1894
auiStag den 30 Juni
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Amts- und Anzeigeblatt für bett Kreis (fiteren
chratisbeikage: Hießener Aamilienbkätter.
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Gebhardt.
Feuilleton
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ftonö eS, Festtagskleider mit Geschmack zu wählen und selbst
lein" fei.
ist der Tag
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Nnnahmr von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Darm. 10 Uhr.
Alle Annoncen Burrauk des In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den ..(Siegener Anzeiger- entgegen.
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Der Husarcnjacke Steckenden ganz deutlich zu „Ne, bl Aller- iS de Köhrn (Kümmel) verl schien den Stauffacher denn doch zu ver-
zeit gebetet, wie l , AbendS laS Christoph einfach aus der alten Postille vorn
vermischte».
* Die Schuhliste des Kaisers. Zur Feier des 150jährigen , JuotläumS des Garde - Jäger - Bataillons erschien eme Festnummer der „Jäg.-Ztg.", in welcher eine Nachweisung des Wildes und Raubzeuges veröffentlicht wurde, welches der Kaiser in den Jahren von 1872—1894 erlegt har. Die Liste, zu deren Veröffentlichung der Kaiser seine Genehmigung ertheilte, lautet. 1 Wal, 2 Auerochsen, 3 Rennthiere, 7 Stück Elchwild, 3 Bären, 709 männliches und 57 weibliches Roth' wtld, 944 männllches und 40 weibliches Damwild, 1524 grobe und 179 geringe Sauen, 121 Gemsen, 413 Rehböcke, 16 Füchse, 11 066 Hasen, 7387 Fasanen. 407 Rebhühner, 29 Auerhähne, 4 Birkhähne, 56 Enten, 2 Schnepfen, 638 Kaninchen, 694 Reiher und Kormorane und 599 Verschiedenes, in Summa 24 860 Stück. Im laufenden Jahre 1894 hat der Kaiser erlegt: 29 männliches und 1 weibliches R hwild, 13 männliches und 1 weibliches Damwild, 2 geringe Sauen, 56 Rehböcke, 1 Fuchs, 400 Hasen, 8 Auerhähne, Summa 512 Stück. Die Gesammtsumme des vom Kaiser bisher erlegten Wildes und Raubzeuges beträgt somit 25 372 Stück, für jeden Tag etwa drei Stück Wild. Diese Aufstellung ist vom königlichen Büchsenspanner Rieger gemacht und am 31. Mai d. I. abgeschloffen.
* Aus dem Reich der Schmieren Die idyllischen Zustände, welche noch in den sechziger Jahren auf den Bühnen der sogenannten Schmierentheater herrschten, werden in einem längeren Feuilleton des „Hamburger Correspondenten" über daS Huddel de Nuddel-Theater in St. Pauli (Hamburg) gar drastisch beleuchtet. Auf dem Spielbudenplatze angckommen, fiel uns sogleich der in Schweizertracht herausstaffirtc ausrufende Dlrector in die Augen, der, aus den Stufen vor der Hausthüre stehend, daS um ihn versammelte Publikum folgendermaßen heranlockte: „Immer rein, immer rein, meine allcrwerthesten Herrschaften! Heute geben wir Wilhelm Tell, der Apfelschießer vom Vogtland, großes Trauerschauspiel in fünf Acten von dem berühmten Dichter Heinrich v. Schiller! — Kommen Sie rein, meine Herrschaften. Sie sollen sich wundern! Was Sie bis jetzt tm Theater gesehen haben, ist Schund gegen die heutige Comödie: Wilhelm Tell, der Apfel- schießer vom Vogtland. Gleich grht's los, meine aller
werthesten Herrschaften. Erster Platz zwei Schillinge, zweiter Platz bloS einen lumpigen Schilling!" Und als zusäll'g der Ausrufer unter dem Haufen des vor ihm stehenden Publikums eines guten B:kannten ansichtig wurde, fügte > er noch zum Schluffe diesen freundlich anbrüllend hinzu: „Komm rin, Du OaS, een Schilling iS jo keen Pund Silber!" Wir traten tnS Innere des schwarzgeräucherten Zuschauerraumes, den zwei qualmende Oellampen dürftig so weit beleuchteten, um oic hölzernen Bänke erkennen zu laffen, die sür die haute volee, die den ersten Platz bezahlt hotte, bestimmt waren. Refignirt hörten wir zuerst einem schwindsüchtigen Spinett zu, das von einem