Ausland.
Paris, 24. Januar. Gegenüber auswärts verbreiteten Nachrichten erklärt eine den Journalen zugegangene halb' amtliche Note, daß die Verhandlungen wegen des Wein- zolles zwischen Oesterreich und Frankreich noch fortdauern.
Deutscher Reichstag.
35. Sitzung. Donnerstag den 25. Januar 1894.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Abzahlungsgeschäfte.
Abg. v. Buchka (cons.) erklärte sich mit den wesentlichen Bestimmungen des Entwurfes einverstanden und bemängelte nur, daß die eingetragenen Kaufleute dem Gesetze nicht unterworfen werden sollen. Er empfiehlt Erledigung der Vorlage ohne vorherige Ueber- weiiung an eine Commtsfion, da der Entwurf schon früher das HauS beschäftigt hat.
Abg. Spahn (Ctr.) ist damit einverstanden, obgleich seine politischen Freunde wettergehende Wünsche haben und insbesondere den Haustrbandel beschränkt wissen wollen. Sollte die Vorlage doch noch einer Commission überwiesen werden, so würde er sich bezügliche Anträge vorbehalten.
Abg. Lenzmann (frs Volksp.) stimmt dem Anträge im Allgemeinen gleichfalls zu; da in diesem Jahrhundert auf das Zustandekommen des Retchscivilgesetzbuchs doch nicht mehr zu rechnen sei, empfehle es sich, hier selbstständig vorzugehen. Andererseits dürfe man auch in der Beschränkung der Abzahlungsgeschäfte nicht zu wett gehen, da die Notbwendigkeit dieses Geschäftsbetriebes außer Zweifel sei. Bezüglich der Regelung der Entschädigungsftage behält sich Redner einen Abänderungsantrag zur zweiten Lesung vor.
Abg. Dr. Enneccerus (natl.) erklärt, daß seineFreunde'zwar im Wesentlichen mit dem Entwürfe einverstanden seien und eine sorg- iame Prüfung befleißen in einer Commission für geboten erachteten. Vielleicht hätte man die Verwtrkungsclaufel nicht ganz zu beseitigen brauchen, sondern auf einen Procentsatz des Restes der Kaufsumme beschränken können. Das Verbot des S 7 möchten seine Freunde schlechthin auf alle Werthpaptere ausgedehnt wissm.
Abg. Werner (Ref.-Partei) begrüßt die Vorlage mit Genug- thuung. Die von seinen Freunden gewünschten Aenderungen erforderten keine Commissionsverwetsung. Zu den Abzahlungsgeschäften mütztm auch die Viehleihgeschäfte gerechnet werden, durch welche jetzt die Bauern ruinirt mürben. Die Höhe ber Entschädigung sollte anstatt durch Richter durch Commissionen von Sachverständigen festgesetzt werden.
Abg. Auer erklärt, daß die Socialdemokraten ausnahmsweise auch mal in der Lage seien, für eine Regierungsvorlage zu stimmen. Gegen unreelle Concurrenz müßten die Kletngewerbtretbenden geschützt werden. Gegen den Ausschluß aller Werthpapiere vom Vertrieb der Abzahlungsgeschäfte habe er nichts einzuwenden. Angesichts der vielfachen Betrügereien könnte auch die Strafe für Ueberttetung eines solchen Verbots noch erhöht werden. Erwünscht wäre eine Bestimmung, wonach bei Versicherungsgesellschaften die Police nicht schon bei Nichtzahlung einer einzigen Prämie für ungültig erklärt werden kann.
Die zweite Lesung des Entwurfs findet demnächst ohne vorherige commifsarische Vorberathung im Plenum statt.
Es folgt erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. den Schutz von Waarenbezeichnungen.
Abg. Roeren (Ctr.) billigt den Entwurf im Allgemeinen und bat nur Bedenken gegen gewisse Bestimmungen darüber, was zu geschehen habe, wenn ein angemeldetes Waarenzeichen bereits früher, auf Antrag von anderer Seite, eingetragen sei.
