Nr 253 Drittes Blatt. Sonntag den 28. October 1894
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Gießener Anzeiger
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folgenden Dag erscheinenden Nummer di- Borm 10 Uhr. ^lUlli»VCUUyC. ^TUIHU It HUI U l ICt. »nzeigcn für den .Gießener Anzeiger- entgegen.
Amtlicher Theil.
Gießen, am 18. October 1894.
Betr-: Herbst-Controlversammlungen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
S» W »POtzh. vürsermeiAereie» M AwtM.
Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weife zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Bei den diesjährigen Herbst-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen:
1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve.
2) Reservisten, sowie zur Dispofilion der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlassenen aller Waffen.
3) Diejenigen, der Landwehr I. Aufgebots angehörige Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungs-Befehl zum Erscheinen bei der Herbstcontrolversammlung zugegangen ist.
Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbstcontrolversammlung nicht zu erscheinen.
Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Lontrolpflichtigen anzutreten haben:
A. Zu Gießen
am 5. November 1894 in Oswalds Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod.
1 Appell Vormittags 8 Uhr
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve, sowie sämmtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1887, 1888 und 1889 eingetreten sind.
2. Appell Vormittags 10 Uhr.
Sämmtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1890, 1891,1892, 1893 und 1894 eingetreten sind.
3. Appell Nachmittags 2 Uhr:
Sämmtliche Reservisten der Garde, Jäger, Cavallerie, Feld- und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luft
Feuilleton.
Wochenbriefr aus der Residenz.
(Origtnalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 26. October.
Em Turnerfest. — Concert der tzofmufik. — Allerlei.
Die hiesige Turngemeinde veranstaltete am vergangenen Sonntag ein Fest größeren Stiles, das bei dem regen Interesse, welches den Darmstädtern für jeden Sport eigen ist, wie vorauszusehen war, sich des zahlreichsten Besuche« erfreute. Ist doch die Darmstädter Turngemeinde elne der ältesten und vor allem eine der größten sportlichen Bereinigungen unterer Stadt, die stets im öffentlichen Leben eine hervorragende Rolle spielte, eine Thatsache, die um so leichter erklärbar ist, wenn man bedenkt, daß gerade in unseren Mauern Männer wie Spieß, Fölsing usw. das Interesse für das Turnen zu wecken wußten. Die Feier am letzten Sonntag bewies deutlich, daß der Samen, den jene Männer ausgestreut, herrliche Früchte hervorgebracht halte. Nicht nur die Leistungen des Vereins waren vorzüglich, sondern auch der Besuch des Festes von Seiten der Interessenten übertraf selbst die kühnsten Erwartungen. Als Bertrerer unseres erlauchten Fürstenhauses, das von jeher allen körperlichen Hebungen ein lebhaftes Interesse geschenkt, »ar Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm anwesend und folgte mehrere Stunden hindurch den gebotenen Leistungen mir spannender Aufmerksamkeit. Fast alle Behörden der Stadt waren ferner vertreten, so bemerkten wir unter anderen den Herrn Divisionscommandeur Generallieutenant von Bülow Exc., den Geh. Staatsrath Knorr v. Rosen- roth, den Herrn Provinzialdirector Geh. Rath v. Mar- quard, den Herrn Oberbürgermeister Morneweg rc. WaS die vorgeführten Hebungen betrifft, so zeigten diese, wie schon erwähnt, eine Präcision und Schönheit in der Ausführung, die des vollsten Lobes würdig ist. Den Glanzpunkt der Schau bildete ein Stabreigen mit Gesang, ausgeführt von 36 Mann. Auch das Schaufechten erntete langandauernden Beifall. Ernste Arbeit und aufopfernde
schiffertruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitätsund Beterinärpersonals, Büchsenmachergehülfen, Oeconomie- Handwerker, Marine-Mannschaften sowie sämmtliche zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen und alle übrigen im Reseroeverhältniß stehende Mannschaften.
4. Appell Nachmittags 3 Uhr 30 Minuten für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang- Göns,' Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.
B. Z« Lollar
am 6. November 1894, Vormittags 9 Uhr: neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Dau- bringen mit HeibertShausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedel- Hausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
C. Zu Grünberg
am 6. November 1894, Nachmittags 1 Uhr an der Kirche für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burg- mühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß-und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit Hainerhof, Winnerod.
D. Zu Hungen
am 7. November 1894, Vormittags 9 Uhr 30 Minuten am Friedhof für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
E. Zu Lich
am 7. November 1894, Nachmittags 3 Uhr, am Bahnhof für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holz
Liebe müssen hier in reichstem Maße aufgewendet worden sein, um solche Leistungen zu Stande zu bringen.
