Nr. 188
Der Kttjener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montags.
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Dienstag de» 13. August
189*
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Amtlicher Theil.
Nr. 33 des Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben den 7. d. M., enthält:
(Nr. 2262.) Bekanntmachung, betreffend die dem intet' nationalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr -eigefügte Liste. Vom 3. August 1895.
Gießen, am 9. August 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. P.: Dr. Melior.
Bekanntmachung, betreffend Vorträge über Obstbau. Herr Obstbautechniker Metz des Oberhessischen Obstbauvereins beabsichtigt nachstehend angeführte Orte des Kreises Gießen zu besuchen und zwar:
Mittwoch, 14. August Birklar, Donnerstag, 15. August Lich, Sonntag, 18. August Leihgestern, Montag, 19. August Watzenborn-Steinbergs Dienstag, 20. August Grüningen, Mittwoch, 21. August Dorf-Gill, Donnerstag, 22. August Großen-Buseck, Freitag, 23. August Beuern, Samstag, 24. August Bersrod, Sonntag, 25. August Reiskirchen, Montag, 26. August Hattenrod, Dienstag, 27. August Harbach, Mittwoch, 28. August Ettingshausen, Donnerstag, 29. August Queckborn, Freitag, 30. August Stangenrod, Samstag, 31. August Beltershain, Sonntag, 1. September Grünberg, um daselbst Vorträge über Obstbau, verbunden mit praktischen Unterweisungen abzuhalten, zu welchen die Mitglieder des Vereins, sowie alle Jntereffenten eingeladen werden.
Sonntags finden die Versammlungen Nachmittags 3 Uhr, an Wochentagen Abends 8 Uhr, die practischen Unterweisungen am nächstfolgenden Tage Vormittags statt.
Die Großhcrzoglichen Bürgermeister werden ersucht, entsprechende Bekanntmachung in der Gemeinde zu erlassen, nach Maßgabe der besonderen Benachrichtigung.
Gießen, den 8. August 1895.
Der Vorsitzende des Vereins-Bezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins.
Dr. Wallau.
Bekanntmachung.
Freitag, den 30. August 1895, Nachmittags 3 Uhr wird auf Louy'8 Felsenkeller (Westanlage) zu Gießen eine General-Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden.
Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins und der Ortrvereine, sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst ein* geladen.
Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf möglichst zahl* reichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Tagesordnung:
1) Vortrag des Herrn Professors Dr. Pflug von Gießen über die Impfung mit Tuberculin.
2) Die Landesausstellung zu Gießen. Bewilligung von Wegvergütungen für nicht prämiirtes und nicht verkauftes Vieh von Ausstellern aus dem Kreise Gießen. Bewilligung »on Preisen für Aussteller aus dem Kreise Gießen.
3) Vorlage der Rechnung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins pro 1894/95.
4) Vorlage des Voranschlags des landwirthschaftlichen Bezirksoereins pro 1895/96.
5) Neuwahk des Ausschusses.
6) Nachträgliche Bewilligung einer Subvention für einen Schüler des Obstbau-Cursus und ähnliche Anträge.
Gießen, den 10. August 1895.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.
Carl Jost, Regierungörath i. P.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 10. August. Zu Ehren der würtrembergischen Generalstabsoffiziere hat heute Nachmittag hier Hoftafel stattgefunden. Abends ist im Wolfsgarten Gesellschaft an«
gesetzt, woran der Prinz und die Prinzessin Heinrich, sowie die Prinzessin Victoria von Battenberg und die Prinzessin Ferdinand von Rumänien thetlnehmen werden.
Berlin, 10. August. Der Kaiser wird sich heute Abend 10^/z Uhr an Bord der englischen Jacht „Albert" von Cowes nach Southampton begeben und von dort nach Lowther Castle mittelst Sonderzuges weiterfahren. Die Ankunft in Lowther ist für morgen früh in Ausficht genommen.
Berlin, 10. August. Der Berliner Magistrat beabsichtigt, den diesjährigen Sedan tag besonders feierlich zu begehen und soll hierfür ein Credit bis 50000 Mk. bewilligt werden. Für Montag ist eine Berathung dieserhalb in außerordent* licher Sitzung angesetzt.