Abg. Dr. Hammacher (natl.) findet den Grund dafür, weshalb wir bisher nicht genügenden Schutz gegen concurrence döloyale hatten, weniger in unserer Gesetzgebung als in der Anwendung der- telben. Bei Concurrenz eines ein Waarenzeichen Anmeldenden mit einem, der die Eintragung bereits bewirkt hat, solle nicht das ordentliche Gericht, sondern das Patentamt entscheiden.
Staatssecretär Nieberding erwidert, daß sich die Richter allerdings erst in das Gebiet des Patent-, Marken- und Musterschutzes einleben mußten; jetzt sei Unsere Rechtsprechung auf diesem Gebiete jedenfalls ebenso gut, als in anderen Ländern. Die Entscheidung in den betr. Fragen dem Patentamt zu übertragen, biete besondere Schwierigkeiten.
Abg. Schmidt-Elberfeld (frs. Volksp.) wünscht insbesondere Bekämpfung der concurrence deloyale, die uns vom Auslande, besonders von England,.gemacht werde.
Die Vorlage wird einer besonderen Commission überwiesen.
Morgen: Handelsprovisorium mit Spanien, Jnoalidengesetz- «ovelle ic.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz- Bureau.
Berlin, 25. Januar. Der Bundesrath stimmte der Verlängerung des Handelsprovisoriums zwischen dem Reich und Spanien bis 31. März 1894 zu, ebenso dem Anträge der Ausschüsse über die Veranlagung der Branntweinbrennereien für die Contingentsperiode 1893—1896; dem Anträge betreffend Bestimmungen über den Verkehr mit Sprengstoffen und dem Berichte über den Entwurf eines Gesetzes betreffend den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr.
Köln, 25. Januar. Wie die „Kölnische Zeitung" aus Berlin meldet, habe Fürst Bismarck den Kaiser gebeten, mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand bereits morgen Abend nach Friedrichsruh zurückkehren zu dürfen. Die Fahrt von dem Bahnhofe geht durch das Brandenburger Thor über die Linden nach dem Schloß, eine Schwadron Garde-Cürassiere begleitet den Wagen. Sofort nach der Ankunft findet ein Frühstück im engsten kaiserlichen Familienkreise statt. Man glaubt, der König von Sachsen werde nach dem Frühstück bei den Garde Ulanen den Fürsten begrüßen.
Berlin, 25. Januar. Die Stadtverordneten-Versamm- lung genehmigte sämmtliche zu den socialdemokratischen Noth- standsanträgen von der Commission gemachten Vorschläge, durch die, unter Ablehnung des achtstündigen Arbeitstages und Vermehrung der Arbeitskräfte für die Straßenreinigung , der Magistrat ersucht wird, die genehmigten Hoch- nnd Tiefbauten energisch in Angriff zu nehmen und ferner ermächtigt wird, event. den Armenverwaltungsetat und die Unterstützungssätze zu überschreiten.
Leipzig, 25. Januar. Eine zahlreich besuchte Versammlung von Arbeitslosen, die von Anarchisten einberufen war, führte zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Anarchisten und Socialdemokraten.
Rom, 25. Januar. Die „Riforma" erklärt das Gerücht, die Regierung beabsichtige den Zwangscurs wieder einzuführen, als vollständig erfunden.
Depeschen befi Bureau ,Herold".
Berlin, 25. Januar. Die Hotels sind von Fremden, welche sich den Einzug Bismarcks ansehen wollen, überfüllt.
Berlin, 25. Januar. Fürst Bismarck reist morgen Abend 7 Uhr 13 Min. nach Friedrichsruh zurück. Der Fürst sprach den dringenden Wunsch aus, seiner schwachen Gesundheit wegen seinen Besuch am kaiserlichen Hofe nur auf einen Tag zu beschränken.
Berlin, 25. Januar. Die vom Kaiser an^Fürst Bismarck gesandte Flasche Wein war Steinberger Cabinet 1842er Jahrgang, eine der werthvollsten Wetnmarken, welche der kaiserliche Weinkeller birgt.__
Berlin, 25. Januar. ^Der deutsch-freisinnige Arbeiterverein hat gestern eine große Protest Versammlung abgehalten und auf derselben eine Resolution angenommen, in welcher die Stadtverordneten - Versammlung dringend aufgefordert wird, beim Polizeipräsidium bezw. beim Minister des Innern vorstellig zu werden, um die Bestrafung der an den Exceffen vom 18. Januar schuldigen Schutzleute zu veranlassen, damit derartige Maßnahmen der Polizei sich nicht mehr ereigneten. Die Versammlung verlief äußerst tumultuarisch.
