Ausgabe 
30.5.1894 Erstes Blatt
 
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lagen gebrachten Märsche, welche an kraftvoll-schneidiger, tadelloser Ausführung nichts zu wünschen übrig ließen, veranlaßten das Publikum zu enthusiastischem Beifall, j Angesichts der kühlen, ungünstigen Witterung mußte leider das Concert im Saale gegeben werden, wodurch in Berück­sichtigung der Besetzung des Orchesters die Copelle stellenweise weniger zur Geltung kommen konnte.

** Sechszehntes Verbaudsfest hessischer freiwilliger Feuer- ! wehren. Der Haup t-Aussch, der zur Vorbereitung) des für den 18. bis 20. August d. I. vorgesehenen Fe u e r w e h r- festes gewählt wurde, hat seine erste Sitzung am Donnerstag, den 24. Mai, im Hotel Schütz abgehalten. Die Mitglieder, einschließlich die Vorsitzenden der Einzel-Ausschüsse und ihre ! Stellvertreter, hatten sich vollzählig eingefunden. Die Ver­handlungen leitete als Ehrenpräsident Herr Oberbürgermeister Gnauth, dem als geschäftsführender Vorsitzender Herr Branddirector Schm an dt zur Seite stand. Zunächst wurde das Festprogramm in seinen Hauptzügen endgiltig fest- gestellt. Das Wichtigste sei hier mitgetheilt: Auf dem Fest­platz, Oswalds Garten, soll keine Festhalle, wohl aber sollen rings um denselben Hallen gebaut werden zur Verpachtung an Wirthe u. A. Diese Hallen werden, um Platz zu ge­winnen, nach der Besitzung des Herrn Commerzienrath Gail : hin hart an dessen Garten gestellt, sodaß der Verkehr zwischen Wetzsieingasse und Neustadt für einige Tage nur durch die Wetzsteinstraße oder über den Festplatz selbst möglich ist. Für zwei angemessene Eingänge zum Festplatz, von Neustadt und Wetzsteingaffe her, sowie für sichere Ausgänge, für zwei Musikhallen und ein Podium für den Ausschuß und Ehren­gäste wird gesorgt werden. Das Fest beginnt am S a m s t a g, 18. August, nach Abholung der Gäste, Nachmittags 3 Uhr mit der Delegirten - Versammlung der Hess. Feuerwehren in Steins Garten. Gegen 8 Uhr Abends zieht die Musik Zapfenstreich aus Steins Garten nach dem Festplatz - daselbst Concert und sonstige Unterhaltung. Sonntag, j 19. August, früh 6 y2 Uhr, Weckruf- dann im Laufe des i Vormittags Empfang der auswärtigen Feuerwehren, der still , vor sich gehen wird. Kurz nach 11 Uhr, sodaß, wie aus- j drücklich bestätigt wurde, der Hauptgottesdienst durch das Fest \ ungestört bleibt, beginnt auf dem Festplatz die Hauptübung der hiesigen zwei Feuerwehren, die 12*/*, spätestens 12^ Uhr zu Ende geht. Um 1 Uhr Festessen in Steins Garten. Um 2/2 3 Uhr Aufstellung des Festzugs am Ludwigsplatz und in den benachbarten Straßen- Punkt 3 Uhr Abmarsch nach dem Festplatz - daselbst Volksfest. Montag, 20. August, früh 7 Uhr, Weckruf. Vormittags Besichtigung der Aus­stellung von Feuerwehr - Gegenständen im Hof der neuen Stadtknabenschule. IOV2 Uhr Frühschoppen auf dem Fest­platz, mit Concert. Nachmittags 3 Uhr: Zug der Musik durch die Stadt- Concert auf dem Festplatz- Abends Feuer­werk. Sowohl Vor- als Nachmittags wird nach Wunsch Gelegenheit geboten werden zu Ausflügen in Gießens Um­gebung. Ferner verhandelte der Haupt-Ausschuß in seiner Sitzung über die Thätigkeit der Einzel-Ausschüsse. Herr Branddirector Schm an dt legte für jeden Ausschuß die Gesichtspunkte dar, nach denen er sich dessen Vorgehen und Wirken denke und die Vorsitzenden berichteten, was die Ausschüsse ihrer­seits bereits gethan hatten, und was sie als ihre besonderen Auf­gaben weiterhin anfahen. In allen Punkten wurde vollste Ver­ständigung erreicht. Aus den Verhandlungen, die naturge« maß zu eingehender Veröffentlichung vorerst sich nicht eignen, .sei einiges allgemeinJnteressirende herausgegriffen: Mit den Directionen der Eisenbahnen in Hessen soll ver­handelt werden betreffs Ermäßigung des Fahrgeldes und insonderheit betreffs Erleichterung in Handhabung der Bahnsteig- j sperre zu Gießen. Zur Beschickung der Fest-Ausstellung : soll eine Aufforderung an alle bezügliche Fabriken und Ge­sellschaften ergehen. Es soll eine Festschrift herausge­geben werden, die allen activen, in Uniform erscheinenden Feuerwehrmännern in je einem Exemplar als Erinnerung ; unentgeltlich übergeben und sonst zum Verkauf allgemein an­geboten wird. Der Festschrift soll ein Anhang mit geschäft­lichen Anzeigen beigesügt werden. Auswärtige Geschäfte, deren Erzeugnisse und Lieferungen mit der Feuerwehrsache in Zusammenhang stehen, dann aber auch alle Geschäfte in Gießen, einerlei, welcherlei Art, sollen aufgefordert werden, diese Gelegenheit zu Anzeigen, welche die weiteste Verbreitung zu erwarten haben, zu benutzen. Den Gästen, die hier über Nacht bleiben, sollen durch den Fest-Ausschuß Quartiere be­schafft werden. Hierzu wird demnächst an die Einwohner Gießens die freundliche Bitte ergehen, entweder Betten zur Verfügung zu stellen, oder einen entsprechenden Geldbeitrag zu spenden, damit den Gästen ein Unterkommen in Gast­häusern geboten werden kann. So hat der Haupt-Ausschuß den ersten entscheidenden Schritt zu einer würdigen Festfeier gethan- die Einzel - Ausschüsse find in Thätigkeit getreten. Zum Gelingen des Feuerwehrfestes ist nun weiter die wohl­wollende Gesinnung und die thätige, opferwillige Theilnahme der ganzen Bevölkerung Gießens nöthig. Diese zu gewinnen wird der Festausschuß sich angelegen sein lassen, auch durch zeitweise Mittheilungen über den Fortgang der Festvorbe- reiiungen. Schon manches schöne Fest ist in Gießen gefeiert worden; unsere Stadt wird hoffentlich auch am sechszehnten Hess.Feuerwehrtag in den nächsten Augusttagen zeigen, wie sie em besonderes schönes und würdiges Fest zu feiern versteht im Dienste des Werkes, das unter dem Wahlspruch geschieht: Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr'!

