Ausgabe 
10.12.1895 Erstes Blatt
 
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WB. Berlin, 9. December. In maßgebenden Kreisen gilt die Ernennung des Regierungspräsidenten Freiherrn von der Recke von der Horst in Düffeldorf zum Minister des Innern als unmittelbar bevorstehend.

WB. Berlin, 9. December. Der Kaiser genehmigte das Abschiedsgesuch deSMinisterS v.Käller unter Belastung des Titels und Ranges eines StaatSministerS und verlieh Köller den rothen Adlerorden erster klaste. Gleich, zeitig wurde der Regierungspräsident von der Recke zum StaatSmiuister und Minister des Innern ernannt.

Der Krieg von 187O|71, «rschtldert durch Ausschnitte «uS ZettungS- Nummern jener Zett (Nachdruck verboten.) 10. December.

Manteuffel marschirt bereit- in Eilmärschen nach der Seestadt Havre. Die Verbindung zwischen dieser äußerst wichtigen Hafenstadt von 75000 Einwohnern und dem übrigen Frankreich ist bereit- abgeschnitten. Im Besitz von Havre können die Deutschen allen möglichen Proviant von England beziehen. Bertheidigt wird Havre durch die Nordarmee werden, die auf so schimpfliche Weise vorigen Sonntag bet Rouen floh und sich nach Havre warf. Panik ist ein zu milder Ausdruck, um den Zustand dieser Truppen zu be- schreiben, und dabei ist e- doch Thatsache, daß von zehn der Leute neun nicht einmal die Preußen zu Gesicht bekommen haben. Sie warteten nicht einmal, bis diese ihnen nahe kamen. Jemand verbreitete das Gerücht, sie seien umzingelt, worauf die ganze Armee von 30 000 Mann wie eine Schaar I Kaninchen Reißaus nahm. Die Flucht, denn Rückzug kann es nicht genannt werden, von Rouen nach Havre muß wahrhaft entsetzlich gewesen sein. Die armen Teufel mußten zu Fuß laufend den Weg von dort bis Honfleur machen, eine Ent- fernung von beinahe 14 deutschen Meilen, ohne irgendwelche Nahrung und bet schneidendem Frost und Schnee. Diele wüsten unterwegs umgekommen sein. Die, welche ankawen, I toonn mehr todt als lebend, konnten kaum stehen, ihre Füße waren bei einzelnen eine Masse von offenen, eiternden Wunden. Auf dem ganzen Wege wurden die verschiedensten Gerüchte vom Nahen der ewigen drei Ulanen laut und erhöhten ihre Qualen. Von Honfleur wurden sie in Kähnen und Dampfern nach Havre herübergebracht, eine vollkommen demoraltfirte Bande von Truppen, die vor Schrecken allein vernichtet war. Man sagt, daß, wenn die Preußen ihnen nachgesetzt hätten, sie die ganzen 40000 Mann hätten gefangen nehmen können. Hier schwören alle Obrigkeiten bet Allem, was heilig ist, daß sie die Stadt bi- auf den letzten Mann vertheidigen wollen, aber trotz ihrer 60 000 Mann und all ihrem Prahlen glaubt man, daß, wenn die Deutschen kommen, der Zusammen­sturz alles Widerstandes noch schlimmer sein wird al- in Rouen. Alle die Bauern aus der Umgegend kommen in Schaaren in die Stadt, die Boulevards sind der Aufenthalt von Kühen, Schafen und Schweinen, sowie auch Wagen voll Möbel mit ihren unglücklichen Eigenthümern obenauf. Die Angst und Verzweiflung ist deutlich auf ihren Gesichtern zu lesen.

Gieße», ben 9. December 1^85

** Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädtgst geruht, am 27. November dem Baurath Ludwig Hoffmann zu Leipzig das Ritter- kreuz erster Klaffe des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen zu verleihen.

