Hamburg, 7. Januar. Durch den in der Nacht von SamStag auf Sonntag eingetretenen Frost und den später erfolgten Schneefall wurde der Hafenverkehr in der Elbe überaus erschwert, für kleinere Schiffe ist der Verkehr gänzlich unmöglich. Die Tlbe ist' voll Treibeis, die Fahrrinne wird nur durch größere Dampfer mühsam offen erhalten. Auch die Alsterschifffahrt ist sehr erschwert. Sie wird vorausstchtlich bald ganz geschloffen.
Budapest, 7. Januar. Die heute hier abgehaltenen zehn Volksversammlungen zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechts, sowie der Vereins« und Versammlungsfreiheit verliefen größtentheilS ruhig. Eine Versammlung wurde ausgelöst. Auch in mehreren ProvinzstLdren wurden Volksversammlungen zu Gunsten deS allgemeinen Wahlrechts veranstaltet.
Stockholm, 6. Januar. Die Regierung hat beschloflen, vom 7. Januar ab den Zoll auf ungemahlenes Getreide auf 315, den auf gemahlenes Getreide auf 650 Oere per 100 Kilogramm zu erhöhen.
Rom, 7. Januar. Der Papst empfing heute die schwedische Krouprinzesfin.
Depeschen de» Bureau »Herold*.
Berlin, 7. Januar. Der „Reichsanzeiger" widerlegt in einer längeren Darstellung die in der deutschen Presse mehrfach laut gewordenen Klagen über angebliche Vergewaltigungen deutscher Colonisten in Syrien durch die türkischen Behörden. — Der bekannte Maler Gustav Gräf ist in der vergangenen Nacht im Alter von 73 Jahren an Lungenentzündung gestorben. — Zur Börsenreform erfährt das Tageblatt von unterrichteter Seite, daß gegenwärtig die Vorlage das preußische StaatSministerium beschäftigt und daß vorläufig noch nicht ersichtlich sei, zu welchem Resultat dieselbe gelangen werde. — Wie die „Berliner Neuesten Nachrichten" hören, hat der Kaiser in der letzten Sitzung des Staatsministeriums an die Minister eine Ansprache gehalten, in welcher in ruhiger klarer Weise die innere Situation veranschaulicht wurde und dabei der Landwirthschaft mit besonderer Wärme gedacht.
Berlin, 7. Janüar. Wie ein Berichterstatter meldet, wird die Eröffnung des Landtages am 15. Januar, Mittags 12 Uhr, im weißen Saale durch den König erfolgen.
Berlin, 7. Januar. Wie die „Post" meldet, ist die Mittheilung, daß an der letzten Staatsmini st erium- sitzung auch der Staarssecretär deS Reichsjustizamts theil- genommen habe, nicht zutreffend.
Berlin, 7. Januar. Die „Kreuzztg." bezeichnet die Meldung der „Pos. Ztg.", daß der Senats Präsident von.Meheren zum UnterstaatSsecretär im Staatsministerium ernannt worden sei, als unzutreffend. Der „Post" zufolge ist die Frage der Neubesetzung dieses Postens noch nicht entschieden.
Berlin, 7. Januar. Der Kaiser empfing heute Vormittag eine Deputation au8 Helgoland, welche den Kaiser um Bewilligung der Mittel bat zur Wiederherstellung der durch den letzten Sturm schwer beschädigten Düne. Der Kaiser empfing die Deputation sehr gnädig und sagte zu, daß das Nöthige zur Wiederherstellung der Insel und der Düne geschehen werde.
Berlin, 7. Januar. Dem „Reichsanzeiger" zufolge ist der Gesetzentwurf zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes den Bundesregierungen mitgetheilt worden. Der „Reichsanzeiger" theilt in seiner heutigen Nummer den Gesetzentwurf im Wortlaut mit.
Berlin, 7. Januar. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe sollte, wie nach auswärts gemeldet worden ist, an den Folgen einer Erkältung erkrankt sein. Demgegenüber erfährt die „Post-, daß der Reichskanzler sich gegenwärtig eines vortrefflichen Gesundheitszustandes erfreut- derselbe hat auch heute in gewohnter Weise die laufenden Vorträge entgegengenommen.