** Fechtverbaud GleßeuLahr. Der Verein hielt gestern Abend in den oberen Raumen des Hotels zumKaiser Friedrich" eine sehr star£ besuchte Monatsversammlung ab. Es wurde zunächst über das nächste Sommersest Beschluß gefaßt. Dasselbe findet statt am 24. Juni auf der Pulver- Mühle und soll einen großartigeren Verlaus nehmen, als seine Vorgänger. Auf Anregung eines Mitgliedes hielt der erste Berbandsfechtmeister zur Aufklärung neuerer Mitglieder einen Vortrag über Zweck und Wesen des Vereins und auf weitere Interpellation über andere in den letzten Jahren

auf der Bildfläche erschienene Fechtvereine und deren Stellung zu dem im gesummten deutschen Reiche verbreiteten | Fechtverein Lahr. Die verschiedenen Ausführungen wurden mit großem Beifall ausgenommen. Die nächste Monats- ; Versammlung findet am 11. Juni bei Wirth Jochem auf dem Seltersberg statt.

* * Eine eigenartige Hetzjagd fand heute früh 7 Uhr auf der Lahn statt. Ein einem auswärtigen Händler ge- böriges starkes Rind war durchgegangen und hatte feinen Weg birect in die Lahn und nach einer inmitten derselben, oberhalb der Brücke gelegenen Insel genommen. Alle sofort angestellten Versuche, des Thieres wieder habhaft zu werden, fdjeiterten, denn es stürzte sich auf Jeden, der die Insel betrat. Auch mehrere auf die Insel gesetzte Hunde konnten sich nur durch schleunige Flucht ins Wasser retten. Endlich gelang es nach wiederholtem vergeblichen Bemühen, dem Thiere von einem Nachen aus eine Schlinge um die Hörner zu werfen - Dutzende von Händen zogen vom jenseitigen Ufer das sich noch im Wasser wüthend geberdende Thier ans Land, woselbst es erst gefesselt werden konnte, nachdem es mehrere Personen zu Boden geworfen halt-. Dem Schauspiel wohnte eine große Zuschauermenge bei.