** verbot des Besuchs von Tanzmufiken und Wirthl- Häusern feilens jugendlicher Personen. Das Großh. Ministe- rtum des Innern und der Justiz hat nachstehenden Ent. wurf eines Gesetzes nebst Motiven den Ständen des GroßherzogthumS, und zwar zunächst der Zweiten Kammer, zur verfaffungSmäßtgen Berathung und Beschlußfaffung über, sendet: Artikel 1. Personen unter 16 Jahren ist der Besuch öffentlicher Tanzbeluftigungen gänzlich untersagt. (Der Besuch ist auch nicht unter Aussicht der Eltern gestattet.) Artikel 2. Personen unter 16 Jahren ist der Besuch von WirthShäusern nur dann gestattet, wenn sie sich unter der Aussicht ihrer Eltern oder unter der Aufsicht derjenigen befinden, welche die Stelle der Eltern vertreten, wie Pflegeeltern, Vormünder, Dienstherrn u. s. w. DtefeS Verbot findet dann keine An- Wendung, wenn der Besuch deS WirthShauseS auf Reifen oder größeren Ausflügen zur Befriedigung des Bedürfntffc» einer Erfrischung erfolgt. Artikel 3. Die Besitzer oder Verwalter von Gast, und Schankwirthschaften sowie öffentlichen Tanz, localen, welche gestatten, daß Personen unter 16 Jahren den Bestimmungen des Artikels 1 oder 2 zuwider sich in ihren W'rths- oder Tanzlocalen aufhalten, werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mk., welche im Falle der Uneinbringlichkeit in Haft zu verwandeln ist, bestraft. Die gleiche Strafe trifft Eltern, Pflegeeltern, Vormünder, Dienst, und Lehrherrn, welche ihren Kindern, Pflegekindern, Mündeln, Dienstboten oder Lehrlingen unter 16 Jahren den Bestimmungen der Altikel 1 oder 2 zuwider den Besuch einer öffentlichen Tanz, belusttgung oder eine- WirthShauseS gestatten. Artikel 4. Durch Local-Polizei Verordnung kann für Orte, bet welchen besondere Umstände dies angezrigt erscheinen laffen, da» verbot deö Besuchs öffentlicher Tanzbelusttgungen und de» BcsuchS von WirthShäusern ohne Aussicht der Eltern oder deren Stellvertreter auf Personen bi« zum vollendeten sieb- zehnten Lebensjahre ausgedehnt werden. Aus den dem (Sc- fetzentwurf beigegebenen Motiven fei folgende Stelle erwähnt: ES kann Vorkommen, daß auswärt- wohnende, noch keine 16 Jahre alte Schüler von Lehranstalten über Mittag an dem Ort der Schule bleiben müffen, und alsdann mit Zu. sttmmung de- Lehrers und bezw. Leiter- der Anstalt ihren Mittag-tifch in einer Spetfewirthfchaft nehmen, es bedarf Wohl keiner besonderen Hervorhebung im Gesetz, daß der- artige Fälle nicht unter daS Verbot fallen. Ein derartige» Mittageffen tu eine» Speiseohause ist nicht al- WirthShauS-

| besuch int Sinne des Artikel- 2 de- Entwurfs auszufaffen, wie denn auch in gewiffem Sinne die Schüler uad die Speiseanstalt der Aufsicht der Lehrer unterliegen.

Fackelzag. Nächsten Donner-tag, den 12. December, wird die gesammte Studentenschaft dem Herrn Profeffor Dr. Gasfkh, Rector deö Jahres 1894/95, einen Fackel- zug darbringen, der den folgenden Weg etnfchlagen wird Dom Wallthor durch die Walllhorstraße, Lindenplatz, Kirchen Platz, Markt, Schulstraße, Neue Bäue, LudwtgSplatz, Ludwig straße, Bleichstraße, Süd-Anlage, Frankfurterftroße zur Hof- mannstraße, dann zurück durch die Frankfurterstraße, Liebig- straße, Bahnhofstraße, West-Anlage, SelterSweg, Kreuzplatz, Markt, Marktstraße, Neustadt, Oswalds Garten. Die Auf­stellung in der Marburgerstraße beginnt präciS 7®/< Uhr. Abmarsch 8 h. c. t.

* * Kunstverein. Bet der am vorigen Samstag ftatt- gehabten Verloosung des Kunstvereins für daS Großherzogthum Hessen find die Gießener Mitglieder im Gegensatz zu den Vorjahren von Glück nicht sehr be- günstigt gewesen. Von den 42 Gewinnen sind nur 3 nach Gießen gefallen, davon 2 auf die 10 Anteilscheine der Stadt, nämlich ein Oelgemälde von Karl Stuhl müller, München: DorfwirthShauS" und eine Radierung nach F. A. Kaul- bach, München:Ein Maitag". Eine ebensolche nach I Gust. Schönleber, München:Kohlendampfer" ist Herrn LandgerichtSdirector Jöckel zugefallen. Ueber die Derwen- düng der in den letzten Jahren wiederholt unserer Stadt zugefallenen kleineren Gewinne deS Kunstvereins fehlt es, dem Vernehmen nach, noch an einer Bestimmung.