Berlin, 10. August. Heute Vormittag fand vor der dritten Strafkammer abermals Verhandlung gegen die beiden wegen Majeftätsbeleidigung angeklagten bulgarischen Studenten Jwanoff und Raynow statt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Ersteren P/a Jahr, gegen Letzteren 1 Jahr Gefängniß. Der Gerichtshof jedoch sprach die beiden Angeklagten frei. Dieselben wurden bei ihrer Entlassung aus dem Untersuchungsgesängniß von Beamten der politischen Polizei in Empfang genommen und zwangsweise nach dem Polizeipräsidium überführt. Man vermuthet, daß ihnen daselbst der Ausweisungsbefehl zugestelll werden wird.
Berlin, 10. August. Die „Kreuzzeitung" bezeichnet die Blättermeldung, daß Professor Schmollet als Nachfolger für den verstorbenen Geheimrath von Sybel auSersehen sei, als verfrüht. Die Wiederbesetzung der erledigten Stelle des DirectorS der preußischen Staatsarchive dürfte erst nach voll« zähligem Beisammensein des StaatSminifteriums erfolgen.
Berlin, 10. August. Die deutsch-amerikanischen Veteranen, deren Zahl einschließlich Frauen und Kinder etwa 2000 beträgt, wollen auch dem Fürsten Bismarck einen Besuch abstatten. Der Fürst will, falls sein Befinden dies zuläßt, die Krieger von 1870/71 aus Amerika in FriedrichSruh empfangen.
Berlin, 10. August. Wie die „Germania" meldet, ist Graf Chamarö, früher ReichstagSabgeordneter für Frankenstein-Münsterberg bei Ferletten, in Steiermark auf der Gemsjagd vom Schlage getroffen und gestorben.
Berlin, 10. August. Der Kaiser hat dem General- lieutenant z. D. v. Jena ein Telegramm gesandt, in welchem er demselben zur Erinnerung an die Schlacht bet Spichern den Kronenorden erster Klasse mit Schwertern am Ringe verleiht.
Berlin, 10. August. Eine Art Familientag des Hauses Coburg scheint gegenwärtig in Schloß Reinhardsbrunn in Thüringen abgehalten zu werden. Denn es weilen zur Zeit auf dieser so idyllisch gelegenen Besitzung neben dem regierenden Herzog Alfred und seiner Familie noch Prinz und Prinzessin Philipp von Sachsen - Coburg, Prinz Leopold von Sachsen - Coburg, Prinzessin Ferdinand von Rumänien, Prinz und Prinzessin Heinrich XVIII. Reuß, außerdem auch der Fürst Otto von Stollberg - Wernigerode. Fürst Ferdinand von Bulgarien dagegen hat sich diesem coburgischen Familienrath ferngehalten, obwohl doch in letzterem höchst wahrscheinlich die Frage, was Fürst Ferdinand gegenüber der unsicheren Lage in seinem Lande thun solle, zur Erörterung gelangt ist.
— Der „Fall HaaS" wird in der Tagespresse ziemlich lebhaft behandelt. Bekanntlich hat der protestlerische Reichstagsvertreter für Metz, Haas, eß nicht für angezeigt gehalten, sein Mandat ntederzulegen, obwohl er seinen Sohn zum französischen Offizier ausbilden läßt, ja, er will sogar sein Mandat behalten, trotzdem er im Begriff steht, nach Frankreich überzufiedeln, um dann nur noch formell einen Wohnsitz in Metz zu behalten. Man weiß nicht, ob ein derartiges Gebähten des genannten „deutschen Volksvertreters" nicht mehr wie abgeschmackt zu nennen ist, jedenfalls wäre es aber angezeigt, daß im Reichstage sofort zu Beginn der nächsten Session geeignete Schritte geschehen, die es dem Reichstagsabgeordneten für Metz unmöglich machen würden, sich auch noch fernerhin in der Würde eines deutschen Volksvertreters zu zeigen.
— Das socialdemokratische Centtalotgan, der „Vorwärts" in Berlin, hat schon wieder einmal ein vertrau* ltches behördliches Acten stück „zugeweht" erhalten und dasselbe natürlich schleunigst veröffentlicht. ES ist ein Rundschreiben des sächsischen BezirkscommandeurS und Obersten z. D. Graf Holtzendorff, und bezieht sich auf die Ueberteichung eines Armeegeschenkes an den Prinzen Georg von Sachsen, commandirenden Generals des 12. Armeecorps, zu seinem 50jährigen Militär-Dienstjubiläum (4. März 1896.)