Berlin, 7. Januar. Die „Berl. Neust. Nachr." schreiben: Der angebliche „Kronrath- vom Freitag spielt in den auswärtigen Blättern noch immer eine Rolle. ES kann nur wiederholt werden, daß ein Kronrath nicht stattgefunden hat. Der Kaiser benutzte vielmehr seine Anwesenheit im Reichskanzlerhause, um der für den Tag einberusenen Staats-
I tzt kommen wir in die kleine dämmerige Schlucht. WaS ist auS dem nieblttben Wasserfall des Bächleins geworden, daS zum Garten hinab plälfchert, tn den heißen Sommertagen den gewaltigen Durst seiner Pflanzen stillt? Ein prächtiger well ger EiSmantel, der vor dem kleinen FelSadfturz sich ausgehängt und an den Seiten die köstlichsten crystallenen Zacken und Zapfen! Sie hängen vom ge- knicklen Farnwedel, von der alten Wurzel und vom grauen Bart- mooS deS Tannenstumps herab. Hier in der kleinen Grotte sieht das aus wie die Pieifen einer v rborgenen Orgel und darunter guilltS und murmelts leife hervor wie ein traumhaft sinniges Winterlieb, und wie Weihrauch steigt der weihe Dunst hinan in die eisige Atmosphäre.
Unterhalb deS Wafferfalls plätschert das Bächlein unter seiner Eisdecke, unter überhangenden Steinen und ihren alten MooSpolstern verborgen weiter: es schluchzt, wo eS ihm zu enge wird, murmelt befriedigt, wo fein Weg bequem, und lacht silbern, wo eS an geschützter Stelle eisfrei über die Ktefrln springt.
Gerade dort, wo eS tiefer geworden, sehen wir plötzlich ein eigene- Schaulpiel: im fchnelliien Fluge, dicht über das Wasser streichend, ftürzi sich plötzlich ein drosielartigrr Vogel, sich überpurzelnd, hi den eiskalten Sp egrl! Er ist verschwunden. Aber sieh nur: da ist er wieder! Mit den Flügeln rudernd m d energisch durchs Wasser watend, ist er unterhalb wieder aufgrtaucht. Dann schwatzt er uns schnell etwas vor, schüitelt sein dunkles Gest der, zeigt uns die weihe Kehle, darunter ein rostroiheS Querband: „Zerb, Zerb!" verbeugt sich gravitätisch und fliegt wie der Blitz davor«! Es war der „Waffer- schirätzer", d>e posstrliche Waff.ramsel. Emling. kein Wasservogel, woht daS ausdauerndste und leuchtendste Vorbild der Jünger unseres eh-würdigen Kneipp, mit deffen urwüchsigem Humor auch er begnadet erscheint.
Bald wird die Wafferamsel unS ihr Liedchen bm Bach herab in den Garten schmettern: rüstet Euch zu neuem Thun, zu neuen Freuden! Der Hartmond bat vollendet, die Herolde neuen Werden- reiten bald durch Hecke und Busch!
Heinrich Frhr. Schilling v. Eanstatt.
minifterialfitzung beizuwohnen und die neuen Minister so mitten \ in den Geschäften kennen zu lernen. Entscheidungen von größerer Tragweite waren nicht beabsichtigt und sind nicht erfolgt. — Wie die „Voss. Ztg." berichtet, hat die Regierung von der geplanten Errichtung eineß neuen Lehrerseminars vorläufig Abstand zu nehmen sich entschlossen.
Karlsruhe. 7. Januar. In der gestern hier unter dem Vorsitze Eckardts-Mannheim stattgehabten Sitzung des engeren Ausschusses der nattonalliberalen Partei Badens, an der der geschästSsührende Ausschuß wie die Landtags- und Reichstagsabgeordneten theilnahmen, wurde beschlossen, daS Programm der Partei deS GrohherzogthumS einer gründlichen Revision zu unterziehen. ES wurde eine Commission mit den Vorberathungen beauftragt- die Commission wird in nächster Zeit in Heidelberg zusammentreten. Der Parteitag, der über die Programmfrage beschließen soll, wird voraussichtlich im Februar in Karlsruhe stattfinden. Weiter wurde die Herausgabe einer nationalliberalen Corre- spondenz beschlossen.