langhaarigen Musikbummler bearbeitet wurde — dann ging der Vorhang auf. Drei wüthend herumagirende Gestalten in verblichenen, vielfach gepufften Schweizertrachten ärgerten sich ganz gewaltig in haarsträubender Prosa, daß einem gewiffen Milchthal vom Vogt die Augen ausgestochen waren und verabredeten sich, im Rütlt sich wieder versammeln zu wollen und dem schändlichen Landvogt das Handwerk zu legen. Nach etwa fünf Minuten war der erste Act aus, die Matrosen, ötc auf oem zweiten Platze zumeist vertreten waren, johlten wie beseffcn, die drei Schweizer mußten nochmals vor dem Vorhänge erscheinen und wurden von einigen Matrosen, die sich bis zur Bühne beran- gedrängt hatten, mit Schnaps regalirt. Dann zogen sich die „Künstler" zurück und nach 10 Minuten Pause begann der zweite Act. Die leere Bühne, die im Hintergründe durch einen gänzlich abgeschundenen, ganz unkenntlichen Proipect abgeschlossen wurde, bildete das Rütli. Drei Statisten in Bauernröcken, ein vierter mit einer alten Husarenjacke heraus, geputzt, standen dicht an der ehemaligen Walddecoration und unterhielten sich bisweilen so laut, daß die alsbald auftretenden drei Gestalten des ersten ActeS ganz energisch
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mehr vorziehen. „n ,
Und mit diesem stillen Glücke wohnte der Wohlstand in der Thalmühle. „Die Müller SteffenS", hieß eS bald überall, „ja, daS sind gemachte Leute."
Jawohl, Frau Dörte wußte die Truhen und Koffer, die Spinde und Schränke zu füllen mit schneeigen Linnen, mit blanken Silbenhalern und mattglänzenden Goldstücken,
hübsches Lied und Alle, das beruhte auf Wahrheit, fühlten sich wohl und weilten gern in diesem Kreise. Wohl aber gehörten Christoph und Dörte zu den „Stillen im Lande" und lebten schlecht und recht dahin. Die MüllerSleute führten eine wahrhaft christliche Ehe: Morgens versammelte sich alle- Gesinde zum Frühgebet, de- Mittag- ward vor der Mahl-
Nr. 150 Zweites Blatt
in einer feiner au- der unter Worte des in hören bekam: betet!" Das
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„Wer nicht kommt, braucht nicht zu gehen und sich nicht in | der Thüre zu klemmen."
Still ging- in der Mühle zu- rechtschaffen ward tagsüber gearbeitet, Abends erzählte man sich Geschichten unter der Linde vor der Thür, laS etwas vor, fang auch wohl ein
drießen. Ganz erbost wandte er sich gegen den Statisten und rief ihm drohend zu: „Wenn Du nu nicht bat Maul
Ruhe gebieten mußten. Ohne Zusammenhang ärgerte man sich wieder über den niederträchtigen Landvogt, bis Stauffacher Stegreifreden derariig stecken blieb, daß man den Statisten weitergeführten Conversation die
hollst, bann kriegst'n Box, bat Du ut be Döör fügst!" „Smiet em rut! ©miet cm rut!" brüllt ein Matrose vom zweiten Platze 4- — — —.
♦ Tobte Kabel Die Electrical Review erwähnt die intereffame Thatsache, daß von den vorhandenen 17 transatlantischen Kabeln nur sieben wirklich in Thätigkcit, die übrigen im Lause der Zeit au- verschiedenen Ursachen unbrauchbar geworben find. Sä ätzt man die Kosten eines jeden Kabels auf nur 3 Millionen Dollars, so ist somit ein in» vistineS Capital von 30 Millionen Dollars unwiederbringlich In eine MrereStiefe versenkt, die von einigen Faden bis zu fünf Meilen beträgt.
• AfS ein ßnriofum >st zu berichten, daß in dem Städtchen Priebus bei Sogan unter sechs Magistrats-Mitgliedern vier Ganwirthe und unter zwölf Stadtverordneten acht Gastwirthe sich befinden. ______________________
herrlich und Großpapa Zimmermann hatte stet- genug zu thun, das Maß der Zärtlichkeiten gegen alle gleich ab- zuwägen, damit keine- zu kurz komme. Er wußte selbst nicht, sollte er den Bruno, die Margaret ober bie kleine Lisa
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Vorstand.
