1894
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren
Hratisöeikage: chießener Jamitienblatter.
des
d-n Wtrlb-N, di- auch das R-cht zum Branntw-inauSschank haben, verlange». Da in gleicher Seit di- Bevölkerung Bon 26 092533 aus 30 236997 Seelen gestiegen ist, so lst 61t Zahl der Schankstatten im B-rhältnitz zur Einwohnerzahl erheblich heruntergegangen.__________ —
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den «olgcnden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
verglich man sich auf eine beträchtlich niedrigere Summe.
Aehnliche rühmenswerthe Stiftungen erfolgten auch in dem weiteren Verlaufe des vorigen und dieses Jahrhunderts, das bedeutendste Legat war aber das des Renatus Karl Fr ei Herrn v. Senckenberg. Er wurde 1751 zu Wien geboren. Sein Vater war der kais. Reichshofrath Heinr. Christian Freiherr von Senckenberg, der auch 1738 bis 42 Professor der Rechte in Gießen war. Trotz seiner Kränklichkeit wurde Renatus schon früh in die Kenntniß der Sprachen und Wissenschaften und von seinem Vater in die Rechts- gelehrsamkeit und Diplomatik eingeführt. Acht Jahre alt, wurde das Wunderkind in Wien mit einer Urkunde in der Hand gemalt. Sein Vater starb 1768; in demselben Jahr bezog Renatus die Hochschule Göttingen, wo er drei Jahre blieb
Kunstwerth. _ ,
Ferner bestimmte er, daß wenn seine in 20 Folwbanden angefangene neue Bibliotheca juridica fortgesetzt werde, dem Bibliothekar oder sonst einem die Arbeit übernehmenden Gelehrten dafür nach Beendigung derselben innerhalb 10 Jahren 200 fl. von seiner Tochter bezahlt werden sollten. „Da nun löbliche Universität auf solche Art eine so ansehnliche Menge zum Theil kostbarer Bücher, ein großes Haus, dabei 10,000 fl. an Geld und eine Art von Versorgung, auf welche ein Gelehrter mit nach Gießen berufen werden kann, von mir be kommt", so bedingt er sich dagegen aus, daß das Haus von ihr in Bau und Besserung erhalten werde, auch daß die roh gekauften Bücher gebunden werden.
Für den Fall, daß das Haus zur Tragung der Bibliothek untüchtig werden sollte, möge ein anderes Haus dafür angekauft werden.
Ueber dem Eingang des Hauses soll eine Tafel angebracht werden mit den Worten:
Aedes Bibliothecae publicae Senckenbergianae.
(Fortsetzung folgt.)
Bibliotheca Academica et Senkenbergiana. Ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule Gießen.
Von Dr. O. Buchner.
(1. Fortsetzung.)
Vierteljähriger Monnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Rcdaction, Expedition und Druckerei:
SchukstraßeWr.?. Fernsprecher 51.
Ein eigenthümliches Schicksal hatte die Bibliothek Professor Ioh. Frd. Kayser. Als er 1751 starb, hatte er zwar sein Testament mit der Bestimmung, daß die Hochschule die Bücher erben solle, ausgeschrieben, aber noch nicht in rechtsgültiger Form. Die Erben verheimlichten den Testamentsentwurf, der so erst nach 5 Jahren zufällig entdeckt wurde. Die Hochschule machte nun ihre Ansprüche geltend und führte einen Proceß darum, der nach neun Jahren zu ihren Gunsten entschieden wurde. Aber da waren die Bücher meistens verkauft. Erst 1766 wurde ein Vergleich geschlossen, wonach die noch vorhandenen Bücher an die Hochschule kamen und für die verkauften mußten die Kayserischen Erben 975 fl. bezahlen, für welche neue Bücher gekauft wurden.
Auch das Vermächtniß des Professors und Universitäts- Bibliothekars Ehr. Ludw. Koch 1756 wickelte sich nicht glatt ab. Er hatte zur Bedingung gestellt, daß seinen Erben 5 bis 600 fl. dafür ausgezahlt würden; der Senat aber fand die Summe zu hoch und erst nach zweijähriger Verhandlung
Rr 174 Zweites Blatt. Samsta« den 28. Juli
Gießener Anzeiger
Keneral-Mzeiger.
Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS MontagS.
Die Gießener Ilamikieuvtäller werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal bcigelcgt.
Vermischte*
* Bacharach, 25. Juli. Die heute Vormittag hier aus- gebrochene Feuersbrunst währte den ganzen Tag. Bis 8 Uhr Abends lag ein ganzer Gebäudeeomplex von neun Wohnhäusern in Asche. Zur Hilfeleistung sind sammtltche Feuerwehren der Umgegend anwesend, auch die Bingener Feuerwehr ist mittelst Extrazug etngetroffen. Den vereinten Losch- Mannschaften gelang es, am Abend die Flammengluth soweit zu dämpfen, daß eine weitere Ausbreitung nicht mehr befürchtet wird. Die unmittelbar neben den Schienengeleisen der Coblenz Bingener Bahn belegene Brandstelle beeinträchtigte die Eisenbahn insofern, als der Güterverkehr eingestellt und der Personenverkehr nur eingeleisig geleitet werden konnte. Der durch das Feuer angerichtele Schaden ist erheblich.
* tzifenach, 22. Juli. Am Freitag wurde eine Dame, . circa 20 Jahre alt, im Forstort Diebskammer tobt ausgefunden. Dieselbe trug in der rechten Hand ein Sträußchen Erdbeeren, die, wie sich nachher herausgestellt hat, mit Blausäure durchtränkt waren. Ein Herr war am Donnerstag Abend in Gesellschaft der Dame von dem Forstläufer gesehen worden. Dieser bemerkte nun am Freitag Früh den Herrn allein aus der Waldung kommen, was ihm ausfiel. Es erfolgte Anzeige bei der Polizei und diese stellte eingehende Erhebungen nach dem Fremden an. Der Verdächtige wurde in einem hiesigen Gasthaus ermittelt, leugnet aber, nachdem er inzwischen seinen Anzug gewechselt hatte, der Gesuchte zu sein, stellte sich vielmehr als ein Hauptmann a. D. vor. Die Verdachtsmomente häuften sich aber dem „Kass. Tgbl. zufolge derart, daß zu seiner Verhaftung geschritten wurde und die Ueberführung in das Landgerichtsgefängniß stattfand.
* Zittau, 24. Juli. Heute Nachmittag wurde auf dem Töpferberg bei dem Kurort Oybin ein Sommerfrischler, der 18jährige Sohn des Kausmanns Rauch fuß aus Dresden, von einem Strolch, der ihn berauben wollte, erschossen. Auf die sofort herbeieilende Mutter desselben gab der Mörder ebenfalls mehrere Schüsse ab; sie ist schwer verletzt.
* Hamburg, 25. Juli. In der Neustraße Sanct Georg stürzte Nachts ein vierstöckiger Neubau ein. Die Straße ist durch die Trümmer gesperrt. Niemand wurde verletzt.
* Kattowitz (i. Oberschl.), 25. Juli. In der „Ferdi- nandsgrube" hierselbst sind durch herabstürzende Geftetnsmassen zwei Arbeiter verschüttet worden.
* Aus Westgreußen, 23. Juli. In der Stadt Flatow
Dieses in Wien gemalte Oelporträt des achtjährigen Renatus hängt jetzt im Zimmer des Oberbibliothekars; das des Vaters wahrscheinlich auch, doch ist noch nicht bestimmt entschieden, welches von zwei unbenamten Oelbildern den Vater Heinrich Christian von Senckenberg darstellt.
