Nom, 2. Juni. In dem bei Olevano gelegenen' Eichenhain, welcher dem Deutschen Reiche gehört, versammelten sich heute der deutsche Botschafter v. Bülow und die Mitglieder der deutschen Colonte zur Feier der Enthüllung eines Reliefbildnisses Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm, welches Profesior Gerhard in den Kalkfelsen gemeißelt und dem deutschen Künstlerverein als Zeichen seines Dankes für die Feier seines 50jährigen Jubiläums gewidmet har. Der Festplatz war mit Fahnen in den deutschen Nationalfarben reich geschmückt. Nachdem der Künstler die Bestimmung seines Geschenkes erklärt hatte, dankte Profesior Frtedensburg dem deutschen Botschafter für sein Erscheinen und brachte ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Nach Absingung der deutschen Nationalhymne begaben sich die Fest- thetlnehmer nach dem „Albergo di Roma" zu Olevano, wo« selbst ein Festmahl die Feier beschloß.
Rom, 2. Juni. Die Opposition hat beschlosien, bei der Wahl eines Kammerpräsidenten weiße Stimmzettel abzugeben. Bei der heutigen Stichwahl hofft die Opposition 25 Mandate zu erringen.
Antwerpen, 2. Juni. Die Meldung von dem großen Petroleum brand in Harburg hat an der hiesigen Börse große Erregung hervorgerufen. Man erwartet gespannt weitere Einzelheiten.
Paris, 2. Juni. Das Comite, welches sich gebildet hat, um Pasteur anläßlich der Ablehnung des Ordens pour le merite eine zustimmende Anerkennung zu Theil werden zu lasten, hat von verschiedenen Künstlern und Gelehrten Briefe erhalten, in welchen die Haltung PasteurS gebilligt wird. Diese Briefe werden von den chauvinistischen Blättern mit laugen Commentaren veröffentlicht und die französischen Bürger aufgefordert, Elsaß-Lothringen nie zu vergessen.
Loudon, 2. Juni. Die „Times" meldet aus Tientsin: Die Japaner räumen Liaotong- die Räumung der Halbinsel soll in zehn Tagen beendet sein.
Loudon, 2. Juni. Wie die „Daily News" aus Odessa melden, soll der erste offizielle Act des neuen persischen Gesandten in Petersburg der Abschluß eines neuen russischpersischen, für Rußland günstigen Handelsvertrages sein.
Newyork, 2. Juni. Infolge der in den Vereinigten Staaten herrschenden außerordentlichen Hitze wurde in ver- schiedenen Eisenwerken der Union die Arbeit eingestellt. Viele Personen stürzten, vom Hitzschlag getroffen, zu Boden, mehrere davon sind gestorben.
Neueste rNrchvLchtcn^
Depeschen deS Bureau „Herold*.
Berlin, 3. Juni. Der erste Parteitag der antisemitischen Volkspartei wurde gestern Hierselbst abgehalten. Vertreten waren 24 Orte aus Deutschland mit 29 Wahlkreisen. Auch Wien hatte einen Delegirten entsandt. Reichstagsabgeordneter Böckel sprach als erster Redner über die Nothwendigkeit der antisemitischen Volks- Partei- er hielt die Gründung derselben für absolut noth- wendig. Die Reformpartei habe die Bewegung in das reactionäre Fahrwaster geleitet, dabei seien Liebermann von Sonnenberg und Zimmermann die treibenden Kräfte. Geisler- München verwahrte sich dagegen, daß die bayerischen Antisemiten Partikularisten seien, sie seien freiheitlich und ließen sich nicht von Reaktionären leiten. Die Bayern erwünschten in der Parteileitung Decentralisation. Nachdem Ahl Wardt zu dem Programm gesprochen, wurde in die Specialdebatte eingetreten und alsdann das Gesammtprogramm einstimmig angenommen.
Budapest, 3. Juni. Die Schweineseuche ist fortgesetzt in der Zunahme begriffen. Bisher sind acht Comitate als verseucht erklärt worden.
Budapest, 3. Juni. Am' 14. October wird die erste Civilehe in feierlicher Weise geschlossen werden.
CocaUs und KroVinzrelles.
