Ausgabe 
8.9.1895 Zweites Blatt
 
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erbrochen und deren Inhalt in noch unbekanntem Betrage entwendet. Solche Fälle wiederholen sich seit einiger Zeit öfter-, und es scheint, daß gemeingefährliche und gut gekleidete Personen sich als Touristen ausgeben, die es aber nur auf die Kaffen der Unterkunftshütten, die nicht bewohm sind, abgesehen haben. Am 13. August wurde, wie die .Feldkirch. Ztg " berichtet, in derEonstanzer Hütte" im Ferwallthal die Kasse erbrochen und deren Inhalt im beiläufigen Betrag von 175 Gulden gestohlen. Der Diebstahl wurde aber von Touristen bald entdeckt und angezeigt, worauf es dem Gen« darmen de Pellegrini deS RahonS St. Anton gelang, den Thäter nach mehrtägiger, anstrengender Verfolgung im Patz nannthale im Gasthause zu Wald in der Person deS angeb­lichen Karl Buschor von Altstätten in der Schweiz zu erfor­schen und sammt einem Geldbeträge von 86 Gulden dem Bezirksgericht Landeck zu Übergeben. Der angebliche Tourist wußte sich in St. Anton den Schlüssel zur Unterkunft-Hütte zu verschaffen, und machte die Tour zur Hütte auf das Fluchthorn, wobei er den Diebstahl verübte. Nach seiner Rückkehr gab er den Schlüffe! wieder ab, und begab sich nach Pettneu, wo er von seiner Beute der dort Probe haltenden OrtSmusik 20 Liter Wein zahlte und für deren Leistungen überdies dem Cqpellmeister 5 Gulden und dem Flügelhotuiften 3 Gulden gab. In Gesellschaft mehrerer Einheimischer ver­brachte er längere Zeit in einem dortigen Gasthause und ging um 3 Uhr früh mit dem Führer Tschiderer auf den Riffler und von dort inS Patznannthal, wo ihn der Arm der Ge- rechtigkeit ereilte. Dem Vernehmen nach find aber die An­gaben deS Verhafteten über seine Person falsch. Man scheint eS hier mit einem gewohnheitsmäßigen Einbrecher in solche UnterkunfShütten, die nicht bewohnt find, in denen aber Vor- räthe an Speisen und Getränken für die Besucher gegen Erlegung der Kosten in die Kasse vorhanden sind, zu thun zu haben.

* Ein Raum mit 400 wallfahrende» Frauen in Flammen. Ein schreckliche- Unglück hat sich tn der Nacht vom 26. auf den 27. August in dem oberhalb Ribordone (Piemont) ge­legenen Wallfahrtsorte Pra-condu zugetragen. Einern Berichte sind folgende Einzelheiten zu entnehmen: Am 27. sollte dort

daS Patronatsfest gefeiert werden. Eine Menge von Gläubigen hatte sich, wie gewohnt, schon am Vorabend im Orte ein- gefunden und legte sich in den hierfür bestimmten, an die Kirche angebauten Räumlichkeiten zum Schlafen. Die Männer wurden zu ebener Erde und die Frauen und Mädchen im ersten Stockwerk untergebracht. Dieser obere Raum, wo am 26. August Abends gegen 400 Frauen auf Stroh aus- gestreckt lagen, wurde von einer an der Diele aufgehängten Petroleumlampe schwach beleuchtet. Die Lampe fing gegen Mitternacht an unangenehm zu rauchen und verpestete in Folge deffen die jedenfalls sonst nicht übermäßig reine Zimmerluft. Eine der Frauen wollte sie abheben, um sie in Ordnung zu bringen. Unglücklicherweise fiel die Lampe dabei zu Boden, der gläserne Petroleumbehälter ging in Stücke und die Flüssigkeit fing Feuer, welches sich sofort dem als Lager dienenden Stroh und den Kleidern der lieber- nächterinnen mittheilte. Im Nu stand das ganze Zimmer in Flammen. Der Schrecken, welcher die Frauen ergriff und die ©ccntn, die sich nun abfpielten, spotteten jeder Be- schreibung. Da die Fenster alle vergittert find, gab eS keinen anderen Ausweg aus dem Raume, als den durch die einzige Thür,- Hilfe konnte auch keine gebracht werden, denn hier oben auf dem Berge mangelte es absolut an Wasser. Man erzählt von einem Manne, welcher vor dem Gebäude stehend in der rothen Beleuchtung der Flammen sehen und hören mußte, wie seine Frau und seine Tochter sich an die Fenstervergitterung anklammerten und ihn um Hilfe an- riefen. Bald brach der Boden unter den unglücklichen In- fassen des Zimmers zusammen und sie stürzten mit hinab in die Tiefe und auf sie fielen die Trümmer nieder. Die Zahl der Opfer ist, wie unter diesen Umständen nicht anders möglich, schrecklich groß. Bis jetzt find 30 verkohlte Leichname unter den Trümmern hervorgezogen worden. Sehr viele der mit dem Leben davongekommenen Wall­fahrerinnen erlitten mehr oder weniger schwere Verwundungen.

