Vorlage brodloS würden, anSwandem könnten, schilderte die schlimmen Zustände in der Hausindustrie, die einen genauen Nackwet« üver die wirklich in der Branche Beschästigien nicht zulassen. Mindesten» 45000 Arbeiter müßten entlasten werden, desgleichen 25% der in den Nedengewerben Beschäsrigten, da» große Heer der Arbeitslosen werde dadurch noch ver- mehrt. Auch die Eonsumenten würden von der Vorlage betroffen, denn eS sei Bertheuerung oder Verschlechterung der Fabrikate zu erwarten, außerdem bestünde die Gesahr, daß daS, was man in Betreff der Tabakindustrie biete, auch anderen Gewerben geboten werden könne. Unter der mit Annahme der Mehrbesteuerung sicher geschaffenen Nothlage leide auch der Patriotismus, und daS sei wohl zu beachten. Zum Schluß forderte Redner dringend zu der in Form einer Resolution eingebrachten P olestkundgebung auf. — Herr Fabrikant Georgi bekundete hierauf die Bereitwilligkeit der Fabrikanten, die Bestrebungen der Ar» betrer zu unterstützen, auch sie wollten alle» auf bieten, um die drohende Gesahr abzuwenden,' er begründete die Ursachen deS ConsumrückgangS- die Arbeiterentlasiungen, Beschränkung der Arbeitszeit und der Stückzahl würden einen besonders großen Umfang annehmen in der Uebergang-zeit, denn bisher fei auf Lager gearbeitet worden, wenn keine Bestellungen Vorlagen, was aushöre, wenn daS Gesetz in Kraft trete- der Absatz stocke j-tzt schon, weil die Händler mit Einkäufen zurück« hielten, die Arbeiterentlasiungen würden ganz erschreckliche D menstonen annehmen. Mit einem Protest allein sei nicht viel qethan, man solle auf die für hier in Betracht kommen« den ReichStagSabgeordneten etnwtrken, ihnen den Protest unter« breiten. Der Reichstagsabgeordnete für Gießen habe bereit» erklärt, gegen die Vorlage zu stimmen- von dem Vertreter von Wltzlar habe er noch keine Eiklärung erhalten. — Der Vorsitzende Lindenstruth- Wieseck erklärt hierauf, daß Herr R^ichStagSabgeordneter Krä mer« Wetzlar erklärt habe, sich nicht binden zu können. — Herr H o f«Altenbuseck spricht Herrn Georgi seinen Dank auS für die Zustimmung. — Herr Fabrikant Schmoll bezeichnet es als erfreulich, daß hier eine Uebereinstimmung zwischen Arbeitern und Arbeitgebern herrsche, er giebt dem Wunsche Ausdruck, daß dies immer so bleiben möge- mit Versprechungen, wie diejenige, daß die entlasienen Arbeiter anderwärts beschäftigt werden würden, suche man die Arbeiter nur zu ködern. Gießen sei von einer Anzahl blühender Dörfer umgeben, deren Bewohner ihren Unterhalt in der Tabakinduslrie gefunden- vor 80 u.40 Jahren sei die Z^hl derjenigen, die unter irgend einem Vorwande in Gießen um Unterstützung anklopsten, groß gewesen, heute merke man nichts mehr davon, denn die Tabakindustrie habe diesen Leuten Arbeitsgelegenheit gegeben. ES sei Sache der Arbeiter und Arbeitgeber, dagegen zu protestiren, daß man ihnen die Arbeitsgelegenheit nehme, jeder Arbeiter sei existenz- berechtigt, so gut wie jeder Schotzsecretär, von denen einer die gerechte Sache der Tabakinteresienten in einer Weise behandelte, für die ihm, Redner, der richtige Ausdruck fehle. — Zum Schluß weist Herr Jung auf die bestehenden Arbeiter- Organisationen, speziell diejenigen der Tabakarbeiter hin, und forderte zum Eintritt in dieselben auf. Die hierauf einstimmig angenommene Resolution lautet:
In Erwägung, daß die geplante Tabaksteuer-Erhöhung Tausende von Arbeitern brodloS machen und Tausende, von selbstständigen Existenzen vernichten werde, erhebt die heute auf Lonhs Felsenkeller von 400 Vertretern der über 4000 zählenden Tabakarbeiter auS den Wahlkreisen Gießen-Grünberg und Wetzlar Altenkirchen energisch Protest gegen eine solche Vorlage und fordert, daß die Resolution den beiden ReichStagS-Abgeordnetea der genannten Kreise zugestellt wird.
