Ausgabe 
27.5.1894 Zweites Blatt
 
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Nr. 12t Zweites Blatt. Sonntag den 27. Mai

1894

Der Hieljener Anzeiger erschnnl täglich, mit Ausnahme des Montag«

Die (Sießener AamikienölLller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

Kenerak-Anzeiger.

Vlertegähriger Kßoaneweutsprcisr 2 Mark 90 Plg »it Bringerlohn. Durch bie Poft bezöge» 2 Mark 60 Pig.

Äebection, SxpebiN«« unb Druckerei:

-Lutklratze Wr.T, Fernsprecher 51.

Amts- uttb 2litjet$cWaH für den Tiveis <6iefzen.

chratisöeisage: Gießener Kamilienbtätter

Annahme von.Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlichem LKeil.

Bekanntmachung,

betreffend das Ober-Ersatzgeschäft für 1894.

Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1894 wird im Kreise «ietzen

Areitag den 8. Juni im Rathhause zu Lich, Vor­

mittags 8 Uhr,

Samstag den 9. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Montag den 11. Juni in dem Schulhause in der Schul- ftraßc zu Gießen, Vormittags 8 Uhr,

Dienstag den 12. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Mittwoch den 13. Juni da selb st, Vormittags 8 Uhr, Donnerstag den 14. Juni im Gastha«Zum Rappen"

zu Grünberg, Vormittags 8 Uhr, stattfinden. .

Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Grobherzog­lichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Jnfanterie- Bngadc in sammtlichen Aushebungsorten zu ge- stellen:

a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflich­tigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht;

b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Mili- tärpflichtigen;

c. die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Mili­tärpflichtigen ;

d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und ein­stellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließ­lich derjenigen aus früheren Jahrgängen-

e. die von den Truppentheilen zur Disposition der Er- fatz'Behörden entlaßenen Soldaten,

f. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen.

Den Grobherzoglichen Bürgermeistereien werden beson- dere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unvcrzüalich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzetgen. Die Mi­litärpflichtigen sind anßerdem anzuweisen, ihre Loosnugsschetne mit zur Stelle zu bringen.

Die zur Beurtheilung von Ncclamationcn in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen.

Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weg- gezogen ist, zugleich auzugeben, wohin derselbe verzogen ist.

Die Grobherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- Ersatz-Geschäfte bis zum Schluß des gelammten Geschäfts selbst anwesend zu sein, um bei der Untersuchung von Feld­dienstuntauglichen sowie Invaliden ev. Auskunft geben zu können, auch haben sich dieselben darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind.

Gießen, am 20. Mai 1894.

Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commisiwn des Kreises Gießen.

Dr. Melior.

vermischter

Wie dieReue Zür. Ztg." meldet, befindet sich ein deutscher Reiteroffizier auf einem schneidigen Daoerritt nach I Rom. Lieutenant Müller vom 7. preußischen Ulanen« Regiment hat es unternommen, von Hagenau aus durch die Schweiz nach Rom zu reiten. In 2l/2 Tagen erreichte er Bern, 266 Kilometer, wobei er den Weißenstein bei Solo­thurn auf einem Holzschliff überschritt. Von hier ging eS nach Thun und dann über die tief verschneite Grimsel nach Obergestelen, wo der kühne Reiter am 16. Mai Abends wohlbehalten eintraf. Nach einer von dort eingetroffenen ! Depesche dauerte der Ritt Über den 2200 Meter hohen Paß : 30 Stunden. Der Schnee lag über 2 Meter tief. An einer I Stelle stürzte das Pferd 11 Meter tief den Hang hinunter und mußte durch 22 Mann unter der Leitung des wackeren Grimselwirthes Perrot Bos an Seilen heraufgezogen werden, wobei es sich glücklicher Weise nur leichte Hautabschürfungen zuzog. Am 17. Mai gedachte Lieutenant Müller über den Simpion zu reiten, um über Domo Doffola, Alessandria und Genua Rom zu erreichen. Er will den Jura, zweimal die Hochalpen und den Appenin im Zeitraum von acht bis neun Tagen überschreiten und den Beweis erbringen, daß Hochalpen und Schnee keine unüberwindlichen Hinderniffe bieten.

