Ausgabe 
21.7.1895 Drittes Blatt
 
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Hörde ein Anschluß der Blitzableiter an daS GaSrohrneh verlangt, wir würden aber event. ein derartiges Ansinnen ablehueu

Gesellschaft für GaSindustrie Augsburg.Aus den 19 Städten (davon 9 in Deutschland und je 5 in Oesterreich-Ungarn und Italien) in welchen wir Gasfabriken unterhalten, ist noch nie die Zumuthung an unS gestellt worden, die Blitzableiter mit dem Gasrohrnetz in Verbindung zu bringen, einem solchen Vorschläge gegenüber würden wir uns unter allen Umständen entschieden ab* lehnend verhalten."

Wien. (Imperial Kontinent. Gas-Association.)Der An­schluß der Blitzableiter an die Gas- und Wasserleitungen ist in Wien Nicht gestattet."

PariS.In Paris sind die Blitzableiter «icht an die GaS- und Wasserleitungen angeschlosien. Unsere Gas-Gesellschaft hat bis heute nicht geglaubt, eine Ausführung dieser Art empfehlen zu sollen."

London. (Imperial (Sont. Gas-Association.)Hier bestehen zwar keine amtlichen Vorschriften in Betreff des Anschlusses der Blitzableiter an die Gas- und Wasserleitungen, dennoch ist es üblich, jeden Anschluß der Blitzableiter an die Gas- und Wasserrohren zu vermeiden und geschehen die Verbindungen der Blitzableiter mit der Erde stets direct durch isolirte eiserne Platten."

Soweit unsere Erhebungen; eine etwaige Fortsetzung derselben würde an der Tbatsachc nichts ändern, daß sich die weitaus über­wiegende Zahl der Gas- und Wasserwerke mit dem Anschluß der Blitzableiter an ihre Rohrnetze nicht einverstanden erklären kann.

Eharakteristisch ist, daß in Berlin einem Hauptsitz electro- technischer Wissenschaft und Praxis trotz jahrelanger Verhand­lungen der fragliche Anschluß bis heute noch nicht gestattet ist, und Interessant, daß von 24 dem bayr. Gas- und Wasserfachmänner- verein angehörenden s. Z. angefragten Städten in 22 der Anschluß entweder verboten oder nicht gestattet ist und daß man sich auch in den großen Hauptstädten des Auslandes ebenso ablehnend verhält wie bei uns. Mit Vorstehendem glauben wir gründlich bewiesen zu haben, daß die mit solcher Sicherheit behauptete anstandslose Gestaltung des Anschlusses in andern Ländern auf Jrrthum beruht und daß es der Wahrheit nicht entspricht, wenn einer der Herren Ein­sender behauptet, in dieser Frage bestehe in Gießen ein »Urrierrm", daS nirgends Nachahmung gefunden" habe. Mit viel mehr Recht wäre es als ein Unikum zu bezeichnen, wenn wir uns gegentheilig verhielten!

Unter obigen Städten befinden sich allerdings auch einige wenige, welche den Anschluß der Blitzableiter an die städtischen Rohrnetze, insbesondere an die Wasserleitung »unter gewissen Be­dingungen" gestatten. Daß dieseBedingungen" mit ihren Vor­schriften über stets intacten Anschluß, Schadenersatz rc. einer Ab­lehnung nahezu gleichkommen, erhellt z. B. aus den in Darmstadt erzielten Erfolgen, wo trotz der Gestattung des Anschlusses an die Wasserleitung bis heute noch kein einziger Private um be­zügliche Genehmigung nachgesucht hat.

Wenn wir es uns auch versagt haben, auf theoretische Einzel­heiten der vorliegenden Frage an dieser Stelle irgendwie einzugehen, so dürfen wir doch nicht ganz schweigen von den großen praktischen Bedenken, welche die meisten Gas- und Wasserfachmänner gegen den Anschluß der Blitzableiter hervorheben, von der Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit, ein metallisch ununterbrochenes Rohrnetz oder auch nur einen dauerhaft sicheren leitenden Anschluß der Blitzableiter an daS Rohrnetz herzustellen, und von den Gefahren, welche namentlich in größeren Städten, wo sich die Rohrnetze in fortwährender Unter­brechung und Umgestaltung befinden, bei Gestattung des Anschlusses

zahlreichen Arbeitern drohen^würden, ganz abgesehen von den be­sonderen localen Verhältnissen, welche gerade in Gießen gegen diese Anschlüsse sprechen.

