Ausgabe 
14.12.1895 Zweites Blatt
 
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mit Einschluß der Einwohnerzahl BockenheimS, die 20931 beträgt, um 49084 Einwohner zugenommen. Rechnet man Bockenheim nicht mit, so ergibt fich ein Zuwachs von 28 153 Personen. Der Zuwachs von 1885 bis 1890 betrug 25225 Einwohner.

* Düsseldorf, 10. December. Der Bronceguß des hier zu errichtenden Kaiser Wilhelm-DenkmalS ist von Herrn Professor Karl Janssen vor Kurzem der Actien- Gesellschaft vorm. H. Gladenbach u. Sohn, FriedrichShagen, übertragen worden. Von den Modellen ist die coloffale Reiterftgur bereits fertig und wird wohl noch in diesem Monat nach der Gießerei Überführt. Das ganze Denkmal soll bis zum 1. October 1896 fertig gestellt fein.

* Boa Hunden todtlich zerfleischt wurde am letzten Mittwoch Abend in Charlottenburg der 22jährige Arbeiter Lorenz. Der junge Mann, auf den Schlepp- Kämpfern der Berliner Mörtelwerke beschäftigt, hatte eS, wie dieEharlbg. Ztg." berichtet, nicht überwinden können, die beiden großen Hofhunde, die fich auf dem Heinitz'scheu Stapelplatz befinden, zu necken und zu schlagen, und um dies besser bewerkstelligen zu können, war er in seinem Leichtsinn noch auf den Zaun gestiegen und hatte von hier auS auf die schon au und für fich wüthend gemachten Hunde geschlagen. Hierbei hatte er aber das Gleichgewicht ver­loren und stürzte, noch ehe er sich deffen recht versehen konnte, kopsüber auf den Platz hinab, wo die Hunde sofort Uber ihn herfielen und ihn in einer entsetzlichen Weise be­arbeiteten. Endlich rettete ihn der Wächter von den Thieren, er war aber so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhause starb.

* Stettin, 11. December. Der Arbeiter Eggert wurde bei der Station Groß-Ehristinenberg überfallen und durch fünf Schüsse getödter. Die Leiche wurde beraubt; der Thäter entkam.

* Einjährige al« Volkszahler. Bei der diesmaligen Volkszählung war der Magistrat zu Danzig auf die nicht Üble Idee gekommen, die Einjährigen von den Truppenrheilen zur AuSHÜlfe zu erbitten. So sah man denn am 2. December auf der Altstadt in allen Gaffen und Gäßchen die Einjährigen von der Artillerie und den Husaren mit Zählkarten in der Hand treppauf, treppab ihrem Zählberufe nachgeheu.

* Königsberg i. Pr., 9. December. Der Grenadier B eng ar, der am 2. November als Wachtposten einen ihn angreifenden und beschimpfenden Mann tödtete und einen zweiten anschoß, hat baß Allgemeine Ehrenzeichen erhalten und ist zum Gefreiten befördert worden.

* Lübeck, 10. December. Im nahen Diflau hat ein Mann Namens Anderson seine Braut, ein Dienstmädchen, ermordet und um den Schein des Selbstmordes zu erwecken, aufgehängt. Der Mörder entleibte fich darauf.

* Leipzig, 9. December. Zur feierlichen Eröffnung des Nord Ostsee Canals hatte sich auch eine Dame auS Pest eingefunden, eine Frau Fanny Ehrlich, die aber ihrem Namen wenig Ehre machte, denn sie ist eine internationale Taschendiebin. Sie ließ fich aber auch bei jener Gelegen­heit einen sehr groben Fehlgriff zu schulden kommen, indem sie ihre Kunst an einem Manne versuchte, der unter einer harmlosen Hülle die AmtSeigenschaft eines von Berlin nach Kiel commandirten Schutzmannes barg. Als sie ihn von seinem Portemonnaie befreien wollte, ergriff er mit geübter Hand die Taschendiebin und spedirte sie prompt zur Wache. DaS Landgericht Kiel verurteilte am 12. October Frau Ehrlich wegen versuchten Taschendiebstahls zu der empfind­lichen Strafe von drei Jahren Gefängniß. Die Revifion der Angeklagten, die Beschränkung der Vertheidigung rügte, wurde vom Reichsgericht verworfen.

Karlsruhe, 9. December. Heute Mittag sprach ein fremder Mann in einem Bäckerladen um ein Almosen vor und wollte gegen Hinterlegung seiner Uhr einige Mark leihen.

