Ausgabe 
8.9.1895 Erstes Blatt
 
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März d. I. errichtete AuSkunstSbureau(L Fialla und T. Nicolfon" unter ihre Controle gestellt, und demselben daS Jncaffo gegen eine Caution von 5000 Fr. erlaubt. Ob diese controlirte halboffizielle AuSkunftSerthetlung immer un­parteiisch und wahrheitsgemäß auSgeführt werden wird, muß die Erfahrung lehren. Jedenfalls ist zu empfehlen, diesen BureauS fein unbedingtes Vertrauen zu schenken, sondern auch noch bei bewährten deutschen AuSknnftSbureauS und bei den Kaiserl. Consulaten Erkundigungen einzuziehen. Die Neuauflage der AuSnahme-Tarife der Main-Neckar- Dahn ist der Kammer zugegangen, und kann auf dem Bureau eingesehen werden, deSgl. das für Spanien, Niederlande, Belgien, Oesterreich Ungarn, Rumänien ergänzte Berzeichniß schwindelhafter Firmen im Ausland, sowie ein Berzeichniß vertrauenswürdiger Einfuhrhäuser in Japan. Die Stadt Belgrad (Serbien) hat ein ConcurrenzauSschreiben für Her­stellung der Eanalisation, QuatS und EntrepotS in Belgrad erlaffen. Dasselbe liegt in deutscher Uebersetzuug auf dem Büreau offen, deSgl. das neuerdings erlaffene rumänische Lotaletfenbahn-Gesetz, welches auch ausländische Unternehmer und ausländisches Capital zuläßt.

** Die landwirthfchaftliche Ausstellung iu Gießen vom 19. bis 22. September verspricht eine sehr schöne und viel­seitige zu werden. Es find angemeldet im Ganzen: Rinder 458 Stück, darunter 18 Sammlungen, Pferde 90 Stück, Schweine 65 Stück, Schafe 34 Stück, Ziegen 120 Stück, Nutzgeflügel 126 Stämme. Besonders hervorzuheben find die reichlichen Sammlungen in den Abtheilungen: Produkte des Pflanzenbaues, WiffenschaftlicheS, Landw. Maschinen und Geräthe, Forstwirthschaft. Einen hervorragenden Anziehungs­punkt wird die Ftschereiabtheilung mit ihren großen Bassins ge­währen, ebenso die Bienenausstellung mit über 60 lebenden Völkern. Se. König!. Hoheit der Großherzog von Heffen hat sein und seiner hohen Gemahlin Erscheinen für die Aus­stellung in Aussicht gestellt. AuS dem Festprogramm heben wir Folgendes hervor: 1. Tag: Donnerstag, den 19. September. (Eintrittspreis 1 Mk. Einzeldauerkarten für alle 4 Tage 2,50 Mk. Familienkarten mit 3 Beikarten für 1. und 2. Tag 4 Mk.) Vormittags 10 Uhr: General­versammlung der drei landwirthschaftlichen Provinzialvereine im großen Saale deS Gesellschaftsvereins (Sonnenstraße 19). Mittags 12 Uhr: Feierliche Eröffnung der landwirthschaft- itttien Ausstellung auf dem Festplatze. Nachmittags 2 Uhr: Festesten in der Festhalle. Arbeiten der Preisrichter von 12 Uhr Mittags an Concert. Abends: Zwangloses Zu­sammensein in der Festhalle. 2. Tag: Freitag, den 20. September. (Eintrittspreis wie am 1. Tage). Morgens 8 Uhr: Eröffnung der Ausstellung. Vormittags 10*/, Uhr: 35. Wanderversammlung deS Oberhesfischen Bienenzüchter- verein- im Zeichensaale der Stadtknabenschule (auf dem Feft- platze). Nachmittags 2 Uhr: Generalversammlung des Pferde­zuchtvereins für daS Großherzogthum Heffen im Zeichensaale der Stadtknabenschule (auf dem Festplatze). Arbeiten der Preisrichter von 8 Uhr Vormittags an. Concert. Abends: Geselliges Zusammensein in der Festhalle. 3. Tag. Sams­tag, den 21. September. (Eintrittspreis 50 Pfg. Familtenkarten mit 3 Beikarten für 3. und 4. Tag 2 Mk.) Vormittags 8 Uhr: Eröffnung der Ausstellung. Nachmittags 2 Uhr: Vorführung der prämtirten Rinder, Pferde und Ziegen im großen Ringe vor der Festhalle. Nachmittags 3 Uhr: Generalversammlung des Oberhessischen Obstbau- vereinS im Zeichensaale der Stadtknabenschule (auf dem Fest­platze.) Von Vormittags 10 Uhr an: Braten eines ganzen Ochsen am Spieße in besonders hergerichtetem Raume. Ge­sellige Zusammenkunft in der Festhalle. Concert während deS ganzen Tages und Abends in der Festhalle, auSgeführt von der Capelle deS Infanterie-RegimentsKaiser Wilhelm". 4. Tag: Sonntag, den 22. September. (Eintritts­preis wie am 3. Tage). Vormittags 8 Uhr: Eröffnung der Ausstellung. Vormittags 10 Uhr: Vorführung der prä- miirten Pferde, Rinder und Ziegen im großen Ringe vor der Festhalle. Von Nachmittags 3 Uhr an: Concert. Montag, den 23. September: Verloofung auf dem Festplatze.

