wachsen treffliche Grassämereien, welche an Händler aus Griesheim bei Darmstadt übergegangen sind.
Darmstadt, 11. Juni. Der etwa 25 jährige Maurer Valentin Dechert aus Eberstadt badete gestern um 12 Uhr im Woog. Als er ziemlich weit vom Ufer entfernt war, rutschte ihm die Badehose, welche anstatt durch eine Schnur mit einem Lederriemen zusammengehalten wurde, herunter, so daß die Bewegung der Beine gehemmt war. Hierdurch kam der junge Mann zum Sinken und ertrank. Herr Gunder, der sofort mit seinen Leuten in Nachen herbeigeeilt war, konnte ihn nicht mehr retten. Erst um 5 Uhr Nachmittags wurde nach eifrigstem Suchen die Leiche aufgefunden und an das Ufer gebracht, von wo sie sofort nach dem Leichenhause übergeführt wurde. Es waren aufregende Stunden, während welcher die Leiche gesucht wurde. Seit wenigen Tagen ist dies das zweite Opfer, welches der Woog forderte.
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Vermischte».
*Ms. AoS Oberhefsen, 10. Juni. Man hüte seine Kinder vor den Goldregenblüthen, denn noch immer ist die Giftigkeit diese- Strauches nicht überall bekannt, namentlich auf dem Lande nicht. In dem Städtchen Rauschenberg hat ein kleines Mädchen von dem Goldregenstrauch auf einem Spaziergang gegeffen, worauf sofort die Symptome der Vergiftung auftraten, das Kind wurde steif und kalt und fiel wie gelähmt hin. Sofort angewandte ärztliche Hilfe wendete zwar da- Schlimmste ab, doch liegt das Kind schwer krank darnieder. Wie giftig der Goldregenstrauch ist, geht aus der Thatsache hervor, daß Samen und Rinde Cytisin enthalten, von welchem ein Zehntausendstel Gramm genügt, um einen Hund sofort zu tödten.
* „Verirrte Liebe", Schauspiel in drei Acten von Wilhelm Wagner (Bad-Nauheim) hat am 31. Mai im Krhstallpalast-Theater zu Leipzig großen, warmen Beifall gefunden. Der Autor wurde neunmal gerufen.
* Der renitente Meuuouit. DerMennonit Tröhnert, der al- Recrut der 9. Compagnie des Kaiser-Alexander- Grenadier-Regimeuts aus religiösen Gründen sich weigerte, Waffen zu tragen, wurde dafür seinerzeit wegen Gehorsamsverweigerung bekanntlich mit zwei Monaten Festungsstrafe belegt, die er in Spandau verbüßt hat. Zum zweiten Male hat das Kriegsgericht den Soldaten, der aus dem Elsaß stammt, zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Dieses Urtheil ist am 27. Mai vom Kaiser bestätigt worden.
* Leipzig, 10. Juni. Die Stadt bewilligte 3 Millionen I Mark zum Bau des Elster-Saale-Canals.
* München, 9. Juni. Am heurigen Bismarck tag, der ; zugleich der Tag der Aprilscherze ist, hatte ein hiesiger s Hausbesitzer sein HauS überreich mit Flaggen geschmückt. ' Dies und der Tag des 1. April veranlaßte einen Freund, - dem Hausbesitzer durch einen Livreebedienten mündlich die ; Mittheilung machen zu laffen, er werde Nachmittag zum > Minister gebeten, um eine Auszeichnung für seinen Bismarck- : Enthusiasmus zu erhalten- die Kutsche kam, der Hochbeglückte j stieg schwarzbefrackt ein. Die Kutsche fuhr davon, und als sie wieder hielt und ihr Insasse voll Andacht und k Erregung ausftieg, befand er sich vor dem Portal der — I Kreisirrenanstalt. Der Gefoppte stellte Anklage und das ; Schöffengericht verurtheilte den Spaßvogel zu 50 Mark , Geldstrafe.
Schiffsnachrichteir.
— Der Pofidampfer „Waesland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 11. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen.
Aufruf
zu Gunsten der durch die Ueberschwemmung im Oberauttsvezirk Balingen betroffenen Unglücklichen, Obdachlosen und Waisen.