Wien, 25. Januar. In der Nähe der Börse fanden gestern Zusammenstöße zwischen der Polizei und Arbeitslosen statt. Vor einer Gummifabrik, welche in Folge des Ausstandes fremde Arbeiter angenommen, kam es zu Kundgebungen. Die Polizei zerstreute die 2000 Personen zählende Menge mit der blanken Waffe.
Berlin, 26. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." begrüßt den Besuch des Fürsten Bismarck, für dessen unvergleichlichen Verdienste der Monarch und die ganze Nation unverändert dankbar seien. Jeder gute Patriot blicke dankerfüllt zum Kaiser auf, der aus hochherziger Entschließung Deutschland einen solch freudigen Tag bereitet hat. Möge dieses Fest der Versöhnlichkeit weitere Früchte tragen für unser ganzes politisches Leben. Der Fürst wird am Bahnhofe vom Prinzen Heinrich empfangen, nimmt an der Frühstückstafel des Kaisers Theil und empfängt dann einige Besuche.
Hamburg, 26. Januar. Fürst Bismarck bestieg um 91/* Uhr den Salonwagen, vom Publikum stürmisch begrüßt. Sechs weißgekleidete Jungfrauen gingen dem Fürsten voraus^ und streuten Blumen. In Begleitung des Fürsten befinden sich Graf Herbert Bismarck, Dr. Schweninger und Chrysander. Die Abfahrt erfolgte um 9 Uhr 25 Min. unter brausenden Hochs.
Berlin, 26. Januar. Fürst Bismarck ist um ein Uhr am Lehrter Bahnhof eingetroffen. Von Spandau ab waren die Locomotive und zwei Wagen des Separatzuges bekränzt. Bei der Einfahrt erschien Fürst Bismarck am Fenster, von dem Prinzen Heinrich und den befohlenen offi- ciellen Personen empfangen und herzlich begrüßt. Fürst Bismarck sah gut und heiter aus. Vor dem Bahnhof hatten sich viele Tausende angesammelt. Beim Erscheinen Bismarcks, welcher mit dem Prinzen Heinrich fuhr, erschallten brausende Hoch- und Hurrahrufe. Bismarck war sichtlich ergriffen. Beim Vorbeisahren wurden überall Blumen geworfen. Die brausenden Rufe pflanzten sich auf dem ganzen Wege bis zum Schlosse fort. Das Wetter ist prachtvoll.
Sitzung bcr Stadtverordneten
am 25. Januar 1894.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Faber, Flett, Habenicht, Helfrich, Heß, Heyligenstaedt, Jughardt, Keller, Löber, Scheel, Dr. Schäfer, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.
Zufolge eines Gesuches der Frau Imme! um nachträgliche Genehmigung zur Anlage eines Abfuhrweges von der Sandgrube der Gesuchstellerin nach dem alten Rödgener Weg beschloß die Versammlung Genehmigung des Gesuches auf Widerruf unter den von der Baudeputation empfohlenen Bedingungen. Danach ist für Benutzung des über städtisches Eigenthum führenden Weges eine Pachtsumme von 10 Mk. pro Jahr im Voraus zu entrichten.
Eine Rechnung über einige für die Senckenberg- straße gelieferte Sinkkasten, deren Lieferung der Kürze der Zeit wegen nicht ausgeschrieben werden konnte, wird genehmigt.
Die Voranschläge über die noch auszuführenden Ausbauarbeiten der G o et h e - un d B l e i ch st ra ß e bis zur Stephan- straße, ersterer im Betrage von 200 Mk., letzterer im Betrage von 2700 Mk., werden genehmigt und deren Einstellung ins nächste Budget beschlossen. Die Stephanstraße ist bekanntlich von der Bismarckstraße bis zur Bleichstraße bereits aufgefüllt und hat man deßhalb in der Baudeputation es für der Bauthätigkeit in dem bezeichneten Stadttheil entsprechend gehalten, daß genannte Straßen vor ihrer vollständigen, in nächster Zeit zu erwartenden Bebauung ausgebaut werden.
