StaatSminifterium tret heute vormittag im Reichstags, gebäude zu einer Sitzung zusammen, worin, wie verlautet, der Text der Thronrede ftr die Eröffnung deS Landtages festgesetzt wurde.
Berlin, 14. Januar. DaS Gerücht über den Rücktritt deS Minister- Berlepsch und die bevorstehende Ernennung deS Grafen Herbert Bismarck zum Nachfolger ist nach Mittheilungen aus guter Quelle aus der Luft gegriffen.
Berlin, 14. Januar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach Derjenige, welcher den Verfertiger oder «lffentlichen Verbreiter von falschen Reichst assensch et neu nachweift, Belohnungen bis zu 3000 Mk. erhält.
Berlin, 14. Januar. Wie verlautet, soll an die Spitze des 1. Armeecorps an Stelle des zurückgetreteneu Generals v. Werder der Generallieutenant Graf Fink v. Finken« stein und an die Spitze des 8. ArmeecorPS an Stelle des Generalobersten v. Los der Generallieutenant v. Bülow berufen werden.
Berlin, 14. Januar. Wie nachträglich gemeldet wird, hat der Kaiser aus dem Abschiedsfest deS Alexander Regt« mcntß dem Grafen Schuwalow ein Eigarrer.etui mit seinen Initialen „Wllhelm II." in Gold überreicht mit den Worten: „Dies schenke ich Dir als Freund, nicht als Kaiser". DaS Regiment der Gardekürassiere hat dem scheidenden Botschafter einen Helm geschenkt, in dem die Namen sämmtlicher Offiziere eingravtrt find.
Berlin, 14. Januar. Der „Reichsanzeiger" veröffent« licht die Ernennung des früheren Gesandten in Oldenburg, LegationSrath Kammerherrn Grafen von der Goltz zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigen Minister in Buenos AhreS.
Karlsruhe, 14. Januar. In der Gegend von Zell und Wiesent Hal wurde gestern Abend gegen 5 Uhr ei« ziemlich heftiger Erdstoß verspürt, welchem ein donner« artiges Rollen folgte, und zwar in der Richtung von Osten nach Westen.
Wien, 14. Januar. Nach einer Meldung der „Wiener Allgemeinen Zeitung" haben fich die Profefloren Wider- Hos er und Nothnagel zu dem.kranken Erzherzog Albrecht nach Arco begeben.
Budapest, 14. Januar. Bisher ist es immer noch nicht gelungen, für das Handelsportefeuille eine geeignete Persönlichkeit zu finden. Es werden verschiedene Namen, so der ehemalige Minister des Innern Hierrnymi, Graf Batthyani und Ernst Daniel genannt. Jedenfalls dürfte das neue Ministerium erst morgen gebildet werden. Dasselbe dürste sich am künftigen Donnerstag der Kammer vorstellen.
Brüssel, 14. Januar. Bei der gestrigen Kammerwahl in Thuin erhielt der socialistrsche Candidat Berlo 22,668 Stimmen, obwohl für seinen katholischen Gegner 20,951 Stimmen abgegeben wurden. Der Sieg der Social^ demokraten ist dadurch hervorgerufen worden, daß sich die Liberalen der Abstimmung enthielten. — In einer stark be« suchten Versammlung suchten die drei focialistischen Abgeordneten van der Velde, Bertram und Defuet darzulegen, daß die Annexion des Cong ost aates dem Lande durchaus schädlich sei. Sogar von den katholischen Blättern wenden sich einige mit Entschiedenheit gegen dieses Unternehmen. Die einzige Lösung dieser Frage wäre die, das Unternehmen einem Volksreserendum zu unterbreiten.
Paris, 14. Januar. Hier geht mit ziemlicher Bestimmtheit das Gerücht, daß eine Mini ster krifis bevorstehe. Der Präsident Casimir Perier soll nämlich einem Ministerium Bourgeois geneigt sein, doch soll der Minister des Aeuheren, Hannotaux, wegen der damit verbundenen Schwierigkeiten noch im Amte verbleiben. Mit der jetzigen Kammer glaubt der Präsident der Republik seine Zwecke nicht erreichen zu können.tat-2-
Londons 14. Januar. Die „Times" meldet aus Tientsin, daß die militärischen Befehlshaber in der Mandschurei beschloffen hätten, wegen Unthätigkeit der chinesischen Behörden die S e lbstv er thei digun g in der Mandschurei gegen die Japaner in die Hand zu nehmen.