* * Aus der Schule. Nach einer Mittheilung de« „Darmst. TSgl. Anz." ist als Director der dortigen Dictoriaschule Herr Dtrrctor Dr. Landmann hier in Aussicht genommen.
• • Verein selbstständiger Zahntechniker. Auf Anregung deS Vereins Frankfurter Zahntechnlker wurde am 3. März der Verein selbstständiger Zahntechniker von Hessen-Nassau und Großherzogthum Hessen gegründet und wird derselbe seine erste Wanderoersammlung Anfang Juni in Mainz abhalten.
* * EriunerungSsest an 1870. AuS Darmstadt wird vom gestrigen Tage berichtet: „Eine auf gestern Abend einberufene Versammlung brachte einige weitere Schritte für die Vorbereitungen zu dem im August d. I. hier abzuhaltenden, von der Kriegerkameradschaft „Hassia" tn die Hrnd genommenen tzcinnerungSsest an die große Zeit von 1870. ES handelte sich zunächst um die vorläufige Constltuirung deS geschäftsführenden AuSschusieS, zu dessen Vorsitzenden Herr Oberst- lteutenant a. D. CaSparh, als dessen Stellvertreter Herr Major v. Heyl, als erster Schriftführer Herr Major Beck, zweiter Schriitführer Herr Kanzleiinfpector Meyer, Rechner Herr Aug. Berbentch bestimmt wurden. DaS Fest wird den osficiellen Titel führen: „25 jährige Erinnerungsfeier an 1870, zugleich DerbandSfest der Kriegerkameradschaft Hassia". Im Weiteren besprach man die Zusammensetzung und Auf- gaben der einzelnen AuSschüsie, die Art und Weise der Beschaffung der Mittel ic. Die Eonstituirung der einzelnen AuSschüsie wird in Kürze vor sich gehen. Alles läßt darauf schließen, daß daS Fest alS ein der großen Zeit, zu deren Erinnerung e» ins Werk gesetzt ist, würdiges sich gestalten wird.
* * Die totale Moudfinsterviß vom 11. März. In der Nacht vom 10. auf den 11. März findet die einzige Finstern iß diese» JahreS statt, welche in unfern Gegen« den tn ihrem ganzen Verlaufe nach zu beobachten sein wird. ES ist eine Mondfinsterniß und zwar eine totale, tndeß ereignet auch sie sich in den für den Liebhaber der Astronomie so unbequemen Morgenstunden deS 11., so daß wir hier nur kurz dte Momente ihre« Verlaufe» angeben wollen. Der Mond, von Westen nach Osten sich unter den Sternen fortbewegend, erreicht mit seinem linken Rande und zwar fast genau dem östlichsten Punkte desselben den Kernschatten der Erde um 2 Uhr 53» Minuten M.E.Z. Während er mehr und mehr in denselben eintritt, sieht der irdische Be«
Eingesandt.
Gieße», 9. Mär, 189».
An den Theaterverein l
Ich möchte der Leitung de» Thraterveretn« dte Anregung gebe», doch euch im Laufe de» SommersemestrrS einige Vorstellungen zu veranstalten. Da» Bedürfe,iß darach ist zwetselSohne tn unlrra Stadt vorbanden. Ich bin auch überzeugt, daß der finanstelle Er folg dieser Sommer-Darbietungen kcinrSa'ea« hinter den Erwartungen, die ich daran knüpie, zurückoletbt. Die Verdienste de« Tdeotnvneii»» find in diesem Blatt schon öfter» noch Gebühr gewürdigt worden. Wir Gießener können jetzt mit berechtig em Stolz sagen, daß die großen «iachbardühnen regelmäßig zu un» kommen und daß wir den Großstädiern gleich eine Reihe mustrro'ltiger TbeatervorfteUunge» erleben. Die Herren vom Vorstand de» Toeaterveriin» wü d n sich den großen Dank ihrer Mitbürger erwerben, wenn fie demnächst darauf Bedacht nähmen, den Eyclu» der Vorstellungen auf da» ganze Iadr bin a-i»i"d-bn-n. X.
Brodpreise vom 10. März bi» 21. März 1895. Der diesigen BAtfrr.