Von gleichen Erwägungen wurde die Baudeputation geleitet bet Stellung ihres Antrages auf Ausbau der auf einer Seite nahezu vollständig bebauten Schott ft raße von der Nordanlage bis zur Steinstraße. Die hierfür genehmigten Kosten sind, einschließlich bereits geleisteter Arbeiten, auf rund 5000 Mk. veranschlagt.
Der generelle Voranschlag über den Ausbau der Molt ke- straße in Höhe von 13,400 Mk. wurde bereits früher gutgeheißen. Nach den nunmehr vorliegenden specielleu Plänen soll die Straße zunächst auf der Strecke von der Ostanlage bis zur Wieseck in ganzer Breite ausgebaut, chaussirt und
mit Goffenpflaster versehen werden. Die Weiterführung bis zur Grünbergerstraße wurde vorerst als Fußgängerpfad mit Fußgängerüberbrückvng der Wieseck gedacht und zwar soll die letztere so angelegt werden, daß der Verkehr bet späterem Bau einer Straßenbrücke nicht beeinträchtigt wird. Gas- und Wafferleitung sollen dagegen so gelegt werden, daß eine Verlegung bei weiterem Ausbau der Straße nicht nothwendig tolrb; Zu diesem Zwecke sollen Gas- und Wasserleitung aus einem Gerüste über die Wieseck geführt, auch der Lauf der Wieseck an bezeichneter Stelle etwas verändert werden. Der dem generellen entsprechende Special-Voranschlag wurde genehmigt.
Dem vor einigen Jahren gefaßten Beschlüsse zufolge, in sämmtlichen Straßen der Altstadt erhöhte Trottoirs anzulegen und hierfür alljährlich 13 000 Mk. (ein Zehntel der auf 130000 Mk. veranschlagten Gesammtkoften) aufzuwenden, fallen in diesem Jahre folgende Trottoiranlagen ausgeführt werden: Der dem Reiber'schen Hause in der Löwengaffe entlang führende, an den Seltersweg anschließende Theil, veranschlagt zu 175 Mk., die Lücke zwischen den Häusern von Hoffmann und Weißbäcker am Seltersweg, veranschlagt zu 340 Mk.; die Lücke am Kreuzplatz zwischen den Häusern von Brück und Gregori, und vom Kreuz bis zum Ventilbrunnen in der Mäusburg, veranschlagt zu 1360 Mk., der nordöstliche Theil des Neuenwegs bis zur Einmündung in die neuen Säue, veranschlagt zu 3600 Mk. (der südwestliche Theil des Trottoirs soll vorläufig gepflastert bleiben, da beabsichtigt ist, die Straße durch Niederlegung der Mauer an Schülers Garten zu verbreitern),- die Reftstrecke der Sonnenstraße, von der Schloß- gasse bis zum Kanzleiberg beiderseitig und vom Kattrein scheu bis zum Weidig'schen Hause, veranschlagt zu 2400 Mk. - der Asterweg vom Wallrhor bis zur Schillerstraße, veranschlagt zu 4400 Mk. Der Gesammtaufwand für die genannte« Strecken beläuft sich auf 12 275 Mk., die vorgesehene« 13 000 Mk. würden voll werden, wenn die ursprünglich vorgesehene Strecke am Kirchenplatz, vom Lindenplatz bis zur Bach, nicht abgesetzt worden wäre. Fraglicher Theil soll erhöhte Trottoirs erhalten, sobald über die ins Auge gefaßte, in Verbindung mit einer Renovation der Kirche vorzunehmende Umgestaltung des Kirchenplatzes entschieden ist.
