Ausgabe 
11.12.1895 Erstes Blatt
 
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böi-se, namentlich Verstaatlichung deS Getreidrhandels, eine internationale Regelung der Geldwährung, unterstütze daS dem Reichstage vorliegende Margarinegefrtz, wünsche eine bessere Regelung der Steuerverhältniffe, damit die Land- wirthschaft mehr entlastet werde, sodann auch bessere Credtt« Verhältnisse und erstrebe überhaupt eine Hebung unserer Landwirthschaft, wie deS ganzen Mittelstandes. Nach diesen mit Beifall aufgenommenen Ausführungen sprach Herr Hirschel (Deutsche Resormpartei). Redner erachtete es nicht sür nothwendig, daß von Setten deS Bundes der Land» wirthe im hiesigen Wahlkreise agitatorisch vorgegangen werde, denn schon längst habe er, sowie seine Parteigenosien die- selben Ziele erstrebt. Der hiesige Wahlkreis sei schon früher in diesem Sinne vertreten worden, während man gerade unter den Mitgliedern deS Bundes der Landwirthe Leute fände, welche seiner Zett für den russischen Handelsvertrag und andere der Landwtrthschast schädlichen Gesetze gestimmt haben. Wenn dieselben jetzt als reuige Sünder dem Bunde der Landwirthe bettreten, so könne er denselben doch immer« hin nicht trauen, wie er ebenso Überzeugt sei, daß wohl der Bund andere Parteien, namentlich Conservative und National« liberale inS Schlepptau nähme, wie die Erfahrung schon be­wiesen habe. Den längeren Ausführungen dieses Redners folgte eine lebhafte Debatte hauptsächlich über die Ziele des Mitteldeutschen Bauernbundes einerseits und deS Bundes der Landwirthe andererseits, woran sich die Herren Lucke- Patershausen, Staudtnger, Neureuther, v. Oven- Hungen, sowie Hirschel und Köhler-Bettenhausen be- theiligten und wurde man schließlich übereinstimmend der Meinung, die von dem Bunde der Landwirthe gesteckten .Ziele zu erstreben, zum Wohle des gesammten Vaterlandes. Gegen 6 Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung.

n. Reichelsheim, 8. December. Heute hielt vor einer vom landwirthschaftlichen Bezirksverein Friedberg einberufenen Versammlung Herr LaudwirthschastSlehrer Dr. von Peter einen Vortrag über die Einrichtung einer OrtSvieh- zuchtgenosseuschaft, wie eine solche sür den Bezirk Groß-Karben Burggräfenrode bereits in Aussicht genommen ist. Redner betonte eingangs, wie gerade in unserer Gegend die Viehzucht noch lohnender gemacht werden könnte, wenn dieselbe energischer betrieben und für sie mehr Mittel zur Verfügung gestellt würden. Durch die Zuchtviehgenoffen« schäften soll daS Geld, daS jetzt dem Ausland zufließt, dem Inland erhalten bleiben. ES soll durch sie ein Viehschlag gezüchtet und erhalten werden, der für unsere Verhäitnisie paßt. Eingehend wies'Redner nach, daß das auS der Schweiz seither sür hohe Preise importtrte Thier gar oft nicht den Erwartungen entspricht, weil eS in einem ganz anderen Klima,