— Freiherr v. Huene, der bekannte CentrumS- Politiker, gedenkt wieder für den Reichstag zu candidiren, aus welchem er seinerzeit wegen seiner regierungsfreundlichen und mit der ausgegebenen Parteiparole in Widerspruch stehenden Haltung in der Militärfrage auSgeschieden war. Herr v. Huene hat die Centrumscandidatur für die Nachwahl im Wahlkreise Pleß-Rybnik, den zuletzt der verstorbene Abgeordnete Conrad vertrat, angenommen. Der genannte Wahlkreis ist eine der festesten Centrumsdomainen, die Wahl Herrn v. HueneS kann daher schon jetzt als sicher gelten.
Cassel, 10. August. In der heutigen letzten Sitzung der 26. Jahresversammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft erschien, von der Versammlung freudig begrüßt, Geheimrath Professor Virchow und sprach über die Verbreitung der Kelten. Als Tagungsort für die Versammlung des nächsten Jahres wurde Speyer bestimmt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Professor Virchow, zum zweiten Vorsitzenden Freiherr Andrian-Wien, zu deren Stellvertreter Professor Waldeyer gewählt. Nachmittags findet ein Ausflug nach Münden statt.
Aachen, 10. August. Wie verlautet, ist nunmehr auch gegen den Rector Overbeck aus Mariaberg ein Verfahren eingeleitet. Gegenwärtig schweben Untersuchungen, ob Mißhandlungen von Kranken unter Vorwissen Overbecks vorgekommen sind.
Kattowitz, 10. August. Mehrere Häuser in der Beuthenerstraße in Königshütte haben durch den Abbau der Gräfin-Laura-Grube bedeutende Risse und Sprünge erhalten. Die Bergwerksdirection hat sofort die Besichtigung der bedrohten Häuser vornehmen lassen.
KönigShütte i. Oberschl., 10. August. Auf der Max- grube bei Laurahütte find durch herabfallendes Gestein mehrere Bergleute verschüttet worden- zwei Mann davon find tobt, zwei find tödtlich verletztI
München, 10. August. Gegen den Premier-Lieutenant a. D. Krafft, den Verfasser der Aufsehen erregenden Broschüre: „Glänzendes Elend", ist nunmehr ein Ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet worden.
Anslarrd.
Paris, 10. August. Präsident Faure wird sich am nächsten Montag in Havre auf einem Aviso der Marine- Verwaltung etnschiffen, um sich nach Dieppe zu begeben, woselbst er einem großen Festessen beiwohnen und eine politische Rede halten wird.
Paris, 10. August. „Memorial diplomatique" meldet aus Rom, Italien mache gegenwärtig große Kriegsrüstungen. Der italienische KtiegSminister habe befohlen, alle Munitionsniederlagen zu inspiciren und zu vervollständigen. Derselbe forderte eingehenden Bericht darüber. Desgleichen forderte der Marineminister Bericht über den Zustand der Kriegsschiffe und deren Verproviantirungsmagazine. In militärischen Kreisen glaube man, daß diese Vorbereitungen eine Colonial- Expedition znm Ziele haben.
Sofia, 10. August. Gerüchtweise verlautet, daß Fürst Ferdinand sich am 14. August zum souveränen König von Bulgarien Proclamtren lassen werde. Alle erforderlichen Vorbereitungen dazu seien getroffen.
Sofia, 10. August. Das Journal „Mir" bespricht die für Montag Vormittag erwartete Ankunft des Prinzen Ferdinand in Sofia und bemerkt dazu, daß die Stadtverwaltung Vorbereitungen zu einem glänzenden Empfange treffe. Das Blatt billigt diese Absicht und fährt fort: „Wir müssen mit allen Kräften unsere Liebe und Anhänglichkeit an den Prinzen bezeugen und seinen äußeren und inneren Feinden beweisen, daß ihre Angriffe keine andere Folge gehabt haben, als unsere Liebe und Ergebenheit zu dem Prinzen und seiner Dynastie zu erhöhen."
Sofia, 10. August. Der wegen des Verdachts der Theilnahme an der Ermordung Stambulows verhaftet gewesene Tüfekt schiess ist gestern aus der Haft entlassen worden.
New-Iork, 10. August. Auf Cuba hat am DienStag ein erbitterter Kampf stattgefunden. Die Rebellen schlugen die spanischen Truppen vollständig und nahmen Rio Bomba ein.
XUuette Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Remiremont, 11. August. Hier wurde heute ein Denk- mal zur Erinnerung an die irn Kriege von 1870 gefallenen Soldaten in Gegenwart des UnterrichtSministers Poincare enthüllt. Meline hielt die EinweihungSrede. Darauf nahm Poincare das Wort und führte aus, daß Feierlichkeiten wie die heutige bewiesen, mit welcher unveränderlichen Pietät


