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Trotzigen gerichtet ist.
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ist Derbheit, aber die Form ist voll Feinheit- diese Aufgabe, die Grobheit darzustellen, will auf eine zarte Weise gelöst sein.
Fiir die Spielerin der Katharina ist diese Bewerbungsscene der schwierige Punkt- für den Spieler des Petruccto die Kur der Zähmung. Sie erscheint ganz als übertriebene Carricatur, wer aber den rechten Humor hineinzulegcn weiß, wird auch diese Uebertreibung zu einiger Bescheidenheit der Natur zurücksühren. In Garricks Posse, wenn Petruccio kommt in tollem Aufzuge, eine tolle Vermählungsscene feiert, in toller Eile abreist, sind alle Mitspieler entsetzt und er-
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tergleichen platte Natur nachzusprechen, war nicht Shakespeares 8rr- so bequem machte er es seinen Spielern nicht- er über- litfe. ihrer Geschicklichkeit, das, was sich von selbst versteht, in »das Spiel einzutragen. In der Bewerbungsscene sind alle Sorte Katharinens abstoßend und schnöde- sie sagt nicht Ja ttnb1 doch sind sie nachher verlobt. Diese Stelle hat alle Spieler geirrt - sie ist immer für wunderlich und unvollkommen eng eschen worden- ihre Aufführung in der Garrick'schen Be- Libritung ist ganz abscheulich. Für zwei geschickte Spieler ifl aber in dieser Scene alles gegeben, was die Charactere eben verlangen. Er überfällt sie mit Worten, mit Schmeicheleien, die sie niemals gehört hat- wie er sie mit Diana vergleicht, fällt ihr erstes ruhiges, nicht zänkisches Wort. Der des Widerspruchs und die Gewöhnung macht sie auch gegen ihn und seine Derbheit grob und abstoßend, aber so- klbe sie sieht, daß es ihm Ernst ist, muß sich der Sturm bei hi legen. Die Spielerin, die diese Rolle naiv auffaßt, wird geiv onnenes Spiel haben- sie muß naiv aufgefaßt werden, lichi als eine Zänkerin von Profession, sondern als ein rasch
blütiges Kind, das in den Tölpeljahren stehen geblieben ist. Sie soll nicht ein für allemal ihre Rolle durchtoben - vor der neuen Erscheinung ihresDewerbers soll sie vielmehr in einer drolligen Verblüfftheit stehen- sie soll nicht dem Werbenden böse Gesichter schneiden, sondern ihm ein offenes, durch Neugier und Ueberraschung von ferne bewegtes Antlitz zeigen, ihn gerade ansehen mit einem klaren Auge, das nicht recht und gern trauen möchte, das trotzt und mitten im Trotze nachgtebt. Dieser Naivetät ist von dem Dichter voller Raum gegeben. Indem Petruccio Katharina mit seinen Schmeicheleien überschüttet, flicht er ein, was ihr die böse Welt alles nachsage- darunter übertreibt und lügt er, sie hinke - sie wird nun unwillkürlich ein paar schlanke Schritte machen, um ihn eines Besseren zu überzeugen- darauf stichelt er dann und soqleich steht sie in Widerspruchgeist und Beschämung still. Sobald die Zeugen kommen, lügt er, sie habe ihm am Halse gehangen und Kuß auf Kuß — - wenn das die Spielerin der Katharina hoch aufnimmt und sich ungeberdig darüber erweist, so ist freilich nicht zu begreifen, wie dann die Verlobung für ausgemacht gilt. Indem er das entscheidende Wort spricht: Küsse mich, Käthchen, am Sonntag soll die Hochzeit sein, gebraucht er scheints den Refrain eines altbekannten Liedes, was die Zuversicht, die in dieser gebieterischen Werbung liegt, humoristisch mildert. Ihre Antwort ist, sie wolle ihn lieber gehängt sehen, und dies kann nur gesagt werden in voller Windstille schon nach gelegtem Sturm, kann nur halb forschend, halb schmollend, besiegt und widerstrebend zugleich gesprochen werden. Sie geht dann mit ihm gleichzeitig ab, ohne