Betr. der Herstellung von Straßenpflaster wurde genehmigt, daß das Straßenkreuz zwischen Moltke-, Senckenberg-, Wiesenstraße und Ostanlage ganz gepflastert wird und zwar nach Beendigung des Ausbaues der Moltkeftraße und der Legung von Gas- und Wafferleitung. Die Anlage gepflasterter Streifen an den Uebergängen hat sich als unzureichend erwiesen. In dem Voranschläge von 3000 Mk. sind einbegriffen die Kosten für Versetzung des Ventilbrunnens und die Wiederherstellung der Anlagen und deren Anpaffung an die künftigen Straßenrichtungen. Gepslaftcrte, zwei Meter breite Ueber- gänge sollen angelegt werden: im Zuge der Steinstraße bei den Kreuzungen der Dammstraße, Schtllerstraße, Weser- ftraße, Ederstraße, Asterweg und Schottstraße, ebenso in den Zügen der genannten Straßen bei der Kreuzung der Steinstraße, ferner im Zuge der Nordanlage beim Einmünden der Wetzsteinstraße, Rodheimer Straße zum Eingang des Schlachthauses, am Eingang der Wolfstraße in die Licherstraße, a« Schiffenberger Weg, am Eingang zur Gartenstraße, an der oberhessischen Eisenbahn, an der Frankfurter Straße und, auf Antrag des Herrn Habenicht, int Zuge der Licherstraße über den Schiffenberger Weg.
Die bezüglich des Gesuches von Friedrich Schmidt um Concession zum Branntweinverkauf im Hause Schloß- gaffe 5 zu beantwortende Bedürfnißfrage wurde verneint.
Cscales mtb provinzielles.
Hießen, den 26. Januar 1894.
* * Se. Königliche Hoheit der Großherzog reiften heute, von Darmstadt kommend, zur Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Kaisers nach Berlin. Ankunft hier 1.25, Abfahrt 1.30 Nachmittags.
* * Theater - Verein. Wie unseren Lesern wohl noch erinnerlich sein wird, machten wir einige Tage vor der dritten TheaterauMhrung (12. Jan.) darauf aufmerksam, daß unL außer dem bevorstehenden Gastspiel der Kaffeler Hofbühne ein weiterer intereffanter Abend durch das Hoftheater in Darmstadt in Aussicht stände. Wir knüpften weiter hieran Bemerkungen und Voraussetzungen, die darin gipfelten,, daß drei musterhaft geleitete Kunftinstitute sich im Lustspiel vor uns messen werden und zu diesem künstlerischen Wettkampfe die Gießener Theaterfreunde als Preisrichter erwählt hätten. Frankfurt und Kassel haben wir Gehör geschenkt, jetzt tritt am 31. Januar Darmstadt in die Arena. Frankfurt wählte die Posse, Kassel den Schwank, denn auch den „Zerbrochenen Krug" können wir ohne Blasphemie hierzu rechnen, und Darmstadt wird uns das feine Lustspiel bringen. Wir brauchen wohl nicht zu bemerken, daß dem Vorstande des Theatervereins bei seiner Vereinbarung mit den bez. Intendanzen nichts ferner gelegen hat, als hiermit ein Ringen nach dem fogenannten „Besten" zu veranstalten/ eben so wenig wissen die aus der Ferne kommenden Künstlerschaaren, daß vor ober nach ihnen andere kommen, die zu Vergleichungen Veranlassung böten. Dieses künstlerisch bedeutsame Zusammentreffen, diese hochinteressante Steigerung in den gebotenen Bühnenstücken, verdanken wir wohl in erster Linie dem glücklichen Zuf al l, diesem unentbehrlichen Bundesgenossen aller Unternehmungen, auch der best geleiteten und, daß wir zu diesen auch den Theater-Verein zählen, haben wir oft genug gesagt. Unser Jnseratentheil hat ja gestern bereits dieWahlDarmftadts:Shakespeares„Die bezähmte Widerspenstige" mitgetheilt, Frankfurt und Kassel hatten ein fast ausverkauftes Haus, wir glauben bei unserem dem- nächstlgm Bericht über Darmstadt das Wörtchen „fast" fortkiffen zu können.
* * 2. Neues Theater. „Die Frau in Weiß", Schauspiel in 5 Acten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Selbst wenn der Titel des gestrigen Stückes nicht Auskunft darüber ge-


