Mittwoch den 28. Februar
1894
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Gießener Anzeiger
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Kenerat-Wnzeiger
Kvraiprrchrr 61.
Aints- und Anzeigeblutt füv den Kreis Gieszeir.
I Hratisbeitage: Hießener Kamitienßkätter
Feuilleton
*t Vorstand.
Bericht, Voisiandt- Wangelegenheiten.
Iinetzm« dow Injtigew |u der Nachmittag« für Ve falgmden tag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr.
Alle Lnaancen-Bureaux de« In- und Äu«lanbe« nehme» «»zeigen für den „Gießener Anzeiger" entgege«.
Die Gießener Kamtkie» dtttter »erden dem Angeiger «ßchentlich dreimal br »gelegt.
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zegend die ergebene
luterhaltung von von Kränzen, Klagenden Arbeiten eftihrt.
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Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Lu«nahme de»
Montag«
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Nr. 49 Zweites Blatt
Zwei Feinde.
Don Theo Seelmann-
(2. Fortsetzung.)
AlS die Uhren Berlins mit lautschallenden Glocken« schlagen die dritte Stunde verkündeten, saß Georg v. Harwegk in einem mit kostbaren Möbeln auSgestatteten Zimmer des Königlichen Schlosses.
Aus dem weichen Teppiche vor ihm stand eine ältere Dame in dunklem Gesellschaftskleide, während Clemence d Heurville auf einem Fauteuil am Fenster Platz genommen hatte.
„Ich danke Ihnen nochmals, mein Herr," sagte die Dame verbindlich, „für die Ehre, die Sie unS durch Ihr Erscheinen erweisen. Aber zugleich muß ich Ihnen eine Erklärung ab« geben, warum mein Schwager, der Major d'Heurville, Sie nicht selbst empfangen hat. Der Major gehört zum Stabe unseres kaiserlichen Herrn und ist augenblicklich nach Kassel abgeschickt worden, um dort die Verwaltung zu übernehmen. Er wird überhaupt aus dem Militärdienst ausscheiden und in die Beamtencarrisre übertreten. Dies ist auch der Grund, warum Sie mich und meine Nichte hier, in Berlin, sehen. Da meine Schwester, die Gemahlin des Majors, seit fünf Jahren tobt ist, so habe ich die Erziehung ClemenceS übernommen. Mein Schwager liebt aber sein einziges Kind so leidenschaftlich, daß er uns sofort nach der jetzt eingetretenen Sicherung der Verhältnisie zu sich entboten hat, um sein Kleinod in steter Nähe um sich zu haben. Wir selbst würden schon nach der Hauptstadt des zukünftigen Königreichs Westphalen übergesiedelt sein, wenn unsere dortige Wohnung schon genügend eingerichtet wäre. Sie werden nun einsehen, warum mein Schwager Ihnen nicht selbst seinen Dank sür Ihr mannhaftes Eintreten abstatten kann."
„Nein, Frau Gräfin?" rief er feurig und machte mit der Hand eine abwehrende Bewegung gegen die Dame, die ihm in dem geöffneten Etui den werthvollen Ring entgegen- hielt. „Verlangen Sie nicht von mir, daß ich eine Belohnung annehme."
„Eine Belohnung?" fragte die Angeredete betreten.
„Meine liebe Tante," mischte sich Clemence in das Ge- spräch, die bis dahin scheinbar ohne alles Interesse der Unterhaltung zugehört hatte, „bitte, gieb mir das Etui."
Schon hatte sie den-Ring ergriffen und trat nun auf Georg zu.
„Mein Herr," sagte sie gemeffen, und in ihre kindlichen Züge grub sich ein herrischer, strenger Zug ein, „ick ahne, daß Sie dieses Zeichen der Dankbarkeit nur deßhalb zurück- stoßen, weil es Ihnen von einer Feindin Ihres Vaterlandes angeboten wird. Doch das. ist unedel von Ihnen. Man kann sich feindlich gesonnen sein und sich doch dabei schätzen. Wollen Sie daher uns nicht zu verstehen geben, daß Sie meine Tante und mich verachten, so nehmen Sie, bitte, diesen Ring von Ihrer Feindin an."
