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1894

Freitag den 30. März

Nr. 73

Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis (ßiefjen

Gratisbeilage: Gießener Jamikienblätter

Reservisten.

B. Zu Hungen

einmal,

Feuilleton

(Schluß folgt.)

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bex folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Die Gießener >eml(lenl(dtler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beiflelegL

f Men, Isidor mb Wilhelm Mer, 1216

ter

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Vieneliähriger Aöonnementsprei»: 2 Mark 20 Pfg. nut Bringerlolin.

Durch die Poft bezogen. 2 Mark 5<i Pig.

Redacuon. iSrpebiüon und Druckerei.

^chutüraße "Sr.7.

Fcrinprcchcr 51.

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AUc Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Staufenberg mit Friedelhaufen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wiefeck.

1. Appell Vormittags 9 Uhr.

Offiziere. Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Dis- positton der Truppentheile und der Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschafleu aller Waffen.

2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten. Wehtteute I Aufgebots aller Waffen.

3. Appell Nachmittags 2 Uhr. Ersatz-Reservisten.

E. Zu Grünberg

am 13. April 1894 an der Kirche für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Gellshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegclhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kestelbach mit der Nabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bing- mühle, Georgenhammer, Strelleü-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lu>nda (Groß, und Klein»), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingühaufen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stock­hausen, Weickartshain, Weitershain mit Hainerhof, Winnerod.

1. Appell Vormittags 9 Uhr.

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Dis» pofitton der Truppentheile und der Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 11 Uhr.

Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatz-Rescr- visten. __

Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptmeldeamt einzu­reichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt fein, werden aber nur im dringendsten Rothfalle genehmigt.

Wehrleute der Infanterie, Jäger. Pioniere, Eisenbahu- nnd Lnstschiffertrnppcu, des unberittencn Trains, der unberittenen Feld-, sowie der Fuß-Artillerie ferner zum Sanitätspersonal Gehörige, sowie die Ersatz Reservisten haben diesmal ausnahmsweise überhaupt keine Aussicht auf Befreiung.

Meßmer A nzeiger

Generat-F<nzeiger.

Ziegelhäusern, welche rings um das königliche Schloß lagen und zum Theil auf holländische Art erbaut waren. Jeder Berheirathete erhielt mit Frau und Kindern ein Haus allein, während die Unverheiraiheten zu je vier Mann bei einem Wirth untergebracht waren. Dem König ging auf der ganzen Welt nicht- so nahe, als das Wohlergehen seiner Grenadiere. Gern sah er's, wenn sie sich vortheilhaft verheiratheten besonders mitlangen" Mädchen. Viele von ihnen lebten wie Studenten auf der Schule: sie beschäftigten sich mit Lectüre, Zeichnen und Musik. Außer einem festen monat­lichen Solde von 4 Thalern erhielten sie nach ihrer Größe" oder nach den bei ihrer Werbung getroffenen Vereinbarungen noch Zulagen von 5 10, ja selbst 20 Thalern. Noch mehr als der Unterhalt des Regiments kosteten dem König die Werbungen. Für den Irländer James Kirckland, der 6 Fuß und 11 Zoll maß, wurden an Handgeld, Reisekosten, Ge­schenken und Bestechungsgeldern 9000 Thaler verausgabt und in den Jahren von 1713 1735 gingen 12 Millionen Thaler für Werbungen ins Ausland. Für solche Ausgaben konnten die regelmäßigen Staatseinnahmen natürlich nicht ausreichen. Aber der König wußte Rath. Seit den Zeiten des Großen Kurfürsten bestand in Preußen eine Marioekaffe, welche ursprünglich den Zwecken der jungen preußischen Marine ge­dient hatte und an welche jeder neu angestellte^StaatSbeamie einen Theil seines ersten JahreSeinkommeos abgeben mußte. Schon deS Kurfürsten Nachfolger gab den FlottengründungS- plan auf und verwendete die einlaufenden Gelder zu anderen Zwecken. Friedrich Wilhelm I. aber gab der Marinekaffe einen anderen Namen- er nannte sieRekrutenkaffe" und verwandle fortan ihre Einkünfte zur Bezahlung der Werbe­gelder für fein Riesenregiment. Auch wurden der Kaffe jetzt noch andere Einnahmequellen eröffnet: jeder Staats­bürger, dem ein Titel oder ein Ehrenzeichen verliehen wurde, sowie jeder Jude, der um die Trlaubniß zum Heirathen einkam, mußte einen bestimmten Beitrag zurRekruten- kaffe" leisten.