Gieße«, den 4. Juni 1895.
* * Empfang. Seine Königl. Hoheit der Großherzog empfingen am 1. Juni u. A. die Secondelieutenants der Reserve Jung, Delp und Jacobi vom Großh. Feld- Artillerie-Regiment Nr. 25 (Großherzogliches Artillerie- Corps), den Kreisarzt Dr. Haberkorn aus Gießen.
* * Radfahrerbezirktzfest. Sonntag den 16. Juni findet in Verbindung mit dem 10jährigen Stiftungsfeste des Gießener Radfahr-VereinS das Bezirksfest des Nord- bezirkS des Gaues 9 des deutschen Radfahrerbundes statt, bet welcher Gelegenheit ein Straßenwettfahren über 10 und 20 Kilometer auf der Strecke Gießen—Reiskirchen ausgefochten wird. Die Feier, welche mit einem Frühconcert in dem Garten der Restauration Elges beginnt, findet im Laufe des Nachmittags nach einem Corso durch die Stadt in den Räumen, Garten und festlich decorirteu Halle des „Schützenhauses" statt, woselbst Concert, Tanz und Preisvertheilung. Das Fest verspricht nach den getroffenen Vorbereitungen bet dem wachsenden Interesse für den Radfahrsport und bei der immer sehr regen Theilnahme der Radlerwelt, sowie dem stets festlich gesinnten Gießener Publikum sich zu einem schönen Volksfeste zu gestalten. Nur gutes Wetter. All Heil!
* * Wildfrevel. Am verflossenen SamStag schnitt ein Bauer von Ltndenstruth einem im Kornfelde aufgegrtffenen nur wenige Tage alten Reh zick lein den Hals durch. Der Wiesenwärter und Jagdaufseher Menz von dort stellte dem Thäter nach und ermittelte den Thatbestand, welcher auch von dem Thäter zugestanden wurde. Anzeige ist bereits erfolgt. Das getödtete Zicklein wurde den hiesigen Jagdpächtern zugestellt.
* * Nicht mehr als sechs Verhaftungen mußten am ersten Feiertag vorgenommen werden. Es wurden zwei Personen! wegen Obdachlosigkeit, zwei wegen lüderlichen Umherziehens,
eine wegen Bettelns und eine wegen Trunkenheit festgenommen.
* * Verhüteter Unfall. Gestern Abend fiel auf der Mäusburg ein fünf Jahre altes Kind vor die Pferde eines im Gang befindlichen Omnibus. Eine Dame zog baß Kind unter den Pferden hervor und verhinderte, daß daS Kind überfahren wurde.
* * Körperverletzung. Ein Arbeiter wurde gestern Abend in der Ostanlage liegend blutend aufgefunden und in die Klinik gebracht, woselbst constatirt wurde, daß er einen Messerstich im Rücken hatte. Als Thäter bezeichnete er einen Taglöhner von hier, welcher dann auch auf die Polizei sistirt wurde und die That eingestand. Lebensgefährlich ist die Verletzung nicht.
* * Rauferei. In der Nacht vom ersten auf zweiten Feiertag fand auf der Lahnbrücke eine Rauferei statt, wobei ein Arbeiter von Wieseck von einem Soldaten einen Säbelhieb auf den Kopf erhielt.
• * Stickerei-Ausstellung. Wie wir erfahren, beabsichtigt die S t n g e r C o m p. A c t. - G e s. (bisherige Firma G. Neid- linger) eine Collection von über 200 auf der Original Singer Nähmaschine hergestellter Kunststickereien, welche bereits in Chicago, Hamburg, Berlin, Hannover, Dresden, München, Wien und anderen großen Städten daß größte Interesse erregten, auch in Frankfurt a. M. auszustellen, wözu der Mitteldeutsche Kunstgewerbe-Verein, Neue Mainzer Straße 49 seine Räume in dankenöwerther Weise zur Verfügung gestellt hat. Der Eintritt ist unentgeltlich für Jedermann, und namentlich für unsere Damenwelt dürfte der Besuch dieser Ausstellung sehr zu empfehlen sein.