* Kia Riefeufluuder, im Gewichte von 308 Pfund bei einer Länge von 2 Meter und circa 1 Meter Breite, ist in Berlin eingetroffen. DaS Thier, welches ungefähr ein Alter von 180 Jahren hat, wurde von norwegischen Fischern

zwischen dem Nordcap und Spitzbergen io der Nacht zunr 3. August dS. IS. gefangen und zwecks Ankaufs für das Königliche naturhistorische Museum in Berlin nach dort tranSportirt. (Das R'esenthier dürfte wohl eine Abart der Seeschlauge sein.)

Citeratur unb Katt ft*

Von dem reich illastritt» JubtläumS-Prachtwerke: Wie Brtt tinfet eifer* Ärem erwarben (Deutsche« Verlagshaus Bong & Co., Berlin W 15 Lieferungen k 50 Pf.) ist soeben daS fünfte Hett erschienen. Als besonderer Schmuck dient ihm ein großes Aquarell-Facfimile nach dem berühmten Bilde Georg Bleibtreus: CapitulationSverhandlungen bei Sedan. Kommt hier die ernste historische Stimmung mit düsterer Gewalt zum Ausdruck, so strotzt das prächtig illustrirte Heft im klebrigen von jenem sieghafte» Soldatenhumor, der über Tod und Gefahren triumphtrt und zur Erringung des Siege« nicht wmtg beiträgt. Da verfolgt ein fönet Miet Husar, der den Stiefel im Steigbügel seines durchgeqangenen Pferdes gelassen, als halber Barfüßler den gefangenen Turko, der ihm aus­gerissen. Da benutzt ein braver Unteroffizier die Axt al« bewährt» Soldatmschlüssel" und bittet, nachdem er die Tbür eines hart« näckig venheidigten Gehöftes eingeschlagm, fetnen Hauptmannge­fälligst näher zu tret»*. Mitten hinein in diesen berben Soldaten­humor klingt dann die rührmde Klage eines verwundet» Artillerist»: P.fterS. ich bin ja nicht tobt, nimm mich mit!" Und der treue Kamerad Hilst dem Derletztm aus dm Protzsitz und bringt ihn trotz des feindlichen FeuerS sicher hinter die Gefechtslinie. Kurz das ganze Werk entwickelt fich immer mehr zu einem ächten Soldat»- budj, zu einem nationalen Unternehmen, daS, auS dem militärisch» ®^fte unsere- Volkes erwachs», seines Erfolges sicher ist. Text und Jllustrattmr vereinigen sich in glücklichster Weise, um die Erinnerung an ba§ »Große Jahr" und an bie Helbm, bieThell gehabt an fein» Erfolg», im Bewußtsein beS deutschen Volkes wach zu erhalt».