* Landwirthfchaftliche Ausstellung. Ein Beweis, in wie hohem Maße sich die Loofe der landwirthschaftlichen Aus­stellung zu Gießen eines regen Abgangs erfreuen, geht daraus hervor, daß bis jetzt schon von den zur Ausgabe gelangenden 60 000 Loosen 53000 vergriffen sind. Es kann daher Jeder­mann empfohlen werden, sich bei Zeiten mit einem LooS zu versehen, denn es ist nicht auSgeschlosten, daß die event. vor der Ziehung noch vorhandenen Loofe mit einem Auf­schlag verkauft werden.

** Zur Caualifatiou der Stadt. DaS von Stadtbaurath Lindley in Frankfurt a. M. auSgearbeitete Canalisations- project für die Stadt Gießen ist hier eingetroffen, und wird nach ftattgehabter Prüfung desselben wahrscheinlich noch in diesem Jahre die definitive Entscheidung darüber, ob daS Project zur Ausführung kommen soll oder nicht, in der Stadtverordneten-Versammlung getroffen werden. Für die Vollendung der Canalisation sind 5 Jahre vorgesehen und würde der Hauptstrang zuerst fertiggestellt, die Nebensträngc nebst ihren Verzweigungen später ausgeführt werden. WaS die Kosten der Canalisation betrifft, so können wir unseren Lesern einstweilen im Vertrauen mittheilen, daß sie sich auf 1,800,000 Mk. belaufen werden.

* Sedan Feier. Der Ausschuß, welcher die Anregung zu der so würdig verlaufenen Sed an s ei er gab, hielt gestern Abend im kleinen Saal deSHotel Einhorn" seine Schluß­sitzung ab, um über die Verwendung der, für die Kürze der Zeit, in so reichem Maße eingegangenen freiwilligen Beiträge zu beschließen. Die Mitglieder waren nahezu vollzählig er­schienen. Die Sammlungen haben daS schöne Resultat von 1310 Mk. ergeben, wovon abzüglich aller Spesen und Kosten noch 864.20 Mk. zur Vertheilung an bedürftige Veteranen übrig blieben. ES wurde denn auch dem Sinne der hoch­herzigen Geber entsprechend beschloffen, diesen Betrag der Mitgliederzahl der Veteranen der beiden hiesigen Militär- Vereine entsprechend, den letzteren zu übergeben. Es erhält

der Veteranenoerein zwei Drittel 574.80 Mk., der Kriegerverein ein Drittel des Restbetrages 287.60 Mk. überliefert, mit dem Anfugen, nach ihrem Bemeffen daS Geld für hilfsbedürftige Veteranen oder deren Angehörige zu verwenden. Die Opferwilligkeit und der patriotische Sinn unserer Einwohnerschaft hat sich auch hier wieder in glänzender Weise bewährt und sei allen freundlichen Gebern auch auf diesem Wege nochmals herzlichst gedankt. AuS allen Städten, Dörfern und Orten unseres engeren Vaterlandes Heffen, aus allen Gauen Deutschlands laufen Berichte über die allerwärts abgehaltene Feier des denkwürdigen Tages von Sedan ein, auch unsere Vaterstadt darf sich in die Reihe der Städte stellen, welche ihrer Größe-Stellung entsprechend den Ehrentag des deutschen Volkes würdig feierlich begangen und ihren Veteranen die wohlverdiente Ehre erwiesen hat. In warmen und herzlichen Worten dankte der Vorsitzende, Herr Jean Kirch, für die ihm gewordene Unterstützung, indem er namentlich die hervorragenden Verdienste deS Herrn Pfarrer Dr. Naumann um daS Gelingen und den erhebenden Verlauf der Feier erwähnte und als äußerliches Zeichen des Dankes und der Anerkennung die Mitglieder bat, sich von ihren Sitzen zu erheben. Der auf Anregung deS Herrn Pfarrer Dr. Naumann bei der Feier in Steins Garten zur Errichtung eines Kriegerdenkmals gesammelte Fond, welcher sich bereits auf 308.65 Mk. beläuft, wird bei der hiesigen Spar­kaffe angelegt werden. Am 18. October soll alsdann eine allgemeine Versammlung stattfinden, zu welcher alle Diejenigen, welche zu diesem Fond etwas beigesteuert haben, ober sich für das Zustandekommen des schönen Weites interejfiren, eingeladen werden, um über die weiteren Schritte sowie die Constttuirung eines großen ComttsS zu berathen. Zur Theil- nahme an dieser Versammlung wird s. Z. in der Presse nochmals eingeladen werden.