Ueber Georgs Gesicht flog die dunkle Röthe der Scham-
„Wenn Sie, mein Fräulein," versetzte er unsicher, „meine Zurückweisung so auslegen, dann sehe ich mich allerdings genötigt, meine Weigerung aufzugeben."
Mit bebender Hand empfing er das kleine Etui mit dem SkarabäuSrtng. Nur noch wenige Worte wurden auS- getauscht, dann verabschiedete sich Georg von der Gräfin und ihrem selbstbewußten jungen Zögling.
AlS er wieder auf dem Schloßplatze stand und einen Blick zu der stolzen Fensterreihe des Schlaffes hinauswarf, murmelte er, al8 er eben den Ring zu sich gesteckt hatte: „Behalten werde ich ihn, aber auf den Finger ziehen niemals." (Fortsetzung folgt.)
Bierteljäbriger jL«onncmrnt$|,rt(«i 2 Mark 20 Psg. mit Lringkrlohn.
Durch bi< Pos! 2 Mark 50 Pfg.
Vtrbaction, LsptdikiE und ©rudert»:
„Gnädige Frau," erwiderte der Angeredete gelaffen, „Sie überschätzen das, was ich gethan habe, und ich bin der Ueberzeugung, daß jeder rechtliche Mensch gleich mir gehandelt haben würde."
„Keineswegs, glaube ich," versetzte die Gräfin lebhaft, „Ihren Dienst zu hoch anzuschlagen. Ich habe heute Vormittag eine Spazierfahrt mit dem Kutscher, der meine Nichte gefahren hatte, nach dem Orte deS UnglückSsalleS unternommen, und da ich, wie Sie hören, Ihre Muttersprache beherrsche, so konnte mir der Diener nach den noch im Sande vorhandenen Spuren eine eingehende Schilderung von dem Kampfe geben, den Sie mit den Pferden bestanden haben. ES wundert Sie vielleicht, mich und auch Clemence in Ihrer Muttersprache sprechen zu hören, 'aber der Grund hierfür ist der, daß Clemences Mutter und ich einer elsäsflschen Familie angehören. Ich bin, wie Sie sehen, vollkommen über die Bedeutung Ihrer That unterrichtet und ich bitte Sie, sie nicht selbst zu verkleinern."
Die Dame hatte bei diesen Worten eine auf dem Tische stehende Kasette geöffnet, der sie ein kleines Etui entnahm.
„Sie werden mir nicht zutrauen," fuhr die Gräfin fort, „daß ich der Meinung bin, eine That, durch die das Leben eines Menschen gerettet wurde, durch irgend eine Gegenleistung aufwiegen zu können. Aber man hat doch die Pflicht, sich dafür erkenntlich zu zeigen. Mein Bruder hat auS Egypten, wo er unter der Führung unseres Kaisers bei den Pyramiden mitgekämpft hat, ein wundersames Kleinod mitgebracht. Es ist ein Stein, auf dem der Skarabäus, jener von den alten Egyptern heilig gehaltener Käfer, eingegraben ist. Der Stein scheint von den alten egyptischen Priestern als Petschaft benutzt worden zu sein. Mein Bruder hat das alte Petschaft in einen Ring fassen lassen, den er als eins seiner kostbarsten Werthstücke ansieht. Ich glaube daher ganz nach seinem Willen zu handeln, wenn ich Ihnen dieses Schmuckstück zur Erinnerung an Ihr kühnes Wagniß anbiete."
Georg war überrascht von seinem Sitz aufgesprungen.
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Freitag den 2. Mär,;,
Nachmittags 3 Uhr,
soll auf dem hiesigen Ortsgericht die den Erben der Johanne» Kitzler «he- leuten in Gießen gehörige Hofraithe: Flur 1 Nr. 171 — 206 qm in der Wolkengasse
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 20. Februar 1894.
Großh. OrtSgericht Gießen- I. A.: Bogt. 1444
Holzversteigerung
in den Waldungen der Stadt Hungen.
1. Donnerstag den 1. März d. I. soll in den Districten Marksteinmühl, Galgenwald, Nocksberg, Hubach und Wellenhau nachverzeichnetes Holz versteigert werden.