Loudon, 14. Januar. Die „Daily News" melden aus Kairo, daß zwischen Derwischen und italienischen Posten, 80 Kilometer westlich von Waddi Halsa, ein Gefecht stattgefunden hat, dessen AuSgang noch unbekannt sei.
Petersburg, 14. Januar. Herr v. Giers befindet sich bereits wieder so wohl, daß er in der letzten Woche mehrere Botschafter empfangen konnte.
Petersburg, 14. Januar. Die Czarenwittwe wird wahrscheinlich in ZarSkoje-Selo für längere Zeit Wohnung nehmen- die Reisen nach dem Kaukasus und nach dem AuS- lande hat dieselbe aufgegeben.
Belgrad, 14. Januar. Die erste officielle Börse wurde heute hierselbst in den im Hotel Bosna befindlichen Localitäten abgehalten. Der größte Theil der Börfen- mitglieder widmete sich dem Valuta- und Getreidegeschäst.
nn. Darmstadt, 15. Januar. Die Zweite Stammet genehmigte den Antrag Pennrich, Einsührung einer Klass enl ott erie, mit 30 gegen 17 Stimmen.
£ocafcs und prooitnteBe*,
Gieße«, den 15. Januar 1895
Sitzuug Grobh. Handelskammer Gießen vom 11.Zauuar 189b. Anwesend die Herren Scheel, Gail, Heichelheim, Katz, Kling- spor, Kraatz und Wortmann. Zunächst reseriren Herr Com- merzienrath Heichelheim, sowie Herr A. Katz über die ihnen in der vorigen Sitzung zugewiesenen Gegenstände. Zu den zwecks Begutachtung mttgetheilten Beschlüffen der Börsen- Enquete Commission definitiv Stellung zu nehmen, ist die Kammer noch nicht in der Lage- sie wird fich noch eingehender mit der Frage befaffen. Entsprechend dem Reserate
deS Herrn A. Katz beschließt die Kammer, daS Vorgehen der Handelskammer für OstfrieSland und Papenburg, wegen der erst neuerdings wieder kund gegebenen Vorschrift, wonach die Proviantämter Berpflegungsmittel, die im Jnlande erzeugt werden, soweit irgend möglich, von Producenten kaufen müssen, zu unterstützen. — Ein Rundschreiben des veretnS deutscher Großhändler in Dünge- und Kraftsntrermittel», welches von der Gründung eines Schiedsgerichts M'«Heilung macht, liegt, cbemo wie die diesbezüglichen Schiedsgerichts- Bestimmungen, den Interessenten auf dem Bureau der Kammer zur Kenntnißnahwe offen. — Der deutsche Handelstag unterbreitet der Kammer einen von dem Reichstagsabgeordnete« Freiherrn Hehl zu Herrnsheim u. Gen. im Reichstag eingebrachten Antrag, die verbündeten Regierungen zu er« suchen, „den Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag mit der Argentinischen Republik vom 19. September 1857 auf Grund deS Art. 14 dieses Vertrags zu kündigen", und bittet unter gleichzeitiger Mittheilung eines die einschlägigen Derkehrsbeziehungen betr. Berichts um Zusendung von Material, welches die Prüfung deS Antrags ermöglichen soll. Die Kammer beschließt, die Schriftstücke zunächst bei den Interessenten zur Aeußerung etwaiger Wünsche circuliren zu lassen. — Der Central-AuS- schnß kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine in Berlin bittet die Kammer um Unterstützung einer a« den Herrn Reichskanzler gerichteten Eingabe, die Abänderung der §§ 55 und 56 des Gesetzes über die Gewerbegerichte betr. Die Abänderungsvorschläge lauten: - vi
1) daß in Abänderung des § 55 qu. Gesetzes für sämmt- liche von den Gewerbegerichten ergehenden Urtheile, unabhängig von der Höhe des StreitobjectS, das Rechtsmittel der Berufung zugelaflen werde -