Wien, 7. Januar. Gestern fand Hierselbst eine An- archisten-Versammlung statt, welche polizeilich aufgelöst wurde. Der Referent Bayer griff das derzeitige WirthschaftS- syftem heftig an. Als Referent auf die Lage Italiens zu sprechen kam, wobei er namentlich auf die Arbeiter-Revolten tn Stellten einging, erschollen heftige Zwischenrufe gegen CriSpi, sodaß sich der anwesende Regierungsvertreter veranlaßt sah, die Versammlung aufzulösen.
Budapest, 7. Januar. Die für gestern angesagten Volksversammlungen verliefen sehr stürmisch. Die in der National-Turnhalle von 5000 Personen besuchte Versammlung wurde behördlich aufgelöst. ES entstanden große Tumulte. Die Polizei, welche in großen Massen aufgeboten war, nahm 50 Verhaftungen vor.
Parts, 7. Januar. Anläßlich der gestrigen Kammer- Wahlen im 13. Bezirk hatte die Polizeipräfectur hinsichtlich der socialiftischen Kundgebungen mehrere GenS- darmerie-Abtheilungen mobil gemacht und daö Gefängntß Pelagte, tn welchem der socialistische Candidat seine Strafe verbüßt, militärisch besetzen lassen.
Paris, 7. Januar. Die französische Regierung protestirt gegen die Anwesenheit deS amerikanischen Specialgesandten tn den französischen Häfen, weil derselbe ohne vorheriges Einvernehmen mit der französischen Regierung die Auswanderer einer Jnspection unterzieht.
London, 7. Januar. Die „Times" veröffentlicht ein Telegramm aus Peking, wonach der Chef der chnesischen Frtedensmission gestern beim Mikado Audienz hatte. Der amerikanische Delegirte war ebensallS zur Audienz geladen. Derselbe drückte nach der Audienz Zweifel auS, daß die Verhandlungen zum Ziele führen würden.
London, 7. Januar. Emer „Times"-Mcldung auS Peking zufolge will die japanische Regierung auf einen Waffenstillstand mit China nicht eingehen und nicht eher Frieden schließen, bis die japanischen Truppen Peking besetzt haben. — Die Ostküfte von Schantung wird von japanischen Expeditionen eifrig durchforscht.
Petersburg. 7. Januar. In den diplomatischen Vertretungen in Paris, Belgrad und München soll in Kürze ein Wechsel statlfinden.
Gkdenkkt dtthiiMlndk« nnii frittknden Vögel im Schnee!
CoceOkt ttttb ptMthtjklle».
Gießen, den 8. Januar 1885
*♦ Parlamentarisches. In dem Bericht des dritten Ausschusses der Zweiten Kammer über die Wahl deS Abgeord netcn im 5. Wahlbezirk der Provinz Oberheffen (Gießen- Land) wird beantragt, die Kammer wolle die Wahl des Abgeordneten Wilhelm Bähr für den 5. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen für gültig erklären.
**. Panorama. Eine Reise durch Savoyen und die Besteigung des Montblanc, ferner Genfer See, St. Bernhard, Bad St. Gervais, bietet das Katfer Panorma in der Neuen Däne 1., part. ES ist ein Genuß, dieses ravhe Alpenland mit seinen Thälern und Schluchten, den großartigen Geblrgs- und Gletscherpartien, sowie den Gißgrotten zu schauen. Mächtig wirkt der Anblick aller dieser Herrlichkeiten auf Geist und Gemüth, und man darf es sagen, in stiller Andacht betrachtet man und bewundert diese Schönheiten der Natur. Unsere Schulen machen wir ganz besonders auf diese Alpen- landschaflen aufmerksam. Man findet kein besseres Anschauungsmittel für den geographischen Unterricht. Die Kinder können hier eine richtige Vorstellung von der Pracht und den Geheimnissen, von der Großartigkeit der Gebirgs- natur und der Gletscherwelt gewinnen. Diese Serie bleibt nur bis Mittwoch Abend ausgestellt, da am Donnerstag schon eine Reise durch Thüringen zur Ausstellung gelangt.