Noch weiter wird in dem Testament als an die Hochschule übergehend ein Porträt des Kaisers Sigismund, „ein wahres merkwürdiges Alterthum und daher wohl zu bewahren erwähnt. Da früher auf der Bibliothek niemand etwas davon wußte, schien es verloren, doch fand es fid) nad)trag(irf) m der akademischen Kunstsammlung. Erst 1893 wurde dieses vortrefflich gemalte Bild als Copie emes Durerbildes tm Germanischen Museum zu Nürnberg erkannt. Von Albrecht Dürer selbst ist es wohl nicht, aber immerhin hat es hohen
chwebt ein seltener Proeeß. Die dortige katholische | Kirche ist sehr klein, sodaß es namentlich zuziehenden Beamten schwer fällt, Sitzplätze zu erhalten. Der Pfarrer suchte sich dadurch zu helfen, daß er mehrere neue Bänke aufstellen ließ, u. A. auch eine als die erste einer ganzen Reihe. Dadurch fühlten sich die meisten Inhaber der hinter dieser Bank befindlichen Sitzplätze beleidigt, weil sie „eine Bank ;eruntergekommen" waren. Es wurde gegen den Kirchenvorstand Klage wegen „Besitzstörung" angestrengt. Dagegen hat der Bischof den Competenzconflict erhoben, worüber noch die Entscheidung aussteht. Inzwischen haben mehrere Zuruck- gesetzte ihre Klage zurückgezogen, sodaß es wohl gelingen wird, das alte Einvernehmen wieder herzustellen.
* Ein Offizier als Dieb vor Gericht. Ein früherrr | preußischer Offizier stand dieser Tage in Köln wegen Diebstahls vorGericht. Alfred Liebermann von Sonnenberg aus Pürken in Ostpreußen — so lauten die Per- fonalten des Angeklagten — mußte aus dem Heere austreten und wandte sich dann nach Amerika, wo ihm aber das er- träumte Glück nicht erblühte. Nach Deutschland zuruckgekehrt, gerieth er bald auf abschüssige Bahnen. Vor Kurzem erfolgte in Aachen seine erste Bestrafung zu drei Monaten Gefängniß wegen Diebstahls, Unterschlagung und Bettelei. Im Monat März dss. Js. hatte der Angeklagte in Köln einige andere Strafthaten verübt. In einem Hause auf dem Rothgerberbach, wo er sich etnlogirt hatte, stahl er einen Ueberzieher und aus einem Verttkow, welches er mit einem falschen Schlüssel öffnete, Goldsachen im Werthe von etwa 150 Mk. Das Gericht bestrafte den Angeklagten mit acht Monaten Gefängniß. r ,,, ,
* Ueber die Zahl der Gast- und Schankwirthschaften hatte im vorigen Jahre in allen deutschen Staaten eine Erhebung stattgefunden. Die „Miltheilungen des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" sind jetzt in der Lage, die dem Verein vom Ministerium des Innern mir» geteilten preußischen Zahlen zu veröffentlichen. Danach waren vorhanden: 1879: 64 721 Gastwirthschaften, 1893: 65 923; 1879: 65866 Schankwirthschaften mit Branntweinbetrieb, 1893: 66095; 1879: 14198 Schankwirthschaften ohne Branntwein, 1893: 12542; endlich 1879: 16 0 4 Branntwein-Kleinhandlungen, 1893: 17 908. Es sind also nur die Wirtschaften mit halber Eoncesston an Zahl herunter- gegangen, was sich daraus erklärt, daß die Inhaber sol )er Eoncessionen in der Regel mit Erfolg eine Gleichstellung mit
Über ein Jahr daselbst, bereiste dann längere Zett Italien, bis er 1775 als Regierungs - Assessor in Gießen angestellt wurde. 1780 wurde er Regierungsrath, legte aber 1784 diese Stelle freiwillig nieder, um als reicher Privatmann ganz seinen Studien zu leben. Er starb an den Blattern am 19. Oktober 1800.
Drei Wochen darauf wurde die Universität benachrichtigt, daß sie von demselben in seinem Testament mit einem sehr ansehnlichen Vermächtniß bedacht worden sei. Zugleich wurde das Testament zur Einsicht- und Abschriftnahme Überschickt.