** Bon der Rabenan'schen Befitzoug sind die Hofraithe und Bauplätze an der Hosmannstraße durch Kauf und Tausch von Setten der Stadt an Bauunternehmer Winn abgegeben worden.

** Zur Beachtung für Fnhrwerkbefitzer. In letzter Zeit wurden vielfach Abends bet eingetretener Dunkelheit Fuhr­werke, ohne mit brennenden Laternen versehen zu sein, be­troffen und versuchten die Leiter derselben sich damit zu entschuldigen, daß die Straßenlaternen auch noch nicht ange­zündet seien. ES entschuldigt dies in keiner Weise, da nach § 8 des Local - Regl. vom 17. Februar 1881 vom Beginn der Abenddämmerung bis zur TageShelle jedes auf öffent­licher Straße innerhalb der bewohnten Theile der Gemarkung Gießen verkehrende Fuhrwerk durch hellbrennende Laterne beleuchtet fein muß. Die Schutzmannschaft ist angewiesen, streng darauf zu sehen und Nichtbeachtende zur Anzeige zu bringen.

? Watzenborn und Steinberg, 6. September. (Verspätet.) Auch in unserer Gemeinde fand am 1. d. SR. eine ©rinne* rungSfeier an die Schlachten von MarS-la-Tour, Grave- lotte und Sedan statt, eingeleitet durch Zapfenstreich am Abend vorher. Sonntag Früh 6 Uhr fand Weckruf, Vormittags Gottesdienst, Schmückung des Kriegerdenkmals, Nachmittags V/2 Uhr Festzug statt. An demselben nahmen Thetl die Turner, die Schüler mit ihren Lehrern, der Krtegerverein, die Veteranen, die Gemeindevertreter und der Schulvorstand, die Gesangvereine Germania, Jugendfreund, Eintracht und Sängerkranz. Der Zug ging durch Stein­berg - Watzenborn nach dem Polheimer Wald. Dort an­gekommen, wurde von Herrn Pfarrer Sommerlad eine auf die Ereignisse von 1870/71 bezügliche Ansprache ge­halten, die mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog schloß. Es folgten gemeinschaftliche Gesänge, eine Ansprache deS Herrn Lehrers Kling, Jugendspiele und Einzelvorträge der Gesangvereine. Auch der Turnverein trug zur Ver­schönerung des Feste« durch Freiübungen und Geräthe- turnen bei.

n. GroßeuLiuden, 7. September. Gemeinde-Ver­mögen. Nach Abzug der Schulden betrug das reine Vermögen hiesiger Gemeinde: 1864: 175,755 fl. 12*/i Kr. = 301,294 Mk. 63 Pf.- 1874: 175,489 fl. 8«/« Kr. = 300,838 Mk. 54 Pf.- 1884: 323,861 Mk. 2 Pf.- 1894: 350,464 Mk. 39 Pf.

Romrod, 5. September. Der Einzug unseres Landes- fürsten nebst hoher Gemahlin in unserem Städtchen ist auf Mitte dieses Monats (14. oder 15.) bestimmt. Romrod wird auf das Schönste geschmückt sein, eine Ehrenpforte wird als Willkommenzeichen den hohen Gästen entgegenwinken. Für den Empfangstag ist Abends ein Fackelzug der Ein­wohnerschaft vorgesehen, welchem sich eine Serenade der Sängerschaft anreihen soll.

Mainz, 5. September. Mit dem Schrecken davon gekommen ist gestern Nachmittag ein Fremder, welcher daS Schaufenster eines Cigarrengefchäftes in der Fifchthor- ftraße besehen wollte, auf einer auf dem Trottoir liegenden Obstschale ausglitt und mit dem Kopse etwa einen halben Meter über der Erde in die Montrescheibe fiel, die in Trümmer ging. Trotzdem ein Theil des KopseS im Montre selbst steckte und nur mit der größten Vorsicht zwischen den spitzen GlaSsplittern entfernt werden konnte, ist der Fremde ohne jede Verletzung geblieben.