Biwak im Winter. Heute Mittag um 12 Uhr haben das 3. und 4. Bataillon des 116. Infanterie - Regiments Gießen verlassen, um in der Gegend bei Butzbach die Nacht über im Freien unter Zelten zu b'wakiren. Morgen Mittag rückt die Truppe wieder nach der Garnison ab. ES handelt sich darum, die Tauglichkeit der Zelte bei einer eventuellen Winter Campagne zu erproben. In der vergangenen Woche wurden von 9 bis 12 Uhr Nachts auf dem Kasernenhofe Versuche mit den Zelten gemacht, die gute Resultate zeitigten.
*• In den Landesverband der Kriegerkameradschaft „Hasfia" ist nach Erfüllung der satzungsmäßigen Pflichten der Krieger- verein Alten-Buseck mit 55 Mitgliedern ausgenommen und dem Bezirk Gießen zugethellt worden.
’* Zeitgemäße Spende, ©eiten« deS Herrn DireetorS der Grube „Friedrich- bei TraiS Horloff tst dem hiesigen Armenamte ein Waggon BraunkohlenbriqettS zur Ver- theilung an Arme übersandt worden. Die Gabe ift dem Wunsche deS Gebers entsprechend bereits zur Vertheilung
gelangt und war den Bedachten gerade bei der jetzt herrschendem Kälte doppelt willkommen. Dem freundlichen Geber ift der Dank aller Bedachten sicher.
•* Patent Anmeldungen: Verfahren zum Aufbringen von Modellen auf Formplatten: Hugo BuderuS, Hirzenhain, 16. 11. 94. — In Gebrauchsmustern kamen folgende Ein- tragungen vor: Aluminium-Baummeßkluppe mit Versenkung des CorrectionSschlüffelS innerhalb deS Maßstabes: Wilhelm Spoerhase, Gießen, 24. 9. 94. Abort mit auS einem Stück gearbeiteter Schüssel und Syphon: H. Schaffstädr, Gießen, 19. 11. 94.
* Ernste Warnung. In der Heidelberger Klinik be- finden sich 11 junge Leute, die durchs Neujahrschießen sich schwere Verletzungen zugezogen hatten. Und zwar find dies fämrntlich solche junge Leute, die noch unter dem militärpflichtigen Alter stehen.
e* Graue Mantel für Mannschaften. In den Bekleidung«- ämtern der preußischen Armeecorps werden jetzt Anstalten getroffen, um auch die Mannschaften mit grauen Mänteln zu versehen- die Farbe de« Tuches ift nicht ganz so hell, wie bei dem Mantelstoff der Offiziere. Von den angelieferten Tuchstücken haben die BekleidungSämter hunderte zurück- gewiesen, da es der Fabrikation noch nicht gelungen ist, immer den richtigen Farbenton zu treffen.
** Abnahme der Schulkiuderzahl. Im verflossenen Jahre waren die heisischen Volksschulen von 155,789 Kindern gegen 156,182 im Vorjahre besucht. ES ergibt sich also wiederum eine starke Abnahme. Seit drei Jahren bat die Kinderzahl um 3530 abgenommen. Nur in den Kreisen Darmstadt, WormS und Groß Gerau hat die Zahl zugenommen. Ob die GesammtbevölkerungSziffer tn demselben Maße zurückgeht, wird die künftige Volkszählung lehren. (ES ist nicht unwahrscheinlich, daß an den höheren Schulen eine Zunahme der Schülerzahl stattgesunden hat. Red.)
** Taubstummen Frequenz. Die Taubsturnmen-Anftalt zu Friedberg wies im Schuljahre 1893/94 die nachfolgende Frequenz auf: Als Lehrerpersonal waren thätlg ein Dtrector, fünf ordentliche Lehrer, zwei Hilfslehrer und eine Jnduftrie- lehrerin, zusammen neun. Die Zahl der Zöglinge tn dreißig Pflegehäusern betrug im Jahre 1893/94 24 Knaben und 25 Mädchen, zusammen 49. Hiervon waren 7 auS Starkenburg, 35 aus Oberhess-n, 5 aus Rheinhessen, einer aus Bayern und einer aus Waldeck.
Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Reisender Franz Blumenschein aus Zweidrücken wegen Urkundenfälschung und Betrugs von der Staatsanwaltschaft Gießen- Musiker, Johann Ducke von Oberroden wegen Strafvollzugs Dom Amtsgericht Wald-Michelbach - Dienstknecht Ludwig Rau aus Eichelsachsen wegen Betrugs vom Amtsgericht Gießen - August Seipel II von Lißberg wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports vom Untersuchungsrichter II Gießen.
** Die Versicherungsanstalt Großherzogthum Hessen hat seit Bestehen deS Gesetzes vom 22. Juni 1889 (1. Januar 1891) folgende Renten bewilligt:
In 1891: Altersrenten 2562, Invalidenrenten 0, „ 1892: „ 506, „ 203,
„ 1893: „ 413, „ 472,
„ 1894: „ 351, „ 658.
Die große Anzahl Altersrenten im Jahre 1891 erklärt sich daraus, daß am 1. Januar 1891 sehr viele über 70 Jahre alte Arbeiter vorhanden waren. Invalidenrenten konnten 1891 noch nicht zur Festsetzung kommen, da für dieselben eine vorgängige Beitragsleistung durch 47 Wochen vorgeschrieben ist. Die einzelnen Renten schwanken zwischen dem Mindestbettag von 106.80 Mk. und dem Höchstbetrag von 191.40 Mk. bei der Altersrente, und zwischen 111 Mk. und 137.40 Mk. bei der Invalidenrente. Die Invalidenrenten steigen mit der Anzahl der gelelfteteu Beiträge und der Höhe deS Marken- wertheS, und können den Höchstbetraq von 415 Mk. jährlich erreichen. Die Altersrenten richten sich sowohl nach der Höhe und Anzahl der Marken, als wie nach der Höhe deS Jahres- arbeitSverdiensteS in den Jahren 1888, 1889 und 1890 bis zum Höchstbetrag von 191 Mk. 40 Pf. jährlich. Wer sich eine möglichst hohe Rente sichern will, muß in Arbeitspausen (Wochen, in welchen er nicht arbeitet), freiwillig Marken verwenden und versuchen, mit dem Arbeitgeber Versicherung ht einer höheren Lohnklasse zu vereinbaren. Die Rentenempfänger rekrutiren sich auS allen ArbeiterberusSkreisen. Die in der Landwirthschaft beschäftigten Arbeiter bilden saft ein Drittel aller Rentenempfänger. Im Gegensatz dazu ist die Versicherung gerade bet dieser Categorie von Arbeitern am mangelhaftesten durchgeführt, während in der Industrie gewissenhafte ÜBeitragßleiftung stattfindet. Aus diesem Grund erfordert es die Gerechtigkeit, daß die Versicherung der land- wirthickaftlichen Arbeiter, besonders der Taglöhner, auf« Strengste controllirt wird. An den Invalidenrenten nehmeu die Arbeiter der Industrie dagegen zu etwa 50 pCt. Theil: während sie an den Altersrenten geringen Antheil haben. Die Hauptursache der Invalidität bilden Lungentuberculose, Lungenemphysem, Gelenk- und MuSkelrheumattSmuS, Unter- leibSbrüche und Verletzungen. Nach dem Gesetz gilt daS sogenannte CapitaldeckungSverfahrennachPerioden, d. h. e« wird für eine bestimmte Periode berechnet, wie viel Renten wahrscheinlich bewilligt werden, der Capitalbcttag dieser Renten nach versicherungstechnischen Grundsätzen berechnet und danach die Beiträge für diese Periode bemessen, die hinreichend sind, um die Renten, die Rücklagen zum Reservefonds, die BeitragSrückerftattungen und die Verwaltungskosten zu decken. Naturgemäß muß Anfangs die Versicherungsanstalt erhebliche Uedericdüsse Haden, da die Renten niedrig find und die Anzahl derselben jährlich gering ist, außerdem dis jetzt noch keine Beitragsrückerstattungen Vorkommen kannten. Höhe und Anzahl der Renten steige« aber von Jahr zu Jahr. Die erste Periode ift im Gesetz auf 10 Jahre bestimmt. Rach Ablauf dieser 10 Jahre findet eine neue Festsetzung der Beiträge statt. Mit Rücksicht ans die angesammelten Capitalien kann von einer Erhöhung
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