Das Testament selbst ist in Frankfurt a. M., 22. August 1800, ausgestellt. Darin vermachte er seiner Frau das in den Ehepakten Festgesetzte, seinem Bruder und dessen Frau seine Ringe sowie die Zimmereinrichtungen in der Familienstiftung au Frankfurt, seinen Dienstleuten je 100 fl., dem Stadt- und Burgkirchenkasten zu Gießen je 100 fl; die Zinsen sollen an seinem Todestage die beiden Prediger erhalten; dem Armen- kasten 1000 fl., die Zinsen sind an seinem Todestage an eine arme Familie zu zahlen.
Meinen gelehrten Nachlaß samt dem Hause, worin er sich befindet, und 10,000 Gulden vermache ich der löblichen Universität zu Gießen."
Ein besonderes Blatt enthalt genauere Bestimmungen inbezua auf diesenTheil des Testaments. Unter gelehrtem Nachlaß will der Testator „alles was von gedruckten oder geschriebenen Büchern, Ausarbeitungen, Aufzeichnungen, Kollek- taneen, alten Urkunden, auch alle Litteralien aller Art, die Familienbriefe ausgenommen, verstanden haben, die sich m seinem mitvermachten Hause vorfinden, ferner daS gesummte Mobiliar an Schränken, Stühlen und Tischen und die Bilder in seinen Bibliothekzimmern, die Familienbilder ausgenommen. Nur das seines Vaters soll „zum Andenken, daß von ihm wohl die halbe Bibliothek herrührt", hängen bleiben. , Sein eigenes Porträt versprach er für die Universität mmen zu I lassen , Sollte bei meinem Tode dergleichen aber noch nicht
Literatur und Aunst.
_Katechismus der Dampfkessel, Dampfmaschinen und anderer WLrmemotoren. Ein Lehr- und NachfchlagUmch fr r Practtker, Techniker und Industrielle von Ingenieur T h. Schwartze. Fünfte, vermehrte und verbesserte Auflage. Mit -68 in b«niXq gedruckten und 13 Tafeln .Abbildungen- In Origtnal-Leinenband 4 50 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Bei der autzer- ordentlich vielseitigen und mannigfaltigenl Verwendung, welche^gegur- wärttg die Dampfkrast als Betriebsmittel nicht ^ ur gewerbliche sondern auch für wirthfchaftliche Zwecke findet, macht sich in immer weiteren Kreisen das Bedürfnis; - geltend, durch ein ewgebendere« Studium der Eonstructton und Arbeitsweise der, D°lnpsmafchwm sich richtigere Vorstellungen und ein etnigermaßauf über derartige Anlagen zu verschaffen. Als zuverlafs ger Führer a i dem bezeichneten Wege erweist sich der soeben in fünftel^ Auf ag erschienene „Katechismus der Dampfkessel und Dampf Maschinen von Ingenieur Th. Schwartze, ein in Form und Inhalt P°Pm“r & h°Ls iauftttrteä Werk. b.l. ta »'W, M°«e °«
Lehr- und Nacdichlogebuch für ben LÄM
dustriellen wie für den nach allgemeiner Bildung strebenven tat n geeignet ist.
Technische Fortschritte.
ßohuÄVTS
mtttd "für Milchgeschtrre aus Holz oder Blech. Man kocht eine Hand voll Heu in Waffer und schüttet es dann heiß in b S z reinigende Gefäß. Es ist das ein altes und bewährtes Mittel, der Vergessenheit anheim zu fallen droht.
SSÄSIÄ Stäk Ä'inS ÄÄ VE
Arbeit hindurch stehen läßt. Im Herbst hebert man die Lösung in ein anderes, fest verschließbares Faß. Im, Fe ruar e Labres ist der Essig zu Mchenzmecken fertig. Der Honig WB, welcher 3,360pEt. Essigsäure enthält, schmeckt lieblicher *18 der ge- wohnliche im Handel vorkommende Essig.
— um «isen vnd Stahl vor demMoften m bewahren, yÄ" SchmkersM mit ^pbd)enb ffiOflüaer iur
ALung de?Stoffe! Hier hinein lege man die W^kzeuge bald- SÄ ut
■ sollen.


