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4.10.1895 Erstes Blatt
 
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Urtheilsspruch entgegen und erklärt sich mit demselben zufrieden.

vevmischte».

* Wetzlar, 2. October. Zum Nachfolger deS Herrn Oberförsters Freiherr Spiegel in Krofdorf ist, wie der W. A." mittheilt, Herr Oberförster Bus old zu Gruben­hagen ernannt.

* Frankfurt a. M., 30. September. Ein Bauer aus der Wetterau fuhr am Freitag mit seinem Erlös aus dem Hcuverkauf, 170 Mark, nach Hause. Unterwegs - ließ er mehrere Pasiagtere aufsteigen. Als er in seiner Hofraithe angekommen war, fehlte das Geld. Wer feine Fahr­gäste waren, konnte der Geschädigte nicht angeben.

* Frankfurt a. M, 2. October. Am sogenannten Mainwasen wurde gestern die Leiche eines Schneidermeisters, der in der Kronprinzenftraße wohnt, geländet. Er hatte sich am Abend vorher mit seinem neun Jahre alten Sohne, tute aus einem Briefe an seine Tochter hervorgehl, in der ausgesprochenen Absicht entfernt, sich das Leben zu nehmen. Da das Kind noch nicht zurückgehrt ist, so muß angenommen werden, daß Vater und Sohn den Tod im Flusie gefunden haben.

* Schweich a. d. Mosel, 2. October. Bei einem Kirchen- bau find 3 Zimmerleute abgestürzt- 2 blieben tobt.

* Seibert (Rheinl.), 28. September. Eine schauerliche Famtlientragödie hat fich, wie schon kurz mitgetheilt, in unser« Städtchen abgespielt und die Einwohner in nicht geringe Aufregung versetzt. Der dem Trünke stark ergebene Schlaffer Wilh. Kirckskothen hatte vorgestern den ganzen Tag über wieder diesem Laster gefröhnt, war, als er Abends gegen 11 Uhr aus dem WirthShause heimkehrte, bezecht, fing in diesem Zustande mit seiner Frau Händel an und mißhandelte fie schließlich in so roher Weise, daß sie daS Haus verließ. Erbost darüber, daß er seine Wuth nicht mehr an seinem Weibe au-laffen konnte, holte er auS dem Ziegenstalle Stroh hervor und zündete dieses in seinem Wohnzimmer an,- dann begab er sich in die im oberen Stock gelegenen Schlafzimmer, in denen seine vier Kinder im Alter von 11 Monaten bis 8 Jahren im Schlafe lagen, zog aus dem Bett ebenfalls eine Partie Stroh und steckte auch dieses in Brand. Als die beiden ältesten K>nder aus dem Schla'e aufwachten und erschreckt von bannen eilen wollten, herrschte sie der Unmensch an, im Bette zu bleiben; fie gehorchten zwar anfangs aus Furcht, liefen aber schließlich, als der Miffethäter sich entfernt hatte, durch das brennende Stroh hindurch und erreichten, wenn auch mit erheblichen Brand­wunden bedeckt, das Freie. Dem Unholde folgte die Strafe für seine Schändlichkeit auf dem Fuße, denn als er die Treppe hinunter gehen wollte, kam er zu Fall, konnte sich in seiner Trunkenheit nicht wieder erheben und wurde von d?m immer weiter um sich greifenden Feuer, bis er auf1 gefunden wurde, so arg verbrannt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Den beiden kleinen Kindern konnte leider Hülfe nicht mehr rechtzeitig gebracht werden- als Mann­schaften der Feuerwehr über das Dach in die Schlafzimmer eindrangen, fanden fie von dem kleinsten 11 Monate alten Kindchen nur noch einige Knochen vor, und auch das andere

arme Geschöpf konnte in stark angesengtem Zustande nur noch als Leiche herausgeschafft werden. In Folge des herrschenden Waffermangels wurde daS Haus trotz emsiger Thättgkeit der schnell herbeigeeilten Velberter Feuerwehr völlig ein Raub der Flammen. Die inzwischen hinzugekommene zahlreiche Menschenmenge war über das grausige Verbrechen so entrüstet, daß sie an dem unmenschlichen Vater trotz seiner schweren Verletzungen Lynchrecht üben wollte, und sie konnte hieran nur durch das Einschreiten der Polizei gehindert werden. Daß man der armen Frau, die im Gegensatz zu ihrem Manne außerordentlich fleißig und ordentlich ist, hier­orts allgemeine Theilnahme entgegenbringt, ist selbstverständlich.

