstratenser- Mannskloster. Um das Jahr 1308 kommen neben dem Propst auch die Meisterin und Schwestern vor. Eberhard von Brunberg und seine Gemahlin Mathilde, Gräfin von Waldeck, bedachten das Kloster reichlich- Eberhard war kaiser­licher Landvogt in der Wetterau und residirte im nahen Schlosse zu Ortenberg. Auch die Herren von Isenburg be­schenkten Konradsdorf. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts waren etwa 64 Klosterschwestern vorhanden.

(Fortsetzung folgt).