2) daß in Abänderung des § 56 qu. Gesetzes die vorläufige Vollstreckbarkeit der Urtheile der Gewerbegerichte nur gegen Sicherheitsleistung für zulässig erklärt werde. — Man erachtet diese Vorschläge für gerechtfertigt und wird dieselben an maßgebender Stelle vr terstützen. — Die Kammer beschließt den Antrag des Stadtvorstandes zu Friedberg bei Kaiser!. Oberpoftdirection Darmstadt auf Errichtung einer Fernsprechlinie Gießen, Butzbach, Bad-Nauheim, Friedberg, Frankfurt, nachdem sie selbst schon wiederholt an maßgebender Stelle in gleicher Richtung vorstellig geworden ist, ebenfalls zu unterstützen. — Eine der Kammer von zuverlässiger Seite gewordene Mit« theilung veranlaßt uns, Diejenigen, die im Begriffe sind, Mustersendungen nach Lille zu senden, zu bitten, vorher sich an das Bureau der Kammer zwecks wichtiger Auskunfts- ertheilung, zu wenden. — Auf diesseitige Anregung ist der Anschluß der ersten Post nach Homberg in Nieder- gemünden an Zug 3 der Oberhessischen Eisenbahnen wieder hergestellt worden. Die Personenpost zwischen Homberg und Niedergemünden verkehrt nunmehr wie fo gt:
§30 120 ah Niedergemünden, Bahnhof an 645 l5
94<> l30 „ „ Ort ab 635 1265
10" 235 an Homberg „ 530 11M
Von dem deutschen Handelstag ist der Kammer ein Fahrplan-Entwurf der Handelskammer in London — Norddeutschland-London und umgekehrt— zur Begutachtung zugegangen. Interessenten können denselben zwecks Aeußerung etwaiger Wünsche auf dem Bureau der Kammer einsehen.
Der Vorstand Deutscher Handlungsgehilfen in Leipzig verwahrt sich entschieden gegen eine von socialdemokratischer Seite gebrachte Notiz im „Vorwärts", worin die heftigsten Angriffe gegen die Leistungen genannten Verbands, namentlich hinsichtlich der Kaffenführung, gemacht sind. Die Notiz hat auch ihren Weg in nicht soc>aldernokcatische Blätter gefunden und wir benutzen als Wunsch besagten Vereins gern die Gelegenheit, die Angriffe als durchaus un« berechtigt und die ganze Notiz als tendenziös entstellt zu bezeichnen.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Ber- sammluug Donnerstag den 17. Januar 1894, Nachmittags 4 Uhr pünktlich. 1. Vorlage der Rechnung der Stadt Gießen pro 1893/94 und Erstattung des Verwaltungsberichts. 2. Vorlage der Rechnung des Gas- und Wasserwerks pro 1893/94. 3. Den Voranschlag des Großh. Realgymnasiums und der Realschule pro 1895/96. 4. Gesuch des Robert Rodewald um Erlaubniß zur Ausstellung einer Gartenhütte in seinem Garten am alten Steinbacher Weg. 5. Gesuch des Louis Hahn zu Gießen um Erlaubniß zur Errichtung einer (Santine am untersten Riegelpfad. 6. Unterhaltung der städtischen Thorhäuser. 7. Ausbau der Schanzen- ftraße im Anschluß an die Westanlage. 8. Reinigung der Locale für die Fortbildungsschule und für den Handfertigkeitsunterricht. 9. Errichtung von BedürsnißhäuSchen bei der Johanneskirche und bei der Stadtkirche. 10. Gesuch des Georg Atzbach zu Gießen um Concession zum WirthschastSbetrieb im Hause Wetzsteingaffe 21 (früher Arnold). 11. Gesuch des Karl Lenz zu Gießen um Concession zum WirthschastSbetrieb im Hause Grünbergerstraße 30 (alter Schützenhof). 12. Gesuch des Wilhelm Gerhardt zu Gießen um Concession zum Wirth- schaftSdetrieb im Hause Licherstraße 21 (früher GroS). 13. Gesuch des LouiS Bourgeois zu Gießen um Concession zum WirthschastSbetrieb im Hause Nordanlage 38 (Röhrles Brauerei). 14. Gesuch des Joseph Baues zu Gießen um Conceision zum Wirthschaftsbrtrieb im Hause Marktstraße 32 (bisher Noll).