* lieber die sechs reichsten Leute der Welt schreldt Francis Broemel imPesther Lloyd": Obenan steht ein Chinese, vor dessen Ueberlegenheit alle Rothschilde, welcher Firma immer,Lr verkleinertes Haupt zu verstecken haben." Jener Chinese ist Li Hung Tschang, Vicekönig von China oderReiSfelder-König" undPfandleiher König" titulirt, der eine eigene Privat-Armee von 100,000 Mann besitzt, waS, wte die Preffe meldet, ihn davor schützte,um nicht einen Kopf kürzer gemacht zu werden, sintemal ihm am kaiserlichen Hofe viel Argwohn geschenkt wird, als strebe er noch höher hinauf". Sein Vermögen beläuft sich auf 100 Mill. Pfd. Sterl. Außer unermeßlichen Reisfeldern zählt er Taufende von Pfandleihgeschäften sein eigen. No. 2 in der Liste der Weltkrösusse ist der Amerikaner Rockefeller, auf mehr als 36, ja 40 Millionen Pfd. Sterl. geschätzt. Sein Vater war ein Arzt, er selber wurdeOel König" in Anbetracht seiner amerikanischen Petroleum-Brunnen", die bis jetzt nicht erschöpft. Bei den folgenden vier reichsten Männern geht es etwas abwärts mit der Milltonen-Ziffer: der englische Herzog von Westmister, der Amerikaner Cor­nelius Vanderbilt, ein anderer in England ansässig gewordener Amerikaner Colonel North, und wiederum ein Chinese, Woh- Qua, derThee-Köntg" geheißen. Alle vier haben sich als Eigner von nur je 20 Millionen Pfund Sterling bekannt.

* Geographie schwach. Der Herzog von Orleans, das Haupt des königlichen Hauses von Frankreich, hat, wie derFigaro" conftatirt, sich auss neue ein Anrecht auf den Dank der Franzosen erworben. Er hat nämlich die Cur in Marienbad, zu der er sich infolge seines mysteriösen Jagd- Kirmesunfalls in Süd-Spanien hatte entschließen müssen, mit einer Beschleunigung beendet, um nicht genöthigt zu werden, Augen- und Ohrenzeuge einer Sedanfeier zu sein, Mcin Marienbad wie in allen deutschen Städten veranstaltet wurde." Er hat fich nach Brüssel begeben, von wo er bann nach Lonbon abreisen wollte. DaS Pariser Boulevardblatt weiß also nicht, daß Marienbad eine österreichische Siak ist, in der Sedan öffentlich ebenso wenig gefeiert worden ist wie in Brüssel oder London.

Weibliche Studenten und ihre LebensanSfichte«. Das sehr interess-ute und wtcbttge Thema robb in der Famtllen- zeilschrtftZur Guten Stunde" (Berlin W 57, Deutsches VerlagS- haus Bong & Co., Preis des Vterzehntagheftes 40 Pf.) einer ern- gehenden Besprechung unterzogen. Die Redactton des beliebten

Familienblattes ist wiederholt für das Flauenfludium eingeireten, kann sich aber gewissen, feststehenden Nachlheilen der flubu uschen Laufbahn der Frauen nicht verschließen und g.ht auf diese in dem vorliegenden Artikel freimüthig ein Sehr lehrreich ist, was der Artikel über die Helrathen der gelehrten Damen aussührt. Eine Engländerin, Mrs. Gordon, hat die Laufbahn von nicht weniger als 1500 früheren Studentinnen der Colleges und Halls (Strtor, Newnham, Sommeroille Hall, Hollaway College und Al-xandra College (erstere in England, letzteres in Irland) durchforsch'. Mehr als die Hälfte dieser Damen ist gegenwärtig iw. Lehrfach deschüttigt, etwa 200 (nicht eirmal ein Siebentel!) haben gebeuatbet, ein Dutz nd hat sich der ärztlichen Praxis zugewandt, zwei sind Bonnen ge­worden, acht oder neun haben Anstellungen im Staatsdienst gefunden, eine ist als Buchbinderin, eine als Kunstgäiinerin beichästi.t und eine weitere, eine Parsin, ist Theilhaberin in einem RechtsanwaU- Bureau in Indien. Recht interessant ist es auch, einige bu Cmzel- stattstiken zu verfolgen, welche Mrs. Gordon für die verschiedenen Colleges zusammengestellt hat. Nehmen wir z. B. Girton. Von 79 Studentinnen, welche das Diplom des zurückgeleg'en mathema­tischen Kursus erlangten, haben bloß 6 geheirathet, von 97 Damen, die in den klassischen Fächern diplomirt wurden 10, von 47 Natur- wtssenschaftlehrerinnen 7, von 30 Historikerinnen 4, von 21 erfolg­reichen Jüngerinnen der Moralwissenfchaften 3 Von den Studen­tinnen jedoch, welche Girton bloß eine Zeit lang betuchten, ohne eine Auszeichnung zu erlangen, wurden nicht weniger als 15 unter 40 zu Hausfrauen erkoren. Aehnlich stellten sich die bezüglichen Ziffern in den übrigen Anstalten. Es steht unzweifelhaft fest, daß eine Studentin, die wissenschaftliche Erfolge erringt, in dem nämlichen Verhältniß ihre Aussichten auf einen Lebensbund herabsinken sicht." Von den männlichen Studlrenden, lagt der Artikel, galt schon lange der Sah:Je gelehrter, je verkehrter!" Ob er sich auch an den weiblichen Commilttonen bewahrheitet? Das stärkere Geschlecht scheint jedenfalls diefeS Vorurthetl zu Kegen. In dem gleichen Heft (Nr. 3 des neunten Jahrgangs) fesseln noch verschiedene wettere Artikel, namentlich aber auch die drei vorzüglichen Romane: Alexander Baron von Roberts' Erzählung aus dem deutsch- französischen Kriege:Schlachtenbummler",Rudolf Elcho's Pflicht deS Starken" und Paul Oskar Höckers'S Burgele". Die schwarzen und farbigen Bilder sind wie immer meisterlich, und den glücklichen Schluß des Heftes bildet die GratisbeilageJUustrirte Klassikerbibliothek", in diesem Jahrgang Eichenborffs Gedichte mit neuen Illustrationen enthaltend.