Centralstelle für Obstverwerthung in Frankfurt a. M. Wie nicht anders zu erwarten war, sind der Centralstelle schon erhebliche Angebote in früh zur Reise kommenden Obst­sorten zugegangen und auch Nachfragen liegen in erfreulicher

Zahl vor. Angeboten sind z. B. Erdbeeren (Garten- unb Walderdbeeren) ca. 23 000 Kg., Johannisbeeren (schwarze, weiße und rothe) ca. 22 000 Kg., Stachelbeeren ca. 13 000 Kg., Heidelbeeren täglich 100 Ctr., Himbeeren ca. 20 000 R|., Kirschen 7000 Kg., Aprikosen 7500 Kg., Pfirsiche 2100 Kg., außerdem größere Mengen Mirabellen, Reineclauden, Psiaumen. Ein Fehler ist es immer noch, daß das verkäufliche oder ge­wünschte Quantum nicht in Zahlen angegeben, sondern häufig vongrößeren Posten",jeder Menge" u. s. w. gesprochen wird. Das erschwert aber die Vermittelung und eS werden daher alle Interessenten ersucht, die Menge wenigstens an­nähernd anzugeben, eine genaue Bestimmung ist ja nicht immer möglich, aber ungefähr weiß der Producent doch, welchen Ertrag er zu erwarten hat und der Consument, wie viel er von dieser oder jener Obstsorte braucht. Da das jetzt zur Reise kommende Beerenobst längeres Lagern nicht verträgt, so werden die Consumenten gut thun, wenn sie der Centralstelle raschesten- ihren Bedarf mittheilen. ES set nochmals auf die unentgeltliche Vermittelung hingewiesev, sowie darauf, daß, einmal wegen der zu führenden Statistik, bann um die Bekanntgabe von Adressen einstellen zu können, wenn der Vorrath erschöpft ober der Bedarf gedeckt ift, aUe Abschlüffe sofort dem (Sonnte unter der AdresseCentralstclle für Obstverwerthung in Frankfurt a. M., Gneisenau- straße 15", mitzutheilen sind.

* Hochzeit auf hoher See hat am Sam-tag früh der Capitän Kröncke van dem im Hamburger Hafen liegenden norwegischen SchiffHelioS" gefeiert. Der Schleppdampfer Terfchelling" fuhr in der Nacht zum SamStag mit dem Brautpaar, dem Pfarrer Englund auS Norwegen, zwei Braut­jungfern und den übrigen Trauzeugen elbabwärtS und begab sich weiter hinaus in die offene See. In der Nähe von Helgoland machte der Dampfer Halt und der Act der Trauung ging vor sich. Nach seiner Beendigung wurde die Rückfahrt angetreten. In Cuxhaven stieg die Hochzeitsgesellschaft an* Land und nahm ein Frühstück ein. Hieraus wurde die Weiterreise nach Hamburg mit dem Vormittagszug ange­treten.

Eine Reise um die Welt in 69 Tagen. Jüngsthin ist eS einem Engländer, Griffith, gelungen, die Reise um die Welt, für welche bisher stets 79 Tage berechnet wurden, innerhalb 69'/, Tag zu machen. Dieselbe wurde unter eng­lischer und deutscher Flagge zurückgelegt, wobei von 24 000 Meilen 15 000 auf die deutschen Lloyddampser Sachsen, Nürnberg und Trave kommen.

Feuilleton.

Wochendriese sus der Residenz.

(Originalbericht für denGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt, 25. Mai.

in Sportsfest. Concerte. Born Mufikfest. Sommeranfenthalt deS Großherzvgs.

Mit einem großen Frühjahrsrennen hat der Darmstädter Bicycleclub am vergangenen Sonntag die Reihe der für diesen Sommer geplanten sportlichen Veranstaltungen eröffnet und damit wiederum einen neuen Beweis feiner Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit erbracht. Im Laufe des TageS trafen von nah und fern, vor Allem natürlich auS den Nachbarstädten darunter auch Gießen Abordnungen und ganze Vereine, die alle der Radfahrkunst huldigen, ein, um an den inter- effanten Wettkämpfen theilzunehmen. Nachmittags fand dann ein festlicher Corso durch einige Straßen der Residenz statt, dann ging eS hinaus zur großen Club-Rennbahn am Carls- Hofe, die, nachdem sie während der Wintermonate dem Eis­sport gedient, nun wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zurückgegeden werden sollte. Die Darmstädter sind längst große Sportsfreunde geworden, jedes Rennen, mag es nun vom Reiterverein oder von einer Radfahrergesellschaft ver­anstaltet werden, findet schon seit Jahren außergewöhnlich starken Besuch. So waren denn auch am Sonntag bie Tribünen dicht gefüllt und selbst als die Anfangs günstige Witterung umschlug und Jupiter phivius alle Schleusen öffnete undunendlichen" Regen herabgoß, hielten die sports­begeisterten Zuschauer tapfer aus und wichen nicht vom Platze, ja die gute Laune de* Publikums schien durch den Regen erst recht angeregt und ausgefrischt zu werden, lieber die Sports- kämpfe selbst Haden inzwischen sämmtliche Darmstädter und Frankfurter Zeitungen ausführlich berichtet, sodaß ein näheres Eingehen auf dieselben an dieser Stelle nicht geboten erscheint. Selbstverständlich erregten die Bravourleistungen des Herrn Opel von RüffelSheim, der mehrfach spielend siegte und auch

den Titel eines Meisterfahrers auf dem Niederrad sÜr Heffen mit Leichtigkeit errang, große Begeisterung bei den aufmerk­samen Zuschauern. Am Abend fand in derStadt Pfungstadt", dem Standquartier des BicycleclubS, die PreiSvertheilung statt und dieser schloß sich noch eine gesellige Nachfeier an, die erst am frühen Morgen endete. Der Club kann mit großer Befriedigung auf fein gelungenes Frühjahrsrennen zurückblicken, er hat hier und bei seinen auswärtigen Gästen von Neuem viel Beifall unb große Anerkennung geerntet.