Neues Theater. Unsere Dresdener sowie die übrigen Gäste verabschiedeten sich gestern Abend mit dem Schwank Herr und Frau Doctor" von Heinemann. Das En» semble leistete auch hier wieder Vorzügliche- und erntete den reichen Beifall deS gutbesuchten HauseS. Unser kunstliebendes Publikum wird die guten Leistungen bet der geschickt ge­troffenen Auswahl der Stücke noch lange tu bestem Andenken bewahren.

**-g- Zither Eoucert. DaS gestern Abend inSteinS Saalbau" veranstaltete Concert des Lahnthal.Zither- bundeö fand vor einem zahlreich erschienenen Auditorium statt und nahm den schönsten Verlauf. DaS reichhaltige Programm wurde mit einemGlündungSmarsch" (Jos. Hauser) vom Gesammtchor eröffnet und wußte durch gute Einsätze und verständntßvolle Vortragsweise zu fesseln- ebenso der im zweiten Theil vorkommende GesammtchorKlänge aus dem Lahnthal" (Ad. Arnold), ein durch die Schönheit der Compofition erfreuendes Tonstück. Beide Chöre wurden von dem Bundesdirigenten Herrn Ad. Arnold geleitet und die treffliche Ausführung ließ erkennen, daß sowohl den Dirigenten wie die Ausübenden das Bestreben beseelte, Tüchtiges zu leisten. Die Einzelvorträge der Bundesvereine wurden durch denZitherverein Marburg" mit einemOber- bayerischen Ländler" (Böck) eingeleitet,Zitherverein Alpen- röSchen Gießen" botRöslein im Walde" (Nägli), der Gießener Zitherkranz" brachte ein Intermezzo aus der Oper Cavalleria rusticana, sowie das Kärntner LiedVerlassen bin i" und den SchlußmarschO du mein Oesterreich" (I. Haustein) zu Gehör. ErwähnenSwerth find ferner die Solis der Herren Arnold und Egly, letzterer bot auf der Streichzither eine wirkungsvolle Reverie von H. Gruber Rheintöchterklänge". ES gereicht uns zum Vergnügen, constaitren zu können, daß fämmtliche Zithervorträge von den Mtlwtrkenden, welche fämmtlich Dilettanten, in bester Weife ausgeführt wurden, und der große Applaus, der die einzelnen Piecen lohnte, bewies, wie dankbar sich daS Publt- kum für diesen leider so seltenen Kunstgenuß zeigte. Der für die in willkommener Abwechslung deS Programms vor­gesehenen Lieder mit Zitherbegleitung gewonnene Sänger, Herr David Em ge, bot anerkennenSwenhe Leistungen. Sein in den Mittel- und unteren Lagen gut ausgeglichener Tenor kam in Vortheilhaftester Weife in dem stimmungsvollen, sinnigen LiedAbendglöcklein" sowie dem träumerischenIn der Barke" zum Ausdruck. Die gutgeschulten Stimmmitrel konnten fich inTreue Botschaft" und einem als Zugabe gebrachtenStändchen" ganz entfalten und berechtigen den Künstler bei weiterer Vervollkommnung zu den besten Er- folgen. Möge die Erinnerung an den schönen Verlauf diese» ConcerteS dem neugegründeten Zitherbunde ein Sporn zu weiterem Vorwärtsstreben sein und damit dem Zitherspiel, welche- auch ganz dazu angethan ist, die Musik im stillen Familienkreis zu vertreten, neue Freunde und Gönner zuführen!