1 Kg. (2 Pfd.) Tafeldrod......24 Pfg.
bei Earl Wallenfels IL .....25 ,
2 Kg. (4 Pfd.) raielbrod ..... 48 r
bei 6ad Walleniel» II.......50 ,
1 Kg. (2 Pfd.) Weihdrod 22 ,
bei Emil Noll und Gz. Keil.....21 ,
2 Kg. (4 Pfd.) «eißbrod......44 ,
bei Emil Noll und Gg. Keil «2 ,
1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzdrod......20 ,
bei Emil Noll, und Gg. KeU ..... 19 ,
Rogaen-Schwarzbrod bei Ernst Math Ist ,
r Kg. (4 Ptd ) Lchwarzbiod......4t ,
bet Emil Noll und Gz. Keil ..... S8 .
Roga«n Schwarzirad bei Einst M»th».W «mevd . 88 .
3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzdrod......60 ,
geschritten und auf Antrag be« Staat-anwalt» Koch noch da» verurthiileode Etkenntoih be» Schöffengericht» Hungen und da» freisprechende Unheil de» Landgericht» Gießen i» ber Strafsache Job Friedr. Raab verlese». Die Anklage- behörde und Bertheid gung verz chret auf alle weiteren Beweismittel. D e an die G schworeven gerichtete Schuldfrage beschränkt fich lediglich auf w ffertlichen Meineid. 11« ®’/i Uhr schließt der Vorsitzende die heutige Sitzung.
fast dreimal fo groß ist wie ber de» Monde». Um 3 Uhr 514 Minuten ist der letzte Sonnenstrahl vorn Monde verschwunden und dieser ganz in den Erdschatten eingetaucht, um in demselben bis 5 Uhr 271 Minuten zu verharren. Wie ber Mond während diese» 1*/, stündigen Verweilen» im Schatten der Erde sich auSnimmr, darüber lasien fich ganz bestimmte Vorhersagen nicht machen. Er würde völlig unsichtbar sein, wenn ihn gar kein Licht träfe. Jndeß bricht die Erdatmosphäre immerhin dort, wo dte Sonnenstrahlen gerade tangential streifend einsollen, einige derselben tn den Raum deS Schattenkegels h'nein. Diese treffen den im Schatten befindlichen Mond und lasien ihn in einer mehr ober weniger abgetönten rothen Färbung erscheinen, welche vom Durchgänge beß LtchteS burch unsere Atmosphäre herrührt. BiSweilen jedoch, wenn Wolken sich dieser Brechung der Sonnenstrahlen tn den Weg stellen, bleibt ber Monb thatsachlich ganz unsichtbar währenb ber ganzen ober eine» Theite» ber Dauer ber Finfterniß. Um 5 Uhr 271 M nuten trifft ber erste ungebrochene Sonnenstrahl wieber ben Mond und bald nehmen die Partien de» östlichen Rande», die nun au» dem Schatten austreten, wieder den goldenen Lichtton an. Langsam weicht der Schatten nach recht» zurück und um 6 Uhr 25° Minuten früh am 11. verläßt der letzte Theil des KernschatlenS den rechten Mondrand. 28 Minuten später geht der Mond genau im Westen unter, 3 Minuten, nachdem im Osten daS TageSgestirn aufgegangen. Da» Ende ber Finfterniß spielt sich also schon bei tiefem Stanbe beS Monbes ab, währenb Anfang unb Mitte derselben ganz bequem zu sehen sind. Frkj. Ztg.