Alzey, 5. September. Für den Kreis Alzey soll durch den KrelSverband eine Anzahl Arbeiter-Wohnhäuser erbaut werden. Die Gemeindevertreter werden durch daS KreiSamt auf den 18. September zu einer Versammlung be­rufen, in der diese und andere KreiS-Angelegenbeiten besprochen werden sollen.

Dermifc^te»«

* Garbeuheim, 5. September. Ein fruchtbares Schwein. Ein rentables Thierchen ist ein dem Landmann und Obsthändler Christian Lei fing er hierselbst gehörendes Schwein. Daffelbe hat in diesem Frühjahr schon einmal

19 Ferkel geworfen und dieser Tage hat eS sogar 22 Junge- zur Welt gebracht.

* Lübeck, 6 September. Die dritte deutsche Molkerei- Ausstellung ist-heute feierlich eröffnet worden. In der Festrede verbreitete sich Petersen-Eutin über den ungeheuren Aufschwung der Mtlchwirthschaft. Die Ausstellung ist be­deutend.

Mülhausen i. (Hf., 5 September. In HauSgauen, einem kleinen Dorf bei Altkirch, brannte ein Bauerngehöft nieder, wobei ein elfjähriger Knabe in den Flamme» umkam, als er helbenmüthig seinen jüngeren Bruder rette» wollte.

* Fiiuskircheu, 6. September. Hier stürzte ein neu- erbautes Hau- ein, 34 Arbeiter unter seinen Trümmern begrabend. Bisher wurden 4 Leichen geborgen.

Bern, 6. September. Bergführer Burg euer vow Zermatt wurde, al- er mit einem Amerikaner da- Matterhorn bestieg, von einem herabstürzenden Steine schwer ver­wundet. ES ist eine Carawane von 20 Führern aus- gebrochen, um Burgener aufzusuchen.

* Myslowih, 6. September. Infolge fortgesetzten Necken- von Schulknaben, Kinder diesseitiger Bewohner, die tm Grenz­flüsse Przemsa badeten, schoß ein preußischer Grenzsoldat und verwundete den Knaben Koletzko schwer im Rücken.

Eingesandt.

Gieße«, 7. September 1895

Bei dieser großen Hitze ist efl eine Luft mit anzusehen, wie die Straße« gegossen vnd gereinigt werden, um allen Krankheiten vorzubeugen, aber daß in der Wetzsteinstrahe noch keine Krankbett ausgebrochen, ist zu bewundern. Den Anwohnern tft ti nicht mög­lich, ein Fenster zu öffnen, da kommt ihnen ein pestartiger Geruch entgegen, dazu kommt noch der dicke Staub, der einem den Mund zuzieht. Ist denn da keine Abhülse zu schaffen d Oder was müssen die Anwohner thun, um die Straßenordnung zu erlangen <

Mehrere Bewohner der Straße.

vieße«, 7. September 1895.

Nicht genug, daß die gegenwärtig herrschende fast tropische Hitze die Gemüther aus Rand und Band bringt, werden die Bewohner der oberen Marktstraße seit einiger Zeil du ch daS Geklimper ei«e- Mufikenthufiaste«, der feine kostbare Zeit b<n IM en langen Tag mit Ciaoierstudien bei offenem Fenster verbringt, auf» empfindlichste gestört. Hoffentlich tiagm diese Zeilen bei, diesen Exercitien wenigstens etwas Einhalt zu thun.

Einige Anwohner.

Citeratur und Arrnft.