* Natioualliberaler Verein. Morgen, Dienstag, den 10. December, Abends 8i/i Uhr (RestaurationZum Andres") wird in der Monatsversammlung des nationalliberalen Vereins Herr Stadtverordneter I. Kirch einen Vortrag überDie Rechte und Pflichten des deutschen BürgerthumS" hallen, an den sich eine DiScusfion anschließen wird. DaS bet der augenblicklichen Unklarheit unserer tnnerpolitischen Lage und der vielfach zu Tage tretenden Unfchlüssigkeit weiter bürgerlicher Kreise höchst zeitgemäße Thema wird vielleicht manchen unserer Leser zum Besuche dieser Versammlung ver- anlaffen, in der, wie bet allen Veranstaltungen deS national- liberalen verein», Gäste willkommen find.

* * Bergmännischer Verein. Am 14. December findet Hierselbst imHotel Victoria" eine Versammlung deS Bergmännischen Vereins zu Gießen statt. Der verein, dem die Besitzer der bedeutendsten Hüttenwerke deS Lahnthcl» angehören, feiert im kommeuven Jahre da» 25jährige Jubiläum seines Bestehens und soll unter Anderem über die Begebung dieses Festes Beschluß gefaßt werden.

Die Allgemeine Cterbekaffe Gießen, welche jetzt in ihr 7. GeschäfiSjahr tritt, besteht zur Zett aus 666 Mitgliedern, au« allen Ständen und Berufsarten. Diese Mltgliederzahl dürfte gewiß den Beweis liefern, wie viele von der Roth- wendigke't und Nützlichkeit de» Vereins überzeugt sind, der einen Mitgliedern, insbesondere aber den wenig Bemittelten, die Wohlthat einer Versicherung zugänglich zu machen sucht. >

I Die allgemeine Sterbekaffe Gießen hat fich die Aufgabe ge. stellt, den Hinterbliebenen von verstorbenen Mitgliedern durch Erhebung eines BettagS von 25 Pfennig pro Sterbefall einen Geldbetrag zu sichern, welcher hinreicht, um die Be- gräbnißkosten u. s. w. decken zu können. Nicht Jeder ist in der Lage, die Prämien einer Lebensversicherung zahlen zu können, und insbesondere ist es immer nach dem Verlust, 1 den die Familie durch den Tod eines Angehörigen erlitte» hat, die Hauptfrage:öo kommen die Mittel für die Be- erdtgungSkosten her?" Da ist eS nun die allgemeine Sterbe- kaffe Gießen, welche hier helfend eingreift, indem sie sofort eine Unterstützung von 120 Mk. gewährt. Während seine» 6 jährigen Bestehens hat der Verein 46 Sterbefälle unter feinen Mitgliedern gehabt, und wurden hierfür an 15 Mit­glieder ä 75 Mk, an 15 ä 100 und an 16 ä 120 Mk., h Summa 4545 Mk. auSgezahlt. Außerdem besitzt der vereiN einen Reservefond von ca. 1900 Mk. und ist mithin in der Lage, auch in außergewöhnlichen Fällen seinen Verpflichtungen nachzukommen. Zur Auskunft in allen Fragen ist Herr Schneidermeister Pfaff, SclterSwrg 1, Herr Schuhmacher- meister Seidewaod, Teufel»lustgärtcheu 20, sowie Herr H- Bruchhäuser, Wolfstraße 8 I, gerne bereit.

Boa der Volkszählung Jntereffant ist bei der Volk»- zähluug, daß der Zähl bezirk 43 (Kreuzplatz und Kaplan», gaffe bi» Nc. 10) genau so viel männliche wie weibliche Personen, nämlich je 132 zählt, während in allen anderen Bezirken die Frauen in der Mehrheit sich befinden.

* * Feldbereiuigung im Neustadter Feld. Wie wir hören, liegt e» in der Absicht, im Neustädter Feld eine Feld- bereinigung vorzunehmen. Zwar ist eS noch nicht sehr lang- her, daß man dort dasselbe Geschäft ouSgeführt hat, aber in Rücksicht auf die dort vorhandenen Uebelstände und weil der Kostenpunkt nicht ein so erheblicher ist wie da­erste Mal, wird die Ausführung der Arbeit von mehrere» Seiten warm empfohlen.

Verbot hei Handels mit Lotterieloosen. Der zweiten Kammer ging ein Gesetzentwurf zu, der den Handel mit Antheilen zu Lotterieloosen wie in Preußen unter Strafe stellt.