* * Zur Beachtung für Viehbefitzer. In letzter Zeit kommen fortgesetzt viele Landwirthe in große Unannehmlichkeiten und zu großen Verlusten, indem sie ihren Viehstand bet einer Anstalt versichert haben, die in Hessen keine Con- cession hat. Verschiedene Leute mußten deßhalb'nach stattgehabten unbefriedigenden Verlusten an norddeutschen Gerichten klagend vorgeh-n. Diese bitteren Erfahrungen machten andere Versicherte stutzig, weßhalb sie ihre Prämienzahlungen einstellten. Alsbald aber erfolgten Zahlbefehle und selbst nach deren Tilgung auf die entstandenen Kosten Klageschriften mit angesetzten Terminen in Norddeutschland; daß derartige Händel nur zum Schaden der Landwirthe ausgehen, liegt auf der Hand. Es ist deßhalb Interessenten dringend anzuempfehlen, derartige Versicherungen nur bei solchen Gesellschaften abzuschließen, die auch im Jnlande Concession haben. Am allerbesten thun die Landwirthe, wenn sie unter sich in den einzelnen Orten Vtehversicherungen errichten, welche vielerorts großen Segen stiften.
* * Aus dem Bundesamt für das Heimathwesen. Durch 'rechtskräftiges Urtheil des Provinzialausschuffes der Provinz Oberhessen war der Ortsarmenverband Großen-Buseck verurtheilt worden, die Wittwe Schlabach in eigene Fürsorge zu übernehmen. Derselbe hatte dieser Entscheidung auch Folge gegeben und bis zum Jahre 1891 die Wohnung für die Sch. bezahlt. Alsdann war dieselbe nach Gießen gezogen. Dort wendete sie sich im Jahre 1894 an das Großherzogl. Kreisamt mit einem Unterstützungsgesuch, und dieses wies den Ortsarmenverband Gießen an, ihr ein Unterkommen zu beschaffen. Auf Grund dieser Entscheidung erhob der Ortsarmenverband Gießen Klage gegen den Ortsarmenverband Gr.'Buseck mit dem Anträge, diesen zu ver- urtheilen, die Sch. wieder zu übernehmen. Die Klage war darauf gestützt, daß die Sch. bereits durch die Vorentscheidung des Provinzialausschusses für dauernd hilfsbedürftig erklärt worden sei. In diesem Zustande habe sich seither nichts geändert, zumal die Frau jetzt 72 Jahre alt und schon wegen Altersschwäche außer Stande sei, für ihren Unterhalt selbst zu sorgen. Wenn sie in der Zwischenzeit die öffentliche Armenpflege nicht in Anspruch genommen habe, so liege der Grund ausschließlich darin, daß sie durch Privatmildthätig- keit das zum Leben Erforderliche erhalten habe. Wegen der Fortdauer des Zustands der Hilfsbedürftigkeit habe sie auch in der Zwischenzeit den Unterstützungswohnsitz bet dem Beklagten nicht verlieren können. Der Provinzialausschuß erkannte auf Abweisung der Klage mit folgender Begründung: Durch die Beweisaufnahme sei festgestellt, daß die Sch. in Gießen in einem Gesindedtenstverhältniß gestanden und als Entgelt für ihre Arbeit Kost und Obdach erhalten habe. Es könne daher von einer fortdauernden Hilfsbedürftigkeit nicht die Rede sein, weshalb der Klageanspruch hinfällig werde. Gegen dieses Urtheil legte der Ortsarmenverband Gießen Berufung ein und machte geltend: Der Provinztalausschuß habe übersehen, daß durch die frühere Entscheidung die Hilfsbedürftigkeit der Wiltwe Sch. bereits feftgestellt sei. Von einem Dienstverhältniß könne gar keine Rede sein; eine 72jährtge Frau nehme sich doch Niemand als Dienftmagd ins Haus. Der angebliche Dienstherr habe eben die Sch. aus Mitleid bei sich ausgenommen, und es sei wohl sehr natürlich, daß sie sich durch leichte Arbeiten, wie sie in ihren schwachen Kräften standen, erkenntlich gezeigt habe. DaS Bundesamt für das Heimathwesen erkannte jedoch am ersten ' Juni c. auf Bestätigung der Vorentscheidung aus folgenden Gründen: In welchem rechtlichen Verhältniß die Sch. zu ihrem Obdachgeber gestanden habe und ob dieses sich als ein Dienstverhältniß im eigentlichen Sinne characterisiren lasse, könne ganz dahingestellt bleiben. Jedenfalls stehe fest, daß sie dort beschäftigt war, und daß sie dafür eine Vergütung erhielt, die für ihres Leibes Nothdurft ausretchte. Danach könne aber von einer Hülfsbedürftigkeit oder gar von einer dauernden Hilfsbedürftigkeit im armenrechtlichen Sinne nicht die Rede sein. Die im Vorproceß ergangene Entscheidung gelte selbstverständlich nur unter der Voraussetzung, daß die maßgebenden Verhältnisse unverändert blieben, daß also namentlich die Hilfsbedürftigkeit fortdauere. Mit deren Wegfall sei auch die Entscheidung selbst unwirksam geworden.