* * Weder Glotzbach noch einer seiner Mitgefangenen hat einen Entweichungsversuch gemacht, geschweige denn ist er entwichen. (Die Nachricht wurde demOberh. Anz." von einem Dorheimer Mann, der sonst absolut glaubwürdig ist, und welcher Glotzbach gesehen haben will, mitgetheilt.)

* * Das 15. Kircheugesaugsest des evangelischen Kirchen- gesangvercins für Hessen soll am 24. Juni l. I. in Offenbach abgehalten werden.

* * ImReichsanzeiger" wird vor getrockneten Aepfeln, besonders solchen amerikanischen Ursprungs, gewarnt, da dieselben häufig in höherem oder geringerem Grade zink­haltig seien.

* * Der diesjährige Delegiertentag des Landesverbandes der KriegerkameradschaftHasfia" fand am Sonntag in Mainz im Concerthause derLiedertafel" statt. Der erste Schriftführer Dr. Bogt trug den Jahresbericht, der Rechner Hauptmann Waldecker den Kaisenbericht und Engel-Darmstadt den Rechnungsprüfungs-Commissionsbericht vor. Die aus- scheidenden Vorstandsmitglieder Waldecker-Darmstadt, Meyer- Gießen und Seiler-Bingen wurden wiedergewählt. Punkt 7 der Tagesordnung, 25jährige Gedenkfeier der Schlacht bei Gravelotte im Jahre 1895 in Darmstadt, rief eine sehr lebhafte Debatte hervor. Beschlossen wurde schließlich, daß die Feier nach Maßgabe des bereits aufgestellten Programms in Darmstadt abgehalten wird. Die an dem Feste theil- nehmenden Kriegervereinskameraden brauchen keine Festkarte zu lösen, und wird daher der Garantiesoud Seitens des Verbandes um 2000 Mk. erhöht. Der Delegiertentag in 1895 wird in Darmstadt abgehalten. Der Voranschlag für 1894, welcher eine Ausgabe von 9560 Mk. nachwetst, wird genehmigt. Für Gewährung eines Ehrenfoldes, aber nur an kranke Soldaten, will das Präsidium eintreten. Von der Sammlung bezüglich des Hochzeitsgeschenks für Se. Königl. Hoheit den Großherzog bleiben über 2000 Mk. übrig und soll von dem Ueberschuß, nachdem der Betrag auf 5000 Mk. erhöht worden ist, eine Ernft-Ludwig-Victoria- stistung errichtet werden. Die Zinsen sollen bedürftigen Confirmanden zugewendet werden. Nach Erledigung der Tagesordnung verabschiedete sich Herr Oberst Ger lach von den Kameraden. Derselbe wurde zum Ehrenmitglied des Landesverbandes ernannt.

* * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Commis Konrad Alleborn aus Stein-Bockenheim wegen Unterschlagung, von der Staatsanwaltschaft Gießen- Zimmer­mann Arno Hartung aus Eisenach wegen Diebstahls, vom Amtsanwalr Friedberg; Hausbursche Martin Lang ans Bornheim wegen Unterschlagung, vom Polizeiamt Darmstadt- Bettfedernreiniger Jakob Zäun er aus Pleitersheim wegen Betrugs, vom Amtsanwalt Zwingenberg- Taglöhner Ludwig Hermann aus Günterod, taubstumm, und Lackirer Wilhelm Koch aus Weilbach, wegen Diebstahls, vom Amtsanwalt Friedberg.