Bekanntmachung.

Bei den diesjährigen Frnhjahrs-Eontrolversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen qeljonqen:

1) Offiziere. Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.

2) Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlaffenen.

3) Wehrleute I. Aufgebots, die vom 1. Oktober 1881 ab eingestellt worden.

4) Ersatz-Reservisten, geübte und nicht geübte.

Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Eonlrolpfiichtigen anzutreten haben:

A. Zu Gietzen

in Oswalds Garten für die Bewohner von Annerod, Burk­hardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchel­heim, Klein-Linden, Oppenrod.

Am 6. April 1894: 1 Appell Vormittags 9 Uhr

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr 1. Ausgebots, Reservisten, sowie zur Disposition der Ersatz-Behörden entlaffenen Mannschaften der Infanterie.

2. Appell Nachmittags 2 Uhr:

Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz - Behörden cntlaffene Mannschaften aller übrigen Waffen und zwar der Garde, Jäger, Cavallerie, Feld» und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn» und Luft- schifferlruppen, des Trains (einfchl. Krankenträger), SanitätS- und Veterinärpersonals, Büchsenmachergehülfen, Oeconomie- Handwerker, Marine-Mannschaften und alle übrigen im Re- secveverhältniß stehende Mannschaften.

Am 7. April 1894: 1. Appell Vormittags 9 Uhr Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie.

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am 10. April 1894 am Friedhof für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langs- dorf, Rtufchenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.

1. Appell Vormittags 8 Uhr 30 Minuten: Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Disposition der Truppen­theile und der Ersatz-Bchörden cntlaffene Mannschaften aller Waffen. , , , J

2. Appell Vormittags 10 Uhr: Sämuttliche Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und die Ersatz-Reservisten.

C. Zu Lich

am 11. April 1894 am Bahnhof für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettings­hausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder.Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.

1. Appell Vormittags 8 Uhr 30 Minuten.

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Dis­position der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlaffenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 10 Uhr.

Sämuttliche Wchrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten.

D. Zu Lollar

am 12. April 1894 neben dem Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibettshausen, Großen- Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg,

sehr großer Mann war, mit der ausgestreckten Hand nur bis zur Nasenspitze reichte. Um diese stattliche Zahllanger Kerle" zusammenzukriegen, wurde ganz Europa von des Königs Werbern abgesucht. Jeder Stand und Beruf war in diesem Riesenregiment vertreten: Edelleute, katholische Geistliche, Mönche, Studenten, Handwerker u. s. w. Wo die Werber auf gütlichem Wege nichts auSrichieien, wurde Ge­walt und List angewandt. Einst wurde dem König mit- getheilt, daß sich in einem Kloster in Italien ein außer- ordentlich langer Mönch besinde, und als ein Major sich erbot, ihn nach Potsdam zu schaffen, erhielt er einen zwei- jährigen Urlaub und eine bedeutende Summe Geldes. Der Major ging nach Polen, nahm das katholische Bekenntniß an und ließ sich in ein Kloster aufnehmen. Nach einiger Helt reiste er mit Empfehlungsschreiben nach Italien, besuchte das Kloster, in welchem sich der lange Mönch befand, und be­freundete sich mit diesem. Eines Tages erzählte er dem Abt, er habe reiche Verwandte in Polen, die er gern zum Katho­lizismus bekehren möchte, und bat, ihm jenen Mönch als Beistand witzugeben. Der Abt ließ sich bethören und gab feine Zustimmung. Am nächsten Tage reisten Major und Mönch ab und kamen nach einiger Zeit in Potsdam an. (Nach Ferd. Schmidt, Geschichte Preußens.) Wenn den Werbern in fremden Gebieten Schwierigkeiten bereitet wurden, war der König sehr ungehalten. Als die Hamburger ihn einst in dieser Beziehung geärgert und bald darauf den Ber­liner Probst Reinbeck zu ihrem Hauptpastor haben wollten, schrieb der König auf das bezügliche Gesuch:P'att ab­geschlagen. Die Hamburger wollen mir meinen besten Pre­diger aus dem Lande holen und wenn ich einen Lumpenkerl anwerben laffe, wird ein Lärm darüber gemacht." Lieb war es ihm, wenn er in den Besitz von einigenlangen Kerlen" kommen konnte, ohne daß es ihm Aerger und Geld kostete. Sehr erfreut war er, als ihm Peter der Große deren 150 auf einmal schenkte. Als ihm der König von Frankreich einen mit Brillanten besetzten Degen verehrte, meinte er, ein Dutzend langer Kerls wäre ihm lieber ge- roefen. In Potsdam wohnten die Gardisten in kleinen

