Ausgabe 
27.9.1894 Erstes Blatt
 
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Nachbarhündchen, ein Lchter Foxterrier auf dem gemeinschaft­lichen Hose sich herumtummelre, übergoß der Bursche das Hündchen mit siedender Wurstbrühe. DaS Thierchen, das zur Zeit noch in thierärztlicher Behandlung, hatte die fürchter­lichsten Qualen auszuhalten, wird aber hoffentlich dem Leben erhalten bleiben. Der Besitzer des Hündchens hat nunmehr auch noch eine Prtvatklage wegen Sachbeschädigung an­gestrengt. Wie wir noch erfahren, will der Metzgerbursche gegen daS Urtheil Berufung einlegen.

** Durchtriebene Fechtbruder. Gestern wurden zwei au- geblich russische Handwerksburschen verhaftet, als sie in der Stadt herumfochten. Mau fand bei Beiden verschiedene Sorten gefälschter Legitimations-Papiere, auf verschiedene Namen ausgestellt, mit deren Hilfe sich dieBrüder" je nach Bedarf als Schreiner, Metzger, Schlaffer rc. zu legitimiren versuchten.

Ein Gewitter, ein um diese Jahreszeit, wie überhaupt während des ganzen Sommers seltene Erscheinung, stellte sich gestern Abend ein. Dabei regnete sehr heftig. Mehrere starke Blitzschläge gaben zu Besorgniffen Anlaß, doch ging daß Wetrer ohne Gefahr vorüber. Nur aus Großenlinden wird uns mitgetheilt, daß dort der Blitz in das Wohnhaus eines Etseubahnarbeiters eingeschlagen, glücklicher Weise ohne zu zünden.

* Der EursuS der lavdwirthschaftlicheu Winterschule zu Friedberg beginnt am 5. November. Die Anstalt tritt damit in ihr 40. Schuljahr ein. Der Unterricht wird jetzt zum ersten Male in einem eigenen schönen Heim ertheilt. Das Schulgeld beträgt 25 Mk. für das Halbjahr, doch können Schulgeldbefreiungen oder Stipendien durch Vermittelung des landwirthschaftlichen-Bezirksvereins ev. eintreten.

Folgen häufiger Brände. Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit in der Gemeinde Bodenheim häufig vorge­kommenen Brände, deren begleitende Umstände der Ver« muthung Raum gaben, daß daselbst entweder vorsätzliche Brandstiftungen stattfinden oder eine mir den Interessen der Landeßbrandversicherungsanstalt unverträgliche Fahrlässigkeit in Bezug auf Feuersgefahr obwaltet, hat Großh. Ministerium des Innern und der Justiz, nach dem Antrag der erweiterten Brandversicherungskammer und in Gemäßheit des Art. 56 oeß Gesetzes vom 28. September 1890, die Braudverfiche- rungsanstalt für Gebäude betreffend, angeordnet, daß die nach Art. 48 ff. des vorgenannten Gesetzes in der Gemeinde Bodenheim zur Erhebung kommenden Brandversicherungß- beiträge für alle Gebäude dieses OrteS um ein Fünflheil auf die Dauer von 5 Jahren, vom 1. Januar 1894 ab, erhöht werden.

Dieburg, 24. September. Ein dem Trunks ergebe­ner, aus Unterfranken stammender Knecht Namens Fuchs büßte aus eigener Unvorsichtigkeit sein Leben ein. Derselbe naschte nämlich im Keller seines Herrn an einer Flasche, in welcher er Wein oder Schnaps vermuthete. Die mit entsprechender Warnung versehene Flasche enthielt in­dessen ein Desinfektionsmittel zur Reinigung von Ansteckungs- ketmen bei ausgebrochener Schweinepest. Trotz energischer Gegenmittel wurde der Knecht das Opfer seiner Unredlichkeit.

Mainz, 24. September. Schnell tritt der Tod den Menschen an. Während gestern Nachmittag der Hauptmann der 8. Compagnie des 88. Regiments an die am heutigen Tage zu entlassen: en Reservisten eine Ansprache hielt, stürzte plötzlich ein Reservist tobt zusammen. Ein Herzschlag hatte seinem jungen Leben ein Ende gemacht.