Da der Bäcker den Mann schon im letzten Jahre bei ähn­lichen Manipulationen betroffen hatte, machte er ihm Vorhalte, worauf der Fremde das Weite suchte. Er begab sich durch den Hausflur in den Abort des vierten Stockwerks und stürzte fich, als die Polizei den Abort erbrach, durch das Fenster auf den Hof hinab, wo er tobt liegen blieb. Die Person des Unglücklichen konnte nicht festgestellt werden.

* Diedeuhofeu, 8. December. Gestern wurde durch die Hunde zweier französischen Grenzforstbeamten aus Avril die Leiche der seit vier Wochen verschwundenen 15jährigen Tochter deS Bergmanns Flesch tu Hayingen im Walde auf- gefunden. DaS Mädchen war durch einen Herrn in eleganter Kleidung unter dem Dorwande deS Anerbietens einer guten Stellung auf einem HerrschaftShofe fortgelockt worden.

e Budapest rüstet fich, das tausendjährige Be­stehen des magyarischen Reiches (1896) durch eine glänzende Ausstellung zu feiern. Im Jahre 896 wurde Arpad, der Sohn des AlmoS, von den in Pannonien ein- gewanderten Ungarn auf den Schild erhoben der erste Fürst der seßhaft gewordenen Magyaren. Dem Gedächtniß dieses historischen Momentes ist die sogenannte Milleniums- marke geweiht, welche den bedeutsamen Act selbst durch ein wahrhaft dramatisches Bild von hohem künstlerischem Reiz unS vergegenwärtigt. Der soeben erschienenen 10. Nummer vonHeber Land und Meer" findet fich nun diese.Original- marke schon jetzt beigegeben, die auch dem Sammler ein be­sonderes Interesse einflößen muß, weil sie während der Dauer der Ausstellung allen inS Ausland gehenden Briefen amtlich aufgetlebt werden soll.

Paris, 10. December. In ChalouS für Marne erschien heute auf dem dortigen Gendarmerieposteu ein Deserteur deS in Metz liegenden Infanterie-Regiments Nr. 130 Namens Jakob Wolziefer, um sich für die Fremden­legion anwerben zu lassen. Wolziefer hatte in Pont & Mouffon feine AuSrüstungSgegenstände verkauft, die zum Theil von einem französischen Offizier erstanden fein sollen.

* Tonruai, 11. December. In der hiesigen von den reitenden Jägern bewohnten Cavalleriecaserne ist der Ty p h u S auSgebrochen. 20 Soldaten find dem Krankenhause über­wiesen, einer ist schon gestorben.

* Die Trüffelzucht, die in Frankreich jährlich einen Ertrag von 8 Millionen Mark für den Großhandel, und von 20 Millionen Mark für den Kleinhandel abwirft, liegt in Deutschland noch sehr darnieder. Jedenfalls haben sich, wie die illustrirte ZeitschriftZur Guten Stunde" in einem Aufsatz über Edelpilze ausführt, bisher alle Versuche der künstlichen Züchtung ober auch nur Nachhülfe als ver­fehlt erwiesen, und eS bleibt für uns nur die Frage, ob mit den Trüffelherden im Harz, Thüringer Wald und Schwarzwald daS Ertragsgebiet erschöpft ober neues nicht vielmehr in dem Humusboden der Buchenwälder auch anderer Gegenden zu erschließen ist. DaS festzustellen, ist bei der schwierigen Auffindung der Trüffel nicht leicht und eS sollten Vereinigungen von Sachverständigen inS Leben gerufen werden, die baß Tasten deS Laien burch zielbewußteS For­schen und Suchen ersetzten. Welche Beschaffenheit hat der den kosidaren Pilz erzeugende Boden an feinen haupsäch- lichsten bekannten Fundstellen? Wo ist ein Boden, der die gleichen Vorbedingungen zu erfüllen scheint? DaS muß er­mittelt, und dann muß zur Hebung des NationalwohlstandeS mit gewiffenhaften weiteren Untersuchungen vorgegangen werden.

* Ans einer in London abgehaltenen Fahrradansstellnng find auch Schlittschuhe für Landstraßen ausgestellt worden, denen augenscheinlich noch eine große Zukunft bevor­steht. Sie haben die Form der Schlittschuhe, nur befinden sich unter der Sohle anstatt der stählernen Schienen zwei hintereinander stehende Räder von der Größe kleiner Teller, die mit einem Gummireifen umspannt find. DaS Gewicht

beider Radschuhe zusammen ist etwa 3 Kilogramm. Aus guter Straße kann ein geübter Läufer fich mit erstaunlicher Schnelle fortbewegen. Um die Schnelligkeit zu mäßige« oder im Laufe anzuhalten, genügt eS, den einen Fuß quer hinter den andern zu stellen und somit als Bremse zu diene». Unter diesen Umständen dürfte daS Radschuhfahren fich bald zu einem neuen Sport gestalten.

