Einzelbild herunterladen

Mr. 129

Mittwoch den 5. Juni

189$

Der frUfcmt Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS.

Die Gießener Asnmtkienvtälter werbm dem Anzeiger »Schmtlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Dnickerei:

Kchutstraße Ar.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und 2lnzeigeblntt fuv den Tiveis Gietzen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.

Hratisöeitage: Hießmer Iamitienötätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Ausländer nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2(milid?er Theil.

Nr. 16 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 28. v. M., enthält:

(Nr. 2229.) Gesetz, betreffend die Abänderung des Zolltarisgesetzes und des Zolltarifs. Vom 18. Mai 1895.

(Nr. 2230.) Bekanntmachung, betreffend Abänderung der Aichordnung und der Aichgebühren-Taxe, sowie der Bekanntmachung, betreffend die Aichung des Getreideprobers. Vom 6. Mai 1895.

Gießen, den 1. Juni 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Sägern._________________

Bekanntmachung,

betreffend das Ober-Ersatzgeschäft für 1895.

Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1895 wird im Kreise

Gießen

Mittwoch den 12. Juni im Rathhause zu Lich, Vor­

mittags 8 Uhr,

Samstag den 15. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Montag den 17. Juni in dem Schulhause in der Schul- ftraße zu Gießen, Vormittags 8 Uhr,

Dienstag den 18. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Mittwoch deu 19. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Donnerstag den 29. Juni im GasthausZum Rappen"

zu Grünberg, Vormittags 8 Uhr, stattfinden.

Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzog­lichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie- Brigade in sämmtlichen Aushebungsorten zu ge- stellen:

a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflich­tigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht;

b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Mili­tärpflichtigen ;

c. die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Mili­tärpflichtigen ;

d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und ein- ftellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließ­lich derjenigen aus früheren Jahrgängen;

e. die von den Truppentheilen zur Disposition der Er­satz-Behörden entlaßenen Soldaten;

f. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen.

Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden beson­dere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzeigen. Die Mi­litärpflichtigen sind außerdem anzuweisen, ihre Loosungsscheine mit zur Stelle zu dringen.

Die zur Bcurtheilung von Reklamationen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen.

Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weg­gezogen ist, zugleich anzngeben, wohin derselbe verzogen ist.

Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- Ersatz-Geschäfte bis zum Schluß des gesammten Geschäfts selbst anwesend zu sein, um bei der Untersuchung von Feld- dienstuntauglichen sowie Invaliden ev. Auskunft geben zu können, auch haben sich dieselben darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind.

Gießen, am 25. Mai 1895.

Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen.

Dr. Melior.

Bekanntmachung,

betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Bellersheim.

Nachdem von dem Ortsvorstand zu Bellersheim der Antrag auf Feldbereinigung der Gemarkung Bellersheim und die Anlage von Zufuhrwegen in den Obstbaumstücken gestellt worden ist, solches von der Großh. Oberen landwirthschaft- lichen Behörde für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Commiffär zur Leitung der Abstimmung ernannt worden ist, so wird hiermit Tagsahrt zur Abstimmung der beteiligten Grundeigentümer über den erwähnten Antrag auf Samstag den 15. Juni 1895, Vormittags 10 Uhr, in das Gemeindehaus zu Bellersheim bestimmt.

Diejenigen beteiligten Grundbesitzer, welche in der anberaumten Abstimmungstagfahrt weder persönlich noch durch gehörig Bevollmächtigte abstimmen, werden als für das Ver­fahren stimmend angesehen.

Gleichzeitig fordere ich hiermit die außerhalb des Be- ; reinigungsbezirks wohnenden AuSrnärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen im Bereinigungsbezirk wohnenden Be- , vollmächtigten zu bestellen, da eine weitere besondere Zuschrift im Laufe des Verfahrens nicht mehr erfolgt.

Friedberg, den 25. Mai 1895.

Der Commiffär zur Leitung der Abstimmung: Dr. Göttelmann, 4774 Großh. Kreisamtmann.

Bekarmtmachrmg,

betreffend Feldbereintgung in der Gemarkung Obbornhofen.

