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türkischen Commifsär auf besten Vorstellungen, baß gar kein Grund vorhanden sei, größere türkische Truppenabtheilungen an die Grenze zu senden.

Dran (Algier), 11. Juli. In Ain TedeleS wurde eine bedeurendePetroleumquelle entdeckt. Die Ingenieure behaupten, es sei die größte der Welt. In fünf Stunden wurden 5000 Liter gewonnen.

Der Krieg von 1870|71,

geschildert durch Ausschnitte aus Zeitung«-Nummern jener Zeit.

(Nachdruck verboten.)

18. Juli.

AuS EmS wird gemeldet:Nachdem die Nachricht von der Entsagung des Prinzen von Hohenzollern auf die Thron- candidatur der französischen Regierung von Seiten der spanischen Regierung amtlich mitgetheilt worden, hat der französische Botschafter, Graf Benedetti, in Ems an Seine Majestät den König von Preußen die For­derung gestellt, ihn zu autorifiren, nach Paris telegraphiren zu dürfen, daß der König sich verpflichte, niemals seine Zu­stimmung zu geben, wenn Hohenzollern auf die spanische Throncandidatur wieder zurückkommen sollte. Der König hat es darauf abgelehnt, den französischen Botschafter nochmals zu empfangen und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lasten, daß Seine Majestät dem Botschafter nichts weiter mitzutheilen habe."

Die ganze politische Welt ist in höchster Spannung, aber entscheidende Thatsachen fehlen heute noch. König Wilhelm steht in Bad EmS gleichsam auf der Bresche. Zu ihm eilen die Botschafter und Diplomaten, um die Entscheidung ein­zuholen.

Wo ist das Weib, daS dahinter steckt? fragte ein geist­voller Franzose bet jedem öffentlichen oder geheimen Scandal. Hinter dem französischen Scandal soll Kaiserin Eugenie stecken. Sie soll mit Prim den Prinzen Friedrich, den jüngsten und unverheiratheten Sohn des Fürsten von Hohen­zollern, zum spanischen Throncandidaten auSgewählt haben und zwar deßhalb, weil er ein Napoleonscher Vetter ist und weil er eine ihrer spanischen Nichten heirathen sollte. Als die Heiratb Anstoß fand und der ältere verheirathete Prinz Leopold plötzlich aufs Tapet kam, da gerteth sie in den hef­tigsten Zorn. Sie soll den Scandal vieler Pariser Blätter \ in Scene gesetzt haben und förmlich wüthen. Eines geht wenigstens aus diesen Plaudereien hervor und zwar etwas Wichtiges, daß Napoleon von der Prtm-Hohenzolleruschen Candidatur nicht überrascht worden ist, sondern daß er tief eingewetht war und sein Zorn ein gemachter ist.

Zur landwirthschaftlichen Ausstellung in Gietzen.

Die Anmeldungen zur landwirthschaftlichen Ausstellung in Gießen laufen allmählich ein, und wenn auch jetzt vor Schluß des AnmeldeterminS über den Umfang der Beschickung nichts Bestimmtes gesagt werden kann, so steht doch schon so viel fest, daß besonders auS allen Thetlen der Provinz Oberheffen eine rege Betheiltgung in allen Gruppen statt­finden wird. Sehr erfreulich ist eS ferner, daß auch die beiden anderen Provinzen des Großherzogthums sich für die Ausstellung interessiren und sie reichhaltig beschicken werden.

Neben den zahlreichen Geldpreisen stehen nunmehr auch folgende Ehren- und Siegerpreise zur Verfügung:

Vom LandeS-AuSschuffe der landwirthschaftlichen Vereine deS Großherzogthums Hessen:

300 Mk. für eine große Sammlung Vogelsberger Vieh,

200 kleine

300 große Simmenthaler

ferner von Sr. Erlaucht dem Grafen SolmS-Laubach ein

Ehrenpreis von 200 Mk. für die beste Sammlung von 5 Kühen rein Vogelsberger Rasse,

von Herrn Grafen Oriola ein Siegerpreis von 100 Mk. für die beste Leistung in der Ziegenzucht und je zwei Preise L 50 Mk. für hervorragende Leistung in der Obstzucht.