* * 3« Amerika verstorbene Hessen. Chillicothe, O. Georg Gärtner, 67 Jahre alt, aus Wald - Michelbach. < Jersey City, N. I. Henry Schweißgut, 67 Jahre alt,
aus Ober-Ofleiden. Michigan City, Jnd. Jean Pierre- Koch, 64 Jahre alt, aus Neu-Isenburg.
-s. Neu-Ulrichstein, 1. Juni. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro Mat 189 5. Ende Mai 1895 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 64 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 8; Königreich Preußen: Regierungsbezirk Kassel 11, Regierungsbezirk Wiesbaden 3, Provinz Rhem- lande 11, Provinz Westfalen 4, Provinz Hannover 1, Provinz Sachsen 2, Provinz Berlin 3, Provinz Westpreußen 1, Provinz Posen 1, Provinz Schlesien 2; Königreich Bayern 7, Königreich Sachsen 1, Königreich Württemberg 1; Thüringen 4- Freie Stadt Hamburg 1. Ausland: Oesterreich 2, Schweiz 1. Hiervon waren: Arbeiter 22, Bäcker 3, Buchbinder 2, Färber 1, Former 1, Graveure 1, Hetzer 1, Kaufleute 5, Krankenwärter 1, Landwirthe 2, Molkerei- Gehilfe 1, Metzger 2, Schaufelmacher 1 , Schlosser 7, Schneider 3, Schreiber 1, Schuhmacher 2, Seiler 1, Spengler 1, Tuchmacher 1, Tuchscheerer 1, Tüncher 1, Weißgerber 1, Zimmerleute 2. Gearbeitet wurde an 1770 Tagen. Verpflegt hat die Colonie an 2038 Tagen. Im Monat Mai 1895 wurden entlassen 22 Mann, und zwar auf eigenen Wunsch 16, in Arbeit durch die Colonte 1, zur Familie zurück 1, wegen Arbeitsverweigerung 2, wegen Contractbruchs 1, wegen Widersetzlichkeit 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2821, dagegen abgegangen im Ganzen 2757 Mann, bleibt Bestand am 31. Mat: 64 Mann.
M. 0. Ober - Mockstadt, 3. Juni. Der Stand unserer Z w i b e l c u l tu r e n ist, wie derjenige allerlandwirthschaftlichen Culturgewächse tn diesem Frühjahre ungemein befriedigend, wozu bemerkt wird, daß aber auch bereits zum dritten, ja da und dort sogar-zum viertenmale behackt und gejätet worden ist. Die Zwiebel erfordert eine ziemliche Sauberkeit und Auflockerung des Bodens- dann bringt sie bei kräftiger Düngung ungemein hohe Erträge. Von Interesse ist, daß man nun auch die Maschine und zwar die Säemaschine bei der Zwiebel- cultur zur Anwendung gebracht hat. Es ist ein leichtes, dem feinen Zwiebelsamen entsprechendes Maschtnchen, welches von einer Menschenkraft mit leichter Mühe in Bewegung gesetzt wird.