Nachdem von dem Ortsvorstand zu Obbornhofen der Antrag auf Feldbereinigung der Gemarkung Obbornhofen und die Anlage von Zufuhrwegen in den Obstbaumstücken gestellt worden ist, solches von der Großh. oberen landwirt­schaftlichen Behörde für zulässig erachtet und der Unter­zeichnete zum Commiffär >zur Leitung der Abstimmung ernannt worden ist, so wird hiermit Tagfahrt zur Abstimmung der beteiligten Grundeigentümer über, den erwähnten Antrag auf Donnerstag den 13. Juni l. I., Vormittags 10 Uhr, in das Gemeindehaus zu Obbornhofen bestimmt. Diejenigen betheiligten Grundbesitzer, welche in der an- beraumten AbstimmungStagfahrt weder persönlich noch durch gehörig Bevollmächtigte abstimmen, werden als für das Ver­fahren stimmend angesehen. Gleichzeitig fordere ich hiermit die außerhalb des BercinigungSbezirts wohnenden Ausmärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen im Bereinigungs­bezirk wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine wettere besondere Zuschrift im Laufe des Verfahrens nicht mehr erfolgt.

Friedberg, den 25. Mai 1895.

Der Commiffär zur Leitung der Abstimmung: Dr. Göttelmann, 4775 Großh. Kreisamtmann.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Juni. Zu der Blättermeldung, daß das Strafverfahren gegen den Fretherrn v. Stumm wegen Herausforderung zum Zweikampf eingeleitet worden sei, schreibt diePost", die Untersuchung könne nur mit Genehmigung des Herrenhauses, dessen Mitglied bekanntlich Freiherr v. Stumm ist, stattfinden. Davon, daß eine solche Genehmigung nachgesucht und ertheilt worden ist, sei nichts bekannt.

Berlin, 1. Juni. Wie wir von unterrichteter Seite vernehmen, hat fich ein preußischer Minister gelegentlich einer Unterredung dahin ausgesprochen, daß die verbündeten Re­gierungen nicht die Absicht hegen, den Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt aufzulösen, falls fich durch die Ablehnung irgend einer Vorlage Gelegenheit dazu fände. Der Herr Minister ist im Gegentheil der Ueberzeugung, daß der Reichstag in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung noch manche nützliche .Arbeit, und zwar im Einvernehmen mit der Regierung, ver­richten wird. Derselbe wird zu Beginn der ,kommenden Session außer dem Etat eine Reihe von Gesetzesvorlagen, u. A. die Börsenreform, den Gesetzentwurf betreffend dell unlauteren Wettbewerb und die Gewerbenovelle vorfinden, auf deren Annahme gerechnet werden könne. Die Finanz­reform ist vorläufig bis zu dem Zeitpunkte vertagt, wo die Einzelstaaten, durch Fehlbeträge gedrängt, von Neuem auf einer Regelung bestehen werden. Unter keinen Umständen sei daran zu denken, daß die verbündeten Regierungen in der nächsten Session einen der Umsturzvorlage ähnlichen Gesetz­entwurf oder irgend ein militärisch zugespitzteS Ausnahme­gesetz dem Reichstage vorlegen werden. Darin ist der Bundesrath vollständig einig.

Berlin, 1. Juni. DerReichsanzeiger" veröffentlicht heute den Entwurf des Börsengesetzes nebst Be­gründung.

Berlin, 1. Juni. Der Kaiser hat, wie derReichs­anzeiger" meldet, den Philosophen Herbert Spencer in London,den NumismatikerJmhoof-Blumerin Winterthur und den Physiker van t'Hoff in Amsterdam zu ausländischen Rittern des Ordens pour le merite ernannt. Herr Pasteur, der berühmte Pariser Chemiker, befindet sich also vorerst noch nicht unter den Rittern dieses berühmten preußischen Ordens, die Huldigungen, die man in Paris dem genannten

Gelehrten dafür darbringt, daß er die Annahme einer preußischen Ordensauszeichnung verweigert haben soll die ihm in Wirklichkeit doch gar nicht angeboten worden ist stelle» sich somit als reiner chauvinistischer Humbug heraus.

Ex-Reichskanzler Graf Caprivi, welcher nach Beendigung seines Winteraufenthaltes in Montreux vorerst wieder in Berlin geweilt hatte, ist jetzt nach dem Gute Skyren bet Crossen a. O. übergefiedelt, wo er bis auf Weiteres wohnen wird. An der Einweihungsfeier des Nord- Ostsee-Canales wird Graf Caprivi, entgegen anderen Meld­ungen, nicht theilnehmen. Er hat die ihm zugegangene Ein­ladung des Hamburger Senats zu den in Hamburg statt­findenden Festlichkeiten abgelehnt und wird er, wie verlautet, auch einer offictellen Einladung von reichSwegen zur Be­teiligung an den Canalfestlichkeiten nicht Folge leisten.