H. Neue« Theater. DaS Philippi'sche Stück „Wohl- thäter der Menschheit", von dem wir in der vorletzten Nummer eine ausführliche Inhaltsangabe brachten, bedeutet in der gestrigen Aufführung für das Reiners,che Ensemble einen vollen künstlerischen Erfolg. DaS Hauptinteresse beanspruchte natürlich der Gast, Herr Dr. Max Pohl von Berlin. Aber daß trotzdem unsere einheimischen Darsteller zur Geltung kamen, daS gerade beweist, daß sie auch höheren Ansprüchen zu genügen im Stande find. WaS zunächst Herrn Dr. Pohl 1 angeht, so bäuchte uns im ersten Moment seines Auftretens fein Dialect etwas allzu „prononcirt" süddeutsch. Aber bald
schwand dieses Gefühl und vo« Minute zu Minute wurde«: wir vo« der Natürlichkeit seines Spiels mehr gefangen genommen und hinger ssen. Herr Dr. Pohl stellte uns den freidenkenden, biderbea und unerschütterlich ehrlichen Arzt so lebenswahr hin, daß wir jeden Augenblick glaubten, einen alten Bekannten vor uns zu sehen. Ihm gegenüber hatten natürlich die übrigen Darsteller einen besonders schweren Stand. Aber wir dürfen auch diesen rückhaltloses Lob zollen. Fräulein Ronneberg als Frau Dr. MariiuS hat uuS nicht überrascht. Wir hatten von ihr eine tüchtige Leistung erwartet und waren in keiner Weise enttäuscht worden. Ihre Katharine wurde in allen Zügen dem vom Dichter gewollten Character gerecht. Ihre Liebe und ihr unerschütterliches Vertrauen zum Vater, ihr Stolz auf dessen Bedeutung, die Erkenntniß ihres Irrens und schließlich die Rückkehr ihrer Gefühle zum Gatten, all dieS kam in überzeugendster Weise zum Ausdruck. Die dritte Rolle, deren Durchführung den Erfolg deS Stückes bedingt, ist die deS Geheimraths von Fortenbach. Sie wurde von Herrn Niemeier in glänzendster Weise wiedergegeben. Schon die Maske und das Auftreten zeigten, in welcher Weife Herr Niem ei er feine Rolle aufsaßte. Wir müssen dieser Auffassung unsere volle Zustimmung geben. Da fehlte nichts an dem vollendeten Hofmann, nichts an dem um feine Ehre spielenden Manne, nichts an dem auss äußerste vor seine« Kindern gedemüihigten Vater. Wir können angesichts dieser Leistung unbedenklich wiederholen, was wir früher einmal andeuteten, daß wir froh fein dürfen, Herrn Niemeier zu den Mitgliedern unserer Buhne zu zählen. Wenn wir noch erwähnen, daß Herr Otto zu unserem Erstaunen den Major mit echt soldatischem Ehrgefühl in gerade so trefflicher Weise als seine Liebhaber und Bonvivants verkörperte, daß er in der großen Familieuscene des dritten Actes durch fein temperamentvolles Spiel überzeugende Wirkung erzielte, sind wir mit unserer Kritik zu Ende. Alle übrigen Rollen wurden wie gewöhnlich zur vollsten Zufriedenheit erledigt. — Noch ein Wort über den Besuch deS Theaters. Wenn ein Schauspieler von der Berühmtheit des Dr. Pohl nach Gießen kommt, dann wird er billig ein volles Haus erwarten dürfen. Was Herr Dr. Pohl gestern fand, wollen wir nicht sagen, nur soviel: Zur Ehre hat der gestrige Theaterbesuch unserer Vaterstadt wahrhaftig nicht gereicht. Es wäre betrübend, wenn Herr Dr. Pohl ein derartige- Andenken an Gießen mitnehmen sollte. Herrn Director Reiners ist eS nach vieler Mühe gelungen, ein zweites Gastspiel deS hochbedeutenden Künstlers (Montag den 21. d. M.) zu ermöglichen. Möge das Publikum dann gut machen, waS es beim ersten versäumt hat. Wir hoffen, damit keine Fehlbitte gethan zu haben.