AuS dem Kunstleben der letzten Woche gibts nicht mehr viel zu berichten, da die Theatersaison, die zum Schluffe eine Aufführung von RaimundsVerschwender" brachte, nunmehr vorüber ist. Doch dürfen wir immerhin zweier interessanter Concertabende nicht vergeffen, die am SamStag und Montag stattsanden. Der von Herrn Hofcapellmeister de Haan in Gemeinschaft mit mehreren ersten Künstlern unserer Hofmusik veranstaltete Kammermufikabend am SamStag brachte ein gewähltes künstlerisches Programm unb fanb ver­diente Anerkennung.

Am Montag hielt berRicharb Wagner-Zweig- verein" eine Vorfeier beS Geburtstages beS großen Bayreuther Meisters. DaS Programm war geschmackvoll zusammengestellt unb ba auch bebeutenbe solistrsche Kräfte mitwirkten, so verlief ber Abenb sehr intereffant. Zur Er- Öffnung trug Frl. Ethel vom Großherzoglichen Hostheater einen schwungvollen Prolog vor, bann spielten Frau Lili WolsSkehl und Herr Musikbirector Mendelssohn beides geschätzte Pianovirtuosen Richard WagnersHuldi­gungsmarsch." Hierauf folgte der Vortrag eines Vereins« Mitgliedes überRichard Wagners FreundschaftSverhältniß zu Franz Liszt." In eigenartiger, überaus interessanter Weise erläuterte der Vortragende die Beziehungen, die zwischen den beiden congenialen Geistern bestanden und betonte besonder-, welchen Einfluß LiSzt auf Richard Wagner* productive- Schaffen auSgeübt habe. Außer Klavierstücken wurden dann noch Lieder vorgetragen. Frau Sora vom Hoftheater in Sondershausen und Frl. M e y e r w i s ch, eine Schülerin des Frankfurter GesangSmeifterS Stockhausen, ernteten für ihren

Gesang wohlverdienten Beifall. Das Concert hatte ein äußerst zahlreiches und biftinguirteS Publikum im Saal zur Traube" versammelt. Für den Wagnerverein bildete eS den würdigen Abschluß der künstlerischen Thätigkeit während des terfloffenen Winter*. Nun werden freilich auch die Concertsäle eine Weile geschlossen bleiben und statt der wandernden musikalischen Virtuosen mit berühmten Namen werden Meister Hilge und seine Collegen mit ihren wackeren Schaaren tüchtiger Militärmusiker dem Darmstädter Publikum im Saalbau unb in ähnlichen Dergnügungslocalen musikalische Genüsse zu bieten haben. Freilich im Juli wirb bas M i 11 el - rheinische Musikfest nochmals alle Kunstfreunbe unserer Stadt und hoffentlich auch recht viele von auswärts anlocken. Nach dem schon früher mitgetheilten Programm unb den gleichfalls schon bekannt gegebenen Namen ber mitwirkendeo Solisten zu urteilen, bürfen wir wahrhaft großartige künst­lerische Festtage erwarten. Den Concerten sollen sich natürlich auch allerlei gesellige Veranstaltungen anschließen. Vor Alle« benkt man baran, wieder ein großes Volksfest zu arrangtren, da bie gleiche Veranstaltung nun schon so oft ben größte« Beifall aller Besucher gefunden hat. DaS Festcomite ist eifrig bei der Arbeit unb bie Sängerschar nicht minber. Der musikalische Leiter beS Ganzen, Herr Hofcapellmeister b e H aau, ber wie im letzten Briefe gemelbet würbe, bie Absicht hegte, nach bem Mufikfest Darmstadt zu verlassen, hat sich nun doch zur aufrichtigen Freude seiner zahlreichen Verehrer bewege« laffen, diesen Plan aufzugeben, er wird unserem Kunstleben auch fernerhin in seiner alten Stellung erhalten bleiben.

Unserem Wochenberichte bliebe noch anzufügen, daß unser lungeS Herrscherpaar, der G r o ß her z o g und seine junge Gemahlin, Darmstadt demnächst für kurze Zeit verlaffen werden, um zu kurzem Aufenthalt nach Auerbach a. d. Berg» straße überzusiedeln, um dort im Fürstenlager, dem pracht­vollen Somrnerfitz deS Großherzoglichen Hauses, Wohnung zu nehmen. Dann soll, wie behauptet wird, die Residenz für wenig Wochen nach Mainz verlegt werden.