Witterungsbericht vom 2. Oetober.

Den Nordwesten Europas beherrscht ein umfangreiches De- pressionsgebiet, dessen Centrum zwischen der Nordostküste von Schott­land und den Schelland Inseln liegt. Die Lllftbewegung ist über den britischen Inseln und dem Canal sehr lebhaft geworden. Der Einfluß des niederen Druckes ersti ecki sich in fütlichcr und südöstlicher Ni-htung ziemlich wett in den Continent herein und dürste das baro­metrische Maximum noch mehr nach Osten zurückdrängen. Ter Kern desselben liegt im Innern Rußlands. Während Nachts kleinere Slörung-n auftraten, w«r am Vormittag im südlichen Bayern unter Föhneinfluß vorübergehend Aufklärung efngetreten. gegen Mittag nahm jedoch die Bewölkung rasch wieder zu. Am Morgen lagen die Temperaturen etwas höher nl8 gestern.

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Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur Kenntniß der Interessenten, daß unsere r'/Iproceutigen »«portenr-Obligationen bei sämmtlichenBankiers dahier, sowie bei unserer Kaffe zu pari zu haben sind. Die Papiere sind in Stücke ä. 50. Mk., 100.- Mk., 500. Mk. und 1000.- Mk. ringetheilt und die Verzinsung erfolgt halbjährlich am 1. Juli und 1. Januar. 7834

Gießen, am 18. September 1895.

Baugenoffenschaft des evangelischen Arbeitervereins zu Gießen, Eingetr. Genoffenschaft mit beschränkter Haftpflicht.

Doering, Director.Haas, Kassirer

Bekanntmachung.

Die Lieferung von circa 12 bis 14 Laternen, sowie das Anbringen derselben durch gußeiserne Aerme, zur Straßenbeleuchtung für die hiesige Gemeinde soll im Submissionswege vergeben werden; darauf Reflectirende wollen ihre Offerten nebst Muster- zeichnung bis zum 10. Oct. l. I an unterzeichnete Bürgermeisterei ein- senden, woselbst auch die Eröffnung um 1 Uhr Mittags ftattfindet.

Beuern, den 3. October 1895.

Großh. Bürgermeisterei Beuern. __Otto.________8193

Jagdverpachtung.

Montag den 21. October d. I., Nachmittags 3 Uhr, soll die tzer Gemeinde und der Waldinteres- fenten-Genoffenschaft Bellnhausen bei Lanhausen zustehende Jagdgerecht- same in der Gastwirthschaft des e. Pfeffer daselbst anderweitig ver­pachtet werden.

Bellnhausen, den 1. October 1895.

Der Bürgermeister:

___________Löwe._______8186

Versetzungshalber verkaufe ich iiäig meinen fast neuen

Jagd wagen.

Forstrath v. Spiegel

in Krofdorf.

Dienstag den 8. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich auf meinem Hofe: 1 Einspänner-, 1 leichten Zweispänner-Wagen, zwei Pflüge, Egge, Ernteleitern mit Zu­behör, Zug- und Bindeketten, 1 zwei- spänniges Kuhgeschirr, verschiedene Pferdegeschirre, 1 Feg- und 1 Dick­wurzmühle , 1 Häckselmaschine, eine Slrohbank, 1 Schnitzbank mit Messer, 1 Schleifstein, 1 Schubkarren, 5 Draht­siebe, 6 Sensen, Dreschflegel, ver­schiedenes Werkzeug, verschiedene Ge­rüche u. s. w., circa 40 Ctr. gutes Heu, 40 Ctr. Stroh (Roggen-Hand drusch), etwas Haferstroh, einige Leitern und Bohlen, verschiedenes Maurerwerkzeug, Wasser- und Blei- waage, 2 Kühe (eine fette, eine frisch­melkende, beide prima), 20 italienische Hühner, 1 Hahn, Vifirstäbe, Winkel- eisen, Z-veispitz - Klopfe!, 1 Acker Dickwurz (etwa 1 Morgen sehr gute, gesunde), 1 Winde.

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Die Lieferung von 909 m Wetchen- schwellen verschiedener Längen aus Eichen­holz soll vergeben werden. Die Beding­ungen sind bei unserer Magazinsoerwal- tung und den Stationen Alsfeld, Lauter­bach und Hungen einzusehen, auch von unserem Secretariat gegen frankirte Ein­sendung von 20 H zu beziehen, Angebote, mit bezüglicher Aufschrift versehen, bis zum io October b. I hier einzureichen.

Zuschlagsfrist 8 Tage.

Gießen, den 1. October 1895.

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