W. Gieße», 9. März.
Um 9 Ubr heute vormittag eröffnete ber Vorsitzende, Herr LandgerichlSrath Dr. Best, die Sitzung. Die ver- theidigung stellt den Antrag, den Geschworenen noch eine H lsSfrage dahin zu stellen, ob ber Angeklagte ben ihm zur Vaft gelegten falschen Std fahrlässig geleistet habe und wirb bie Fragestellung nach bieier Richtung ergänzt. Hieraus nimmt ber SiaatSanwalr, Herr Koch, zur Begründung ber Anklage ba» Wort - er führt den Geschworenen bie Momente bei vorltegenben Falle» im Einzelnen noch einmal vor unb kommt ju brm Schluffe, ber Angeklagte habe mit vollem W sie» einen Memeid geleistet, al» er in Hungen erklärte, e» habe nach 2 Uhr am 1. August 1893 nicht mehr geregnet, er bittet bie Geschworenen, bie Frage wegen w si-ntlichen Meineid» z» bejahen, tie Frage wegen sadrla sigen Meineid» zu verneinen. — Der v-rtheidiger, Herr RechtSanwalt Dr. Rosenberg, steht auf dem Standpunkt, daß der Angeklagte, sofern er wirklich die ihm zur Last gelegte Behauptung, e» habe um 2 Uhr mit Regnen aufgehött, getban, fo gemeint habe, el fei ber Regen so schwach gewesen, daß bie Jauche bei Joh- Friedr. Raab nicht hätte auf den Acker gefahren werbe» können. Die vcriheidigung bezieht sich auf bie Aussage eine! Schöffen unb deS Lan^gertchtSrath» Herrn Dr. Mödiu», um darzuthun, baß ihre Auffassung richtig ist. vor bem Landgericht Gießen hat der Angeklagte ja gesagt, el hat nur wenig geregnet, und auf Vorhalt deS Vorsitzenden erklärt, er ^abe ja dasselbe auch vor dem Schöffengertcht gesagt. Sei» Klient mag sich ja in Hungen uncorrect auSgedrückt haben. Der Bertheidiger bekämpft die Ansicht ber Anklagebehörde, bafj baS Motiv ber Anzeige Rache ober Aerger über feine Wahlnieberlage gewesen und bezieht sich auf bie glänzendste» Leurnundzeugnisie ber ehrbarsten Personen, barau» schliehead, baß man einem solchen Menschen solche kleinlichen Mittel zur Besriebigung seine» AergerS n'cht jutrauen kann, viel weniger noch, baß dieser Mensch da» schwere verbrechen de» Mein- eib» begangen, unb bittet bie Geschworenen, beide an fie gerichtete Schuldsragen zu verneinen.
In seiner Gegenrede präcifirt Herr Staatsanwalt Koch noch ein Mal seinen Standpunkt und bemerkt den Geschworene» gegenüber, daß eß für bie Beurteilung ber Thatfrage ganz gleichmütig ist, ob ber Angeklagte bis zum 1. August 1898 ein Ehrenmann gewesen. Diese» zu bestätigen, hätte e» bei Aufgebot» ber feien Zeugen nicht bedurft, denn er, ber StoatSanwalt selbst, hat ben Bürgermeister Raab all so che» gekannt, bevor er gegen denselben ba» Verfahren einleitete, diesem auch da» schwere verbrechen de« Meineid» nicht zn- getraut, mit schwerem Herzen habe er gegen denselben feine Pst cht thun müssen- er bittet die Geschworenen, nach Recht und Gewisien über den Angeklagten zu richten.
Die Berthetdigung tritt noch einmal warm fir ben Angeklagten ein, eß liege hier ein Zweifelfall vor unb bei ber Frage, ob hier ein Verbrechen begangen ober nicht, muß doch in bie Wagschale fallen, baß der Angeklagte hin Spitzbube, sondern ein Ehrenmann im vollen Sinne be» Worte» ist und die» zu seinen Gunsten ben Ausschlag geben, auch er bittet bie Geschworenen, bie ja alle SianbeSgenosien feine» Klienten feien, nach Recht unb Gewisien ihren Spruch abzugebe».
Nach breioiertelftünbiger Beratung verkündete ber Obmann, Herr Heinr i ch Lnbwlg L an g I d o rs-Friedberg, den Wahrspruch der Geschworenen, wonach die Frage wege» wisientlichcn Meineid« verneint, bie HilfSfrage wegen fahrlässigen Meineid» aber bejaht ist. Herr Dtaaklanwalt Koch beantragt hiernach, den Angiklog en zu 6 Monaten Gefängniß zu verurthrilen. Der Venheidiger erinnert daran, daß der Angeklagte bereit» 3 Monate in Untersuchungshaft fich befindet und bittet um eine geringere Strafe. Da» Unheil lautet auf 6 Monate Gefängniß unter Anrechnung von eine« Monat Untersuchungshaft.
△ Mainz, 7. März. Die Voruntersuchung gegen ben deS LanbeSvcrrathS befchulbigten flüchtigen Schiffsagenten v. Toussaint von hier ist nunmehr geschloffen. Neben ber Beschulbigung deS LanbeSverrathS ist v. Touflalnt auch einer Reihe von Unterschlagungen bezichtigt, bie er sich in seiner Eigenschaft als Boiftanößmitglieb und Kalsirer einer SchifferberufSgenosienschaft zu Schulden hat kommen lassen. Durch daS Verschwinden v. Toussaints ist genannte Genossenschaft, der meistens kleine Schiffer, Steuerleute und sonstige SchiffSbedienstete deS Mittelrheins angehören, vollständig in die Brüche gegangen und sind sämmtliche eingezahlte Beitrage als verloren zu betrachten, zumal die Gründung der Bereinigung keine ordnungsgemäße war und daher ein Regreß an die übrigen Vorstandsmitglieder kaum Erfolg haben dürste, v. Toussaint hat sich in brr ersten Zeit nach seinem Verschwinden von hier in Paris aufgehalten, soll in der letzten Zeit aber tn der Schweiz gesehen worden sein. — In der letzten Zeit circulirt hier wleter massenhaft falsches Geld, besonterS Ein- und Zweimarkstücke. Auf einem hiesigen Steuerbureau wurden an einem Tage zwei falsche Stücke angehalten. In beiden Fällen hatten Bauersfrauen versucht, bie Falfificate auszugeben. Auch in kaufmännischen Geschäften wurde durch Frauenspersonen versucht, falsche Stücke an den Mann zu bringen.