... i »«schicht« des Krieses 1870/71*

(Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart) hat vermöge ihrer glanzmden Ausstattung, ihres prächtigen Bilderschmuckes, ihrer oolks- thümlichen Darstellung und ihres ungemein billigen Preises (das H.ft kostet nur 25 Pfg.) einen großen Erfolg zu verzeichn». Keines der vielen über den beulfö-franzöfiföm Krieg zur Zeit etföeinenb» Werke kann sich damit messen. Wir verfehlen nicht, unsere Leser aufS Neue aus dieses schöne Werk hinzuweism und ihn n die An­schaffung der bereits erfötenmen neun Hefte im Ganzen werden eS deren 30 zu empfehl».

Forderungen an den Nachlaß der Elifabethe Müller sind innerhalb 14 Tagen bei dem Unterzeichneten geltend zu machen, da später deren Befriedigung nicht mehr stattfinden kann. 7397

F. Hoffmann, Nachlaßcurator.

Submission.

Die Lieferung von Weißzeug, Bett­zeug und Krankmkleidern für die neuen Kliniken in Gießen soll auf demSubmissionSwegeoergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen und Musterstücke sind auf dem 23er« waltungsbüreau genannter Anstalt an den Wochentagen, Nachmittags von 3 bis 5' Uhr einzufehen.

Offerten mit der AufschriftLiefe- rung von Weißzeug" sind verschlossen bis zum Freitag den 20. Sep­tember 1S95, Mittags IS Uhr, unter Beifügung von Stoffmustern an die Verwaltung der neuen Kli­niken einzureichen.

Zuschlagsfrist bis zum 28. Sep­tember 1895.

Gießen, am 3. September 1895. Großh. Verwaltung« « Direction der 7335 neuen Kliniken.

AM. Keusche Stastseisenbahuev. Berhing««g der Bauausführung der »ampenmauer auf Bahuhof «rüuberg für die »eubauttnie »rünbergSoudorf.

Die 22 cbm Erdarbeiten, 84 cbm Maurerarbeiten und 16.5 cbm Stein­hauerarbeiten umfassende Bauausführung soll öffentlich verdungen werden-

Die Bedingungen nebst Zeichnung sind im Bureauzimmer Nr- 3 der unterzeich, neten Behörde in Gießen (Frankfurter­straße 64) ober im Bureau der Neubau- Abtheilung HI in Grünberg (Gasthaus jutn Englischen Hof) einzusehen, zu be­ziehen jedoch nur von der erstgenannten Stelle inSgesammt gegen postfreie Ein­sendung von 1 jl 40 der Ver- dingungSanschlag allein kostet 10 H und ein Blatt Zeichnung allein 50 H.

Angebote sind postfrei und unter ent­sprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bis zum Eröffnungstermin SamStag den 14. September d. I, Vor­mittags 10 Uhr, einzureichen.

Zuschlagsftist 8 Tage.

Großh. Baubehörde für Nebenbahnen ___________in Oberhessm. 7193

Versteigerung.

Monlsg den 9. d. Mts.,

Nachmittags 2 Uhr, versteigere im Pfandlocal, SelterSweg 11, gegen Baarzablung:

1 Schwein, 1 Sopha.

Gieß», den 4. September 1895. 7361 Mulch, Vollziehungsbeamter.

Die Glaser-, Mlaffer- n.

AvstrMerarbeilen

zum Erweiterungsbau bei der Zeug- hauskaferne werden Samstag den 14. d. M., Vormittags 101/, Uhr, in unserem Geschäftszimmer ver­dungen. Bedingungen liegen aus. Formulare zu Angeboten erhältlich.

Zufchlagssrist 14 Tage. 7363 Garnisonvenvaltuug in Gießen. Großh. hrsßsche Stastseisellbahukn Verdingung der Lieferung der Warnungstafeln, Neiguugsweiser und Krümmung-,eichen für die

Sleudaultnte Gründer-Sonvorf.

Die Lieferung der 96 Stück Warnungs­tafeln, 83 Stück NeigungSwetser und 52 Stück Krümmungszeichen, sämmtlich au8 Holz, soll öffentlich verdungen werden.

