Ausgabe 
23.6.1895 Zweites Blatt
 
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Wiesen so massenhaft vorhanden, daß eS auf der abgemähten Fläche fast nicht untergebracht werden kann. Beim Wenden des FutterS ist kaum Platz vorhanden, weil alles dicht voll liegt, wodurch das Trocknen erschwert wird. Die Witterung ist vortrefflich, heute Nacht gab eS ein Gewitter mit etwas Regen, aber nicht genug. Auf den Aeckern ist es sehr trocken. Verschiedene Orte wurden mit einem Brodaufschlag von 5 Pfg. pro Laib zu vier Pfund überrascht.

Schotten, 18. Juni. Von der Thurmspitze desLehrer- heimS auf dem nahen AltenburgSkopf flatterte gestern lustig die deutsche Trikolore als ein weithin wahrnehmbares Zeichen der bevorstehenden Fertigstellung des Rohbaues. Die Deckung des Daches und die Ausmauerung des Fachwerkes wird im Laufe dieser Woche vollendet. Das Erdgeschoß des Baues resp. die Sockelhöhe ist auS massiven Backsteinen, das zweite Geschoß dagegen in Holzfachwerk mit Blendsteinen ausgeführt. Der überaus freundliche Gesammteindruck des Gebäudes wird noch wesentlich erhöht durch den als Staffage dienenden Waldhintergrund.

Lauterbach, 18. Juni. Die Excursion in^das badische Oberland von Seiten des Vereins zur Hebung der Simmen- thalerRindviehzucht ist auSgeführt. Die Theiluehmer an derselben find Montag Abend sehr befriedigt zurückgekehrt und rühmen dieselben das so freundliche, liebenswürdige und weitgehendste Entgegenkommen, das ihnen dort von allen Seiten gebracht, sowohl von den Verwaltungsbehörden, Ge­meinde- als auch Vereins-Vorstehern.

n. Leidheckeu, 19. Juni. Im Laufe der vorigen Woche trat hier ein Ereigniß ein, wie es wohl selten in einer Gemeinde vorzukommen Pflegt. Ein Gerichtsvollzieher sah sich nämlich genöthigt, den einen Gemeindebullen zu pfänden. Die Spottreden in unserer Nachbarschaft kann sich der verehrte Leser leicht htnzudenken.

§ Som höheren Vogelsberg, 18. Juni. Nachdem von den Ortsvorständen der Gemeinden Bermuthshain, Crainfeld und Grebenhain ein Gesuch wegen Errichtung einer Arztstelle in einem der drei Orte bei Großh. Ministerium etngereicht worden war, wurden die Gesuchsteller dahin bedeutet, daß der Sache nichts im Wege stände und Großh. Staatsregierung auch einen entsprechenden Zuschuß dazu leisten würde. Es ist nun ein vorläufiger Vertrag zwischen den genannten Ortsvorständen zu Stande gekommen, nach welchem jede der drei Gemeinden für ihre Gemeinde-Kranken­kasse 200 Mark zur Arztstelle zuschteßt, also zusammen 600 Mark, ferner sollen aus Gemeindemitteln je 50 Mark zugeschoffen werden. Was endlich die Stellung einer freien Wohnung anbelangt, so waren die Ortsvorstände der Ansicht, daß es dem Arzte freigestellt sein soll, in welchem der drei Orte er sich niederzulassen gedenkt. Es soll aber die Gemeinde, wo sich der Arzt niederlassen will, gehalten sein, demselben anstatt freie Wohnung einen Wohnungszuschuß von 150 Mark pro Jahr zu gewähren. Ferner behielten sich die Ortsvorstände vor, mit dem Arzte bezüglich der Krankenbehandlung im Allgemeinen, insbesondere der notorisch Armen und der Kinder unter sechs Jahren einen besonderen Vertrag abzuschließen. Die Errichtung einer Noth-Apotheke in einem der Orte, wo sich der Arzt niederläßt, ist ebenfalls genehmigt worden. Es ist zu hoffen, daß sich bald ein tüchtiger Arzt zu dieser neuen Stelle meldet, damit endlich

einem lang ersehnten Bedürfniß in unserem Vogelsberg ent­sprochen wird und die Leute nichr wie seither drei bis vier Stunden Wegs zurücklegen mußten, um nur zu einem Arzt zu gelangen.