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Der »echte Trotzkopf" 3. Band. Wie wir soeben erfahre», erscheint im Verlage von Gustav Weise in Stuttgart gegen Mitte Dlcember, also rechtzeitig vor Weihnachten, die so sehnlich erwartete Fortsetzung vonTrotzkopfi' undTrotzkopfs Brautzeit" unter dem Titel »Vitt* rrotzkopss «he* von Else Wildhagen, geb. Friedrich-Friedrich. Wenn wir beifügen, daß dies die Tochter von Emmy von Rhoden (Emmy Friedrich-Friedrich) ist und zugleich die Berfasserin von TrotzkopsS Brautzeit, so wird eS einer weitere» Empfehlung nicht bedürfen. ES sollen nur alle Leserinnen der ersten beiden Bände und deren sind es unzählige darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie nur zu wünschen brauchen, wenn sieTrotz­kopfs Ehe* noch dieses Jahr auf ihrem Weihnachtstische sehen wollen. Der Preis in elegantester Ausstattung ist 4.50 Mk.

»Der Stein de» Weisen* beschließt seinen laufende» (7.) Jahrgang mit einer Reihe interessanter, gemeinverständlicher Ab­handlungen, welche den Inhalt deS uns soeben zugegangenen 24. Heftes bilden, und zwar: Die physikalische Beschaffenheit und die Temperatur der Fixsterne von Dr. K. Schmid'; Luftdruck Hand­maschine (illustrirt); EiSrunen (eine anziehende naturwissenschaftliche Plauderei); DaSDach der Welt" (illustrirt, die sogenanntePamir"- Frage behandelnd); Die heute im Gebrauche stehenden Accumula- toren (15 Abbildungen); Die Hygienie deS Mundes. Ferner die illustrirten (12 Bilder und ein Kärtchen) Notizen derKleinen Mappe": Puncirte Glanzvergoldung, Die electrifche Eentralstaiion in Philadelphia, Fluorescenz-Ericheinungen, Kettensch'ffSrad System Ruscha, Die Einpolderung der Zuidersee, Physikalisches Experiment k. Schließlich die letzten vier Karten derStädtepläne aus allen Weli- thellen", womit dieser originelle kleine Handatlas adschließt.Der Stein der Weisen" (A. Hartlebens Verlag, Wien) hat im ab­gelaufenen Jahr Tüchtiges geleistet und ist ihm ein ferneres ersptteß- licheS Gedeihen vollauf zu wünschen.

- Wüt gesellige Stttttdeu. Ein Dcclamationß-Album aus­gezeichneter humoristischer und ernster Dichtungen zum Vor trage für Damen und Herren in öffentlichen und Familienkreisen Gesammelt und herausgegeben von Hugo Edward, Großk». Hefi. Hofschau- svielcr. Stuttgart, Verlag von Levy L Müller. X VI und 380 Seite« Großoclao. Preis brosch. 3.60 Mk., eleg. geb. 4.60 Mk. Wir sind überzeugt, daß dieses Dec'amationsalbum nur guter, deS Erfolges sicherer VortragSstücke sowohl seines gediegenen und reichhalttgm Inhaltes, als auch seiner eleganten Ausstattung wegm in allen Kreisen, wo man der Muse der Dichtkunst hulvigt, eine wohlwollende Aufnahme finden wird. AlS Geschenkbuch ist daS Werk vorzüglich geeignet.

Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Sieben.

49. Woche. Vom 1. December biß 7. December 1896.

Einwohnerzahl: angenommen |u 22 400 (hui. 1600 Mann MilttSr).

Sterblichkeitsziffer: 18,57, nach Abzug der Ortsfremden

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

Leukämie

1

1

1. Lebensjahr:

2.-15.3*;

Blutvergiftung

1 (1)

1 (1)

Bösartiger Geschwulst 1 (1)

1 (1)

-

Zuckerruhr

1

1

_

Gallensteinen

1 (1)

1 (1)

- -

_

Herzleiden

1

1

e

_

Bronchitis

1

1

_

Atrophie

1

1

Summa: 8 (3) 6 (3) 2

. ® Hl* Die in Klammern gesetzten Ziffern ged« an, wie eWU

der Todesfälle in der betreffmden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Samstag den 28. Deremder,

Nachmittags 3 Uhr,

soll auf dem hiesigen OrtSgericht die dem iNdols Vogt in Gießen gehörige Hof- ratthe:

Flur 1 Nr. 788381 qm in der Sonn Sffen'lich meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 6. December 1895.

Großh. OrtSgericht Gießen

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