Posen, 1. Juni. Auf die von 40,000 Familienvätern unterschriebene, an den Cultusminister gerichtete Petition, daß der Religionsunterricht in den zweisprachigen Volks­schulen in Westpreußen auf allen Stufen in der polnischen Sprache ertheilt werden soll, hat der Minister erwidert, er vermöge diesen Antrag nicht zu berücksichtigen, weil die polnischen Kinder in den höheren Stufen der erwähnten Schulen befähigt seien, an dem in deutscher Sprache er. teilten Religionsunterricht mit vollem Verftändniß teil­zunehmen.

Rndelsbnrg, 1. Juni. Heute Vormittag 10»/, Uhr fand Hierselbst die Grundsteinlegung des Bismarck. Denkmals statt. Eine colossale Menschenmenge aus der ganzen Umgegend, sowie Delegationen der meisten deutschen Universitäten wohnten der Feier bei, welche vom herrlichsten Wetter gekrönt wurde. Graf Lerchenfeld und Hans v. Hopfen hielten die Festreden. Beide Redner betonten die besondere Bedeutung deS Denkmals, welches den Fürsten Bismarck als Corpsstudenten darstelle. Rach dem Weiheact wurden Böller- schüsse losgelassen und die Musikcapelle der Erfurter Artillerie spielte der Feier angemessene Weisen. Die Festlichkeit schloß mit dem Abfingen deSGaudeamus igitur.

Harburg, 1. Juni. Das Feuer der letzten Nacht zerstörte das gelammte Petroleumlager mit Maschinenhaus und Schuppen. Der Schaden wird auf etwa 2 Millionen Mark geschätzt. Die Tanks sind von derBremen Trading Co." an die Firmen Raffow, Jung & Co. in Bremen und Phil. Poth in Mannheim verpachtet. Sämmtliche benachbarte Fabriken und Wohngebäude wurden, Dank dem um die Tanks gezogenen Erdwalle und der günstigen Windrichtung gerettet. Das Feuer brennt zwar im Innern der Tanks noch weiter - jede weitere Gefahr ist jedoch ausgeschlossen.

Ausland.

Wien. I.Juni. Das geftrtge Kommunique derWiener Abendpost" in der Angelegenheit der Straßendemonstrationen wird vielfach als der Vorbote der Verhängung des Belage- rungszustandes über die Stadt Wien angesehen.

Wien, 1. Juni. Alle Parteien rüsten sich bereits zum Wahlkampfe- namentlich die Antisemiten machen große Propaganda. Der Wahlkampf wird voraussichtlich ein so heftiger werden, wie ihn Wien noch nicht gesehen hat. Alle bisherigen antisemitischen Gemeinderäthe werden zur Wieder- wähl ausgestellt werden. Für die neuen Mandate, welche die Antisemiten mit Sicherheit zu erringen hoffen, wird unter Anderen auch Prinz Lichtenstein candidiren.

Wien, 1. Juni. DieArbeiter-Zeitung" bespricht in einem längeren Artikel die Auslastungen der gestrigenAbend- post" und sagt: Wenn die Regierung eine strengere Hand­habung des Vereins gesetzes einführt, so werde sie fich gegen dieses Gesetz vergehen, ohne dabei seinen Zweck zu erreichen. Die Straßendemonstrationen würden aus der österreichischen Politik nicht eher verschwinden, bevor sie nicht überflüssig geworden seien.

Wien, 1. Juni. Zum 6. Congreß der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, welcher vom 5. bis 7. d. Mts. hier stattfindet, werden von deutschen Gelehrten erwartet: die Professoren Olshausen, Gufferow, Martin, Weil und Landau, sämmtlich aus Berlin, ferner Fritsch-Bonn, v. Winckel-Müncherr, Zweifel und Sänger-Leipzig, Fehling- Breslau, Hofmeier-Würzburg, Löhlein-Gießen und Runge- Göttingen. Den Vorsitz wird Profestor Chrobak Wien führen, als dessen Stellvertreter Fritsch-Bonn fnngiren wird. Schrift­führer werden Pfannenstiel-Breslau und Lihotzky-Wien sein.

Wien, 1. Juni. DieNeue Freie Preffe" theilt aus Laibach mit: Nach längerer Zeit erfolgte gestern nach 3 Uhr Nachmittags ein kurzer, heftiger, gegen 6 Uhr Abends ein schwacher Erdstoß.