Bon verschiedenen Corporationen, Communalverbänden rc. stehen weitere Stiftungen von Ehrenpreisen in Aussicht.

Bei dieser Gelegenheit machen wir darauf aufmerksam, daß Anmeldungen so schleunig wie möglich an die Geschäfts­stelle der landwirthschaftlichen Ausstellung in Gießen zu richten sind, damit man mit der Anmeldung nicht als verspätet ab­gewiesen werde. Anmeldebogen werden vou dort aus kostenlos verabfolgt.

ES wird noch angefügt, daß vom 10. d. M. an Herr Generalsecretär Dr. Rodewald aus Offenbach a. M. mit der Geschäftsführung für die landwirthschaftliche Ausstellung in Gießen beauftragt worden ist.

Der Lieutenant trank ruhig seinen Kaffee, zündete sich eine Cigarrette an und begann die Briefe zu öffnen. AuS dem ersten Couvert fiel ihm die Photographie einer Dame entgegen. Befremdet laS er das Begleitschreiben, dann besah er die Adreffe Chiff. N. N. 100. Das stimmte - aber der Inhalt?

Eine Frau und ein Hund, daS ist immerhin ein Unter­schied. Nun, ich will mirS überlegen."

Belustigt griff er nach einem anderen Couvert. ES enthielt einen gedruckten Prospect einer renommirten Hunde­züchterei. Er legte ihn zur Seite. AuS dem dritten zog er mit einem ironischen Lächeln wieder ein Bild. Aber im gleichen Augenblick verschwand das Lächeln und in dem hübschen, offenen Gesicht deS Offiziers spiegelte sich unverhohlenes Er­staunen. Hastig sprang er auf und hielt das Bild gegen daS Licht.

Nein, er täuschte sich nicht. Er hielt daS Bild seiner angebeteten Paula in der Hand. #

(Schluß folgt.)

foeaic« «n-

Gießen, den 12. Juli 1895.

** Gebrauchsmuster-Eintragung. Eingelegte Stahl- oder Eisenschienen zur Entlastung des GußkörperS und des Schlittens an Stauchmaschinen: L. Heyligenftaedt, Gießen.

** Verbrauch auf dem Festplatz. Während des Turn­festes find im Ganzen mit dem Verzapf in der Kantine während der Bauzeit in fünf Wirthschaften 480 Hectoliter Bier umgesetzt worden. Außer den 9000 Flaschen Wein find in der Schoppenhalle zwischen 14 und 15 Hectoliter Wein getrunken worden. Nahe an 3000 Flaschen natürliches und ebensoviel künstliches SelterSwasser wurde verbraucht. In der Münchener Würftelhalle wurden 4000 Stück Würstel und ca. 150 Pfund Kraut verspeist.

** Brieftauben beim Turnfest. Die Offenbacher Turner haben ihre Ankunft in Gießen am Sonntag mit­telst Brieftauben nach Offenbach gemeldet. Die von hier abgelaffene Taube traf um 1(45 Uhr Nachmittags in Offen­bach ein mit einem Zettelchen:Glücklich angekommen."

** In Amerika verstorbene Hessen. New-York City. Adam Buser, aus Froschhausen. William Rieß, aus Zwingenberg a. d. B. Elisabetha RiSkus geb. Flick, 79 Jahre alt, aus WormS a. Rh. Buffalo, N. - Y. John William Schlehr, 58 Jahre alt, auS Heffen-Darmftadt. Grover, St. Louis County, Mo. Mary Ziegenhein, 78 Jahre alt, aus Dirlammen bei Lauterbach. Summer­st eld, Jll. Elisabetha Schöne, geb. Ritter, 62 Jahre alt, auS Rodheim, Kreis Friedberg.