• * Coocertvereiu. Am Sonntag den 20. Januar wird das Streichquartett Heermann, Bassermann und Genossen nach längerer Pause wieder einmal in Gießen con- ccrttren. Wir fürchten ja mit dieser Nachricht in den beteiligten Kreisen nicht allgemeine Zustimmung zu finden, eine Gesellschaft wie der Concertverein hat aber die Pflicht, daS Streichquartett, diese vornehmste und edelste Gatlung auf dem Gebiete der Musik, zu pflegen, und jeder wirklich Musikalische wird ihm Dank dafür zollen. DaS MufeurnS- Quartett Heermann und Genossen wird augenblicklich mit zu den vornehmsten gezählt, es hat nicht bloß in den letzte« Jahren mit wachsendem Erfolge in den bedeutendsten Städten concertirt und Erfolge erzielt, sondern ist selbst in Berli« von der dortigen Kunstwelt einstimmig dem berühmten Joachim- Quartett als gleichwerthig bezeichnet worden. Frau Basser- mann, welche neben einigen Solovorträgen den Clavierpart zum Schumann'ichen Clavierquiuteit op. 44 übernehmen wird, zählt zu den bebeutenöften Pianistinnen, ihre Richtung ist eine entschieden classische, so daß uns der Concertabend diesmal nur lauteres Gold bringen wird.
* * Kuustoerei«. Wir machen auch an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß die Gemälde-AuSstellung im Thurmhaus am Brand zur Zeit erneuert wird und daher Mittwoch und Donnerstag dieser Woche geschlossen bleibt.
• • Deulfch-Oesterreichifcher Alpeuverei«. Schön ist'S, wenns schön ist im Sommer ipazieren zu gehe» und thut's auch, im Winter ist's manchmal sehr kalt. Dieses wahre und unwiderlegbare Citat mag für gewöhnliche Sterbliche recht passend sein, die Sectio« Gießen aber des obengenannten Vereins läßt sich durch solche Hexameter nicht imponiren, sie dichtet sich benfelbe« um, indem sie Sommer mit Winter vertauscht, waS kamt einem Alpenverein, der so gut zu Fuß ist, ein kranker Versfuß gentren. Darum fand sich auch, als die Parole für de« 13. Januar „Besteigutch deS DünSberges" hieß, ein statt- liches Häuflein in früher Morgenstunde an der Lahnbrücke ein. 16 wohlgerüstete Männer, keiner ouß der Zeit der Flügelkleider, aber manch älterer sehniger Bursch wollte de« Eise und dem Schnee trotzen und die Ersteigung vo« der Fellingshausener Seite erzwingen. Die Vereinsstratege« hatten die Tour Gießen BetzbergDünSberg-Gleiberg a»f ca. sechs Stunden taxirt und die Zett wurde innegehalte«, trotz fußhohem Schnee, der jungfräulich Eben? und Berge bedeckte, trotz Glatteis. AIS erste Aufgabe wurde mit Stader Vetzberg genommen, neugierig schauten Männlein un> Weiblnn der auf engem Pfade im Gänsemarsch dem Dorfe zusteuernden (Solenne entgegen. Die Befürchtung innerhalb der marschirenden Sette, daß die hohe Obrigkeit von Vetzberg und später von Fellingshausen zur Sturmglocke greifen würde, war bei der verzweifelten Echtheit einiger Gestalten der Bergsteiger ebenso berechtigt, als nicht zutreffend. In Vetzberg selbst wurde kein Hall gemacht, aber auch in Fellingshausen nur auf kürzeste Zeit, um die nothwendigsten Vorbereitungen zur Ersteigung deS DünSbergeS zu machen. Muthig fdjri» die Schaar daran höher und immer höher und wenn sich auch die Kette bei be ouderS steilen oder vereisten Punkten etexrf löste, wenn auch «»freiwillige Referenzen dem Schnee gemacht werden mußten, zurück blieb Niemand, Keiner fehlte, als kurz vor 1 Uhr Mittags a»f der höchsten Spitze deS BergeS, I*
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