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Ter Hieben,r Jhqdger erfchemt täglich, mit «uSnafnii, de« Montags.
Die Gießenkr AamilienStälter »erben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegl.
selbst auch."
Zwar murrten einige Runben zuerst über btese Neuerung, aber sie fügten sich bald und bald kannte es Niemand anders. Da warS auch gut. An diesem Tage ging alles zur Kirche bis auf eine Person, welche die Aufsicht führte. Dabei fehlte eS am Tage des Herrn doch nicht an einem Selb» und Festgericht- das hatte die „fixe" Müllerin stets tm Voraus alles hergerichtet. Ja, Christoph erfuhr es, waS tn der Schrift steht: „Wem ein tugenbfam Weib bescheert ist, der hat wehr al- Perlen und Edelgeftein, Gold und Silber." — „Ja, Dörte," lachte er oft, „tn Dir hab ich das Glück beim Zopfe gefaßt, Du bist der Sonnenschein in der düsteren Mühle, und gelt, so solls bleiben, bis sie uns einst auseinanderreißen zur ewigen Ruhe."
„Sprich nicht so - daS wolle Golt nicht.
Ein Festtag warS, wenn der alte Cantor in die Mühle trat. WaS das Glück in der Mühle voll machte, daß waren drei Kinderchen, em Knabe und zwei Mädchen. Sie gediehen
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I n lehler Stund,.
Erzählung von C. v. Falkenberg.
(1. Fortsetzung.)
Aber eine Nachricht jagte nun die andere: der Thal- müller-Christoph sollte sich auch, und zwar mit deS Can- torS Dörte, die arm wie eine Kirchenmaus war, verlobt haben.
Wie war daS möglich! Dörte war des Cantors Jüngste- Zimmermann „hatte nichts", daS wußte jedes Kind- aber schön war die Dörte, auch häuslich und „fix", das wußten die Leute auch. Christoph hatte mit der Ein Billigung der Allen vom Erlenhof seine Noch- aber er blieb dabei und zuletzt gaben sie es zu. Nun stand gar eine Doppelhochzeit in Aussicht.
Don der zu Martini stattsindenden großartigen Festlichkeit wollen wir nicht viel berichten- aber daß die -SteffenS alles aufboten, um zu glänzen, muß wohl erwähnt werden. So eine Hochzeit war noch nicht im Dorfe bageroefen, hieß es Überall. Nur fiel es ahf, baß bie MüllerSleute vom dritten Tage an weggeblieben waren, während bte (Srleiv Höfler bis Uzum sechsten feierten. Fragten die Gaste nach Christoph und Dörte, so lachte der Jacob und sagte: „Mein Bruder ist zu Kreuz gekrochen. Als Schwiegersohn des Schulmeisters kann er dock schon sich nicht so weltlich zeigen. Wir aber, wir sind freie Leute- unS hat keiner waS tn die ^Das giftete ein gewaltiges Gelächter und bann hieß
Der Jacob 'st boch ein ganzer Kerl.
Der alte Herr Velten und Frau Lene wohnten nun m ihrem schmucken Altentheilerhäuschen hinter bem Eichenkamp des Grundstückes Erlenhof, von wo sie gerade auf die Thal- Eie sehen konnten. DaS war nun für Frau Lene allemal , hiS Herz, wenn sie den alten, weißkopsrgen
ßantor Zimmermann in die Mühle gehen sahen- oft begleitete Cantor Zimme m ben Erlenhof noch nicht
^"H^a^ wi d« gekommen war. Als sie Evchen, de" fiJÄ d°von sagten, meinte diese aber schnippisch:
llnivcriitäts • Nachrichten.