** Die Postkarten haben gegen früher eine technische Veränderung erfahren, welche dem Publikum wohl noch kaum ausgefallen ist. Während früher die Postkarten in der rechten unteren Ecke der Adreßseite eine drei- oder vierstellige Zahl trugen, welche Monat und Jahr des Druckes bezeichneten, (z. B. 5. 93 d. h. Mai 1893), sind jetzt diese Angaben weggeblieben. Dafür trägt die Karte aber in Wasserdruck diese Zahlen, welche sichtbar werden, wenn man sie gegen das Licht hält. Auf die käuflichen Postkartenformulare ohne Marke bezieht sich diese Neuerung nicht, vielmehr tragen solche nach wie vor den Vermerk C 154.

** Bedingte Verurteilungen sind in Deutschland der­malen gesetzlich nicht zulässig. Man versteht darunter solche Verurtheilungen, welche die urtheilsmäßtge Festsetzung ent­halten, daß die Strafe nicht vollzogen werden soll, falls sich der Verurtheilte innerhalb eines bestimmten Zeitraumes keines weiteren Verbrechens oder Vergehens schuldig macht. Um jedoch in dieser Richtung Erfahrungen zu sammeln, hat, wie derW. Z." geschrieben wird, daS hessische Ministerium schon seit einer Reihe von Jahren nach theilweiser Verbüßung der erkannten Freiheitsstrafe häufig eine bedingte Begnadigung von Verurteilten eintreten lassen, indem es die Gewährung von Straferlassen im Gnadenwege an die Bedingung ge­knüpft hat, daß sich der Verurtheilte während einer mehr­jährigen Zeitdauer keines im Strafgesetzbuch vorgesehenen Verbrechens oder Vergehens schuldig mache. Da die seit­herigen Erfahrungen nicht ungünstig ausgefallen sind, ist man neuerdigS einen Schritt weiter gegangen und hat die Anordnung getroffen, daß die bedingte Aussetzung der Strafvollstreckung auf dem Gnadenwege in den geeigneten Fällen auch dann stattfinden solle, wenn mit dem Straf­vollzug noch nicht begonnen worden ist. Als geeignete Fälle werden insbesondere solche bezeichnet, bet welchen es sich um jugendliche Personen zwischen zwölf und achtzehn Jahren handelt oder in welchen die mit dem Strafvollzüge ver­knüpften Nachtheile schwerer wiegen, als die Bedeutung der Strafthat selbst.

** Gesundheitspflege während der Eifenbahnfahrt ist ein Capitel, über welches sich heute wohl spreche«" läßt. Wer mit Engländern oder Engländerinnen je im Coupv geseffen, wird deren Gewohnheit kennen, sofort alle Fenster zu öffnen, sodaß die Insassen im besten Zuge sitzen. Wer das nicht dulden will, muß schon sehr derb werden, wenigstens häufig, sonst setzte er seinen Wunsch nicht durch. Solche rücksichts­losen Passagiere gibt eS aber auch bei uns, und es muß der Schaffner mitunter ein recht kräftig Wort sprechen, um Wandlung zu schaffen. Es ist ja recht gut, wenn Jeder scharfen Zug vertragen könnte, ohne Beschwerden zu fühlen, aber so weit sind wir nun einmal nicht. Essen und Trinken während der Bahnfahrt führen ebenfalls nicht selten Be­schwerden herbei. Damit ist nicht gesagt, daß man überhaupt nicht effen und trinken soll, aber man soll Vorsicht walten lasten. DaS Bier ist oft eiskalt, oft, wenn es lange unter der Sonne umhergetragen wird, zu warm. In beiden Fällen halte man sich lieber an Obst, gute, reife Früchte natürlich. Reisen ist nun einmal nicht ganz ohne Beschwerden und man soll diese nicht noch dadurch vermehren, daß man planlos und wahllos hinunterstürzt und hinuntertrinkt, was gerade sich darbietet. ES gilt daS vornehmlich für Kinder, man weiß ja, wieviel Kinder nach Bahnfahrten sich unpäßlich fühlen. Der Durst während der Bahnfahrt ist ein schlimmes Ding, aber doch oft genug eingebildet. Lieber etwas warten, als darauf zu bestehen: ES muß getrunken werden! Mäßigkeit ist für eine Eisenbahnfahrt das allerbeste Recept, mit welchem man am Weitesten kommt, besten Nutzen man am Abschluß der Fahrt verspürt. Nicht Jeder kann einen Harmonikazug mit nummeririrten Plätzen benutzen, der Durchschnittsmensch stellt weniger hohe Ansprüche. Darum soll aber auch im Etsenbahncoupü die Rücksicht zu Hause sein, an der es bet unS noch immer mehr, als gerade wünschenSwerth ist, fehlt. Kein Paffagier hat ein größeres Recht als der Andere, Geduld und Entgegenkommen beseitigen am besten die ob­waltenden Schwierigkeiten.