Ja gesagt zu haben- aber sie hat schweigend, ja widersprechend eingewilligt. Das ist des Dichters Absicht. Sie könnte gar nicht Ja sagen, da sie so lange nur auf das Nein des Widerspruchs eingeübt war. Beatrice in „Viel Lärm um nichts", ein so viel feiner angelegter Character, kann es ebenso wenig, dies liegt natürlich in diesen Characteren, die selbst dem Scheine von Empfindsamkeit tief abgeneigt sind. Der Werber erleichtert ihr den Uebergang auf eine feine, von feiner psychologischen Ueberlegenheit zeugende Weise: er flicht geschickt ein, sie hätten das so ausgemacht, daß sie noch eine Weile ihre keifische Rolle fortspielen solle. Er faßte sie dann bei einer weiteren schwachen Seite- er geht, um ihr Putz in Venedig zu kaufen - sie soll schön zur Hochzeit sein- sie zeigt auch bei anderen Gelegenheiten, daß sie Weib genug ist, daran Freude zu haben. Und was die kurze Zeit seiner Abwescn- heit in ihr gewirkt und geändert hat, verräth sie nachher bei seinem Ausbleiben mit dem einen Seufzer: Ich wollte, Katharina hätte ihn nie gesehen, — der nur noch unter schleichendem Eifer, weich und unter Thränen gesprochen ist, wo der Vater selbst einen AuSbruch ihres alten Grimms am natürlichen Orte fände. Dies alles ist, scheint es, sehr geschickt und will geschickt gegeben sein. Der Stoff, darunter möge der darstellende Künstler wohl unterscheiden, der Stoff
schreckt. Aber so ist es bei Shakespeare nicht angelegt- Grumio findet das alles nur zum Sterben vor Lachen. Die Art, wie er sie bändigt, so grob sie auch erscheint, hat 1 dieselbe feine Methode wie feine Werbung. Mit feiner reife nach Venedig, feinem Ausbleiben, feiner seltsamen scheinung, beginnt er mit ihr eine geistige Hungerkur, die Erwartung, auf Spannung, auf Enttäuschung arbeitet.
körperliche Hungerkur folgt dann nach, um gleichsam wallende Blut in ihr auch physisch zu dämpfen. Wie er sie durch Ueberraschung gewann, durch Uebertäubung stillte, so bändigt er sie erst durch Ueberspannen, dann durch Zurück- schrauben ihrer geistigen und körperlichen Natur. Der letztere Theil der Kur ist ganz die Methode, Falken zu ziehen durch Hunger und Wachen. Alle die Entbehrungen, die er ihr an- muthet, theilt er aber mit ihr- er entzieht ihr Schlaf und Essen unter dem Vorwande der Liebe und Sorgfalt für sie. Geschieht das, wie es pflegt, in einer durchweg brutalen Weise, so macht man des Dichters Absicht zu Nichte, nach der ihr jeder Anlaß, sein Verfahren nur übel zu nehmen, genommen werden soll. Man wird uns jene Stelle entgegenhalten, wo Petruccio seiner Neuvermählten zumuthet, die Sonne für den Mond zu erklären: aber an dieser Stelle wird nur noch die Probe auf eine bereits fertige Rechnung gemacht, hier löst sich sichtbar die strenge Zucht in ein humoristisches Spiel nuf und eine gute Spielerin nimmt oas so. In England ist es vielleicht eine alte Ueberlieferung, daß gleich nach dieser Stelle, wo sie nachgegeben hat, wo sie nun völlig geheilt ist, und wo sie nachher in einer gleichgiltigen Rede die Sonne zu erwähnen hat, die Spielerin sich zu Petruccio hinwendet und das Wort schelmisch fragend ausspricht, ob er auch einwillig'', daß die Sonne scheine. Ein Zug dieser Art, von geistreichen Schauspielern eingeflochten, erleuchtet ganze Scenen und Charactere Shakespeare'scher Stücke bester, als lange Corn- mentare. Dieser feine Zug ebnet den Weg zu der späteren Fügsamkeit des bekehrten Weibes ganz vortrefflich, wo sie zuletzt jene Lehre der Unterwürfigkeit predigt, noch ein wenig in der Spur des alten Trotzes, der aber nun gegen die
Feuilleton.
Der Widerspenstigen Zähmung.
(Schluß.)