j | 2. Appell Nachmittags 2 Uhr: Sämmtliche Wehrleute 1. Aufgebot- aller übrigen Waffen.

Am 9. April 1894: 1 Appell Vormittags 9 Uhr: Sämmtliche Ersatz-Reservisten.

2. Appell Nachmittags 2 Uhr für die Bewohner von Allendorf a.d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.

Reservisten uiib Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlaffene Mannschaften aller Waffen sowie die Ersatz-

Vie preußische Armee unter Friedrich Wilhelm I.

Von Friedrich Thimm.

(Nachdruck »erboten.)-

Im vergangenen Jahre ist vom Deutschen Reichstage eine neue Militärvorlage angenommen worden, deren Zweck eS ist, nicht nur die Zahl unserer Truppen, sondern auch ihre KriegStüchtigkeit wesentlich zu erhöhen. Es dürfte deshalb intereffant sein, zu erfahren, wte unser Heer vor etwa 150 Jahren beschaffen war. In Folgendem soll nun ein Bild entworfen werden von dem Heere Friedrich Wilhelms I. (1713 1740). Der Große Kurfürst ist der eigentliche Schöpfer der preußischen Armee, die er durch stete Ver­größerung aus 48,000 Mann brachte. Sein Sohn, der erste König in Preußen, suchte diesen Bestand zu erhalten,- Fried­rich Wilhelm I. aber vermehrte die Kriegsmacht fast aufs Doppelte (83,500 Mann). Er brachte die preußische Truppe aber auch qualitativ auf eine noch nie dagewesene Höhe und ermöglichte eS seinem Sohne, mit derselben sieben Jahre hin­durch fast ganz Europa in Schach zu halten.

Seinelieben blauen Kznder" nannte Friedrich Wil- Helm I. seine Soldaten. Die Truppe aber, welcher er vor jeder anderen den Vorzug gab, war diePotsdamer Riesen­garde". Dies Regiment es bestand aus drei Bataillonen öon je 800 Mann, wozu noch 6800 Mann unrangirte zum Ersatz kamen diente dem König in jeder Beziehung als Mustertruppe für die ganze Armee. Hier wurden alle neuen Versuche unter seiner Aufsicht zuerst gemacht, und wenn sie glückten, bei den übrigen Regimentern eingeführt, deren Offi­ziere abwechselnd nach Potsdam kamen, um die Uebungen Mitanzusehen. Alle Leute dieses Regiments waren von un­gewöhnlicher Größe; im ersten Gliede war keiner unter 6 Fuß groß. Der Flügelmann deS Regiments maß 8 Fuß ustfc 2 Zoll und der Preuße Hohmann war von solcher Körper- Hänge, daß ihm August der Starke von Sachsen, der ein

2lmtlid?er Theil.

Gießen, am 17. März 1894.

Betr: Frühjahrs - Controlversammlungen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die (tzrosch. Bürgermeistereien des Kreises.

Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lasten.

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