* Elftes deutsches Bundesschießen in Mainz. Die An­meldungen zur Betheiligung an dem historischen Fest- zuge, welcher das Fest einleiten wird, sind erfreulicher Weise über Erwarten zahlreich eingelaufen. Alle vorgesehenen Gruppen sind zur Ausführung übernommen, über 1000 Costü- rnirte werden in den historischen Abteilungen des Zuges mitwirken. Keine Gruppe wird unter 6070, verschiedene die doppelte Zahl und mehr Theilnehmer zu Fuß, zu Pferd und zu Wagen aufweifen. Hunderte von Pferden, Zugochsen und Hunden kommen zur Verwendung. Eine in Jägerkreisen bekannte herrliche Meute nebst den berittenen Piqueuren nsw. wurde von Darmstadt zur Mitwirkung im Jagdzuge gütigst zur Verfügung gestellt. Der Begrüßungs-Commers am Vorabend des Hauptfesttages wird in der Stadthalle abgehalten. Der Hauptfaal bleibt für die Schützen reservirt - die übrigen Theilnehmer erhalten Zutritt zu den Gallerieen, den Foyers und dem Hallegarten. Die Unterbringung der Feftgäste wird in zufriedenstellender Weife durch den Wohnungs-Ausschuß erledigt. Außer den Gasthäusern steht eine große Anzahl Betten in Privathäusern zur Verfügung. Für die Schützen, welche Massenquartiere wünschen, werden solche in erster Linie in den Casinos und Restaurationen, welche volle Bürgschaft für eine gute Unterkunft, Ordnung und Bedienung bieten, eingerichtet und durch einen besonderen Ausschuß beaufsichtigt. Die erste Nummer der Festzeitung erscheint am 1. Juni. Inhalt und Ausstattung werden sicher Anerkennung finden. Eine große Anzahl von Ehren­gaben wurden neuerdings gestiftet.

* * In den Tagen vom 19. bis 20. Juni d. I. findet in Heide in Holstein der 17. Deutsche Fleischerverbandstag statt. DerDeutsche Fleischerverband", der die meisten Fleischer-Innungen in allen Theilen Deutschlands vereinigt, gehört zu den am weitesten verbreiteten und größten gewerb­

lichen Vereinigungen Deutschlands. Die Tagesordnung dieses Verbandstages weift Punkte auf, deren Erledigung nicht nur im Interesse der Fleischer Deutschlands, sondern hervorragend im Interesse des Gesammtpublikums liegt. Mit diesem Ver­bandstage ist zum ersten Male seit Bestehen des Deutschen Fleischerverbandes eine Schlachtvieh - Ausstellung verbunden, welche am 21. und 22. Juni stattfindet. Die viehreichen Gegenden Schleswig-Holsteins werden das Beste und Schönste zeigen, was Zucht und Mästung erzielen kann.

* * Jubelfeier. Die Männer, die während des deutsch- französischen Krieges dem deutschen Heere angehörten und entweder bei dem 11. Armeecorps gestanden haben ober jetzt im Bezirk desselben wohnen, wollen die Denkfeier an die große Zeit am Sonntag den 4. August In Gaffel ge­meinschaftlich festlich begehen.

* * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Drei mit evangelischen Lehrern zu besetzende Lehrersteüen an der Ge­meindeschule zu Groß-Gerau mit nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalten von 10001400 Mk. Vier Lehrerstellen an der Volksschule zu Offenbach, von denen drei mit katholischen Lehrern zu besetzen sind und eine mit einem evangelischen zu besetzen ist, mit einem An­fangsgehalte von je 1200 Mk. Dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem ebangel. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Nösberts Weidmoos, Kreis Lauterbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem ebangel. Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Großen-Buseck, Kr. Gießen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem ebangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Beuern, Kr. Gießen, mit einem jährlichen Gehalte bon 900 Mk.