Katharina, um die er zu werben unten immt, ist eine MfS Hummel, ein Füllen, das aus den Strängen schlägt, kurz angeknüpft, rasch und zufahrend, aber voll guten Kernes, an deren Wesen Petruccio schon darum Gefallen hat, weil ihr an rechten Orte, wie im letzten Acte der Wittwe gegenüber, las gerade Herz rücksichtslos überläuft. Sic ist von dem Baler verzogen, ein unartiges Kind, das nicht bitten und taufen kann, das seine sanfte Schwester mißhandelt, sie bindet und schlägt. Auf die Spitze ihres zänkischen Wesens ! ist sie getrieben durch die Bevorzugung ihrer Schwester von Seiten deS 'Vaters, hauptsächlich aber durch den Neid auf die zahlreichen Bewerber, die sich um Bianca drängen, während ! fit die Aussicht hat, im unvermählten Stande zu bleiben. I Zn jenen schönen weiblichen Seelen, die in dieser Aussicht | unk in diesem Schicksale unverbittert bleiben und die der weiblichen Natur eigene Harmonie nicht verlieren, gehört sie nicht. Es ist vielmehr der Schlüffel ihres Characters und ihrer Handlungsweise dem ungezogenen Werber gegenüber, taß sie verbittert über ihr drohendes Loos ist, „die Affen s jur Hölle führen zu sollen"- ein sprichwörtlicher Ausdruck für 113 Schicksal der Unvermählten, den auch Beatrice in „Viel $8xm um nichts" von sich gebraucht. Sie will einen Mann, 6r will Geld, so ist ihnen beiden der Weg zu einander ge- ichnt. Das alte Stück, das Shakespeare vor sich hatte, sagt (J geradezu, sie wolle einen Mann und das sei die Quelle ihrer Zänkischkeit - und Petruccio weiß das dort und spricht
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Zweites Blatt
1894
Nr. 25
Gießener Anzeig er
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Mittwoch den 31. Januar
muß anders werden!" Besonders rühmlich war, daß Versammlung, die zumeist aus Studirenden bestand, Ausführungen aller Redner gleiches objcctives Gehör warme Theilnahme schenkte.
* Cölbe bei Marburg, 29. Januar. Bei einer am öer-
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Die Gießener WamikteublLiter »»erden dem Anzeiger »Lchentlich dreimal beigelegt.
Interesse des Publikums war, kann man am besten daraus entnehmen, daß die Herren, welche standen, von ^9—11 unentwegt aus ihrem Platze auSharrten. Der hiesige Enthaltsamkeitsverein hatte Dr. Brendel eingeladen, der persönlich nicht für die Enthaltfamkeits-, sondern für die Mäßigkeitsbewegung arbeitet. Er malt in drastischen Farben das Wachsen bei Alkohvlelende, die Überschwemmung Deutschlands mit Bier, die Zerrüttung der Gesundheit, des Volksvermögens, bei Volksethik. Die Abstinenz sei die entschiedenste Bekämpferin bet Alkoholelends, er aber trete aus tactischen Gründen für blt Mäßigkeitsbewegung ein. Sogleich nach dem Vortrag enrroicfelte sich eine äußerst lebhafte Debatte, hauptsächlich zwischen hiesigen Professoren (Achelis, Küster, Lehmann, Westerkamp) und Mitgliedern des hiesigen Enthaltsamkeits- veieins (Lic. Beß, Blocher) und anderen. DaS Ergebniß bei Abends läßt sich etwa so ziehen: Alle waren einmütig bar in, daß ein dringender Nothstand bestehe, der unbedingte Abhülfe erfordere, nur über die Mittel war man nicht einig. Oben genannte Professoren traten für Mäßigkeit und Beitritt zuin Deutschen Mäßigkeitsverein ein, während die Letztgenannten Abstinenz empfahlen. Der Mäßigkeitsverein greife nicht durch, man wiffe kaum von feiner Existenz, der Ent- haittsamkeitSverein sei allein im Stande, den alkoholischen Triinkzwang zu brechen und dem Volk durch eine Radicalcur wir klich zu helfen. Die Erfahrung der angelsächsischen Länder zeize, daß dauernde Erfolge nur durch Enthaltsamkeitsvereine
Der
Lietzener Anzeiger erscheint täglich, »rtt Ausnahme deS Montags.
gangenen Sonntag ftaitgefunbenen Hochzeitsfeier dahier verstarb plötzlich mitten im Hochzeitsjubel der Brautvater an einem Schlaganfall.
* Effen a. d. Ruhr, 27. Januar. Comrnerzienrath Krupp hat der Stadt Essen hunderttausend Mark zu einer Kaiser Wilhelm-Bismarck-Stiftung übergeben.