Mainz, 7. März. DaS Schwurgericht verurtheilte den Taglöhner Brand auß Mergentheim, der in der Neujahr»- nacht den Soldaten Müller vom 88. Infanterieregiment erstochen hat, zu einer Zuchthausstrafe von 9 Jahren und 14 Tagen- eß waren 12 Jahre Zuchthaus beantragt.
Verhandlungen des Schwurgerichts.
W. Gießen, 8. März.
Der Vorsitzende, Herr Landgerlchtßrath Dr. B e st, eröffnete heute bie S tzung mit dem Bemerken, baß die zur Verhandlung kommende Sache auf zwei Tage berechnet fei. Für die Anklagebehörde ist Herr Staatsanwalt Koch erschienen. Al» Vertheidiger nimmt Herr Rechtsanwalt Dr. Rosenberg im Saale Platz. Die Anklage richtet sich gegen ben Landwlnh und ehemaligen Bürgermeister Johannes Raab I. au« Trais- Hör l off, 60 Jahr alt,- derselbe wird beschuldigt, vor dem Schöffengericht Hungen am 14. November 1893 in der Sirafsache gegen I. F. Raab wissentlich unter seinem Eide eine falsche Thatsache bekundet zu haben. Herr LandgerichlSrath Best theüt den Geschworenen Folgende» mit: Am 1. August 1893 war in TraiS- Horloff Bürgermeisterwahl, bei welcher ber Angeklagte zu diesem Amte nicht wieder gewählt wurde. Um 3 Uhr war baß Resultat bekannt, und ging der Angeklagte um diese Zelt zur Eisenbahn, um dahin Jemand zu begleiten. Al» er von dort gegen 6 Uhr in baß Dorf zurück kam, floß auß der am Ende desselben liegenden Hosralthe Jauche auf bie Straße, er überzeugte sich, baß Johann Friedrich Raab dieses Wasser mit einem Besen zur Straße schaffte. Der Angeklagte zeigte daß der Gendarmerie an, eß erfolgte Strafbefehl, wogegen Einspruch erhoben wurde, unb so kam bie Sache vor baß Schöffengericht Hungen und später, al» Berufssache vor daS Landgericht Gießen, doch ist nur die beim Schöffengericht Hungen in diesem Prozeß vom Angeklagten am 14. November 1893 abgegebene Erklärung Gegenstand der heutigen Verhandlung. Der damals Angeklagte Joh. Friedrich Raab behauptete nämlich, in Hungen habe eß an dem Tage ber Bürgermeister-Wahl ben ganzen Tag geregnet, so baß er sich in einem Nothftanb mit seiner Jauche befunden, denn er hätte beß Regens wegen dieselbe nicht auf den Acker fahren können. Dem gegenüber soll der Bürgermeister Raab I. beschworen haben, eß habe von Nach mittag 2 Uhr an an dem fraglichen Tage überhaupt nicht geregnet. ES dreht sich in ber heutigen Vethanblung barum, ob er bieseS wörtlich unter seinem Eide gejagt, unb ob btese Behauptung wahr ober unwahr ist. Angeklagter behauptet entgegen ber protokollarischen Nieberschrift, er habe sich nur in bem Sinne geäußert, baß eß an bem Nachmittag nach 2 Uhr nicht mebr so stark geregnet hat, baß die Jauche nicht hätte weggeschafft werben können. Den Geschworene» würben die Protokolle ber Voruntersuchung, mit bene» fich der Angeklagte heute theilweise im Widerspruch befindet,
obachter sich den Schatte» von link» »och recht» ans ihm | verlese», sodan» zur Beweisaufnahme tmd Zeugenvernehtmo« ausbreite» mtt fdmrfer, kreisförmiger Grenze, deren Radin» geschritten unb auf Antrag de« Staatsanwalt« Kack, nTfc