Vermischtes.

*Ms. Aus Kurhessen, 20. Juni. Ein mysteriöses Verbrechen ist in der Nähe des Städtchens Gubens- berg vor einigen Tagen begangen worden. Der Lehrer und Organist Siebert aus Metze, ein bejahrter Mann von 61 Jahren, ein Menschenfreund und Helfer wie sie auf dem Lande selten find, ist auf eine scheußliche Weise zu Tode mißhandelt worden. Siebert hatte eine verheirathete Tochter in einem Nachbardorfe besucht und kam Abends in das Städtchen Gudensberg, wo er sich in einer Wirthschaft restaurirte. Hierbei soll er einen 50-Markschetn gewechselt haben, was geldlüsterne Taugenichtse gesehen haben. Erst in der Mitternachtsstunde setzte dann der bejahrte Mann feinen Heimweg nach dem benachbarten Hetmathsdorfe Metze fort. Unterwegs wurde er nun von drei oder vier Strolchen überfallen und mit vereinten Kräften dermaßen miß­handelt, daß der alte Mann nach wenigen Stunden starb. Der Fall erregt mit Recht Aufsehen und große Theilnahme. Das Leicheubegängniß Sieberts fand unter großartiger Betheiligung der ganzen Umgegend statt.

* Berlin, 19. Juni. Nach einer hier eingegangenen Drahtnachricht aus Paris hat fich dort gestern Abend die 22jährige Ehegattin M., Tochter des im Norden der Stadt wohlbekannten vermögenden Fabrikanten K., durch einen Revolverschuß das Leben genommen. Das junge Paar war erst seit einigen Tagen in Berlin vermählt worden, die Hochzeit wurde in einem angesehenen Hotel in Berlin W. mit großem Pomp gefeiert und am Sonntag Früh trafen die Neuvermählten in Paris ein und nahmen in einem von Deutschen stark besuchten Gasthofe Wohnung. Am Sonntag Abend, während der Mann mit Geschäftsfreunden in einem Cafe saß seine Frau war im Hotel allein zurückgeblieben hat die tief Unglückliche die unselige That begangen, deren Grund unglückliche Liebe ist. Die Beklagenswerthe hatte fich und ihren Eltern mit der GeldHeirath ein schweres Opfer gebracht, denn sie war in Liebe zu einem blutarmen Baubefltssenen entbrannt, doch setzte der gestrenge Vater dem Herzensbündntß mit dem armen Schlucker ein energisches Veto entgegen. Die Leiche der jungen Frau soll nach Berlin übergeführt und hier in dem Familienbegräbniß beigesetzt werden.

* Leipzig, 17. Juni. Fahrlässige Tödtung durch Schnaps. Eine Warnung für Gastwirthe möge der folgende Fall sein. Am Abend des 31. October v. I. kam der Neger Harrison, der einer Artisten-Gesellschaft angehörte, in die Wirthschaft von Martin Blech in Hannover. Der gleichzeitig anwesende, noch nicht 18 Jahre zählende Hausdiener Kühn bot dem Neger .ein Glas Bier an. Dieser aber erklärte, Schnaps sei ihm lieber. Als der Schwarze den SchnapS mit Grazie vertilgt hatte, bot ihm Kühn 1 Mk., wenn er noch drei Schnäpse trinke. Harrison war sofort dazu bereit, trank die Schnäpse und erhielt die Mark. Er wurde nun etwas animirt und rühmte sich, er könne noch fünf Schnäpse

trinken. Kühn bot 2 Mk., wenn er innerhalb 15 Minuten die fünf Schnäpse vertilge. Nun mischte fich Blech hinein und meinte, man möge solche Dummheiten unterlassen. Da aber der Neger ungemüthlich wurde und die Schnäpse ver­langte, gab Blech sie ihm. Die neun Schnäpse, die der Neger nunmehr getrunken hatte, machten dreiviertel Liter aus^ Der Neger starb noch in derselben Nacht an acuter Alkohol­vergiftung. Das Landgericht Hannover verurtheilte am 22. März Kühn zu einem, Blech zu zwei Monaten wegen fahrlässiger Tödtung. Die von Blech eingelegte Revision, welche die ganze Schuld dem tobten Neger aufbürdete, da er seinen freien Willen gehabt habe, wurde heute vom Reichs­gericht verworfen.