* Berlin, 25. Januar, lieber den Nothstand in der Berliner Kind erwelt wird der „Köln. Volksztg." von hier geschrieben: Geradezu grausige Schilderungen hat der Vorsitzende des Vereins für Ktnder-Volksküchen im Freisinnigen Berliner Arbeiter-Verein über die Noth unter den Berliner Schulkindern gegeben. Der Verein, vor zwei Jahren begründet, unterhält zur Zeit vier Volk» küchen, in welchen täglich etwa 3500 armen schulpflichtigen Kindern ein nahrhaftes Mittagessen, zum größten Theil unentgeltlich, zum kleinsten Theil gegen die geringe Entschädigung von 5 Psg. gereicht wird. Nach den Ermittelungen, die der Verein in Gemeinschaft mit den Rectoren und Lehrern angestellt hat, gibt es in Berlin an sieben Tausend arme schulpflichtige Kinder, die nie ein Frühstück mit zur Schule bringen können und denen ein warmes Mittagessen oder gar Fleisch ganz unbekannte Begriffe sind. Der Vorsitzende des Vereins hat selbst in den
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erzielt worden seien. Lehrreich war, daß Geheimrath Küster sich für Aufhebung des alkoholischen Trinkzwangs in studentischen Verbindungen erklärte. Im Uebilgen war die Debatte so lebhaft, intereffant, gedankenreich, daß ihr Inhalt in kurzen Worten sich überhaupt nicht wiedergeben läßt. Als Grundton klang durch die Versammlung der ernste, überzeugte Ruf:
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GaUerie (2,50) niw
Atelier
verlegt habe.
1, Wtzml, vis-a-vis dem Friedhöfe.
verschiedenen Stadtgegenden Recherchen vorgenommen und er entwarf geradezu entsetzliche Schilderungen des Elendes. Er hat angeordnet, daß die schulpflichtigen, in der Küche speisenden Kinder in Fällen dringender Noth für ihre nicht schulpflich- tigen Geschwister je eine Portion Essen mit nach Hause nehmen. Man hat keinen Anlaß, an den Angaben des Dereinsvorstandes zu zweifeln. Allerdings liefert dieser Noth- schrei einen grellen Gegensatz zu den Berichten über die Faschingsbälle, über deren raffinirten Luxus jetzt die Zeitungen alltäglich zu berichten wissen.
* Zur Feier seines 70. Gebortsfestes wurde Herrn Lehrer H. in Speyer von einem früheren Schüler ein Bier glas gespendet mit der Widmung: „Aus Liebe für em- psangene Hiebe. Ein dankbarer Schüler!"
vierteljähriger A--»ne«ea1snrelLi 2 Mark 20 Psg. »it Vringerlohn.
Durch die Poft bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expediti« und Druckerei:
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Fernsprecher 5L
Schuljahr.
Berechtigung mm je nach Vorbildung. Che AusMutig. lieber && cte. Die Direetlon.
Wufe« Zamsi-g dn “9 be» 1. Februard. I. [851 ----Gebhardt.
vermischter.
• Marburg, 26. Januar. Der gestern Abend im Saale Museums über die Alkoholfrage gehaltene Vortrag Herrn Dr. Brendel war vorzüglich besucht, so sehr, die ganze Rückseite des SaaleS von Menschen voll stand eine Anzahl einfach umkehren mußte. Wie lebhaft daS
Literatur und Kunft.
Mufitalifcher Hausfreund. Blätter für ausgewShlte Salon- mufik. 6. A. Kochs Verlag (I. Sengbusch) in Leipzig. — Billig und gut, diese zwei Eigenschaften haben dem „Musikalischen HauS- freund" in einem Jahre so viel Gönner verschafft, daß er in der periodischen Musik-Literatur eine geachtete Stellung einnimmt. Uno das mit Recht, denn die Zeitschrift, welche pro Quartal in 6 Nummern ä 8 Qua'tseiten, Preis 1 Mark, erscheint, hat sich die Aufgabe gestellt, jungen Cornponisten den Weg in die Oeffentlichkeit zu bahnen, Familien gute und nicht schwierige Hausmusik zu liefern und mit ausgewähltem Lesestoff in unterhaltender Form zu versehen. Möge die Zahl derer, die sich davon überzeugen wollen, wie diese dreifache Aufgabe perstet gelöst wird, immer größer werden.
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ir Nachricht, daß ich von hu [881
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