Dermifdyieso

Frankfurt a. M., 24. September. Der städtische Kassirer Fischer hat sich erschossen. Nach seinem Tode hat sich herausgestellt, daß er durch unredliches Verfahren die Stadt um einen sehr bedeutenden Betrag geschädigt hat. Nach den von dem Fischer hinterlassenen Aufzeichnungen soll aber der verursachte Schaden durch den Nachlaß des Fischer gedeckt sein. DieFranks. Ztg." hört, daß es sich um Veruntreuungen im Betrage von 7800 000 Mark handelt, die auf einem besonderen Conto bei der Frankfurter Bank durch den Stadtkassirer Fischer erhoben und seither regelmäßig verzinst worden find. Die Veruntreuungen haben im Jahre 1890 begonnen. Fischer hinterließ einen Brief, in dem er die Erwartung ausspricht, daß seine verschiedenen (68) Häuser in der Stadt und ein Eisenstein Bergwerk im Oden­wald die Forderung der Stadt decken würden. Er erklärt

darin, daß die erste Ursache seiner Untreue verfehlte Börsen- speculationen gewesen feien. Ob der Werth der hinterlassenen Activen zur Deckung der Schuld hinreichen wird, ist heute noch nicht festzustellen.

* Berlin, 25. September. Die Erzählung einzelner Blätter, daß zwei Regimenter des 3. Ameecorpß beim 'Mänöver mehrere Mann in einem Sumpf verloren hätten, wird vom Generalcommando als absolut unwahr bezeichnet. Die beiden genannten Regimenter sind in jener Nacht allerdings allarmirt worden und haben auch einen sumpfigen Graben überschritten, hierbei aber keine anderen Verluste gehabt, als einen Stiefel und, wie man muntdt, einen Strumpf. Diese Fußbekleidungßstücke sind einem Infanteristen vom 52. Regiment im Sumpfe stecken geblieben. Das ist Alles.

* Münster, 24. September. In der vergangenen Nacht wurde hier ein ruhig des Weges gehender junger Mann von einem Arbeiter niedergestochen. Der Mordbube wurde noch in derselben Nacht verhaftet.

* Innsbruck, 23. September. Das reizende Mittelgebirge oberhalb des Schlosses Ambras war am letzten Freitag Nacht die Stätte eineß abscheulichen V e rbrech enß, das sogar die Erinnerung anJack den Ausschlitzer" wachruft. Gestern früh fand man nämlich an der Straße Ambras-Aldraus unter Erlengebüsch die Leiche eine Mädchens, welches alsbald als die 22jährige Philomena rten berg e r auS Ambras, die in dem unweit davon im Mittelgebirge gelegenen Orte Lans als Kellnerin bedienstet war, erkannt wurde. Das Mädchen war am Freitag Abend gegen 7 Uhr von Ambras, wo man das Kirchenfest gefeiert Hane, nach ihrem Dienstort zurückge­kehrt und fiel unterwegs dem bisher noch nicht erukten Mörder in die Hände. Es mußte einen harten Kampf ge­geben haben,- das Mädchen hielt noch einen Büschel Kopf­haare krampfhaft in der Faust, während von ihr Haare unweit des Thatortes gefunden wurden. Das Opfer hatte vier Stiche iw Halse. Tragkörbchen und ein Sparkassenbuch (sie hatie erst am Freitag Mittag in Innsbruck eine Einlage gemacht) fehlten. Heute früh machte man unweit der Am­braser Schloßwauer einen anderen grausigen Fund - in einem Graben lag die gräßlich verstümmelte Leiche einer etwas über 30 Jahre alten Frauensperson- die Kleider waren herabgerisien und der Unterleib bis zur Brust ausgeschnitten. Bisher konnte man die Identität der Unglücklichen, deren Leiche ebenfd wie die erste Leiche in das hiesige pathologische Institut gebracht wurde, noch nicht feststellen. Den Thäter hat man noch nicht, doch glaubt die Behörde, eine ziemlich genaue Beschreibung desselben zuHbesitzen. Heute habenkzwei Bataillone Kaiserjäger, die Gendarmen von Innsbruck, Willen und Jgiß, sowie die Bauern der Mittelgebirgsdörfer die Gegend durchstreift, - leider ohne Erfolg. Die Wuth der Bauern ist ungeheuer. Der Mörder würde, wenn er in ihre Hände gekommen wäre, gelyncht worden sein. Die weib­lichen Bewohner des Mittelgebirges anderseits sind in großer Angst- sie getrauen sich kaum mehr, die Milch in die Stadt herabzubringen. Man vermulhet übrigens bezüglich der beiden Morde, daß der letzterwähnte zuerst vollbracht wurde, daß das Ambraser Mädchen dazu kam und von dem Mörder, damit auch die Zeugin aus dem Wege geräumt würde, nachher getödtet wurde.