* * Schulstatistisches. Im Frühjahr 1893 bestanden im Großherzogthum Hessen 992 einfache Volksschulen und zwar 522 einklassige, 244 zweiklassige, 115 dreiklassige, 56 bierklassige, 55 mehrklassige. An allen diesen Schulen waren 2261 Lehrer und 180 Lehrerinnen beschäftigt. Die Zahl der Schulkinder betrug 156 102, nämlich 77 526 Knaben und 78 576 Mädchen. Der Religion nach waren 105 683 Schul­kinder ebangelifch, 46 869 katholisch, 2603 israelitisch und 947 anderen Bekenntnisses. Privatunterrichtsanstalten gab es 54, darunter 11 nur für Knaben, 29 nur für Mädchen, die übrigen 14 für Knaben und Mädchen. Diese Pribat- anstalten wurden bon 3819 Schulkindern, nämlich 1248 Knaben und 2571 Mädchen besucht. Unter diesen Kindern befanden sich 1645 evangelische, 1697 katholische, 441 israelitische und 36 anderen Bekenntnisses. Erweiterte Volkschulen waren es 26 und zwar 7 nur für Knaben, 8 nur für Mädchen und 11 gemischte. Die Zahl der Schulkinder betrug 3820, nämlich 2027 Knaben und 1793 Mädchen. Von den Kindern waren 2908 evangelisch, 629 katholisch, 198 israelitisch, 85 anderen Bekenntnisses. Von den 26 erweiterten Volks­schulen des Landes finden wir 10 in der Provinz Oberhessen und zwar je eine in folgenden Orten: Gießen, Grünberg, Hungen, Homberg, Nidda, Butzbach, Friedberg, Reichelsheim, Vilbel und Schotten.

M. Herbstein, 29. Mai. Von einem sonderbaren Besuch wurde dahier vor einigen Tagen eine Familie beim Mittags­tisch überrascht, nämlich von einem Bienenschwarm. Der­selbe kam plötzlich durch das geöffnete Fenster und faßte Posto in einer Zimmerecke. Mit einiger Mühe gelang es, das Bienenvolk zu fassen.

Nidda, 23. Mal. Zum ersten Male hat der Orts- gewerbeverein Nidda eine allgemeine Gesellenprüfung veranstaltet, an deren theoretischem Theile vier junge Leute theilnahmen, während drei weitere von demselben dispensirt wurden, weil sie die Handwerkerschule mit Erfolg besucht hatten. Um Zeugniß von ihrer practischen Tbätigkeit abzu­legen, wurde jedem die Anfertigung eines Gesellenstückes auf- ertegt, das sie unter Aufsicht eines Meisters anfertigen mußten. Heute wurden diese Arbeiten nebst entsprechenden Zeichnungen im SaaleZum Gambrinus" ausgestellt und zugleich wurde damit die feierliche Ueberrelchung der Gesellenbriefe verbunden. Die ausgestellten Gegenstände waren ein Kleiderschrank, ein Bierschränkchen (Kunsttischler- und Bildhauerarbelt), ein ge­kröpfter Bilderrahmen und ein gebundener Atlas von Andre, das Modell einer Treppe mit Vlertelwindung, ein zweitouriges Kassenschloß, ein gestrichener Küchenschrank (Weißbinderarbeit), endlich die Zeichnung eines an anderem Orte ausgeführten Stichbogengewölbes.

M. Lanzeuhaiu, 26. Mai. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich heute Nachmittag dahier. Der 64jährige Land- Wirth Johannes Ganz fiel unversehens vom Heuboden aus die Tenne- er raffte seine Kräfte zusammen und vermochte sich noch in seine Wohnstube zu schleppen, woselbst er, nach­dem er seinen Angehörigen den Vorfall erzählt und über heftige Schmerzen geklagt, plötzlich tobt zusammen- brach.

Mainz, 28. Mai. Zu der aus Anlaß des Schützen­festes am 23. und 24. Juni hier stattfindenden Ruder- Regatta haben fick nicht weniger wie 17 Vereine mit 56 Booten angemeldet und zwar sind Meldungen eingelaufen von dem Academlschen RuderclubRhenuö" in Bonn, Frank- furter RudergesellschaftGermania", Frankfurter Ruderverein, Gießener Rudergefellfchast, Hanauer Rudergesellschaft, Kölner Ruderverein, Leipziger Ruderclub, Ludwigshafener Ruder- verein, Mannheimer Ruderclub, Mannheimer Rudergesell- schast, Mannheimer Ruderverein, Oberraber Rubergesell­schaft, Offenbacher Ruberverein, Wetzlarer Ruberclub, Wiesbabener Ruberclub, Wormser Rubergesellschaft unb Mainzer Ruberverein. Gegenwärtig werben zur größeren Sicherheit bes F ahr bi en st es auf verschiebenen Strecken ber Hessischen Ludwigsbahn Einrichtungen getroffen, wonach ble Einfahrtssignale vor ber Station nicht mehr wie bisher durch die Weichenwärter, sondern durch die dienftthuenden