* Hinein ins Wasser! Daß die Volksgesundheit einer der wichtigsten Factoren des StaatSlebenS ist, daß auf ihr im Grunde doch immer schließlich daS Gedeihen einer Nation beruht, sollte in unserer Zeit mehr erkannt werden, als eS gemeinhin geschieht, und man sollte auS solcher Er- kenntniß auch wett mehr als bisher die praktischen Folge­

rungen ziehen! Die moderne Welt thut ja anerkennens, werth viel, um das Elend, das aus körperlichen und geistigen Krankheiten entsteht, zu lindern, sie thut aber viel zu wenig, um solche zu verhüten und die Bolksgesundheit zu heben. Eines der vielen Dinge, welche hierzu beitragen können und sollen, ist Baden, womöglich tägliches, und gerade damit sieht es in unserem deutschen Baterlande noch ziemlich traurig auS. Wie viele gibt eS unter unserer Arbeiter- und Landbevölkerung, welche, nachdem sie der Kinderbadewanne entwachsen find, niemals wieder zu einem Vollbade kommen, und wie viele glauben der Pflicht gegen ihre Gesundheit nachgekommen zu sein, wenn sie ein- oder zweimal im Jahre ihren Körper vollständig inS Master tauchen! Und doch wäre eS für die Volksgesundheit von außerordentlich gün­stigem Einfluß, wenn die Gewohnheit des täglichen Badens zur Volkssitte bei uns werden könnte. Solche allgemeine Sitte möchte wohl dazu beitragen, unser Volk gesunden zu lasten, nicht nur in körperlicher, sondern auch in geistiger und sittlicher Hinsicht. Daß es für die körperliche Gesundheit von der größten Bedeutung ist, wenn die Haut jeden Tag durch ein Vollbad gereinigt und er­frischt wird, dürfte allgemein anerkannt werden. Daß aber auch der Geist aus der Schlaffheit und Energielosigkeit, in welche unsere Zeit nach hastiger Anspannung und Erregung so vielfach versinkt, am besten durch die Gewohnheit eine­kalten Bades geweckt wird zu frischem, regem Leben, wird viel zu wenig von unfern Volksfreunden hervorgehoben. Und doch ist es so! Versucht es nur eine Zeit lang, ihr, die ihr eure Erholung von der Arbeit des Tages nur im Wirthshause sucht, wo ein paar Dämmerungsstunden mit Scatspielen oder oberflächlicher Unterhaltung zugebracht werden, und ihr, die ihr nur in einem kurzen Spaziergange die abgespannten Nerven zu kräftigen denkt! Hinein in Strom und See, jeden Tag, so bald es die Witterung er­laubt, und ihr werdet bald neue Frische und Stärke fühlen! Der heiße Sommer treibt ja den Menschen selbst dazu an, Erfrischung in der kühlenden Fluth zu suchen. Deutsche Männer und Frauen! Und ihr, deutsche Eltern und Er­zieher, seht zu, daß die euch anvertrauten Kinder jeden Tag, mindestens im Sommer, ihr B »d l) iben! Mögen unsere Leser diesem Triebe folgen!

+ Lang-Gons, 11. Juli. Nächsten Sonntag findet da­hier Kirchweihfest statt. Die letzte Kirchweihe war vor sechs Jahren.