197 Kiefern- und Fichten-Stämme von 15—23 Durchm., 7—18 m Länge — 64,98 fm,
464 Fichtenderbstangen von 8—14 Durchm., 9 — 18 m Länge = 32,43 fm.
Gerichtliche Versteigerung.
Am Mittwoch den 28. Febr. und Donnerstag den 1. März dss. Jrs., Vormittags um 9 Uhr beginnend, werde ich hier in Wetzlar anfangend in der „Alten Post"
diverse Möbel: als Tische, Betten, Schränke, ^Spiegel, Uhr, Sopha, Oefen; Wäsche, Kleidungsstücke, ferner eine große Partie Eiseu- waaren als: Zugketten, Holz-
2. Tamstag den 3. März im District Galgenwald:
500 rm Buchen-Scheitholz, 29 rm Eichen-Scheitholz, 60 rm Buchen- Knüppel, 52 rm Eichen-Knüppel, 442 rm Buchen-Reisig, 98 rm Eichen-Reisig, 200 rm Buchen- und 34 rm Eichen-Stöcke.
Anfang an beiden Tagen Morgens 10 Uhr an der Straße von Hungen nach Villingen am District Buchwald.
Hungen, den 22. Februar 1894.
Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen.
Buttron. [1573
Freitag den 2. Mär;, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die den »eorg Dietrich DSrner Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur I 9hr. 33 — 106 qm Hosraum in der Mühlgaffe,
Flur I Nr. 33b — 25 qm Grabgarten daselbst,
Flur I Nr. 43 — 62 qm Hofraithe in der Neustadt,
Flur 33 Nr. 153 — 1475 qm Acker am Nahrungsberg auf den Steinbacher Weg
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 23. Februar 1894
Großh. OrtSgericht Gießen
I. A-: Bogt. 1493
12Ä I
Mittwoch de,» 28. März,
Nachmittags 3 Uhr,
sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Jnffn» Müller Wittwe in Gießen gehörigen Grundstücke:
Flur 33 Nr. 67,5 — 125 qm Acker im allen Feld, stößt links auf den
Mittwoch den 28. März,
Nachmittags 2'/, Uhr,
sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Eberhard Neuster in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 26 Nr. 265,« — 50 qm Grabgarten am untersten Riegelpfad zwischen den Wegen,
Flur 26 Nr. 265,6 — 643 qm Hofraithe daselbst,
Flur 26 Nr. 265,t — 547 qm Zimmerplatz daselbst
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 12. Februar 1894.
Großh- OrtSgericht Gießen.
I. A.: Bogt. 1240
Weg,
Flur 33 Nr. 68,$ — 88 qm Acker daselbst, Flur 33 Nr. 292,9 — 25 qm Acker im allen Feld bei den Gärten öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, 12. Februar 1894.
Großh. OrtSgericht Gießen.
I. A-: »ogt.
schrauben, Schlösser, Sägen, Sicheln, Sensen, Drahtgeflechte,Karste, Schaufeln, Feile, Bohrer, Nägel, Hobel, Waagen, Kaffeemühlen, Hackmesser, Kessel, Eimer, Kannen, Ofenschirme,Obstpresse, Eisschränke, Bügeleisen, Schmirgelpapier, Sarg- und Thürbeschläge, Petroleum- behälter, ferner Cigarren, Gerste, Zucker, Surrogat und Ladeneinrichtung 1664
öffentlich meistbietend gegen sofortige Zahlung zwangsweise versteigern. Die Versteigerung findet sicher statt.
Kindt, Gerichtsvollzieher.
Wetzlar in der alten Post.
Aeikgeöotenes.
Dinner Pilis (Pilulae purgativae)
ärztlich wie durch Presse empfohlen, leisten vorzügliche Dienste gegen Hämorrhoidalleiden, tabituelle Verstopfung, Magenbeschwerden und Leberleiden, blutreinigend wirkend, ohne Leibschneiden zu erregen. In Apotheken erhältlich, wenn nicht, veranlasst Fabrik von Apoth. Huperfz u. Co. in Köln a. Rh- die Zusendung durch Depot. Man achte auf Schutzmarke Löwe von Luzern“ und Namenszug.
Preis Mk. 1.— [1471
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