"7"^'In der Zeit vom 4. bis 7. Juni d. I. ist der OberamtS» ■ bezirk Baliuge« infolge von unerhörten, bis jetzt nie und nirgends , in unserem Vaterland vorgekommenen Ueberschwemmrrrrge« den ; gräßlichsten Verwüstungen ausgesetzt gewesen. Auf weite Strecken • des Bezirks haben die Hochwasser der Eyach- und Schmiecha-Bäche Verheerungen angerichtet, die in ihrer ganzen Furchtbarkeit nicht ge- ; schildert werden können. '
Siebe« Gemeinden des Bezirks sind eine Stätte unermeßlicher } Noth und größten Elends geworden; viele Bewohner dieser Orte « sehen an Stelle ihrer seitherigen Heimath nur noch Trümmerhaufen , und stehen an den Unglücksstätten, an welchen sie seither in Fleiß ; und Arbeitsamkeit ihr Brod verdienen konnten; sie sind ihrer Wohn- > ungen, ihres Viehstandes, ihrer ganzen Habe beraubt worden. ;
Auf den Markungen dieser — wie auch fünf weiterer Ge- ' meinden - sind die Feld- und Futter-Erträge der ohnehin armen \ kleinbäuerlichen Bevölkerung theilwetse vernichtet; die Hoffnung auf j eine ergiebige Ernte, welche die Schäden detz Futternothiahres 1893 j ausgleichen sollte, ist zerstört. _ ,, :
Groß ist daher die Noth und das Elend dieser vielen Unglück- , lichen, unbeschreiblich der Jammer der schwer Heimgesuchten. t
Die reißenden, übermächtigen Wasser haben 46Opfer'an Menschen gefordert und mehrere Waisen und Hinterbliebene zurückgelassen, für welche zu sorgen ist.
Gegen 200 Wohnungen und Gebäude sind thetls fortgeschwemmt und zerstört, theils mehr oder weniger beschädigt, sodaß deren Wiederherstellung nahezu unerschwingliche Geldopfer erfordert; und doch sollte den Obdachlosen wieder eine Wohnung und eine WohnungS- Einrichtung, den Haussieren wieder der Stall, den Feld- und Futter-Erzeugniffen wieder die Scheuer, dem armen Bauern wieder das nöthtge Vieh und die Ackergeräthe, den Gewerbetreibenden wieder das Handwerkszeug geschaffen werden.
Zwar läßt es unser geliebter König, welcher die Unglücksstätte sofort besucht, und die Herzen, welche verzweifeln wollten, wieder aufgerichtet hat, an landesväterlicher Fürsorge nicht fehlen; zwar läßt die Kgl. Staatsregierung eine ausgiebige Thättgkctt zur Beseitigung der durch die Ueberschwemmungen an öffentlichem und privatem Eigenthum angerichteten Schaden entfalten.
Trotzdem ist der Bezirk auf den Gemeinstnn, die Hilfe und Unterstützung unserer deutschen Mttbrüder angewiesen und erheischt die Linderung der Nothlage der vielen Unglücklichen große Mittel, die nur im Wege der Prtvatwohlthätigkeit aufgebracht werden können; denn der entstandene Schaden geht weit über eine Million Mark hinaus.
Solch große Noth hat immer und zu allen Zeiten werkthättge Hilfe gefunden.
So ergeht de«« a« alle Menschenfreunde vo« «ah und fern der Aufruf, das Elend und die «rmuth ««serer BezirkSbewohner lindern «nd beseitige« zu helfe«.
i Gemeinsame Noth erfordert gemeinsame Hilfe; schnelle Hilfe i ist doppelte Hilfe; in schneller Hilfe liegt die Kraft, in die ver- • zweifelnden Herzen Hoffnung, Trost und neuen Lebensmuth zurück, zuführen.
Jeder der unterzeichnete« unterhLlt eine Sammelstelle ««d ist gerne und dankbar bereit, Gaben entgege«- zunehmen.
Schließlich sei uns die Bemerkung gestattet, daß die eingehenden Gelder möglichst in der Hand des Bezirkshilfscomitös concentrirt werden sollten, damit eine Zersplitterung und ungleichmäßige Der- thetlung vermieden wird und daß der ArbeitstheUung wegen in der Stadt Ebingen ein Hilfscomits gebildet wurde, deffen Einnahmen an die Kasse des BezirkscomitSs fließen und welches daher auch Gaben entgegennimmt.
Balingen, den 9. Juni 1895.
Das BezirkSHUfSeomite.
Der Vorsitzende: Oberamtmann Filfer.
Die Mitglieder r
Decan Kern. Oberamtsrichter Sieger. Cameralverwalter Lippoth- Oberamtsrath Dr. Hopf. Stadtmarrer Schüz. Stadtschultheitz Eisele. Fabrikant Behr. Fabrikant Martz. Kaufmann Luppold.
Oberamtspfleger Roller.
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