— Die Ausländer auf ben deutschen Universitäten. Manschreibi der „5.3.": Unter den 28105 andendeuschenUniversitäten gegenwärtig tmmaittculitlen Studenten besinden sich 1836 Aus länber, von denen 1461 aufl europäischen und 135 au« außer europäiichen Ländern kommen. Von dieser Gesammizabl smdiren 467 PHUosovbie, Philologie oder Geicktchie, 415 Medictn, 373 Mathematik oder Naturwtssen,Lasten, 269 Juri«prüden», 157 tDanfltlti<6e Theologie, 130Landwirihscha,i, 47 SiaalSwissenschaslu', 15 Pdarmacie, 12 kalboli'che Theologie und 11 Zahnbeilkunde Bei AuSscheidun- nach Ländern trifft wieder die größte Zahl aus die Russen. 410. Daraus folfltn 351 Amerikaner, 291 Öesterretcher. 2b2 Schwei»», 125 Engländer. W tter sind Bulgarien mit 75, die Niederlande mit 66, Rumänien mit 32, Frankreich mit 28 Luxemburg und die Türkei mit je 26, Italien mir 24, Griechenland mit 22. Schweden und Norwegen mit 20, Belgien und Serbien mit je 18, Dänemark mit 13, Spanien mit 3, endlich Montenegro und Portugal mit ,e 1 Studenten vertreten. Unter den Nichteuropäern sind 64 au« »ff«, säst alle aus Japan, sodann 14 bezw. 4 aus Afrika und «usttalie» - zumeist Söhne von ausgewanderten Europäern. Schließlich sei daraus hingewiesen, daß tn dieser Statistik natürlich nicht alle Ausländer ersaßt sind, die sich überhaupt inDeutchlandzum^weckt der wiffenschastlichen Ausbildung auihalten. Die Praxi« bezüglich der Jmmatriculation ist nicht an allen Universitäten »^reiche Ausländer, namentlich solche, die ihre eigentlichen Studien> berettf mit einem Examen abgeschlossen haben und sich nunz weiter noch bilden wollen, halten sich Studiren« halber in Deutschlandsau, die nicht immatriculirt, sondern al« außerordentliche Hörer zum Besuche der Vorlesungen zugelassen find.
Großvater selig einen Abendsegen vor:
„Set still und geh auf Gottes Wegen, Verricht das Deine nur getreu."
Diese- war der Wahlspruch der Mühle, der auch oben in bie biefen Querbalken eingemeißelt war. Christoph ließ ihn mit Golbschrift renooiren, weil es ein „golden Sprüchlein" sei. Sonntags stanb bie Mühle still Um keinen Preis hätte Christoph an blesem Tage Gelreibe aufgeschüttet. — „Daß ist der Tag des Herrn," sagte er, „ba will alles seine Ruhe haben: baS Gesinbe, bas Vieh unb ich
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Sil» Reslauratear. »ichn.
S Garten borge-
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Herr Christoph SteffenS war ein stattlicher Mann, da- diSchen Hinken sah man kaum, wenn er io daher schritt, be- scheiden und freundlich, dabei aber wohlgebildet und gut belesen. WaS Wunder also, wenn man ihn bei der nächsten Wahl zum Kirchen- und SchulvorftandSmitgliede machte und ihm vielfach Vertrauensposten anbot?
Jacob SteffenS nahm daS mit Haß aus. Warum olle diese Ehre dem Duckmäuser Christoph? Warum nicht ein Thril davon auch ihm, bem reichsten Manne im Dorfe, gebtti? Er vergaß, daß bie Schätze brs Herzen- über bem irdischen Mammon stehen, wenn fie auch gegen diesen in bcn meisten Fällen zurückstehen müffen- in allen istS doch nicht so und hier gerade traf einmal die Ausnahme ein.
Ohne daß von Seiten Christoph« oder den Seinigen etwas dazu geschehen wäre, bildete sich tm Altentheilerhäuschen unb Erlenhof eine tiefe Feinbschaft gegen die in der Muhle, so daß e« nur eineß ganz geringen Grunde- bedurfte, um den Funken zur hellsten Flamme onzu'olasen.
Das Spnchwort sagt: „Jung gewohnt, alt gethan. Unb eß hat auch daß Recht: „WaS ein Dorn werden mW, krümmt sich bei Zeiten." Der Jacob vom Erlenhof hatte eß schon auf der Ackerbauschule arg getrieben- seitdem hatte er wohl etwas an Einsicht gewonnen, aber den festen Willen zu einem anderen L.'ben hatte er noch nie gefaßt.
(Fortsetzung folgt.)
(Gießener Anzeiger
Kenerat-Unzeiger.