* DaS deutsche Eisenbahnnetz umfaßt 43,424 Kilometer. Trotzdem ergibt die statistische Berechnung auf 100 Millionen Personen Kilometer noch keine Tödtung, sondern erst eine Verletzung. Auf eine Million Reisende treffen 0,06 Tödtungen und etwa 0,5 Verletzungen. Die Wahrscheinlichkeit der Tödtung während der Eisenbahnfahrt beträgt ungefähr 1: 17,000,000. Für England wurde berechnet, daß jährlich weit mehr Selbstmorde durch Melancholie vorkommen als Tödtungen bei Eisenbahnkatastrophen.'

* Freundschaft.Aber, Laura, warum hockst Du denn den ganzen Tag im Zimmer? Geh hinab in den Garten. . . . Hast Du denn gar keine Freundin?" Laura:O ja, eine . . . aber die kann ich nicht leiden!"

Schiffsnachrichten.

Der PostdampferSwitzerland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 24. September wohlbehalten in Philadelphia angekommen.

Der PostdampferNoordland" derRed Star Line" in Ant, werpen ist laut Telegramm am 25. Septvr. wohlbehalten in New- york angekommen.

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Gehirnschlagfluß Darmcatarrh Sonstige benannte

Krankheiten_______

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Gittgesandt.

b. Gieße«, 26. September 1894.

Den Passanten des so gut angelegten WegeS von der Fulda'schen Besitzung nach dem Philosophenwald bietet sich von der Brücke bis iu dem Wege nach der Leib'schen Wirthschaft ein Anblick, welcher jeder Beschreibung spottet.

An dieser Stelle sind die städtischm Wiesen gedüngt worden, durch die Räder der Wagen aber der Weg so zerfahren und die Einfassung auf beiden Sellen meistens auseinandergedrückt wirken, so daß derselbe kaum zu vasstren ist.

Man hat die Strecke vor zwei Jahren zur Freude eines Jeden mit nicht unbedeutenden Kosten schön Herstellen lassen, und jetzt wird er zu nasser Jahreszeit, in welcher man nicht daran denken sollte, Düngungen zu veranstalten, in einen Morast umgewandelt, welcher wieder nicht wenig Geldaufwand zur Herstellung erfordern dürfte.

Hoffenllich genügen diese Zeilen, die städtische Verwaltung als­bald zu veranlassen, sich die Verwüstung zu betrachten, und die Wiesendüngung zu einer trockneren oder kalten Jahreszeit besorgen zu lassen.

Dieser Weg dürfte überhaupt von keinem Fuhrwerke befahren werden und sollte man nicht nöthtg haben, darauf an öffentlicher Stelle Hinweisen zu müssen.

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Summa: 8 (2) 3 3 2 (2)

Anm. Die in Klammern geschten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

rttrchUcheAnzeigen ver evang. Gemeinde.

An der Johanneskirche.

Am nächsten Sonntag, 30. September, wird im Anschluß an den Gottesdienst um 97t Uhr Beichte und heil Abendmahl für die Lukasgemeinde gefeiert werden. Anmeldung am Tage vorher in der Pfarrwohnung. Pfarrer Dingeldey.

Neigung zu Regen.

lemerlnng: Dir punttirte Linie bei der Barometerscala gibt ben Stand des vorhergehenden laßet an.

-n Gießen, 26. September.

Wie uns mitgetheilt wird, feiert der Veteranen - Berei« in Gemeinschaft mit dem Marine-Verein am Samstag, 29. September, in der Restauration Jaskowsky die Uebergabe der ihm zur Er­innerung an den Einzug Ihrer König!. Hoheiten deS GroßherzogS Ernst Ludwig und der Großherzogin Victoria Melita in Darmstadt am 20. April 1894 gestifteten Fahnenbänder.

Wöchentliche Üederstcht der Todesfälle iu Meße«.

38. Woche. Vom 16 September bis 22. September 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 18,82°/« bezw. 14,11 nach AuSfchl. der Ortsfremden.

Kinder

am 26. September Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage)

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Eine kleine Wohnung im Hause Sonnenstraße Nr. 26 ist alsbald zu vermiethen. Näheres über Bedin­gungen ist auf der Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 15, zu erfragen.

Gießen, den 24. September 1894.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

I. V..

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ru berücksichtigenden Forderungen Hgten Güterabfertigungen. 7920 JL 3943.24, während sich die Masse > Gießen, den 24. September 1894.

auf JL 1099.73 berechnet. Auf die «rotzb. Direetion der

nicht bevorrechtigten Forderungen ent-1 Oberhesstsche« Eisenbahnen.

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Gießen, den 27. September 1894.

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