K. Stockheim, 11. Juli. Die Generalversamm­lung der Actien-ZuckerfabrikBüdingen in Stock­heim findet Donnerstag den 25. d. Mts. Nachmittags 2% Uhr im Local des Herrn Gastwtrth Hartmann in Stockheim statt. Aus dem Verwaltungsbericht ist zu ersehen, daß im abge­laufenen Geschäftsjahr 847 630 (Str. Rüben mit einem Kauf­preise von 540 937,99 Mk. zur Verarbeitung kamen. Diese 9itiben wurden von 4552 Morgen geliefert, demnach betrug der Durchschnittsertrag pro Morgen 186 Str. gegen 145 Ctr. imVorjahr. Der Zuckergehalt betrug durchschnittlich 12,20pCt. gegen 12,17 pCt. in 1893/94; die Ausbeute war um 0,07 pCt. höher. Das abgelaufene Geschäftsjahr muß al« ein sehr ungünstiges bezeichnet werden, woran in erster Linie der durch Ueberproduction hervorgerufene niedrige Zucker- preis und der für Kaufrüben gezahlte höhere Preis (92 Pfg. per Ctr. im Durchschnitt) die Schuld tragen. Für die kommende Campagne bekommen Kaufrüben-Lieferanten 5 Pfg. per Ctr. Rüben weniger wie die Actionäre. Der Centner Zucker ist im Durchschnitt mit 9 Mk. 50 Pfg. verwerthel, gegen 14 Mk. 85 Pfg. in 1892/93 und 12 Mk. 95 Pfg. In 1893/94. Fertiggestellt sind 90 098 Ctr. und würde unter Zugrundelegung des vorjährigen Zuckerpreises, eine Mehreinnahme von 310 387 Mk. 88 Pfg. erzielt fein.

Alsfeld, 10. Juli. Die diesjährige Generalver- s ammlung der Mitglieder des Landesgewerbv Vereins wird voraussichtlich zu Anfang des Monats Sep­tember hier abgehalten werden. Diejenigen Herren, welche beabsichtigen, bei dieser Versammlung Anträge zu stellen oder Vorträge zu halten, werden von Großh. Centralstelle für die Gewerbe ersucht, dieser Behörde hiervon bis spätestens den 1. August (. I. Kenntniß geben zu wollen. Die gelegent­lich der Generalversammlung von dem OrtSgewerbeverein Alsfeld beabsichtigte Ausstellung Oberhesfifcher Industrie- und Gewerbeerzeugnifse, wozu bereits zahlreiche Anmeldungen eingelaufen find, wird in den hierzu überlassenen Räumen der Realschule nebst anschließendem Terrain und die Ausstellun- von Zeichnungen und Schüler arbeiten der erweiterte« und anderen Handwerkerschulen der Provinz Oberheffen, sowie der AlicevereinSschnle in Gießen ebenfalls in de» Räumen der Realschule abgehalten werden.

Eberstadt bet Darmstadt, 8. Juli. Heute Morgen in der Frühe ist hier ein Mann durch Selbstmord aus dem Leben geschieden, an dem eS offenbar ward, wie weit der übermäßige SchnapSgenuß einen Menschen bringen kann. Schon jahrelang war der sogenannte SchäferhanneS al- notorischer Säufer bekannt und mit dem Delirium tremens behaftet; die Frau hat infolge der Mißhandlungen die Nächte " meistens außerhalb verbracht. Heute in der Frühe suchte er sich nun auch an seinen schlafenden Kindern zu vergreifen. Auf die Hilferufe kam die Mutter zur Abwehr herbeigeeill, wurde aber von ihrem Manne mit einer rostigen Feile in so barbarischer Weise zugerichtet, daß ihre Verbringung li ein Darmstädter Spital nöthig wurde. Der Anblick der z» seinen Füßen liegenden, für tobt gehaltenen Frau brachte ihn, wie e- scheint, zur Ernüchterung. In seiner Angst ergriff er ein geladenes Terzerol, ein Schuß in den Mund machte seinem Leben ein Ende. Die schwer mißhandelte Frau hat trotz der denkbar traurigsten Familienverhältniffe ihre große Kinderschaar in ehrbarer Weise ernährt und wohl erzogen.

Mainz, 11. Juli. Die Stadtverordneten-Bersamm- lung hat gestern der Errichtung eines städtischen Arbeits­amtes zugestimmt. Daffelbe soll bereits am 1. October

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