So wenig wir den theoretischen Gründe« der Electro- tcchniker unsere Anerkennung versagen wollen, so sehr müssen wir doch andererseits auch ermatten, daß es von jener Seite unseren Fachtechnikern überlassen bleibt, die praktischen Schwierigkeiten, welche die Wirklichkeit bietet, in ihrem ganzen Umfange zu würdigen.

Zur Wahrung unserer Interessen, insbesondere aber auch zur Beruhigung von durch die betr.Eingesandt" thatsäch ich beunruhigten Gemülhern, haben wir geglaubt, diesen Gegenstand etwas gründ- lichcr beleuchten zu sollen. Wir überlassen es dabei getrost dem Urlheil des Publikums und der Selbstkritik der betr. Herren Ein­sender, zu entscheiden, inwieweit deren verblüffende Behauptungen von dem Gießener »Unicum* und der uns gemachte Vorwurf deS Duldens eines Mißstandes,welcher Leben und Sicherheit zahlreicher Hausbewohner gefährdet", Stich halten gegenüber den vorstehenden thatfächttchen Mntheilungen.

G i e ß e n, 19. Juli 1895.

Städtisches Gas- und Wafferwerk Gießen:

Otto Bergen.

Literatur und Knnft

Die Kieler Festtage haben im In- und Ausland die Kriegsmarine in den Vordergrund des Interesses gerückt. Es trifft sich darum glücklich, daß der soeben zur Ausgabe gelangende 14. Band der Jubiläumsausgabe von Brockhaus' Conoersations- Lexicon in der Reihe seiner vonRudesheim" bisSoccus" reichenden Artikel eine große Anzahl solcher umfaßt, die dem See­wesen gewidmet sind. Ganz hervorragend sind z. B. Schiffe, Schiff­fahrtscanäle, Schnelldampfer, Segelsport, Schiffsgeschütze, Seetakttk, Seerecht, in denen Technik, Volkswirthschaft, Sport, Kriegswissm- schaft usw. von den ersten Fachmännern zur Behandlung kommen. U. a. sei auf die Erfahrungen aus dem japanisch chinesischen Kriege bezüglich der Schiffsgeschütze hingewiesen oder auf das Bild einer zukünftigen Seeschlacht usw. Heer und Marine des Ezarenretchs, das in Kiel unter den fremden Kriegsschiffen das bewunderungs­würdigste Panzerschiff gestellt hatte, sind ganz ausführlich b-handelt, Rußland selbst ist nach allen Seiten hin mit der imB.ockhaus" gewohnten Genauigkeit auf nahezu 128 Spalten bargestillt; fein Wort ist zu viel, aber auch keines zu wenig. Seine geographische Gestaltung, die Verwa'tung, die Finanzen, die vielbewegte Ge­schichte, die Eisenbahnen, die Sprache und reiche Literatur, sowie die bei uns noch fast unbekannte russische Kunst werden uns meister­haft vorgesührt, unterstützt von nicht weniger als 7 Karten und 3 wie immer ausgezeichneten Holzschnitttafcln. In engster Be­ziehung dazu stehen die Artikel über Sibirien und die Sibirische Eisenbahn, die durch 3 ganz neue kartographische Darstellungen illustrirt sind. In gleicher Vollendung sind die andern geographischen Artikel gegeben, reich von vorzüglichen Karten begleitet; es feien in bunter Reihe genannt: Rumänien, Serbien, Sachsen, Schleswig- Holstein, St. Gotthard, St. Louis, San Francisco, Salzburg, Siebenbürgen, Sahara, Singapur, Schottland, Schweden. Die Schweiz ist besonders ausführlich behandelt, wie es überhaupt ein Vorzug desBrockhauS" ist, in allen Artikeln nicht nur Deutsch­land, sondern auch die Schweiz und Oesterreich-Ungarn als stamm­verwandte Gebiete speciell zu berücksichtigen. Der naturwissenschaft­