Schiffsnachpichten.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten CarL LooS und I. M. Schulhof.

Bremen, 20. Juni. sPer transatlantischen Telegraph«! Der Schnelldampfer Spree, Capitän W. Wtlligerod, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 11 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.

Literatur und Artnst.

Rathgeber über Angelegenheiten a«S dem Privat» «nd BeschüftSleben für Jedermann von I. Heß. Preis 50 Pfg. (Verlag von H. Bechhold, Frankfurt a. M.). Das Merkchen ist eigmtlich alS zweiter The» desRathgeber für Die bei der Reichs­post- und Telegraphcnverwaltung angestellten Unterbeamten" von I Heß gedacht, ist jedoch als ein höchst nützliches Merkchen für Jedermann zu betrachten.

Die von uns kürzlich erwähnte neue Jubiläumsausgabe der .Jllusteirten Geschichte des Krieges von 1870/71* (Union Deutsche VerlagSgesellschaft in Stuttgart), von welcher unS die inzwischen erschienenen Hefte 2 bis 4 oorliegen, hat einen großen Erfolg zu verzeichnen. Derselbe ist bei dem frischen, oolksthümlichen Ton, in welchem das Merk geschrieben, bei der effectvollen Ausstattung, bei dem prächtigen Bilderschmuck und bei dem so überaus billigen Preise von nur 25 Pfg. für daS Heft auch etn gerechtfertigter; wir verfehlen nicht, unsere Leser nochmals angelegentlichst auf das wirklich schöne Merk hinzuweisen.

Das Zeitz'sche Kriegstagebuch »KriegSerinnerungete eines NeldzngSfreiwillige«*, Verlag von Stephan Geibel in Altenburg, dessen erste Lieferung wir f. Z. besprochen haben, ist bis Heft 6 erschienen. Mir begleiten denMusketier Zeitz" auf seinem Marsch durch die Vogesen, wir lernen den Feldwebel mit dem berühmt gewordenenRasse-Passe kennen; eine geradezu köstliche Episode' Endlich wird der heiße Wunsch des Verfassers erfüllt, er kommt bei Sedanins Feuer". Die Schilderung des Biwaks vor der Schlacht, dann die der Schlacht selbst ist spannend, ja geradezu dramatisch. Musketier Zeitz" erhält für seine Leistungen und sein Verhalten bei Sedan das eiferne Kreuz. Die Ansichten und Feldzugspläne der Musketiere, ihre Aeußerungen über die Führung auf deutscher und französischer Seite sind höchst ergötzlich und mit köstlichem Humor geschildert. Die Illustrationen sind sehr hübsch; kurz, ein prächtiges Buch, dessen Anschaffung wir unfern Lesern nicht warm genug em­pfehlen können, ganz besonders, da es in der neuen billigen Jubel- Ausgabe (29 wöchentliche Lieferungen ä, 20 Pfg.) dem Käufer kein zu großes Opfer auferlegt

Knnftt-Ancctollnilrt im Thurmhaus am Brand, n.UllDl AUbbieilUUg, geöffnet täglich, mit Aus­nahme des Samstags, von 11 bis 1 Uhr, am Mittwoch und Sonntag auch noch von 3 bis 5 Uhr. Eintrittspreis für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonntagen 20 Pfg.

Bekanntmachung.

Der städtische Steinbruch im Walddistrict Hangelstein soll Mittwoch, den 26. ds. Mts., Vormittags 10 Uhr, aus dem Bürgermeisterei-Büreau vom 1. Juli d. Js. ab anderweit verpachtet werden.

Gießen, den 18. Juni 1895.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

5441_______________________Gnauth.____________________________

Bekanntmachung, betreffend die Vergebung der Zinsen des Christian Gerhard Hast'schen

Vermächtnisses.