* Diebstahl Am vorigen Freitag wurde einem Bäcker­burschen aus seiner Schlafstube eiu vollständiger Anzug nebst einem Paar Schaftenstiefeln gestohlen. Der Dieb wurde heute Morgen in der Person eine- 17jährigen Burschen er- mittelt und verhaftet. Die gestohlenen Gegenstände fanden fich noch in seinem Besitz.

* * Schlägerei. In der Licherstraße fand gestern Abend eine Keilerei statt, wobei sich auch Soldaten betheiligten.

Ladendiebstahl. AuS einem GeschästSladen wurde gestern während der Verkaufszeit ein Stück Stoff, cirea 12 Meter, gestohlen.

* * Dal'wentheater konnte seine Vorstellungen durch die Ungunst des Wetter! noch nicht beginnen, da der heftige Sturm am Samstag dem Aufbau beträchtlichen Schaden zufügte. Dieselben beginnen nunmehr am Mittwoch Nach­mittag.

* Organisation bei Handwerks. Der aus der General- Versammlung de« Gewerbeverein» zu Alsfeld durch Herrn Rechtsanwalt C a l m a nn - Alzey kurz dargelegte Antrag de» OrtSveretnS Alzey, betr. Organisation de» Hand­werk» im Großherzogthum Hessen, im Gegensatz zu dem beabsichtigten preußischen System scheint nun doch

1 auch bei uns diese Frage in» Kreisen zu bringen. Wir er­fahren, da« die Großh. Centralstelle für da» Gewerbe in allernächster Zeit beabsichtigt, eine Handwerker - Conferenz einzuberufen, um von den Betheiligten selbst zu hören, wie dieselben über die Art und Weise dieser Organisation denken.

W. Nieder Florstadt. 7. December. Gestern wurde hier die 16jährige Tochter des Handelsmann» Simon unter dem Verdachte der Brandstiftung in 5 bi» 6 Fällen in Haft genommen. Die Verhaftete bestreitet da» verbrechen be­gangen zu haben.

Bad Nauheim. 6. December. Die Zahl der Wohn­gebäude, Anstalten und Fabriken ist 580, gegen 467 bei der vor fünf Jahren, am 1. Decrmber 1890, stattgehavten Volks­zählung- die der Haushaltungen 781 (680 in 1890), der anwesenden Personen 3394, gegen 2878 in 1890, also ein Bevölkerungs-Zuwachs innerhalb fünf Jahren von 516 Personen.

nn. Darmstadt, 8. December. Zur Erinnernn g an die Erstürmung des Schlosses von Chambord am 9. December 1870 veranstalteten am heutigen Tage die ehemaligen Angehörigen der 8. Compagnie de» 4. Infanterie- Regiments (jetzt Nr. 118) am Grabe ihres damaligen heldenmüthigen Führers und Compagnie-Chefs, des Haupt­mann» Katt rein, eine erhebende Feier. Um 11 Uhr ver­sammelte sich eine große Anzahl alter Kameraden, grau- bärtige Krieger, viele geschmückt mit dem eisernen Kreuz und Verdienstkreuz, am Portale deS hiesigen Friedhof» und marschirten in geschloffenem Zug nach der geschmückten Grab- statte deS Majors Kattrein. Daselbst angekommen, spielte die Capelle deS 115. Regiments den Ehoral:Jesu» der ist mein Leben", worauf der während de» Feldzug» in der Compagnie gestandene Lieutenant Carl Schneider, jetzt Buchhalter im Haufe Merk, daS Wort ergriff und tu treff- ltcher Rede die militärischen Tugenden deS leider so früh dahtngeschtedenen tapferen Compagnie - Chef» Kattrein, schilderte. Im Felde streng und auf Manneszucht fehend, aber gerecht und ein wahrer Vater seiner Compagnie, habe der Verstorbene in allen Gefechten und Schlachten auf den ManneSmmh seiner Soldaten vertraut und im Vertrauen auf die Tüchtigkeit derselben habe er, wie er fich selbst au»- gesprochen, daS kühne Wagniß unternommen, da» von über 3000 Franzosen besetzte Schloß Chambord im Sturm nnb ohne ein Schuß zu nehmen. Diese alänzende Waffenthat gereiche der 8. Compagnie, aber auch dem gesammten Regi­ment 118, sowie der hessischen Drvision, zur höchsten Ehre. Wenn dieser tapfere und unerschrockene Offizier nicht mehr