in freier Lust, bei viel Bewegung und einem vorzüglichen Futter, wie wir es nicht reichen können, ausgewachsen ist. Er zeigte auf andere Staaten hin, die in dieser Beziehung bereits Große- zum materiellen Nutzen der Landwtrlhschaft geleistet haben. Der Einführung einer neuen Vtehrasie redete er nicht daS Wort, sondern betonte nur die Nothwendigkeit, größere Sorgfalt bet der Zuchtwahl zu treffen und den Thieren von frühester Jugend an viel Bewegung in frischer Luft zu verschaffen. Dazu sei nothwendig, über die von geeigneten Thieren aistammenden Zuchtfamilien ein genaues Stammregister zu führen. Die politische Gemeinde, die ja gesetzmäßig die Zuchtlichtung zu bestimmen hat, soll die Sache in die Hand nehmen und der Gemeinderath eine OrtSviehzucht- Commission wählen, die darüber zu bestimmen hat, welche Thtere auf Antrag in daS Zuchtregister ausgenommen werden sollen. In den vorg.legten Satzungen sind der Commission genaue Vorschriften über Aufnahme und Ausschließung gemacht. Auch der JahreSmilchertrag und die erhaltenen Prämien sind bei jedem Thier im Register einzutragen. Der hiesige Ge- meiuderath hat nun darüber Beschluß zu fassen, ob die Ge­nossenschaft inS Leben treten wird oder nicht. Es wurde vom Herrn Boriragendeu dann noch mitgetheilt, daß die Vtehprämien in Zukunft erhöht werden sollen, dafür aber auch nur eine Biehschau jährlich, abwechselungsweise in den drei Bezirken Groß-Karben, Friedberg und Butzbach statt« finden soll. Die ersten Preise sollen auf 100 Mk., die zweiten auf 50, die dritten auf 20 oder 25 Mk. festgesetzt werden, wovon im gegebenen Fall die Hälfte gleich, die andere Hälfte nach einem Jahr, wenn der Besitzer daS be« treffende Thier auch zur Zucht verwendet, ausbezahlt wird.

Büdingen, 9. December. Wie demBüdtnger Allgem. Anzeiger" ein Abonnent schreibt, war Mitte der 40er Jahre die Einwohnerzahl der Stadt Büdingen 3007, dies ist die größte Einwohnerzahl, der sich Einsender, der Büdingen seit circa 58 Jahren bewohnt, erinnert. Also jetzt auch 3007.

* Ergebnis der Volkszählung am 2. December. Leipzig 398,448 (4- 41,326), Halle 116,207 (-j- 14,806), AnSbach 15,792 (+ 1525), Höchst 10,756 (-j- 2380), Mannheim 90,597 (4- 11,539), Karlsruhe 83,899 (+ 10,000).

* Swtnemüude. 8. December. In der Cajüte des hier eingetroffenen DampfersStralsund" ist der Koch durch Kohlendunst erstickt, zwei Matrosen sind schwer krank.

Bochum, 9. December. Im benachbarten Eickel erschoß der GenSdarm Buschmann seine Geliebte und dann sich selbst.

* Budapest, 8. December. In der Werkstatt deS Tischler­meisters Kiry brach NachtS Feuer auö. Zwei Gehilfen konnten sich rechtzeitig retten, während Kiry, dessen Fran und ein Gehilfe in den Flammen umgekommen sind.

* Loudoo, 9. December. Nach einer Meldung des Lloyd auS Leith brach auf DampferPrinctpta", von Shields nach Newyork unterwegs, 140 Meilen nördlich vom Cop Wrath Feuer au«. Der Dampfer steuerte daraus auf Faroe, stieß auf einen Felsen und sank tn vierzehn Fadeo Tiefe. 27 Manu der Besatzung sind umgekommen, einer, Henry Anders auS Rostock, wurde gerettet.

* Baku, 9. December. DaS Kriegsgericht verurtheilte fünf Räuber zur Hinricktu na durch den Strang.

Derfc^r, CanÖ» rrnd Nolk»«>irtl>ichaf«

«Uten, 10. December. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. JL 0.85-1,00, Hühnereier pr. St. 0 2 St. 14-15 4, Enteneier pr. St. 00 H, Gänse-

der pr. St. 00-00 Käse pr. (5t. 4-8 Ä. Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 28 4, Tauben pr. Paar X 0,70 bis 0,80, Hühner pr. Stück 1,00 bis 1,20, Hahnen pr. Stück X 0,75-1,00, Enten pr. Stück X 1,60-2,00, Gänse pr. Pfund X 0,44-0,54, Ochsenfletsch pr. Pfd. 72-76 4- Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 66-68 Schweinefleisch pr. Pfd. 56 bttz 68 Schweine-, fletsch, gesalzen, pr. Psd. 72 A, Kalbfleisch pr. Psd. 60-64 4 Hammelfleisch pr. Psd. 60-70 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,50 bis 0,00 X, Weißkraut pr. Glück 8-16 Zwiebeln pr. Centn« X 3,00-4 00, Milck pr, Liter 16-20 H____________________

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