Aus obigem Vermächtniß sind zehn Gaben zu 19 Mk. 71 Pfg. an zehn bedürftige Familien, bezw. Wittwer oder Wittwen zu vergeben. An­meldungen zum Bezug fraglicher Zinsen sind bis zum 30. ds. Mts. einschl. bei dem Secretär der Armendeputation (Zimmer Nr. 3) mündlich oder schriftlich vorzubringen.

Gießen, den 20. Juni 1895.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________________________Gnauth.________________________5442

Oeffentliche Impfung.

Die diesjährigen öffentlichen Impfungen für die Erstimpflinge werden bis auf Weiteres

jeden Mittwoch, Nachmittags von 24 Uhr, beginnend am Mittwoch den 26. Juni

im alten Rathhaufe vorgenommen werden, und die Nachschau, zu welcher die geimpften Kinder bei Meidung der gesetzlichen Strafe nochmals vorgestellt werden müssen, 8 Tage später.

Jmpfpflichtig im laufenden Jahre sind die im Jahre 1894 geborenen Kinder, sowie die rückständigen aus früheren Jahren; aber auch Erwachsene werden auf ihren Wunsch, und Kinder, welche erst im laufen­den Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft.

Wir laden die hiesigen Einwohner zur Benutzung dieser Termine ein, mit dem Bemerken, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes auf eigene Kosten vor­nehmen lassen, widrigenfalls ihm im Januar k. I. zur Nachholung der Impfung eine vierwöchentliche Frist unter Strafandrohung gesetzt wird.

Kinder, deren Zurückstellung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können in den Terminen gleichfalls dem Jmpfarzt vorgestellt werden.

Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird durch den Jmpf­arzt besondere Benachrichtigung an die Schulvorsteher erfolgen.

Gießen, den 19. Juni 1895.

Der Oberbürgermeister:

5410 Gnauth.

Skugrasmstkigknmg.

Dienstag, den 25. Juni 1895, Nachmittgs 6 Uhr, soll das Heugras von der Jughard'schen Wiese auf der Ursulum mit zusammen 21675 qm in dem Dorfeld'schen Garten zu Wieseck versteigert werden.

Wieseck, am 20. Juni 1895.

Sommerlad, Bürgermeister. §

Versteigerung.

Montag den 24. ds. Mts., NachmittaaS 3 ubt, versteigere ich im Auftrage der Nachlaß­verwaltung der Wilhelmine StSrmer, Schottstratze 11 dahier:

2 vollständige Betten, 1 zweithürigen Kleiderfchrank, 1 Commode, 2 Tische, 1 Wanduhr, 4 Stühle, 1 Spiegel, verschiedenes Küchengeschirr, Weiß­zeug, Damenkleider und sonst Ver­schiedenes.

Die Bersteigerung findet bestimmt statt.

5438 Born, Gerichtsvollzieher.

Wald-Verkauf.

Ca. 14 Morgen 56jährige Fichten auf gutem Boden bei Vaits­hain, Kreis Lauterbach, Oberhessen, zu verkaufen. Kausliebhaber wollen sich innerhalb 14 Tagen mit An­gebot an Zimmermann, Stations- Assistent, Lich, Oberhessen, wenden. Nähere Auskunft daselbst. 5421

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Aufgebot.

In dem auf Antrag des Oberroß­arztes Maier zu Spurklauken durch Beschluß vom 10. October 1887 be­züglich der Partialobligationen der Actiengesellschast Eisenwerke Buderus de dato Main-Weser-Hütte bei Lollar 20. April 1884 Lit. A. Nr. 3298 zu 1000 Mk. und Lit. L. Nr. 3216 zu 500 Mk. beide zu 5 % jährlich verzinslich auf die Mitteldeutsche Ereditbank als Gläubigerin lautend und von dieser mit Blankoindoffement weiterbegeben, eingeleiteten Aufgebots- verfahren ist anderweiter Aufgebots­termin bestimmt auf

Mittwoch, den 6. November 1895, Borm. 9 Uhr.

In diesem hat der Inhaber der Urkunden seine Rechte anzumelden und jene vorzulegen, widrigenfalls deren Kraftloserklärung erfolgen wird.

Gießen, den 26. April 1895.

Großh. Amtsgericht.

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