Die Bedingungen nebst Zeichnung sind im Bureauzimmer Nr. 8 bet unterzeich. neten Behörde in Gießen (Frankfurter, ftraße 64) ober im Bureau der Neubau- Abtheilung III tn Grünberg (Gasthaus zum Englischen Hof) einzusehen, zu be­ziehen jedoch nur von der erstgenannten Stelle tnsgesammt gegen vostfreie Ein­sendung von 1 Jk 70 4: der Ver- bingungsanschlag allein kostet 10 H und ein Blatt Zeichnung allein 50

Angebote sind poftsrei und unter ent­sprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bis zum Eröffnunastermin Samstag den 14. September d. I., vor» mittag« 11 Uhr, einzureichen.

Zufölaasfrist acht Tage.

Großh. Baudedöcde für Nebenbahnen in Öberheff». 7194

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Nachdem die in unserer Bekanntmachung vom 6. Juni 1895 gesetzt Umtauschfrist abgelaufen ist, wird hierd rch die

Serie IX unserer 4%igtn Usandöriese

(Jahrgänge 1879 und 1880) soweit die Stucke Nicht zum Umtausch gegen 31/2%<9e Pfandbriefe bei uns eingereicht worden sind, zur Rückzahlung auf den 1. Oktober 1895 gekündigt, mit welchem Tage die Ver> zinsung endigt.

Gleichzeitig bringen wir wiederholt die Nummern der am 6. Juni 1895 zur Rückzahlung auf den 1. October 1895 verloosten 5627

3V-°/<>igen Pfandbriefe

zur Kenntniß, mit dem Bemerken, daß diese Nummern sich auf sämmtliche Literae (H. N. 0. P. Q. R.) beziehen:

Nr. 20238, 20268, 20283, 20382, 20681, 20809, 20873, 21708, 21988, 22148, 22265, 22380, 22605, 22674, 22928, 23184, 23512,

23589, 23671, 23710, 23874, 23880, 24021, 24266, 24269, 24594,

24610, 24679, 24761, 24776, 25061, 25070, 25280, 25748, 26392

26409, 26611, 26649, 26900, 26920, 27125, 27160, 27207, 27264'

27303, 27314, 27328, 27338, 27408, 27436, 27536, 27546, 27588*

27594, 27763, 28006, 28036, 28121, 28152, 28259, 28360, 28361'

28514, 28800, 28981, 29145, 29198, 29282, 29331, 29457, 29501'

29549, 29733, 29933, 29988.

Bon früher rückständig find:

1. aus der Kündigung vom 9. Februar 1895 alle diejenigen «och nicht eingelösten "Nummern der Jahrgänge 1882, 1883 und 1884, welche nicht auf 3i/,o/.ige abgestempelt worden sind;

2. aus Verloofungen früherer Jahre die folgenden Nummern: Serie IX. Lit. 0. 4461. Lit. P. 2346, 4588. Ltt. Q. 4399. Serie XII. Lit. N. 2835, 3606, 6143. Lit P. 6567.

Serie XIII. Lit. P. 20299, 21194, 22807, 27023, 27267. Lit. Q. 24105, 26622, 26640. Lit. R. 22247, 22263, 24144, 24196.

Die Einlösung erfolgt in Frankfurt a. M. an unserer Kasse, aus­wärts bei unseren Coupons-Einlösungsstellen, insbesondere in Darmstadt bei der Bank für Handel und Industrie, in Gießen bei Herrn A. Heichelheim, in Mainz bei Herren Schmitz, Heidelberger & Co.

Auf verlooste Stücke, welche einen Monat nach dem Rückzahlungs­termin noch nicht zur Einlösung gebracht sind, gewahren wir von da ab bis auf Weiteres einen l*/oigen Depositalzins.

Die Controlle über Verloofungen und Kündigungen unserer Pfand« briefe übernehmen wir auf Antrag kostenfrei; Antragsformulare, aus welchen die Bedingungen ersichtlich sind, können an unserer Kaffe, sowie bei unterem Einlösungsstellen bezogen werden.

Frankfurt a. M., den 27. Juni 1895.

fronkfurtrr