In den Concertsälen beginnt es sich bereits mächtig zu regen, schon habe ich Ihnen über einige große Veranstaltungen musikalischer Natur geschrieben, denen sich heute der Bericht über ein weiteres in außerordentlicher Weise gelungenes Concert anschließen kann. Es ist dies das zum Besten des Wittwen- und Waisenfonds veranstaltete Concert der Hofmusik. Gerade die außerhalb des Theaters arran- girten Veranstaltungen unserer Hoscapelle erfreuen sich bei dem hiesigen Publikum eines sehr lebhaften Interesses und sind deshalb alljährlich sehr zahlreich besucht. Auch heuer soll die Zahl der Abonnenten für die zu erwartenden Concerte eine recht beträchtliche sein, was im Interesse des guten Zweckes, zu dem die Veranstaltungen statifinden, recht wünschenSwerth ist. Indessen neben dem finanziellen Erfolg läßt stets auch der künstlerische keinen Wunsch unbefriedigt, so auch am vergangenen Montag. Zu diesem Abend hatte man die bekannte und weithin berühmte k. k. österreichische Kammer- Virtuosin Frau Sophie Meuter gewonnen, ein Name, der für die seltensten Kunstgenüsse bürgte. Die Dame stand natürlich auch im Mittelpunkte des Interesses. Was an ihrem Spiel geradezu verblüffend wirkt, ist die bewunderungswürdige Technik, über die sie verfügt. Dank dieser und eines unvergleichlichen musikalischen Empfindens brachte Frau Meuter das große Bs-äur-Concert (Nr. 5) von Bethoven dem nach mehreren Hunderten zählenden Publikum in einer so brillanten Weise zu Gehör, daß es in geradezu begeisterte Ovationen für die Künstlerin ausbrach. Auch in den drei vorgetragenen Solopiecen („Gondolliera" von Liszt, „Etüde" von S. Sapellnikow und „Rhapsodie" von Liszt), lauter Stücke, welche mit colossalen Schwierigkeiten verknüpft sind, offenbarte die Dame eine geradezu souveräne Sicherheit, wie sie nur der echten und wahren Künstlernatur eigen ist. — Auch die Darbietungen unserer Hofcapelle unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Hofkapellmeister W. de Haan: die „Egmont" - Ouvertüre und die 4. Symphonie (B-dur) von Bethoven, wurden künstlerisch vollendet zum Vortrag gebracht und ernteten den stürmischen Beifall des enthusiasmirteu Publikums.
heim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder.Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
Befreiungsgesuchc sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Nothfalle genehmigt.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und FührungSzeugniß) müssen zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 13. October 1894.
Großherzogliches Bezirks-Commando.
Detring.
Oberstlieutenant und Commandeur des Landwehrbezirks Gießen.
Bekaimtmachmtz, betreffend Abhaltung von landwirthschaftlichen Vorträgen in den Gemeinden des Kreises Gießen.
Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer von Alsfeld wird Sonntag den 18. November l. I., Nachmittags 2 Uhr zu Weitershain in der Wirthfchaft des Herrn Theiß einen Vortrag über die rationelle Aufzucht des Jungviehes halten.
Zu diesem Vortrage werden alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und alle Freunde der Landwirth- fchaft hierdurch ergebenst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der obengenannten und be- nachbarten Gemeinden werden ersucht, auf möglichst zahl- reichen Besuch der Versammlung hinzuwirken. G
Zugleich werden die Gr. Bürgermeistereien um gefällige Mittheilung gebeten, ob in ihren Gemeinden ein Vortrag und über welches Thema und in welchem Local abgehalten werden soll.
Gießen, den 25. October 1894.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins. Carl Jost.
Weitere musikalische Genüsse stehen uns in dieser Woch* bevor. Es ist nämlich der bewährten Direction unseres Hof* theaters gelungen, Frau Sigrid Aruoldsou, das unter dem Namen „Die schwedische Nachtigall" weltbekannte Mitglied der Opera comique zu Paris zu einem dreimaligen Gastspiel zu gewinnen. Frau Sigrid Aruoldsou wird in Thomas' „Mignon", in Bizets „Carmen" und in DelibeS „Lackme" jeweils die Titelrolle singen. Heber den Verlaus der hier mit großer Spannung erwarteten Aufführungen werde ich Ihnen im nächsten Briefe berichten.
Nun aber weg von der Musik und hin zu etwas ganz Realem. Ende letzter und Anfangs dieser Woche hatte dahier eine Veranstaltung statt, die ebenfalls das Interesse weiterer Kreise verdient. Auf Veranlassung des Chefs unserer hiesigen Polizei, des Herrn Polizeirath Feh, tagte näm- lich eine Obst- und Kartoffelausstelluug, die ungemein reich und gut, auch aus Oberhessen, beschickt war. Grund der Veranstaltung war eine Auswahl aus den besten Obst- und Kartoffelsorten unserer Gegend, wie sie für unsere Bedürfnisse am passendsten ist. In zweiter Linie wollte man dann im Hinblick auf die heurigen hohen Obst- und Kartoffelpresse unseren Hausfrauen Gelegenheit geben, ihren Bedarf beim Züchter selbst zu decken und die Verbindung mit Zwischen- Händlern zu umgehen.
Die einzelnen Gegenstände der Ausstellung waren nicht nur sehr geschmackvoll, sondern auch recht zweckentsprechend nrrangirt, so daß selbst der nicht Sachverständige von ihrem Besuche etwas lernen konnte. Das Darmstädter Publikum nahm die Veranstaltung äußerst dankbar an, was der rege Verkehr, der daselbst herrschte, und die vielen abgeschlossenen und zu Protocoll gegebenen Verkäufe deutlich bewiesen. Mit Recht können deshalb die Hrheber des Hnternehmens zufrieden auf dasselbe zurückblicken,' vielleicht bewegt sie der günstige Verlauf, dem allenthalben ausgedrückten Wunsche nach einer Wiederholung derselben im nächsten Jahre statt zu geben und sich der nicht geringen Arbeit im Interesse der Allgemeinheit nochmals zu unterziehen, eine That, wodurch sie sich den Dank vieler erwerben würde.