liche und technische TheU ist auch in diesem Band reich durch bunte und schwarze Tafeln und Texlabbitdungen illustrirt, worunter die 4 Tafeln mit deutschen farbenprächtigen Singvögeln, merkwürdige Schwimmpolypen und herrliche Doppeltafeln mit Schmetterlingen, sowie Seilbahnen, Sicherhettsvorrichlungen, Schnellpressen u. s. m' hervorgchoben sein mögen. Auch auf den übrigen Gebieten des menschlichen Wiffens präsenttrt sich der 14. Band schon beim ersten Durchblättern mit ausgezeichneten Artikeln, die Anregung zu weiten» Studium geben. Wie viel Neues enthalten Artikel wie Sanitäts­wesen, Schöffengericht, Schwurgericht, Shakespeare, Selbstverwal­tung, Schule, Schulhygiene, Schutzimpfung, Sclaverei! Im Artikel Selbstmord" fällt auf, daß das Königreich Sachfen dre weitaus größte Selbstmordhäusigkeit hat. Der Fingerzeig im ArtikelSchnirkel- schnecke" scheint uns von beträchtlichem wirthschaftlichem Werth. Jetzt,, da nur noch zwE Bände des monumentalen Werkes fehlen, erkennen'! wir deutlicher noch als bisher die Bedeutung der Jubiläumsausgabe! desBrockhaus". Mit der Pracht ihrer Ausstattung und t>an l Heere sorgfältizst ausgearbeiteter Artikel wird sie immer mehr JL Zierde und der Stolz eines jeden deutschen Hauses".

»Der Bund deutscher Araueuvereiue, was er will unb was er nicht will". Vortrag gehalten in der ersten General­versammlung des Bundes von Anna Simson. Drittes Tausend. Mk. 0,40. (Breslau, Maruschke & Berendt). Der Bund fttebt dahin, Vereine und Vereinsoerbände der allerverfchiedensten Wirkung; kreise und Richtungen, zum gemeinsamen Zusammenstehen unt Handeln in gewissen Fragen unb für bestimmte Zwecke zufammenzu schließen, um den vereinigten Einfluß aller bieier Frauen, solchen allgemeinen Arbeitsgebieten öffentlichen Wohles zuzuwenden, über die keine Meinungsverschiedenheit herrscht und zu denen Alle vca H.rzen ihre Zustimmung geben können, die aber der einzelne Verei» nicht in Angriff nehmen kann. Die äußerst interessanten Aus­führungen des Vortrages werben manchen Verein zum Anschluß bewegen, besonders in kleinen Städten, denen ein enger Zufammev- tang mit einem größeren Ganzen bisher fehlte. In drei Anlage» sind der Broschüre beigegeben: Satzungen des Bundes, die gegen wärtigen 60 Mitgliedsvereine und die bisher feftgestellten Ausgaber. Es sind dies Agitation für Kinderhorte und Anstellung wetdlichei Gewerdein pectoren in Fabriken. Förderung der Mäßigkeit», bestrebungen unter der Jugend, Petitionen an den Reichstag betresst Prostitution und betreffs einiger Paragraphen des neuen bürget lichen Gesetzbuches über Ehe und Fainiltenrechl.

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Die Kritik, Wochenschau des öffentlichen Lebens. Heraus, gegeben von Karl Schneidt. Verlag von Hugo Storm, Berlins. Gleditschstr. 35. Abonnement vierteljährlich 5 Mk. Einzelne Hefte 50 Pfg. Prober ummern direct vom Verlag oder durch jebe Buch hanblung. Heft 41.

Die Wahrheit. Beiträge zur Vertiefung in die Fragen unb Aufgaben des Menschenlebens. Herausgeber-: Ehr. Schrempi. Monatlich zwei Hefte 8'. Preis vierteljährlich 1.60 Mk. Heft 43. Fr. FrommanS Verlag (E. Hauff) Stuttgart.

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