Gegen die Beschränkungen de- Radfahrens durch Polizeiverordnungen, wie sie namentlich in Deutschland und Oester­reich noch im Brauch find, wendet sich Th. Heinrich im jüngsten (25.) Heft btt illustrirten Halbmonatsschrift .vom Fel- »«« lUtt* (Stuttgart, Union Deutsche Derlagsgesellschast. Preis deS Heftes 75 Pf.). Der Artikel, der dem keineswegs nur dem Sport, sondern mehr und mehr auch den ernstesten BerusSzwrcken dienenden Ver­kehrsmittel nach dem Beispiel anderer Staaten eine freiere Stellung anbahnen will, verdient btc Beachtung nicht nur der Fachgenoffen, sondern auch aller Derer, die heute noch dieser Erfindung mit kaum berechtigtem Vorurtheil gegenüberstehen. Von dem übrigen Inhalt des wieder sehr geschmackvoll arrangirten Heste- nennen wir die Aufsätze:Bormio, eine Sommeribvlle von R. Eiffett", mit prächtigem Bilderschmuck,Was wir lesen, Blätter aus meinem Merkbuch, von Anton E. Schönbachs, dem bekannten feinstnnigen Kritiker und Professor der Literaturgeschichte in Graz, die von zahl­reichen Abbildungen begleitete Besprechung der berühmten Schubert- Sammlung in der RubrikKunst der Gegenwart", ferner die Fort­setzungen der lustigen TouristennovelleFlitterwochen im Gebirg" von I. V. Widmann und des RomansForstmeister Reichardt" von Matte Bernhard. Von den zahlrttchen Kunstblättern zeichnen sichSommerleben auf der Themse" von Paul Hey, dieSchiffs- mühte an der Donau" nach einer photographischen Aufnahme von H. Heydenhauß und daS GemäldeGriechische Mädchen beim Ball, spiel" von Sir F. Leighton ebenso durch ihre künstlerischen Oualitäten wie durch die vollendete Reproduction aus. Sehr reichhaltig ist der Sammler, der u. A auch die Porträts des jüngsten deutschen FürstenpaareS, des Fürsten Friedrich von Waldeck und seiner itz» in diesen Tagen angetrauten Gemahlin BathildiS, einer geborenen Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, enthält.

Einen vergessenen Nordostsee-Canal behandelt das neue (28.) Heft der Familien - Zeitschrist »Zur gute« Stunde (Berlin W., Deutsches Verlag«hau» Bong & Co., Preis der VierzehntagShefteS 40 Pf.).Ja, vergessen und verschollen ist er," beißt es in dem sehr interessanten und zeitgemäßen Artikel,der Canal, von dem sich einst die alten Hansen großen Dortheil ver­sprachen In der Mitte deS 15. Jahrhundert» hatte Hamburg mit Lübeck über die Herstellung eines CanalS zwischen Alster und Trave, der eine birecte Wasserstraße zwischen diesen beiden Städten bilden sollte, verhandelt. Schon hatte Hamburg sttnerseits mit dem Bau begonnen, al» aus verschiedenen Gründen der Gedanke wieder auf­gegeben wurde. Erst im Jahre 1525 kam man auf das Project zurück; Hamburg verzichtete auf eine Summe Geldes, die es noch von Lübeck zu fordern hatte, dafür übernahmen beide Städte die Fortführung deS Canals auf gemeinsame Kosten. Auch der damalige König von Dänemark beförderte da» Werk, eineStheilS durch kosten­lose Ueberlassung der erforderlichen Landstrecken, anderntheilS durch Lieferung von Holz zum Schleusenbau und Stellung von Arbeitern. So machte man sich rüstig an die Ausführung. Der Plan der ver­einigten Städte ging dahin, von der oberen Alster bei Stegen aus eine Wasserverbindung durchs Rtenwoldler Moor nach Sülfeld anzulegen, von hier aus sollte dann die bei Oldesloe in der Trave mündende Beste benutzt werden, während die Trave die Fortsetzung zur Ostsee bilden sollte. Alster, Canal und Beste erhielten durch Schleusen den erforderlichen Wasserstand, die wasserreiche Trave be­durfte solcher nicht. Nach manchen Widerwärtigkeiten mit den be­nachbarten Edlen wurde der Canal im Jahre 1530 fertiggestellt' Aber heule find nur noch die Spuren de» Canals vortanden, beren bemetkenSwerth.ste, besonber» bte SchleusenZur guten Stunde im Silbe festhält. Da» vorliegende reichhaltige Hen ist übrigen» daS letzte de» 8 Jahrgangs der allgemein beliebten Zeitschrift, und für den neuen Jahrgang haben Redaction und Verlag, wie aus einem kurzen Profpect hervorgeht, besondere Vorbereitungen getroff» Die Romane, die den neuen Jahrgang eröffnen werden, fad Novitäten ersten Range», nämlich:Schlachtenbummler", Erzählung auS dem deutsch - f eanzösischen Kriege v.m 1870/71 von Alexander Baron von Roberts,Die Psticht de» Starken", Roman von Rudolf Elcho und'S Burgele" von Paul OSkar Höcker. Der farbige Jllustrationsschmuck, derZur Guten Stunde" schon bisher ohne Concurren; dastehen ließ, ist in Folge neuer Fortschritte deS ReproductionSoerfahrenS roch mehr vervollkommnet als fetther. Die den deutschen Familien werthgewoedene Gratisbellage der Illustrirten C!asfikerdibliothek" wird im neuen Jahrgang die reich- illustrirten Gedichte Eichendotff» enthalten (eine überaus glückliche Wahl!) So darf man dem neunten Jahrgang mtt erwartungsvoller Spannung entgegensehen.