§ Crainfeld, 31. Mai. Die Arbeiten an der hiesigen Gemeinde-Wasserleitung gehen rüstig voran. Bis jetzt find 25 Arbeiter dabet beschäftigt, mehr konnten bis jetzt tn den umliegenden Orten nicht aufgebracht werden, und werden jedenfalls noch fremde Arbeiter herbeigeholt werden müssen, damit die Leitung vertragsmäßig bis 1. August l. I. vollständig fertig wird.
Verim-schtes.
* Bad Salzschlirf (Oberhessen). Von allen bekannten Bädern hat wohl keins einen solch' raschen Aufschwung genommen, wie das in Oberhessen gelegene Bad Salzschlirf. Noch vor wenigen Jahren wurde dasselbe fast ausschließlich von Kranken der nächsten Umgebung frequentirt, während solches jetzt von Gästen aus allen Gegenden Deutschlands und auch aus dem Auslande besucht wird. Zu verdanken hat dies Salzschlirf den überraschenden Heilerfolgen seiner Bonifaciusquelle, welche als stärkste aller existirenden Lithiumquellen sich als wirksamstes Heilmittel gegen alle Stoffwechselkrankheiten, insbesondere Gicht, Rheumatismus, Nieren- und Blasenleiden, Magen- und Leberkrankheiten, Hämorrhoiden, Fettsucht rc. bewährt, hat. — Durch seine überaus kohlensäureretchen Mineralbäder, Moorbäder, vortreffliche Luft, großen Kurpark mit angrenzenden ausgedehnten Waldungen und landschaftlich schöner Umgebung übertrifft Salzschlirf auch in dieser Beziehung die meisten der renommirtesten Bäder. Mit Rücksicht auf die stetig wachsende Zahl der Kurfremden ist ein zweites (mit allem Comfort der Neuzeit ausgestattetes) Badehaus neu erbaut und in dieser Saison eröffnet worden- ebenso wurde die Zahl der Fremdenwohnungen durch Neubauten erheblich vermehrt. — Ausführliche Prospecte versendet kostenfrei die Badeverwaltung zu Salzschlirf.
* Elberfeld, 1. Juni. Der Pulverwagen der Pulverfabrik Gebrüder Wömbler zu Rummenohl mit zweihundert Pfund Pulver explodirte gestern Nachmittag in der Berliner Straße. Zehn Personen, darunter der Staatsanwalt Hansen und der Kutscher des Wagens, wurden schwer verletzt. Mehrere Häuser wurden verwüstet, Tausende von Fensterscheiben sind zertrümmert.
* Brunn, 2. Juni. Die Frau des Heizers Haller, Mutter von 10 Kindern, stürzte sich heute in Jägerndorf aus Kränkung über die Dienstentlassung ihres Mannes- mit ihrem jüngsten, einem halben Jahre alten Kinde in den Oppafluß.
* Eine sehr bemerkeuswerthe Erklärung dafür, daß Fleischsuppe das erste Gericht der Mahlzeit des civilisirten Menschen zu bilden Pflegt, gtebt Dr. med. Franke in einem Aufsatz: „Die Küche d er B lu t ar men", den die Monatsschrift für das deutsche Haus „Die practische Küche" (Verlag von Max Pasch in Berlin) in ihrem Mai-Heft 1895 ver- üffentlicht: „Die Mahlzeit beginne man mit einem Teller Fleischsuppe. Die aus dem Fleisch durch Kochen extrahirteu Fletschsalze (namentlich die Kalisalze) haben nämlich die Eigenschaft, das im Magen in einer Vorstufe als Proprpsin vorhandene Pepsin-Ferment beim Zusammentreffen „zu laden" und es sofort in eigentliches Pepsin umzuwandeln, so daß also ein Teller Suppe für die Verdauung von großem Bor- theil ist. Wohlverstanden Fleischsuppe — den anderen Suppen, mögen sie heißen, wie sie wollen, kommt diese Eigenschaft nicht zu. Will man Kochfleisch vermeiden, so nehme man Fleisch-Extract, welches genau dem gleichen Zweck entspricht". -- Die letztere Bemerkung stimmt mit der That- sache, daß allen Magenschwachen ein Täßchen Bouillon aus Liebigs Fleisch - Extract zu hochwillkommener Labung dient.


